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ADHS Mythen: CDU-Politikerin Vogelsang versagt der Verstand

Ehrlich gesagt ist es doch erschreckend, was für “Volksvertreter” in den Reihen der CDU und offenbar auch Grünen sich durch inhaltlich unqualifizierte Wortmeldungen selber ein Attest der Unwissenheit ausstellen. Ein Verstand-Mangel-Syndrom greift um sich. Derzeit scheint der CDU ja kaum ein Thema zu liegen, wenn man sich neben der Affäre des Bundespräsidenten nun mit Internet oder anderen Gesellschaftsthemen befasst. Mit traumwandlerischer Sicherheit tappen sie in ein Fettnäpfchen nach dem anderen. So zuletzt in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Muss man nicht lesen, erzeugt aber als DPA- bzw. AFP-Pressemitteilung Verunsicherung. Was ja auch der eigentliche Zweck der Meldung ist.

So denn nun als Hirndoping bei Kindern. Wenn doch wenigstens Ritalin intelligent machen würde, wäre ja ggf. noch ein Rest Hoffnung möglich, dass sich unsere Volksvertreter schlau schlucken könnten. Oder sich wenigstens bremsen lernen, bevor sie Quatsch verbreiten. Frau Vogelsang fordert so beispielsweise die Kürzung von Sozialhilfe für Eltern, deren Kinder die Schule schwänzen. Dafür nahm sie es offenbar mit Parteifinanzen nicht ganz so genau… Da selbst ihre eigene Partei sie nicht leiden kann, muss man es wohl als weiteren Schritt der Selbstdemontage einordnen, was sie so frei von jeglicher Sachkompetenz behauptet. Sie wird wohl mit ziemlicher Sicherheit nicht wieder in den Bundestag gewählt, da man sie erst gar nicht wieder zur Wahl stellen wird.

Nun meint sie also, dass “hunderttausende Kinder” mit voreiligen Diagnosen mit Medikamenten vorschnell behandelt und ruhiggestellt werden. In höheren Dosen wirke es wie Kokain.

Ja was denn nun. Entweder es stellt unsere Kinder “ruhig” oder es pusht wie Kokain auf?

Natürlich stimmt weder die urbane Legende, dass Methylphenidat sich nun gegen Schulleistungsschwäche eignet. Noch stimmt es, dass Kinder mit Methylphenidat ruhig gestellt werden könnten (besonders nicht, wenn sie eine voreilige und damit falsche Diagnose hätten). Dann würden sie nämlich eher hippeliger und unruhiger werden. Aber auch ADHS-Kinder werden natürlich nicht “ruhig gestellt”, was sich Frau Vogelsang ja gerne selber mal von Experten bescheinigen lassen könnte.

Methylphenidat und Kokain haben nur den Wirkmechanismus am Dopamin-Transporter gemeinsam. Aber durch die völlig unterschiedliche Halbwertszeit bzw. Wirkdauer eben total unterschiedliche Effekte. Da macht auch die Dosis wenig aus (wohl aber die Applikation). Allenfalls wenn Methylphenidat geschnupft oder i.v. genommen würde, wäre ein schnelleres Anfluten und damit eine Kokain-ähliche Wirkung denkbar.

Vor 2 Wochen gab es diesen gleichen Auftrieb übrigens in der Sonntagsausgabe der New-York Times. “Ritalin gone wrong” also “Irrweg Ritalin” war die Schlagzeile, die von einem emeritierten Prof mit etwas wirren Thesen zu Bindung, Schuld der Mütter durch falsches Herausholen aus der Badewanne etc gefüttert wurde. Natürlich gab es gute Gegenartikel u.a. von Hallowell bzw. von wirklichen Fachleuten, die im Gegensatz zu diesem “Kritikern” auch mal ein ADHS-Kind GESEHEN haben und es nicht vorschnell in eine Schublade mit Verhaltensstörungen stecken. Die wirklich differenzieren können, ob nun eine neurobiologische Störung der höhereren Handlungsfunktionen vorliegt. Und die vor allem sich informieren, mit Eltern und Fachleuten sprechen. Welche Eltern sollten ein Interesse haben, ihrem Kind vorschnell Methylphenidat zu geben? In fast 15 Jahren sind mir noch keine Eltern begegnet, die zu diesen angeblich hunderttausenden Eltern gehören, die nun ihre Kinder schulkonform schlucken lassen wollen. Alle Eltern haben zunächst Bedenken.

Schulversagen erklärt sich nicht durch ADHS oder ein Anstieg der Methylphenidatverordnungen.

Schulversagen erklärt sich durch den Totalausfall von Bildungs- und Gesundheitspolitik. Und da ist Frau Vogelsang ein leuchtendes Beispiel, warum eben unsere Kinder in Schule und Gesellschaft gegenüber anderen europäischen Ländern benachteiligt sind. Bei derartigen Politikern muss man sich nicht wundern, wenn die Schule eben versagen muss.