Methylphenidat und Nebenwirkungen am Herzen

Wennn man ein sicheres Indiz für eine ADHS-kritische bzw. obskure Therapiemethode von selbsternannten Expertinnen in Sachen Kinderwohl (häufig mit Stundensätzen über 90 Euro, Erstgespräch 150 Euro) haben muss, so den häufigen „Schreibfehler“ RETALIN.

Es scheint vielen Sozialpädagogen und Wunderheilern gemein zu sein, dass sie neurochemische Grundlagen von Erkrankungen gleichsetzen mit einem Werk des Teufels, weil sie es eben nicht in ihrer Ausbildung kennengelernt bzw. dort nicht verstanden haben. Also wird dann gerne postuliert, dass Methylphenidat (schlagwortartig gleichgesetzt unter „RITALIN“) ja nun ganz sicher noch nicht erkannten Langzeitfolgen für die Kinder im späteren Erwachsenenalter haben müsste.

Legendär ist der Hüther-Unsinn mit erhöhtem Parkinson-Risiko durch MPH. Hätte ein seriöser Wissenschaftler sowas publiziert, wäre er allenfalls noch zum Ananaszüchten in Alaska einsetzbar. Bei Hüther wurden aber tatsächlich etliche Studien und Expertengremien berufen, die seinen wissenschaftlichen Nonsense aus dem Elfenbeinturm eines Theoretikers ohne Kontakt zu ADHS-Kindern widerlegten.

Ein andere medizinische Legende ist das erhöhte Herzrisiko von ADHS-Medikamenten. Nun ist es sicher richtig, vorsichtig mit ALLEN Medikamenten bei Kindern zu sein. Egal, ob MPH oder Asthmaspray, Kopfschmerztabletten oder sonstigen Mittelchen. Aber: Wissenschaftlich gesehen steigt das Risiko für Nebenwirkungen am Herzen unter der Behandlung NICHT. Dieses jetzt wiederholt bestätigte Ergebnis zeigte auch diese Studie.

Und bestätigt damit eben einmal mehr die klinische Erfahrung von Ärzten und Eltern von ADHS-Kindern in den Selbsthilfeverbänden, dass Langzeitnebenwirkungen von ADHS-Medikamenten eben gerade nicht eintreten.

Wenn man mal von dem Problem der Appetitminderung und einem sehr theoretischen möglichen Einfluss auf das Längenwachstum absieht, haben sich alle bisherigen Horrorbehauptungen widerlegen lassen. Ursprung dieser Behauptungen sind zumeist Scientology bzw. Antipsychiatrie-Seiten ähnlicher Interenssengruppen.

Immerhin lässt sich eben mit der Angst der Eltern, dass an den Behauptungen ja doch was dran sein könnte, immer noch ein Teilnehmer für eigene Angebote generieren oder entsprechende Bücher aus der Antipsychiatrie-Bewegung verkaufen.

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7 Gedanken zu „Methylphenidat und Nebenwirkungen am Herzen

  1. Mogli

    Zum Thema habe ich zwei Fragen, die ich hoffentlich nach langer Recherche beantwortet bekomme, lieber Dr. Winkler: Parkinson durch MPH ist Geschichte, aber wie ist das unabhängig vom MPH? Besteht für ADS-ler ein höheres Parkinson-Risiko?

    Die umgekehrte Frage habe ich zur Demenz: Durch ADS sei das Risiko für Lewy-Körper-Demenz erhöht, sagt eine Studie:
    http://www.apotheken.de/news/article/-465c28d30b/
    Aber wie ist es hier mit MPH? Besteht durch MPH-Einnahme ein größeres Risiko, weil evtl. das Dopaminsystem träge wird, wenn es selbst weniger trainiert wird? Habe mich extra kurz gefaßt und bin sehr dankbar für eine Antwort.

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    1. Dr Martin Winkler Autor

      Es gibt überhaupt keine Belege oder klinische Berichte dazu, dass ADHSler vermehrt Parkinson bekommen sollten. Auch hinsichtlich Demenz-Erkrankungen ist dieses Risiko allenfalls von Anti-Psychiatrie-Gegnern zu finden.

      Also keine Panik : In aller Regel sind die ADHS-Gehirne jünger als die von den „Stinos“.

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  2. Pingback: Risiken der medikamentösen ADHS-Therapie? « ADHS-Spektrum: Neues und Altes aus der ADHS-Welt

  3. Ariane König

    Ich hatte erst Ihren Beitrag von der einen Sendung bei youtube gesehen. Darauf hin habe ich heute Ihre Seite gesucht und gefunden. Es gibt keine so klare Antwort. Nirgendwo. Alles sieht immer so aus als muss ich die entscheidung für sowas immer alleine treffen.
    Ich weiß ja nun, dass sie auch betroffen sind von diesem Leiden und Ihre Beiträge hier im Blog tun mir gerade so unendlich gut. Bitte machen sie unbedingt weiter so.

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  4. Krätzchen

    Hallo, dazu habe ich direkt mal eine Frage! Ich bekomme Medikinet adult retard (und muss mir auch nicht selten „Oh Gott, Ritalin!“ anhören..- ich antworte dann meist mit „nein, ich nehme Medikinet“, worauf ein „achso, das ist dann anscheinend was anderes..“ kommt. Soviel zur Umfassenden Informationsbasis mancher „Kritiker“).

    Mein verschreibender Arzt hat sowohl EEG als auch EKG zu Beginn der Behandlung durchgeführt. Auch in der Packungsbeilage steht, dass man bei herzbezogenen Symptomen sofort den Arzt kontaktieren solle.
    Verstehe ich den Beitrag richtig, dass die Studien „lediglich“ gezeigt haben, dass das Nebenwirkungsrisiko _im Verlauf der Behandlung_ (was dann ja zu Langzeitfolgen zählen würde) nicht ansteigt? Das impliziert dann aber trotzdem, dass es Nebenwirkungen am Herzen geben _kann_ (und insofern die Untersuchungen sinnvoll sind), oder nicht? (Mir geht es gerade nur darum, den Artikel richtig zu verstehen, daher die Fragen)

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    1. web4health Autor

      Hallo ! Danke für den Kommentar !

      Richtig ist ja, dass man VOR einer Behandlung und dann im Verlauf „gelegentlich“ EKG-Kontrollen und auch Blutuntersuchungen wie Blutbild, Leber- und Nierenwerte macht. Aber eben eher zur allgemeinen Kontrolle von Begleiterkrankungen bzw. anderen Problemen wie beispielsweise einer Schilddrüsenerkrankung als in Hinblick auf Nebenwirkungen der Medikation.
      MPH oder Amphetamin kann zu Beginn eine leichte Blutdruckerhöhung und Pulsbeschleunigung machen. Das ist aber für sich genommen so wie mehrere Kaffee. Und hört in aller Regel nach 4 bis 5 Tagen auf. Wir erleben bei den „unbehandelten“ Mädchen im Essstörungsbereich ungleich häufiger EKG-Auffälligkeiten bzw. Herzprobleme. Da müssen wir wirklich auf der Hut sein. Was aber ja nicht heisst, dass man bei den ADHSlern dann nachlässig werden sollte.
      In der Klinik bei uns machen wir übrigens kein EEG. Sehr wohl aber EKG und auch ein Belastungs-EKG. In den über 10 Jahren ADHS-Tätigkeit habe ich noch keine relevanten Nebenwirkungen am Herzen (oder anderen Organen) erlebt. 2 oder 3 Patienten sind uns spezieller wegen vorbestehender Herzryhthmusstörungen aufgrund von angeborenen Herzfehlern oder Herzklappenproblemen geschickt worden. Da arbeiten wir dann mit der Herz-Kreislauf-Klinik in Bad Bevensen zusammen. Auch hier haben wir bisher immer grünes Licht für eine Medikation geben können. Subjektiv fühle ich mich da mit MPH oder Amphtetamin auch „sicherer“ als mit Strattera oder anderen Antidepressiva, die ja auch Herzrhythmussstörungen machen könnten.

      Die Kontrollen sind also nicht wegen Nebenwirkungen oder Risiken erforderlich, sondern gehören einfach zum „guten Ton“ einer ärztlichen Betreuung. So wie man sein Auto halt auch regelmässig durchchecken lässt, wird halt ein Arzt eben routinemässig seine „Checkliste“ abarbeiten, aber eben nicht wirklich erwarten, dass da Auffälligkeiten auftreten. Aber sicher ist sicher !

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  5. Sonja

    Endlich jemand der genau das schreibt was ich denke . Ich habe ein Kind mit 7 jahren das an ADHS leidet ……nein es leidet nicht an den selber sondern das er ständig an eckt . In der Schule war die Lehrerin schon unter Strom gestanden wenn sie meinen Sohn nur gesehen hat jeden Augenblick könnte er doch gleich wieder was anstellen. Genauso der Satz das diese Kinder narben bekommen ja das stimmt denn mein Sohn fühlt und merkt das er nie zu einen geburtstag eingeladen wird oder nie bei sogenannten Freunden schlafen darf . Ich rede jetzt nicht davon das er das nie durfte aber er wurde selber noch nie eingeladen . Traurig ist es das man gemieden wird als hätte man die Pest . Unsere umwelt sollte lernen das es auch solche Kinder gibt .

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