ADHS-Blog von Dr. Martin Winkler und Dipl.-Psych. Piero Rossi

Diät und ADHS

Als Arzt in einer Klinik für Essstörungen muss ich berufsbedingt gegen Diäten sein. Aber natürlich für eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Ganz wichtig im Zusammenhang mit ADHS und Verhaltensstörungen ist weniger das WAS, als vielmehr das WANN bzw. wie oft.

Es kommt also offenbar darauf an, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene regelmässig Frühstück und gemeinsame Mahlzeiten am Esstisch der Familie haben. Das schützt vor Verhaltensproblemen und sekundären Folgen der ADHS-Symptomatik.

Nun werden ja immer wieder von Quacksalbern irgendwelche Nahrungsergänzungsmittelchen angeboten, die angebliche Mangelzustände bei ADHS ausgleichen sollen. Totaler Quatsch.

Über Spurenelemente wie Selen, Zink bzw. auch Magnesium habe ich an dieser Stelle schon mal gepostet. Sie schaden nicht und können in der Tat bei einigen ADHSler unterstützend zur Medikation wirken. Aber ob man die nun wirklich ergänzend braucht? Ich weiss nicht … Wirklich verordnen würde ich persönlich sie nicht.

Hier findet man einen kanadischen Artikel, der sich mit den Diäten und speziell erneut Omega 3 und 6 Fischöl beschäftigt.
Da heute Samstag ist und damit Wochenmarkt, empfehle ich weiterhin, die Omegafettsäuren eher durch gesunde Ernährung zu sich zu nehmen und auch an ein oder zwei Fischtage pro Woche zu denken.

Mein Fazit bleibt bisher: Diäten führen nur dazu, dass die Kinder und Jugendliche sich wahrscheinlich essgestört entwickeln und fälschlicherweise einen Zusammenhang zwischen Essen und ihrer psychischen Verfassung herstellen. Der einfach so nicht realistisch ist. Aber gerade in der Pubertät achten Mädels (und nicht nur die) eben schnell auf eine entsprechende Verknüpfung von psychischem Befinden und Körper. Mit der Gefahr, dass sich dann entweder ein restriktives Essverhalten oder aber Essanfälle entwickeln.

Also Finger weg von allen Diätempfehlungen, die das Weglassen von irgendwelchen wichtigen Bestandteilen fordern. Gerade die sog. Feingold-Diät halte ich in dieser Hinsicht für gefährlich.

Ein ziemlich treffsicheres Zeichen für ein ADHS-Kind in der Familie ist es, dass sich Oma und Opa oder sonstige liebe Familienangehörige nicht gerade darum reissen, die lieben kleinen Nervensägen mal für ein Wochenende oder auch nur wenige Stunden am Abend zu sich zu nehmen.

Auch die Eltern von Schulfreunden und -freundinnen wenden sich treffsicher eher ab, wenn es um die Einladungen zu Kindergeburtstagen bzw. einer Übernachtung geht.

ADHS macht also ziemlich einsam bzw. die Mütter und Papas werden in aller Regel weit weniger von einem “funktionierenden” Familiensystem einer Grossfamilie unterstützt. Ausnahmen bestätigen hoffentlich diese Regel.

Wenn dazu noch Scheidungen oder Trennungen hinzukommen, kann die Betreuung eines ADHS-Kids (oder einer ganzen Truppe von ADHS-Chaoten) zu einem nervenzerreissendem Himmelfahrtskommando führen.

Ich denke, fast alle Eltern sind schon mal nach schlaflosen Nächten oder sonstigem Stress an die Grenzen ihrer Belastungsfähigkeit gekommen. Bei ADHSler muss man sich dies um ein vielfaches heftiger vorstellen.

So gerne man die Kids auch hat, manchmal bräuchten gerade die Mamas da auch mal Auszeit. Aber gerade hier versagt dann häufig das familiäre Unterstützernetz und auch die Mamas und Papas der Schulkameraden winken ab.

Es wird immer gerne behauptet, dass die ungünstigen Familienbedingungen ADHS-Symptome provozieren. Eine These, die durch keinerlei Studien belegt ist (ganz im Gegenteil, gerade gestern habe ich wieder in mehreren Studien gelesen, dass Umgebungsbedingungen eben allenfalls die sekundären Folgen bei aggressiven Verhaltensstörungen bei ADHS bedingen).

Aber gerade Kids mit ADHS und ihre Familien würden von spezielleren Ferien- und Wochenendangeboten profitieren. Wie beispielsweise Ferienfreizeiten.

Auch wäre es prima, wenn die Kids in Sportvereinen oder anderen Gruppen integriert wären, die eben gemeinsame Aktivitäten machen und damit der Vereinsamung entgegen wirken.

Wem es i.S. Gerechtigkeitssinn zu viel des Guten wird, kann hier ein Gegenmittel bestellen.

In gut einer Woche werde ich in Teil 3 die Umfrage kommentieren und näher auf das Thema eingehen.

Viele der mir bekannten ADHS-Betroffenen haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Selbst wenn einige wenige unter ihnen die Gerechtigkeit nur von anderen, nicht aber von sich selbst erwarten, handelt es sich meinen Erfahrungen nach um ein evidentes Persönlichkeitsmerkmal von Menschen mit einer ADHS. Irre ich mich? Wie sehen das andere, welche ADHS-Betroffene persönlich kennen? Die Umfrage läuft während einer Woche. Anschliessend erfolgt ein Kommentar meinerseits.
Infolge Mehrfachabstimmungen, welche nun nicht mehr möglich sind, muss die Abstimmung noch einmal neu gestartet werden.
Hier gehts zu Teil 2.

Kinder haben ein Recht darauf, in die Schule gehen zu dürfen.
Auch ADHS-Kinder sind Kinder.
Und auch ADHS-Kinder haben ein Recht auf begabungsadäquate Förderung.

Nun ja, zumindest solange sie nicht das Pech haben, in Ländern oder Regionen zu leben, wo dieses Recht so umgedeutet wird, dass die Schulpflicht zu einem Betteln der Eltern bzw. des Schülers auf Unterricht wird.

Nun kann ich auch Positionen verstehen, in denen sich eine Schule bzw. Lehrkräfte überfordert sehen, die Missstände unseres Gesundheits- und Sozialsystems in ihrer Klasse  auffangen zu müssen. Also quasi die Schule zu einer nicht vorhandenen Kinder- und Jugendpsychiatrie bzw. sozialpsychiatrische Förderung umfunktioniert werden müsste.

Nun haben wir zwischenzeitlich aber in einigen südlichen Bundesländern die Situation, dass  eine unheimliche Allianz von Jugendämtern, (analytischen) Kinderpsychiatern und Schule dazu führt, dass ADHS-Kinder mit auffälligem Störverhalten schlicht nicht mehr beschult werden. Hier ergeben sich dann häufig (kostenmässig sehr relevante) Einzelförderungen, bis hin zu Internaten wie eben der Hebo-Schule in Bonn (wo, merkwürdig genug, dann die unbeschulbaren Kids eben doch ihr Abi machen können …).

Egal, was es kostet und wie personalintensiv es ist: Auch diese Kinder müssen ein Recht auf Schule haben!

Ich persönlich fände es richtig, wenn man dagegen per persönlicher Haftung gegen die zuständigen Mitarbeiter des Jugend- und Schulamtes vorgehen könnte, d.h. hier eine persönliche “Haftung” für die Verletzung des Schulrechtes durchsetzen könnte.

Aus Kostengründen bzw. eigenen ideologischen Vorstellungen schliessen wir Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf von einer begabungsadäquaten Förderung aus. In einigen Jugendämtern ist schon der Begriff ADHS ein rotes Tuch. So werden Gutachten von Kinderpsychologen und -psychiatern von einem Jugendamtsmitarbeiter schlicht in Frage gestellt und/oder ein Wald- und Wiesensozialarbeiter entscheidet dann, ob eine krankheitsrelevante Einschränkung vorliegt. Da aber in einigen Bezirken inzwischen ADHS schlicht als Störung nicht akzeptiert wird und die zuständigen Kinderpsychologen und -psychiater dann als inkompetent dargestellt werden, wenn sie sich nicht analytischen Grundsätzen (= ADHS gibt es nicht) verschrieben haben, ist der Skandal vorprogrammiert.

Kinder werden (wie jetzt in der Fernsehsendung “Pillen für den Störenfried) schlicht nicht mehr beschult.

Wann beschäftigen sich mal Fernsehbeiträge und Talkshows mit der Tatsache, dass wir Kindern und Familien mit ADHS und komorbiden Störungen teilweise systematisch eine Ausbildung und eine entsprechende Förderung zur sozialen Integration vorenthalten? Und wann werden Jugendamtsmitarbeiter persönlich dafür in Haftung genommen, wenn ein Kind sein Recht auf Beschulung nicht mehr in Anspruch nehmen darf?

Ich fordere mal provokativ: Beugehaft für Jugendamtsmitarbeiter bzw. Schulverantwortliche solange, bis die Kinder wieder beschult werden.

Na ja, da werde ich schon schlafen. Ich hatte das Wochenende über Dienst und will mich nicht noch weiter aufregen. Heute läuft mal wieder eine Fernsehsendung mit dem verheissungsvollen Titel “Pillen für den Störenfried”. Laut FAZ-Online soll der Tenor zwar eindeutig sein, die Redakteurin aber sonst einigermaßen gut. Na ja …

Meine Vermutung ist ja, dass es quasi eine Berufsvoraussetzung für Journalisten ist, ADHS-Züge zu haben. Die “Abwehr” ADHS als eine Krankheit zu akzeptieren bzw. Methylphenidat im Rahmen einer multimodalen Therapie objektiv darzustellen erklärt sich dann auch u.a. dadurch, dass sie dann ja selber mal eine Diagnostik oder Therapie aufsuchen müssten. Würde vielleicht bei dem ein oder anderen Journalisten helfen, dass endlich mal bessere Beiträge in der Glotze laufen würden.

Kurzes Abstract zum Thema ADHS und Epilepsie

In einer Studie aus Israel (mit erstaunlich hoher ADHS-Häufigkeit von über 12 Prozent in Israel) wurden bei über 25 Prozent der Kinder mit Epilepsie auch eine ADHS diagnostiziert. Dieser Wert wurde auch schon in anderen Studien nachgewiesen und wäre dann wohl doch ein sehr starker Hinweis darauf, dass man hier bei Epileptikern systematisch auf ADHS hin screenen sollte.

Umgekehrt weisen ADHSler ein statistisch zwei mal höheres Risiko für Epilepsie auf (gegenüber Stinos).

Auf jeden Fall interessant.

Ich gebe zu: Als Kind war ich mehr oder weniger Lego-süchtig. Im positiven Sinne.

Meine Kids spielen und bauen zwar auch gerne mit Legosteinen, aber meine damalige Faszination für die bunten Steinchen hat sie (noch?) nicht erfasst.

Nun bin ich auf einen englischsprachigen Artikel gestossen, der das Bauen mit Legosteinen unter dem Blickwinkel ADHS bzw. Therapienutzen beleuchtet … Natürlich soll es nicht darum gehen, eine “Legotherapie” zu postulieren und andere Methoden dafür in Frage zu stellen.

Spielen ist überhaupt eine aber sehr wirksame Therapiemethode, wenn es um Vorstellungsvermögen, Zielerreichen und eben Konstruktion geht.

Ich konnte in dieser Hinsicht sehr ausdauernd ein Ziel verfolgen, musste aber eben auch mit Frustration umgehen, wenn eines meiner “Bauwerke” meinen Vorstellungen von Statik nicht gehorchen wollte.

An Vorlagen habe ich mich eigentlich nie gehalten (weshalb ich heutige Lego-Starwars-Baukästen eher mit Abscheu verachte, aber meine Kids lieben die…). Aber ich hatte halt ein Bild als Ziel im Kopf. Und ich habe u.a. darüber gelernt, Ziele zu verfolgen.

Häufig haben wir Kids in der Nachbarschaft stunden- bis tagelang über einem riesigen Kasten von Legosteinen verbracht und ganze Strassen und Städte gebaut. Und wieder eingerissen…

Na ja. Eigentlich wollte ich nur schreiben: Kreatives Spielen kann manchmal wirksamer sein, als unkreative Therapie beim Psychologen.

Immer wieder muss ich in diesem Blog darauf aufmerksam machen, dass die Realität der Versorgung von ADHS-Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen weit von der von unseren Gesundheitspolitikern bzw. (noch schlimmer) Funktionären vorgegebenen Fantasie (schreibt man das jetzt so?) entfernt ist.

ADHS-Therapie muss man sich nicht nur als Familie bzw. Betroffene (finanziell) leisten können.

Auch für Ärzte bzw. häufig auch Psychotherapeuten ist und bleibt die Diagnostik und Behandlung ein Zuschussgeschäft.

So wie bei dieser hessischen Kollegin aus dem Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Mir erschliesst sich zwar nicht zwingend, warum sie entgegen der Leitlinienempfehlungen 40 h Ergotherapie für richtig hält. Aber egal. Im Grundsatz geht es hier um Regressforderungen für die Verordnung von Medikation nach sorgfältiger Indikationsprüfung und eben auch “Begleittherapie”.

Natürlich kann ich diesen Einzelfall nicht beurteilen. Aber im Prinzip geht es um die Vergleichbarkeit des Verordnungsverhaltens bei Ärzten der gleichen Berufsgruppe. Hier also Kinder- und Jugendpsychiater. Wenn die Kolleginnen und Kollegen Kinderpsychiater in dem Bezirk eben keine ADHS-Schwerpunkte anbieten, sondern sich beispielsweise auf analytische Psychotheapie konzentrieren oder aber eher einen kinderneurologischen Schwerpunkt für Epilepsie haben, so werden sie weniger oder keine Stimulantienrezepte ausstellen. Die Kollegin soll jetzt dafür Regress zahlen, dass sie eben MEHR Stimulantien verordnet als diese Kollegen. Es geht nicht darum, ob sie zu häufig Methylphenidat rezeptiert bzw. ob dies im EINZELFALL des Patienten indiziert ist oder nicht. Hier geht es um einen statistischen Vergleich unter den Ärzten.

Leider ist es unwirtschaftlich für eine Arztpraxis einen ADHS-Behandlungsschwerpunkt anzubieten. Zumindest gilt dies dann, wenn keine Sonderverträge oder Regelungen bestehen wie beispielsweise in Niedersachsen. Nach meiner Kenntnis ist es dort eben nicht so, dass die Verordnung von MPH bei Kinderärzten oder Kinderpsychiatern unter die Regressregelungen fallen.

Verrücktes Kassensystem. In diesem Fall zu Lasten von Ärzten und Patienten.

Danke Martin für deinen Hinweis zum Interview mit Thomas E. Brown.

Thomas E. Brown sagt in diesem Interview auf die Frage, ob die ADHS auch im Erwachsenenalter erstmals auftreten könne, frei übersetzt Folgendes:

“Ich habe Ärzte, Anwälte und andere sehr erfolgreiche, gut ausgebildete Frauen gesehen, die während der meisten Zeit ihres Lebens keine ADD-Anzeichen hatten, und dann, als sie Mitte 40 oder Anfang der 50 waren, in die Perimenopause kamen, plötzlich Schwierigkeiten zeigten beim Überblick behalten, beim Organisieren von Dingen, beim sich an Dinge erinnern und in der Lebensmitte dann eine ganze Reihe von Zeichen einer ADD zeigten. Östrogen ist einer der chemischen Modulatoren für die Freisetzung von Dopamin im Gehirn und es ist nun mal der wichtigste Neurotransmitter, der für die Funktionen von ADD beeinträchtigt ist. Wenn in der Menopause der Östrogenspiegel bei einigen Frauen rückgängig ist, können exekutive Funktionen, die bisher sehr gut funktionieren, nachlassen.”

Und:

“Die klassische Vorstellung ist, dass die ADD in der Kindheit beginnt [...] ist Unsinn. [...]. Eine Menge von Leuten entwickeln erst Probleme, bis ein Kind in der Mittelschule oder Gymnasium ist und mehrere Lehrer hat. Bei manchen Menschen zeigen sich Symptome erst, wenn sie beginnen, selbst für Lebensunterhalt zu sorgen.”

Thomas E. Brown hat schon in früheren Publikationen darauf hingewiesen, dass Frauen in der Abänderung ADHS-Symptome entwickeln können. Leider wurde das m.W. nicht weiter erforscht.

Im Gegensatz zu heute grenzte Thomas E. Brown früher diese kognitiven Funktionsschwächen deutlich von der ADHS ab. Jetzt hören sich Browns Äusserungen so an, als könnte man fast zu jedem beliebigen Zeitpunkt eine ADHS entwickeln.

Es scheint fast, als gehört nunmehr auch Thomas E. Brown zu jenen bekannten ADHS-Experten, welche das ADHS-Konzept immer mehr ausweiten. Seine Formulierungen tragen dazu bei, Störungen von Aufmerksamkeits- und Exekutivfunktionen mit der ADHS gleichzusetzen. Und dies, obwohl zwischenzeitlich klar ist, das fast alle psychischen Störungsbilder ein neuropsychologisches Äquivalent aufweisen. Auch Depressionen oder etwa posttraumatische Belastungsstörungen (auch leichte!) können mit Störungen von Aufmerksamkeits- und Exekutivfunktionen einhergehen.

Anyway: Die Pharmaindustrie freut sich sicher über Brown’s Interview.

Auch wenn es für Thomas E. Brown “Unsinn” ist. Ich bleibe dabei:

Die ADHS ist eine sich erstmals immer in der Kindheit manifestierende Störung. Und sie muss sich wie ein ‘roter Faden’ in einem behindernd starken Ausmass durchs ganze Leben einer oder eines Betroffenen ziehen und diese/diesen massgeblich daran hindern, ihren/seinen Weg zu gehen und ihr/sein Leben zu führen.

Ein ganz interessantes, englischsprachiges Interview zum Thema ADHS (bei Erwachsenen) mit dem sehr netten und sehr guten ADHS-Experten Thomas Brown findet man hier.

Ich habe Thomas Brown mal auf einem Juvemus-Symposium in Koblenz kennenlernen dürfen. Das gemeinsame “Dinner” war ein Genuss. An das Essen erinnere ich mich weniger, aber die sympathische Art von Thomas Brown und vor allem auch sein Engagement für die Nöte und Bedürfnisse von Menschen mit ADHS bleiben aber in Erinnerung.

Weitere Artikel, bzw. überhaupt eine ganze Menge weiterer Informationen zu seinem Modell der Exekutivfunktionen bei ADHS dann auf seiner Webseite

Da hat sich also heute offenbar der GBA( = Gemeinsamer Bundesausschuss) mit ADHS bei Erwachsenen beschäftigt. Zumindest wenn man dieser Quelle Glauben schenkt, ging es um Neuregelungen zur Verordnung von MPH bei Erwachsenen. Wir erinnern uns kurz: Derzeit ist nur Medikinet adult für Erwachsene mit ADHS für die Verordnung bei den Gesetzlichen Krankenkassen zugelassen, wenn man im Erwachsenenalter die Diagnose stellt.

Analog zur Situation bei Kindern werden jetzt auch Regelungen diskutiert (es ist noch ein Entwurf), dass die Behandlung unter AUFSICHT eines Experten für Verhaltensstörungen erfolgt und bei der Diagnose standartisierte Diagnoseinstrumente verwendet werden sollen.

Nun ja. Die verfügbaren Diagnosebögen nutzen zwar nach meiner Ansicht so gut wie gar nicht, wenn man kein Störungsbildverständnis hat. Aber wir werden also HASE-Fragebögen noch häufiger zur Beruhigung der niedergelassenen Kollegen einsetzen müssen.

Ich stelle mir vor, wie dies bei ähnlichen Krankheitsbildern wohl wäre, wenn genauso bei Depressionen oder vielleicht einer Zwangsstörung vorgegangen würde, bevor man Neuroleptika einsetzt. Oder bei Spannungkopfschmerzen (unsinnigerweise) Paracetamol rezeptiert.

Für mich stellt aber ehrlich gesagt nicht die Erstverordnung das Problem dar. Vielmehr sehe ich mit zunehmender Besorgnis, dass die Betroffenen dann eben ein Rezept erhalten und quasi auf sich allein gestellt bleiben. Und munter rauf und runter dosieren. Hier wäre eine Kontrolle angezeigt bzw. eben eine Forderung der kontinuierlichen Begleitung der Patienten durch die Experten für Verhaltensstörugen oder Hausärzte. Wir brauchen hier MEHR Experten, die dann auch für die Begleitung zur Verfügung stehen. Nicht MEHR unsinnige oder selbstverständliche Regelungen, die die noch vorhandenen Fachleute in die Aufgabe zwingen.

(Anmerkung: Aus meiner subjektiven Beobachtung sind ja zahlreiche verfügbare Experten eben auch ADHS-Betroffene. Die haben schon genug Regelungen der Dokumentation am Hals. Die jetzt geforderten zusätzlichen Regeln werden es nicht anwendungsfreundlicher, wohl aber teurer in der Diagnostik machen).

Aber im Prinzip finde ich es eine Selbstverständlichkeit, dass die Diagnose VALIDE und eben mit einem durchgängigen roten Faden seit der Kindheit nachprüfbar ist. Insofern rege ich mich mal nicht auf und warte ab.

Fast jeden Sonntag erhalte ich einen Newsletter relativ aus der Nähe von unserem Wohnort. Früher aus der Nähe von Bad Bevensen, jetzt wohl aus Lüneburg.

Schon seit ewigen Zeiten wollte ich mich mit den Machern mal treffen. Na ja, aufgeschoben ist ja nicht vergessen …

Zeit zu Leben ist eine Webseite, die aus meiner Sicht ziemlich interessante Tips zum positiven Leben bzw. auch Selbstcoaching gibt. Eigentlich bin ich eher allergisch, wenn es um “den guten Rat für das Leben” geht. Und sicher sind auch nicht alle Beiträge nach meinem Geschmack.

Aber ebenso wie eine Coaching-Kollegin aus meiner Klinik verfolge ich die kostenlosen Blog- bzw. Newsletter-Beiträge dann doch sehr gerne. So wie diesen Beitrag über Dopamin und Belohnungen.

Vielleicht findet ihr ja auch auf den Seiten dann interessante Anregungen, die die Lebensqualität dann ein wenig steigern?

Vor einigen Tagen hatte Romy im Internet in einer Wendland-Community nach Schnäppchen Ausschau gehalten. Und dabei u.a. nach Steinen für den Garten gesucht … O.k. soweit.

Wir wurden in Uelzen fündig und haben uns nachmittags nach dem Dienst dorthin auf den Weg gemacht. Angekommen sind wir bei einem zum Verkauf stehenden Einfamilienhaus.

Die Noch-Besitzerin klärte uns auf, dass ihr Noch-Ehemann durchgebrannt sei und trotz hohem Einkommen Privatinsolvenz angemeldet hat. Sie steht mit drei Kindern jetzt allein da.

Soweit, so gut. Während Romy also den Garten plünderte, der voller Steine war, erfahre ich mehr über die drei Kinder (die schon teilweise erwachsen sind). Natürlich gleich drei prachtvolle ADS-Kids mit allen Schikanen.

Wobei ich mir wieder gedacht habe: Typisch. Typisch, dass ich vermutlich treffsicher wieder mal auf ADHS-Schicksale treffe.

Typisch aber auch, wie sich dann ein Rosenkrieg bei “ADHSlers” abspielen muss. Bis aufs Blut (und noch tiefer) gehen die gegenseitigen Verletzungen und letztlich leiden die Kinder bzw. Jugendlichen.

Irgendwo habe ich gelesen, dass irgendein Promiehepaar den Tipp gegeben hat, direkt nach Eheschliessung zum Paartherapeuten zu gehen. Guter Ratschlag. Auch wenn wir gerade gestern vor unseren Kids feststellten, dass sich Mama und Papa noch nicht (ernsthaft) gestritten haben, so sind Konflikte und Streits bei ADHSlern eben sehr wahrscheinlich. Und dann wären VORHER Absprachen und ggf. Verträge mindestens so sinnvoll wie eine Rechtsschutzversicherung. Zumindest den Kindern sollte man so einen Schmutzkrieg ersparen.

Na ja. Ich habe mir das also angehört bzw. mir so meine Gedanken gemacht, als dann plötzlich ein Polizeiwagen vor der Einfahrt stand und zwei stramme Uelzener Polizisten wegen Steinraub alarmiert wurden. Eine verdächtige Frau (meine liebste Ehegattin der Welt) hätte sich in Begleitung eines Kindes (mein lieber Sohn, hier als hochkrimineller noch nicht voll strafmündiger Komplize am Werk) an Steinen in verdächtiger Art und Weise vergriffen. Was zur Anzeige gebracht wurde.

Nun habe ich mir schon vorgestellt, dass wir vielleicht lieber vermummt und abends den Überfall auf die Feldsteine hätten machen sollen, um die Anzeige nicht bei der Protokollmeldung so merkwürdig erscheinen zu lassen. Aber es war irgendwie auch ein Beispiel dafür, in was für merkwürdige Anschuldigungen bzw. Situationen ADHSler (natürlich nicht nur die) geraten können.

Warum immer ICH ?

Gut, wir sind nicht wegen Steinraub hinter Schloss und Riegel geraten. Und ich konnte hoffentlich sogar ein wenig weiter helfen, um Stress zu reduzieren.

Sag ich doch. Siehe hier.

Für mich dieses Jahr irgendwie doch zu weit ist die Mitgliederversammlung des ADHS-Deutschland mit dem entsprechendem Symposium am Samstag, 28.4. in Böblingen. Sehr kurzfristig gepostet, ich weiss.

Allen Regional-und Gruppenleitern (nicht nur vom ADHS-Deutschland sondern von allen Selbsthilfeverbänden) aber mal ein riesiges Dankeschön für die Arbeit u.a. in den Gesprächskreisen, am Telefon, im Internet, in Schulen und Ausbildungsbetrieben! Und nicht zuletzt ein grosses Kompliment, sich dann noch regelmässig auf diesen Veranstaltungen weiterzubilden!

Danke!

Das Pharmaunternehmen Lilly, Hersteller eines verbreiteten ADHS-Medikamentes, bedient Interessierte mit einem ADHS-Newsletter. Aktuelles Thema sind Schlafstörungen. Die vermittelten Infos sind nicht besser und nicht schlechter als in ADHS-Erziehungsratgeber-Büchern.

Die, aus meiner Erfahrung mit Hunderten von Kindern mit einer ADHS, wichtigste Therapie gegen die häufigen (Ein-) Schlafprobleme, blieb im Newsletter (wie auch in den bekannten ADHS-Ratgebern) unerwähnt. Sie lautet:

Glücklich sein.

Ich stelle immer wieder Folgendes fest: Wenn es gelingt, Kinder mit einer ADHS therapeutisch zu stabilisieren und ihren Alltag so zu gestalten, dass sie trotz ihrer Handicaps mehrheitlich – so wie halt andere Kinder auch – zufrieden mit sich sein können, dann verschwanden vorbestehende (Ein-) Schlafprobleme.

Mir ist spontan kein Kind mit einer ADHS bekannt, welches keine Angst mehr hat vor der Schule, diese mehr oder weniger gerne besucht und dort mehr oder weniger stimmige Leistungen erbringt sowie ‘gesunde’ Freizeitaktivitäten pflegt (Musik, Sport, Tanzen usw.), bei welchem die Schlafprobleme anhielten.

Via Anderswelt erreichte mich folgender Tipp für eine Aufzeichnung via You Tube mit der Frankfurter ADHS-Expertin Frau Dr. Krämer. Sachliche Informationen praxisnah zusammengefasst. Sicher auch gut, wenn Angehörige von Erwachsenen mit ADHS sich über Störungsbild und Behandlung informieren wollen.

Es gibt Studienergebnisse, die lassen mich ins Grübeln verfallen. So zu dieser Studie, die den Effekt eines Elterntrainings bei ADHS mit / ohne zusätzlicher Störung mit oppositionellem Trotzverhalten untersuchte.

Die Autoren fanden keinen zusätzlichen positiven Effekt eines (wie auch immer gearteten Elterntrainings) gegenüber der alleinigen Pharmakotherapie mit Methylphenidat, wenn die Medikation kontinuierlich über 1 Jahr kontrolliert wurde.

Mein psychiatrischer Menschenverstand würde nun eher davon ausgehen, dass Aufklärung über ADHS und Verhaltensmassregeln gerade bei Vorliegen einer zusätzlichen Störung mit oppositionellem Trotzverhalten sinnvoll sind. Sie scheinen aber nicht immer im Sinne von klinischen Studien effektiv zu sein.

Zumindest nicht immer. In Deutschland kommen nämlich erste Studienergebnisse auf den Psychotherapietagen in Hannover dann zu folgendem Ergebnis:

“In einem weiteren Teilprojekt wurden 144 Mutter-Kind-Paare auf die beiden Behandlungsbedingungen zufällig verteilt: intensive Behandlung der ADHS der Mutter (Methylphenidat und Gruppentherapie) plus Eltern-Kind-Training; weniger intensive Behandlung der ADHS der Mutter (Beratung) plus Eltern-Kind-Training. Auch bei Kindern, die zum Großteil bereits medikamentös bezüglich ihrer ADHS behandelt waren, zeigten sich im Rahmen der Behandlungen noch deutliche Verbesserungen der Symptomatik. Dies war unabhängig davon, wie intensiv die Mutter bezüglich ihrer eigenen ADHS behandelt wurde.”

Soweit ich weiss, waren dies (realistisch) eben häufig selber betroffene Mütter von ADHS-Kindern.

Zudem müsste man sich mal fragen, was genau an Elterntrainings dann wirksam und was vielleicht völlig überflüssig oder gar schädlich ist. Noch viel Raum für intensive Forschung.

Ich persönlich finde das Elterntraining von Corrie Neuhaus sinnvoll, während sich mir ein THOP oder auch ein reines Lauth-Schlottke-Programm nicht so recht erschliesst. Und ganz die Finger lassen würde ich von Ergotherapie-Mischmasch-Programmen einer B. Winter oder selbst ernannten ADHS-Trainern im Wochenendkurzlehrgang …
Aber das ist eher meine persönliche Meinung, die ich so nicht in Zahlen und Studienergebnisse pressen könnte.