Spinnt CoMa?

CoMa:

Am 25.3.14 übertrug der Deutschlandfunk in der Reihe “Sprechstunde” eine Folge zum Thema “Aggression – Vom Umgang mit dem sogenannten ‘Bösen’”. Da mich das interessierte, nahm ich mir extra Zeit, die Sendung anzuhören. Durch die Sendung führte Christian Floto; als Expertin im Studio war Frau Dr. Claudia Sies, Psychoanalytikerin und Fachärztin für Psychotherapeutische Medizin aus Neuss eingeladen.

An zwei Stellen brachte Frau Dr. Sies die Sprache auf Ritalin. Nennt mich naiv, aber ich war doch wieder sehr überrascht über ihre Expertenmeinung.

Ein Hörer hatte die Frage gestellt, wie Aggressionen eigentlich entstehen. Frau Dr. Sies antwortete darauf, dass heftige Aggressionen vor allem dann auftreten, wenn man von den Eltern nicht gelernt habe, wie man mit schwierigen, hässlichen Situationen umgehen könne. (Ist das eine Antwort auf die Frage?) Sie fuhr dann fort, dass es ihrer Ansicht nach eben das große Problem “mit Ritalin, mit diesen Pillen”, sei, dass es die Aggressivität einschläfere und die Kinder folglich auch nicht lernen könnten, ihre Aggressionen erfolgreich zu integrieren. Ihrer Ansicht seien es “heutzutage die allermeisten Fälle”, in denen Ritalin fälschlicherweise verordnet werde, obwohl das aggressive Verhalten der Kinder ganz anders angegangen werden müsse …

Hier weiterlesen im sehr lesenswerten BlogCoMa spinnt” unserer Kollegin Cordula Mannherz.

ADHS auf dem Lande

Um das Ländergleichgewicht der öffentlichen Anstalten zu wahren : Hier ein Audio-Beitrag aus Bayern zur Versorgungssituation von ADHS-Kids auf dem Lande.

Dort, wo noch genügend Natur und Bewegungsmöglichkeiten vorhanden sein sollten, gibt es dennoch ADHS. Aber die Wege zur Therapie bzw. überhaupt die Versorgung ist halt schwieriger.

Hier geht es zum Beitrag

Es kann nicht sein

In einem aktuellen Zeitungsbeitrag wird der Chef einer Psychiatrie in Qu. damit zitiert, dass die Häufigkeit von ADHS im Erwachsenenalter schon deshalb so nicht sein könnte, weil ja Generationen von Psychotherapeuten sie früher nicht erkannt hätte.

Eine bestechende Logik.

Wenn man also keine Ahnung hat bzw. sich in den letzten Jahren auch nicht mit Leitlinien bzw. Publikationen der DGPPN beschäftigt hat, so ist das dann die Rechtfertigung dafür, dass es ADHS in Qu. nicht gibt.

80 Prozent der Patienten, die in die ADHS-Ambulanz kommen würden, hätten andere psychiatrische Störungen oder Persönlichkeitsstörungen.

Das stimmt.

Sie haben eben AUCH andere Störungen.

Man muss aber schon bewusst an dem Problem vorbei schauen wollen, wenn man sich dann nicht um die Kernproblematik kümmert.

Was der kürzlich habilitierte und hoch dekorierte Experte aber verschweigt : ADHS kommt eben nicht allein und die weltweite Forschung hat nun genügend Belege dafür, dass die neurobiologische ADHS-Disposition eben zu zahlreichen mehr oder weniger atypischen psychiatrischen Diagnosen führt. Die dann meistens aber auch Fehldiagnosen sein können.

Vorrangig sind hier angebliche Bipolare Störungen (bzw. Zyklothymie) bzw. Borderline-Störungen zu nennen. Aber auch aus dem Spektrum von rezidivierenden depressiven Störungen gibt es nun in der alltäglichen psychiatrischen und psychosomatischen klinischen Praxis genügend Beispiele für unentdeckte ADHS-Problematiken.

Herr B. ist nun auch Experte für Zwangsstörungen. Gerade in diesem Bereich ist die Überlappung mit ADHS in 25 Prozent der Fälle publiziert. Atypisch verlaufende Zwangserkrankungen bzw. Symptomatiken sollten immer auf eine zugrundeliegende ADHS-Konstitution untersucht werden. Nur eben nicht, wenn man dem Dr. B. folgt.

Als Direktor einer Psychiatrie ist es insbesondere dann bei Suchtpatienten schon grob unqualifiziert, wenn man die Bedeutung von ADHS, Störungen mit oppositionellem Trotzverhalten bzw. Störungen des Sozialverhaltens nicht in die Routinediagnostik und Therapie miteinbezieht.

Ich erhalte tagtägliche Emails bzw. Schreiben von Eltern bzw. Patienten, die in Psychiatrien wie in Qu. betreut bzw. besser gesagt “allein gelassen werden”.

Weil es ja nicht sein kann, was wir nicht kennen.

 

ADHS Therapie-Analphabeten

Ich habe für mich festgestellt, dass ich mich so über den Daumen jetzt 15 Jahre mit dem Thema ADHS-Spektrum beschäftige. In dieser Zeit haben sich auch in der ADHS-Forschung Entwicklungen bzw. Veränderungen von Sichtweisen ergeben. Vermutlich noch lange kein Endpunkt, wohl aber Anlass für ein Zwischenfazit…

Ich habe neulich vom Kopfschmerz-Experten Prof. Göbel aus Kiel in Hinblick auf die Umsetzung von Erkenntnissen der Kopfschmerzbehandlung vom Begriff des therapeutischen Analphabetismus gehört.  Das ist auch auf die Situation von ADHS-Diagnostik und Behandlung zu übertragen.

Alle möglichen und unmöglichen Menschen verbreiten dabei ihre persönliche Auffassung zum Umgang mit dem Thema ADHS. Selten aber basierend auf persönlichen Erfahrungen und noch seltener wirklich in Übereinstimmung mit Therapieleitlinien oder den Empfehlungen der Selbsthilfeverbände. ADHS wird heute laut Konsensus-Statements als ein Spektrum verstanden. Also weniger eine kategoriale “entweder-oder”-Störung, sondern vielmehr eine Charakterisierung von einer bestimmten Persönlichkeit- und Entwicklungsvariante.

Genauso wie man bei Bluthochdruck oder zu niedrigem Blutdruck dann irgendwann von einer krankheitswertigen Problematik spricht, wird auch beim ADHS-Spektrum dann von einer Störung gesprochen, wenn sich hinsichtlich der neuropsychologischen Entwicklung so erhebliche Verzögerungen bzw. Besonderheiten ergeben, dass sich gegenüber neurotypischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ein Leidensdruck bzw. Benachteiligungen ergeben.

Es besteht in der Fachwelt Übereinstimmung darüber, dass auch 2014 noch zu wenig Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer ADHS-Disposition erkannt bzw. fachgerecht behandelt werden. Das bezieht sich dann auch auf den Anteil von Kindern (oder Erwachsenen), die leitliniengerecht im Sinne der mutlimodalen Therapie  behandelt werden.

Andererseits kann man den Eindruck bekommen, dass eben zahlreiche Patienten zwar irgendeine Form von “Behandlung” erhalten, aber diese sich in einem Nirwana von gerade in einer Abteilung neu eingeführten Wunderversprechunen, abwegigen Medikationsvorstellungen oder aber fehlender psychosozialer bzw psychotherapeutischer Behandlung bewegt.

Umso mehr muss man dann den aktiven und nimmermüden Kräften danken, die immer und immer wieder das Lesen und Schreiben in Sachen ADHS vermitteln. Gerade komme ich vom ADHS-Symposium vom ADHS-Deutschland zurück. Neben einigen “Experten” als Urgesteine (wie beispielsweise Dr. Skrodzki aus Forchheim oder Corrie Neuhaus aus Esslingen) muss man einfach allen gegenwärtigen und früheren Aktiven des Selbsthilfeverbandes ADHS-Deutschland mal DANKE sagen.  Auf der Mitgliederversammlung hat man auch irgendwo gut die frühere Geschichte des Verbandes (BVAH, AÜK, ADS eV) erleben können. Alles engagierte Streiter in Sachen Alphabetisierung in Sachen ADHS im Einsatz in Arztpraxen, Kindergärten oder Schulen, in Berufsförderungswerken, in der Politik und an tausend anderen Stellen.

ADHS im Kleinkindesalter Fragebogenstudie

FRAGEBOGENSTUDIE ADHS IM KLEINKINDALTER! TEILNEHMER GESUCHT!

Liebe Eltern, dieser Fragebogen richtet sich an Eltern mit Kindern im Alter ab dem 2. bis zum 5. vollendeten Lebensjahr. Diese Fragebogenstudie findet in Zusammenarbeit mit Cordula Neuhaus, im Rahmen einer Abschlussarbeit am Institut für Psychologie an der Fernuniversität Hagen statt, dient somit ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken und gewährleistet Ihnen Anonymität.

Sie untersucht die Aussagekraft und Qualität des sich in der Entwicklungsphase befindlichen Elternfragebogens zu Aufmerksamkeitsstörungen bei Kleinkindern (EFAK).
Die durch Ihre Teilnahme gewonnenen Ergebnisse ermöglichen es, bestimmte Verhaltensauffälligkeiten früh zu erkennen und entsprechende pädagogische und therapeutische Maßnahmen für betroffene Kinder zu entwickeln.

Die meisten Fragen lassen sich spontan und zügig durch Anklicken der entsprechenden Antwortalternative beantworten. Zur vollständigen Beantwortung des Fragebogens werden etwa 30 – 45 Minuten benötigt.

Weitere Informationen zu dieser Studie, sowie Kontaktinformationen, finden Sie auf der ersten Seite des Links zum Online-Fragebogen.