ADHS Überforderungen

In der vergangenen Woche häuften sich bei uns die Elterngespräche. Dabei wurde positiv zurückgemeldet, wie sehr wir doch unsere Kinder förderten und unterstützten. Das tut durchaus gut, so etwas zu hören. Ist man doch häufig genug schlicht Bittsteller, wenn es um ein simples Rezept von der Kinderärztin geht. Mal davon abgesehen, dass heute meine Frau mit unserem Sohn Hannes wieder selber zum Logopäden fahren muss, weil dieser nicht mehr in den Sozialpädagogischen Kindergarten kommen kann, ist das ja schön zu hören.

Nun liest man immer wieder, dass in sozial schwachen Familien (was immer das heisst), bzw. bei Alleinerziehenden eine ADHS gehäuft auftritt. Und dass eben auch oder gerade in den Fördereinrichtungen soziale Probleme vorherrschend sind. Dann wird in der Öffentlichkeit gerne der Trugschluss gemacht, dass ADHS etwas mit mangelnder Fürsorge und Erziehung zu tun haben müsste.

Weit gefehlt. Es ist nur schlicht so, dass man schon sehr sehr robust sein muss, um mit den Herausforderungen eines Kindes mit besonderem Förderbedarf bzw. sozialen und emotionalen Entwicklungsstörungen umzugehen. Da zerbrechen Ehen dran, zumal eben häufig ein oder beide Elternteile selber ADHS haben.

Und es ist schlicht eine Herausforderung an sich, sich mit den ganzen Begriffen und Anforderungen rumzuschlagen und gleichzeitig zu merken, wie die Kinder und die betroffenen Familien letztlich im Regen allein gelassen werden.

Für die Einschulung unseres Jüngsten schlagen wir uns jetzt mit Begriffen wie „sonderpädagogischer Förderbedarf“, RIK, Integrationsklasse, Abgrenzung von geistiger Behinderung zu Lernbehinderung, Schulbegleitung, (nicht vorhandener) Förderschule oder Förderklassen oder Schulen für geistig Behinderte rum. Dazu dann noch Fristen, die eingehalten werden müssen.

Ich bin nun seit 1998 oder 1999 aktiv im Bereich ADHS aktiv und auch lange in der Selbsthilfe. Und doch ist das auch Neuland für mich. Ich habe die Möglichkeiten und Kenntnisse, mich schlau zu fragen. Und fühle mich doch häufig hilflos und überfordert. Wie um alles in der Welt soll es einer „normalen“ ADHS-Familie oder gar Alleinstehenden gehen, die häufig noch nicht einmal von der Fördermöglichkeiten Kenntnis haben? Ganz davon abgesehen, dass dann berechtigte Anträge schlicht abgelehnt werden, weil das Jugend- oder Sozialamt ADHS „ablehnt“ oder schlicht kein Geld in der Kasse ist.

Mit der Umsetzung des im Sozialgesetzbuch verbrieften Rechtes auf Gleichstellung und Integration oder Inklusion von benachteiligten oder behinderten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ist es da so eine Sache.

Therapeuten und auch die Jugendämter bzw. Kostenträger sollten einmal die Welt aus der Sicht der ADHS-Kinder bzw. auch ihrer Familien wahrnehmen. Und dies nicht erst dann, wenn das eigene Kind betroffen ist.

Ein Kommentar zu „ADHS Überforderungen

  1. Meine Eltern wahren auch überfordert, ich kenne diese Problematik aus meiner eigener Erfahrung.
    Ich ab der Dritten Schuljahr auf die Sonderschule für Lehre behinderten abgeschoben.
    Selbst den Hauptabschluss konnte ich nicht nach holen.
    mehr über mich auf meiner Webseite : ADHS mein Leben im Chaos – http://www.my-adhs.de/ (keine Kommerzielle Webseite)

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