Amphetamine bei ADHS: Neues Medikament mit langer Erfahrung

In der medikamentösen Behandlung des Hyperkinetischen Syndroms (ADHS) tut sich was. Bisher war es in Deutschland relativ unüblich, eine medikamentöse Behandlung mit Amphetaminen einzusetzen. Hierzu war kein „Fertigpräparat“ eines Pharmaherstellers zu erhalten, vielmehr musste man eine Rezeptur von DL-Amphetaminsulfatsaft 0.2 %ig vom Apotheker anfertigen lassen.

In den USA und Canada sind Amphetamine gegenüber Methylphenidat weiter verbreitet. Hier sind speziell „Mixsalze“ von Amphetamin als Adderall® ziemlich bekannt geworden. Relativ neu ist dann das Lisdexamfetamine (Vyvanse bei uns Elvanse). Vorteil dieses Medikamentes, das nur das „rechtsdrehende“ Enantiomer Dexamfetamine aufweist, ist die lange Wirkdauer über 12-16 Stunden. Diese lange bzw. verzögerte Freisetzung ist im eigentlichen Sinne nicht durch eine Retardierung. Daneben soll das Missbrauchsrisiko für Nicht-ADHSler durch einen pharmakologischen Trick geringer sein. An das wirksame Molekül wird eine Aminosäure gekettet. Nach Resorption im Magen-Darm-Trakt wird dann wohl später (u.a. in den roten Blutkörperchen) die Aminosäure abgespalten und damit verzögert die Freisetzung des Wirkstoffes erreicht. Damit eignet sich das Medikament nicht für den Missbrauch durch die Nase oder Spritzen.

Nun ist mit Attentin® offenbar zum 1.12.2011 erstmals ein Amphetamin (Dexamphetamin) in Deutschland zugelassen worden, das von der Firma Medice vertrieben wird. So wie ich es verstehe, mit der Einschränkung, dass zunächst (neben der obligatorischen nicht-medikamentösen Behandlung) Therapieversuche mit Methylphenidat UND auch Atomoxetin (Strattera) keine gute Wirkung hatten.

Das ist nicht so ganz in Übereinstimmung mit internationalen Empfehlungen. Dort wird Methylphenidat und Amphetamine eben gleichberechtigt als „First line“, als Mittel der ersten Wahl gesehen, dann erst mit kleinem Abstand Atomoxetin. Wenn Methylphenidat nicht wirkt (die Diagnose aber stimmig ist und eigentlich auch ein pharmakologisches Ansprechen zu erwarten wäre), sollte man nach den amerikanischen Sichtweisen erstmal auf Amphetamine umstellen. Also: Falls man mit Amphetaminen wie Adderall oder Vyvanse begonnen hat und keinen guten Therapieeffekt hatte, sollte auf Methylphenidat umgestellt werden.

Ich habe relativ häufig Amphetaminsaft eingesetzt. Gerade bei Frauen mit ADHS wirkt es etwas „weicher“, der bei MPH auftretende „on-off-Effekt“ ist nicht so stark. Damit meint man, dass bei MPH bei einigen Patienten doch ein relativ plötzlicher Beginn und ein starkes akutes Nachlassen der Wirkung mit dem sogenannen Rebound-Effekt Probleme machen kann.
Zudem kann Amphetamin bei einigen Patienten besser im Bereich der Gefühlsstabilisierung wirken. Hier ist aber Vorsicht angesagt: Man sollte / darf Amphetamin eben nicht als „Euphorisierer“ einsetzen und solange hochdosieren, bis nun eine „rosarote“ Stimmung angegeben wird. Einige Klienten im Erwachsenenalter setzen irgendwie darauf, dass es ihnen mit dem Medikament „gut“ gehen sollte. Dabei soll man sich nur „echter“ fühlen. Und echter heisst bei ADHS eben, dass man die Probleme noch deutlicher wahrnimmt, um sie dann angehen zu können. Nicht aber, dass sie betäubt oder übertüncht werden.

Nicht einsetzen sollte man daher Amphetamine bei zurückliegenden Drogenerfahrungen. Was ja eigentlich klar sein sollte. Aber immer wieder begegnen uns dann auch ADHSler, die Müdigkeit mit ADHS-Symptomen verwechseln. Und dann quasi Amphetamin aus der Illegalität ausprobierten, um „wach“ zu werden. Also als „Upper“ missbraucht haben. Hier muss der verordnende Arzt gehörig aufpassen. Klar, dass Attentin wird nicht für Erwachsene zugelassen bzw. von der Kasse bei Erwachsenen erstattet werden.

37 Kommentare

  1. Hallo Herr Dr. Winkler,
    der Beitrag ist zwar schon etwas älter, doch ich möchte meine positiven Erfahrungen berichten.
    Mittlerweile bin ich 45 Jahre jung und war von 2012 an zu einer beruflichen Reha im Berufsförderungswerk Hamburg. Die Chefärztin Dr. Eveline Reich-Schulze der Arztpraxis im BFW hat damals ADS bei mir diagnostiziert, sie ist ja auch eine hoch angesehene Koryphäe auf diesem Gebiet, wie Sie auch.
    Ich bekam damals Medikinet adult und dosierte es nach und nach bis auf 30 mg hoch. Doch als ich bei dieser Dosis angelangt war, ging es mir so schlecht, dass ich dachte, ich hätte gekifft und ich hasse dieses Gefühl, „so völlig breit zu sein“ und kann deswegen die Sucht danach auch nicht nachvollziehen.
    Jedenfalls hat mir dieses Metylphenidat absolut nichts gebracht und ich habe dadurch auch zwei Mal die höhere Ausbildung im BFW nicht geschafft. Danach musste ich Strattera (eigentlich ja ein Antidepressivum, hörte ich) ausprobieren, doch auch davon bekam ich keine positive Wirkung. Erst das dritte Medikament schien endlich zu wirken und das heißt Attentin (Dexamfetaminhemisulfat). Endlich konnte ich mich länger konzentrieren und meine Aufmerksamkeitsspanne war weitaus höher. Außerdem bekomme ich endlich meinen Hintern hoch, was mir durch meine therapieresistenten Depressionen (11 verschieden Antidepressiva durch!) ja jahrelang schwer fiel.
    Ich habe das Glück, dass meine Krankenversicherung seit 2014 das Attentin bezahlt, weil es ja normalerweise nur für Kinder zugelassen ist. Ich muss zwar jedes Jahr einen neuen Antrag auf Übernahme stellen, doch das ist es wert, um wenigstens ein bisschen Lebensqualität halten zu können.
    Leider kam im Jahr 2017 noch die Diagnose Fibromyalgie dazu, doch mittlerweile denke ich darüber nach, ob es sich bei mir nicht sogar um Myalgische Enzephalomyelitis handelt.
    Wenn ich also das Attentin nicht hätte, würde ich mich zu gar nichts mehr aufraffen können, nichts mehr gebacken kriegen.

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    1. Sehr interessant, ich habe auch aktuell eine ME Abklärung in Kombination mit diagnostizierter ADS (2018) und schwerer Depression (2009) (alle gängigen Medikamente durch in den letzten 10 Jahren, aktuell auf Brintellix einem recht neuen und gut Verträglichen Medikament – davor 50mg Cipralex). In der Psychiatrie wurde mir ja immer gesagt, dass meine extreme Erschöpfung durch die Depression kommt. Erst vor einem halben Jahr hat der erste Arzt in der offenen Psychiatrie dann versucht mein ADS als mögliche Ursache mit Concerta und Ritalin zu behandeln, jedoch geht es mir mit Elvanse wesentlich besser (Concerta eigentlich gar keine Wirkung, hält aber die Crashes von Einzeldosen Ritalin ab). Bei Strattera/ Atomoxetin hatte ich extreme Kreislaufprobleme. Momentan warte ich noch auf das neurologische Gutachten bezüglich ME, aber eigentlich treffen bei mir alle Symptome und Beschreibungen auf ME 100% zu, und mir wurde damals eine schwere Depression fehldiagnostiziert (Konnte innerhalb von drei Monaten nicht mehr wirklich das Bett verlassen, keine Kraft für nichts mehr – zieht sich nun schon zehn Jahre durch und hab eigentlich eh die Lebenslust schon aufgeben). Daraus ist natürlich dann wiederum auch eine schwere Depression entstanden. Wer würde nicht depressiv werden, wenn man von heute auf morgen zum körperlich behinderten Pflegefall wird und es keine Erklärung gibt, außer: Sie sind schon depressiv und deshalb körperlich nicht mehr Leistungsfähig.

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      1. Leider konnte ich bisher keinen Arzt im Internet finden, der ME bei Kassenpatienten diagnostiziert.
        Ich habe nur Ärzte finden können, die ausschließlich Privatpatienten aufnehmen.
        Also bin ich immer noch auf der Suche nach so einem Arzt…
        DR. HOUSE wäre perfekt!!! 😉
        Ich werde übrigens nie wieder irgendwelche Antidepressiva einnehmen, weil ich mittlerweile auch die Prof. Irving Kirsch Studie gelesen habe und noch von vielen weiteren Studien hörte die Antidepressiva auch negativ bewerten. Doch das muss jeder für sich entscheiden, wem er Glauben schenkt.

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      2. Hallo,
        extreme Erschöpfung erinnert mich an Fatigue…
        Gab es unmittelbar vor Beginn der Erschöpfung mal eine Virusinfektion ? Borreliose, Lyme oder so etwas ? Oder ein Hepatitis-C-Behandlung ?
        Extreme Erschöpfung könnte ein Symptom von Interferon-Alpha sein, entweder als Medikament oder als vom Immunsystem des Körpers selbst gebildet. Schwere Depressionssymptome sind dann eine häufige Folge. Soweit ich weiss, sollen dann SSRI oder 5-HTP helfen können. Bitte mit Arzt besprechen…

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      3. Hallo,
        eine latente niedigschwellige Ezephalie (Gerhirnentzündung) wurde schon als mögliche Ursache einer recht großen Anzahl Schizophrenie-Betroffener beschrieben. Wenn man sich einmal anschaut, was Entzündungen bzw. immunologische Reaktionen im Gehirn an Verhaltensweisen auslösen (unter anderem Fatigue (als Folge von medikamentiertem (bei Hepaztitis C) oder selbst gebildetem Interferon Alpha (als Immunreaktion auf Viren)), macht das durchaus Sinn. Das betrifft dann vielleicht nicht jeden Fall, aber – wie bei Schizophrenie – einen relevanten Anteil.
        Da es im deutschpsrachigen Bereich kauim Literatur über die Auswirkung von Immunreaktionen (z.B. Zytokinen) auf das Verhalten gibt, habe ich angefangen, das einmal zusammenzutragen. Sysiphus macht jetzt gerade Sommerpause, aber im Winter arbeite ich da wahrscheinlich weiter daran.
        Wen es interessiert: https://www.adxs.org/ dort unter Immunsystemk und Verhalten.

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  2. Hallo Herr Winkler. Können Sie die Unterschiede in Wirkung und Nebenwirkung zwischen D-Amphetamin und DL-Amphetamin etwas näher beschreiben, insbesondere aus Ihrer Praxiserfahrung? Ich habe bei mir selbst bspw. die Erfahrung gemacht, dass sich D-Amphetamin viel mehr auf den Blutdruck auswirkt als DL-Amphetamin (Blutdrucksteigerung) sowie auf die Pulsfrequenz (Steigerung). Auch pubmed finde ich dazu allerdings keine Veröffentlichungen, so dass ich mich frage, ob das eine typische Erscheinung ist oder nicht.

    Was ich positiv fand bei D-Amph. ist das sogar noch „Weichere“ als DL-Amph (wobei DL-Amph schon sehr viel „weicher“ als MPH ist). Bei Wirkungsnachlass empfand ich D-Amph. noch verträglicher als DL-Amph.

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    1. D-Amphetamin ist in Deutschland nicht wirklich gebräuchlich. Insofern kann ich da nicht mitreden. Ich habe früher DL-Amphetamin eingesetzt. Jetzt fast ausschliesslich Lisdexamphetamin (=Elvanse).

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  3. Sehr geehrter Herr Dr. Winkler,

    ich bin durch diverses, oft Stundenlanges suchen im Internet auf ihren Blog aufmerksam geworden und würde sie um einen Ratschlag oder Hilfe bitten.

    Ich bin Männlich und 30 Jahre alt. Ende letzten Jahres habe ich auf anraten meiner Freundin endlich einen Termin beim Neurologen (Facharzt für Neurologie und Psychatrie), wegen diverser Störungen (Vergesslichkeit, Müdigkeit, Unaufmerksamkeit, usw.). Dieser konnte mir nicht helfen und verwies mich an einen Therapeuten, der Erfahrung mit ADHS bei Erwachsenen hat. Im laufe des Jahreswechsels diagnostizierte er bei mir eine ADHS im Erwachsenenalter. Er meinte es wäre, aufgrund meiner Grundschulzeugnisse, Verhaltens, eine Diagnose aus dem Lehrbuch. Mit dieser Diagnose wurde ich zu einer Medikamentösen Einstellung wieder zum vorher genannten Neurologen geschickt.

    Ab dann begann der langsame Abstieg für mich, mir wurde Medikinet Adult verschrieben, im ersten Monat 10mg 1-1-0, im zweiten und dritten 20mg 1-1-0. Im dritten Monat hatte ich einen absolut unerklärlichen Zusammenbruch, ich war nicht in der Lage mich zu bewegen, reden, oder überhaupt was zu tun. Ich begab mich so schnell wie möglich zu meinem behandelten Arzt, der stellte innerhalb von 10 Minuten die Diagnose Depression und schickte mich mit Venlafaxin nach Hause. Venlafaxin verschlimmerte die Symptome extrem, wurde nach 7 Tagen abgesetzt und durch Citalopram ersetzt. Dieses Danach durch Excitalopram, keine Besserung ersichtlich.

    Nun bekomme ich auf meinen Wunsch hin Bupropion, das schon nach 2 Tagen meine Situation verbessert hat. Das Medikinet habe ich die ganze Zeit durch genommen, konnte aber nicht wirklich eine Wirkung spüren. Der Arzt meinte die Depressiven Symptome würden es überdecken. Eine Steigerung des Medikinets (40-20-0) erbrachte eine sehr kleine Besserung.
    Diese Besserung hält aber anstatt der Versprochen 6-8 Stunden maximal für 2-3 Stunden an, danach verschlimmern sich die Symptome wieder.

    Nachdem ich ihren Blog gefunden hatte, schlug ich meinem Arzt vor das Medikinet versuchsweise durch Attentin/Elvanse zu ersetzen. Seine Antwort darauf war, das er sich mit diesen Medikamenten nicht auskennt und ich mir einen Spezialisten suchen soll.

    Ich weiß so langsam nicht mehr weiter. Auf sämtliche Eigeninitiave (Suchen von Studien, Informationen über Medikamente) wird auf Seiten des Arztes nicht eingegangen.

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    1. Das ist leider eine häufige Erfahrung. Nur wenige Kollegen setzen auf Amphetamine, da diese für Erwachsene in Deutschland nicht zugelassen sind. Ich arbeite ja jetzt in einer Privatklinik, d.h. viele meiner Patienten sind privat versichert. Da kann ich mir das Ausprobieren eben „leisten“

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    2. lass dich umstellen auf etwas langwirksames habe auch große Probleme gehabt so wie du irgentwann merkst du dass das Methylphenidat dir Lebensqualität schenkt wenn du soweit bist kannst du auf was langwirksames was keine Euphorie auslöst momentan hab ich 27er Kinekten wirkt 12 Stunden genau ohne Rebound ,lass das mit dem Attentin und Elvanse ein vergleich für dich Methylphenidat =Tillidin ,Amfetamin =Fentanyl , der Absturz kommt bei Amfetamin Böse ein rießen Abfuck ,bei Medikinet spürst du den absturzt nach Ende der Wirkzeit und dass ist auch gut so dass man sofort den Rebound kennenlernt ,wenn du keinen Rebound mehr merkst bist du reif genug für Kinecteen oder Concerta gute besserung mein Freund

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      1. Der Vergleich mit den Narcoanalgetica ist der größte Schwachsinn den ich je gehört habe. Leider gibt es aber auch viele Ärzte und sonstige Entscheidungsträger die derart falsche und unqualifizierte Meinungen vertreten weshalb vermutlich viele Patienten nicht die passende Behandlung erhält weil der Verschreibende Arzt zum Beispiel „nichts davon hält“. Medikamente durchlaufen ein sehr umfangreiches Verfahren vor der Zulassung und werden äusserst kritisch untersucht. Kommt es tatsächlich zur Zulassung dann hat das also einen guten Grund. Warum legen manche Menschen so eine derartige Aroganz an den Tag das sie meinen es besser zu wissen? Oft haben diese „Gegner“ nicht einmal persönliche Erfahrungen die sie qualifiziert solch eine Aussage zu treffen.
        Die Argumentation etwas wäre schlecht oder nicht geeignet nur weil es ggf.Menschen gibt die es missbrauchen also ohne Notwendigkeit einsetzen bedeutet schließlich absolut nicht das es nicht an anderer Stelle und korrekt angewandt einen großen Nutzen darstellt.

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  4. Sehr geehrter Herr Dr. Winkler,
    gerne würde ich Sie um einen Rat bitten. Ich bin 29 Jahre alt und seit meinem 19. Lebensjahr in psychischer Behandlung, habe vier Jahre Psychotherapie hinter mir und zahlreiche Antidepressiva probiert. Seit meiner Pubertät habe ich mit starker Erschöpfung zu kämpfen, die leider jedes Jahr schlimmer wurde. Bei einer psychischen Diagnostik Anfang des Jahres wurde mir eine schwere Depressive Phase sowie ADD, (Keine Hyperaktivität bei ADHS) zugeschrieben. Eigentlich habe ich es aufgegeben, eine Besserung meiner Symptome zu suchen, da mir bisher kein Arzt oder Medikament helfen konnte (Verschiedenste Antidepressiva wie Bupropion, SSRI, auch Modafinil etc). Dank meiner Freundin habe ich nun einen letzten Versuch gestartet und verschiedenste Ärzte abgeklappert. Da ich momentan leider kein Einkommen habe, kann ich mir keine weiteren Wahlarztbesuche bei Psychatern mehr leisten. Nach 7 Monaten Wartezeit habe ich nun bald einen Termin in der Psychatrischen Ambulanz bekommen. Die Oberärztin dort meinte, dass man eventuell Ritalin oder Atomoxetin anwenden könnte. Simple Erledigungen schaffe ich seit etlichen Jahren nur mit Hilfe von Coffeinpulver (circa 1000mg Coffein pro Tag) in Kombination mit geringer Gabe von Ephedrin (25mg 1-2x pro Tag).
    Ich weise laut Diagnostischer Fragebögen alle Symptome einer ADHS auf, schon seit meiner Kindheit, jedoch fehlt der Hyperaktive Aspekt komplett. Ist es möglich, dass meine starke Erschöpfung nicht nur von einer Depression kommt (die letzten Jahre fühlte ich mich positiv und nicht stark depressiv) sondern eventuell durch eine ADD? Diese wurde noch nie von Ärzten in Angriff genommen.

    Ich weiß nicht mehr weiter und sehe den Ambulanztermin als letzten Versuch und Hoffnungsschimmer, um doch noch ein „normales“ Leben führen zu können.

    Vielen Dank.
    Leopold

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    1. Hallo ! Die Voraussetzung ist die Akzeptanz der Probleme und dann eine gute Diagnostik. Für mich wäre dann die Medikation mit Methylphenidat (eigentlich noch besser Ampehtaminen wie Elvanse) die Grundlage für die weitere Therapie. Eigentlich braucht man aber eher Coaching bzw. psychisch-funktionelle Ergotherapie. Die Selbstmedikation mit Coffein ist insofern problematisch, weil dann das Selbstaktivierungsproblem wahrscheinlich erheblich ist. Und eben Erschöpfung / Müdigkeit ein großes Problem darstellen.

      Hier muss man in kleinen Schritten über Bewegung und sinnhafte Aufgaben im Alltag die Funktionsfähigkeit für Alltagsanforderungen wieder herstellen.

      Eine „perfekte“ Lösung dafür gibt es nicht. Vor allem wird es nicht „DEN“ Arzt geben. Sondern man muss Chef in eigener Sache werden und dann eben trotz aller Probleme wieder aktiv in eigener Sache werden

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      1. Vielen Dank für diese ausführliche Antwort Herr Dr. Winkler,
        Von einer psychisch-funktionellen Ergotherapie habe ich noch nie gehört, Ich werde dieses Thema aber bei meinem nächsten Psychiaterbesuch ansprechen. Eventuell könnte dies mir auch helfen, mich wieder aktiver in meinem Körper zu spüren. Seit meiner Pubertät, fühle ich mich oft als passiver Betrachter in meinem eigenen Körper, ein einfaches Beispiel: Mit fallen regelmäßig Gegenstände aus der Hand, bei jedem Griff in den Kosmetikschrank räume ich die nächstgelegenen Fläschchen unbeabsichtigt vom Regal, ich betrachte in Zeitlupe wie die einzelnen Fläschchen herunterfallen, führe aber auch nicht nur den Hauch einer Reflexreaktion durch. Bis alles am Boden zerspringt. Dann ärgere ich mich. Ich hatte von Februar bis Ende April auf jeglichen Coffein / Ephedrin Konsum verzichtet. Um selbst auch wieder einen Unterschied spüren zu können. Diese Zeit war für mich und meine Freundin die Hölle. Selbst im schönen Teneriffa Urlaub, konnte ich nicht mehr als 2 Stunden aufrecht verbringen, ohne die Augen schließen zu müssen. Dank dem hohen Coffeinkonsum, kann ich wenigstens Kurzzeitig Aktivitäten erfolgen (sogar bis zu einer Stunde Kraftsport am Tag, den ich seit 11 Jahren betreibe). Mir ist natürlich bewusst, dass dies keinen Dauerzustand darstellen sollte.

        Liebe Grüße

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      2. Vielen Dank, ich habe Ihnen bereits in einem anderen Beitrag geschrieben.
        Aber Ihre Vermutung war korrekt. Methylphenidat ermöglicht mir wieder eine Eingliederung in den Alltag.
        Elvanse hat leider keine oder kaum eine Wirkung. Dies wurde von 30mg bis 90mg getestet.
        Einmalig habe ich 60-60-0 eigenommen jedoch auch ohne Wirkung.
        Concerta ebensowenig von 36mg bis 108mg, eventuell liegt das an meiner Magen Darm Erkrankung.
        Bisher hat sich nur ein IR Prärparat als wirksam erwiesen.
        Da reichen Methylphenidat 10mg-20mg für eine sofortige starke Wirkung (10mg angenehm, 20mg fast zu stark).

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  5. Hallo Herr Dr. Winkler,
    mein Name ist Alexandra, ich bin gleich doppelt betroffen. Meine jüngste hat die vier Buchstaben ( so nennen wir es zuhause) und ich arbeite in einer psychiatrischen Tagesklinik. In der Klinik stehe ich oft ziemlich allein da, wenn es um das Thema ADHS geht. Da kommen dann so Aussagen wie:“ du immer mit deinem ADHS, weil dein Kind betroffen ist, siehst du es überall!“ Das finde ich sehr schade, denn ich denke, wenn ich richtig liege, könnte man anders behandelt. Unsere Ärztin ist Gott sei dank, etwas offener, aber behandelt medikamentös nicht mit ADHS- Medikamenten ( was allerdings bei und auch schwierig wäre, da wir extern von Krankenhaus liegen und BTM’s ein logistisches Problem machen) jetzt meine Frage, können sie mir einen Rat geben, wie ich meine Kollegen auf die sachliche Ebene bekommen kann, ohne dass sie das Gefühl haben, dass ich sie bekehren( so fühlt es sich für mich an) will!? Und noch eine, ich habe mich testen lassen um zu wissen ob ich es weiter gegeben habe und auf Grund meiner Biografie. lt. der Testung sei es grenzwertig,aber meine Grundschulzeugnisse fehlten und die Tatsache, dass ich lange Jahre Stationsleitung war brachten das Ergebnis, dass ich es nicht habe. Was meinen Sie dazu? Lg Alex Grossmann aus Essen
    Ach und übrigens frohe Weihnachten 😊

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    1. Natürlich ist es ein sehr grenzwertiger Diagnostiker, der von grenzwertigen Tests spricht oder allein auf die Zeugnisse schaut. Das spricht nicht dafür, dass sich die Diagnostiker wirklich mit ADHS auseinander gesetzt haben.

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  6. Hallo Mr. Winkler,
    ist folgende Information richtig:
    Methylphenidat ist und wirkt als Wiederaufnahmehemmer?
    Lisdexamfetamin (Vyvanse) wirkt durch Ausschüttung der Botenstoffe?
    Sollte es dann so sein, interessiert mich in dem Zusammenhang die physische Belastung bei längerer Anwendung.

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    1. Grundsätzlich soll es so sein, dass Amphetamine zusätzlich neben der Wiederaufnahme-Hemmung von Dopamin am sog. Dopamin-Transporter eben auch mehr Dopamin aus dem präsynaptischen Spalt ausschütten.

      Ob das aber wirklich so ist bzw. so relevant bei Erwachsenen ist, ist umstritten. Ich sehe da eher die Zusammenhänge zwischen Aktivierung und Hemmung des Default mode network.

      Amphetamine werden in den USA und Canada ja viel mehr als MPH angewandt. Die Langzeituntersuchungen zeigen eher einen Nutzen, sicher aber keinen Schaden bei längerer Anwendung.

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      1. Besten Dank für die gute Antwort, das beruhigt mich.
        Die teilweise eher unangenehme müde machende Phase beim MPH bleibt tatsächlich beim Amphet. aus. Bei gewünschter Ruhe ist aber zudem auch Ruhe möglich.

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  7. Was ist der genaue unterschied zwischen Adderall und dexamphetamin sulfat, ausser dass Adderall mir Jahre lang deutlich mehr geholfen hat? Warum ist nur Vyvanse (Elvanse) hier zugelassen? Ich bin in USA aufgewachsen und wohne jetzt seit ein paar Jahren in De.

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  8. „Nicht einsetzen sollte man daher Amphetamine bei zurückliegenden Drogenerfahrungen. Was ja eigentlich klar sein sollte.“

    Bei solchen Äußerungen, von einem ARZT würde ich am liebsten weinen. Das gerade AD(H)S Patienten, überdurchschnittlich viele Drogen nehmen/versuchen ist ja kein Geheimnis. Gerade als Psychiater sollte man doch wohl erkennen warum ADHS Patienten sich selber Therapieren, aber darauf hin dann auch noch Hilfe zu verweigern…. ?!

    Kurz gesagt: Wenn der Arzt mir Amphetamin vorschlägt ist es okay, aber wenn ich es selber ausprobiere bevor ich es von einem Arzt angeboten bekomme, bin ich ungeeignet?

    Wenn sie den Begriff Drogensüchtiger benutzt hätten, aber nur wegen Drogenerfahrung?!
    Ich hoffe das ihre Generation von Ärzten endlich bald weg ist, dann kann endlich mehr Leidenden geholfen werden.

    Gott sei dank habe ich endlich einen liberalen, vernünftigen Arzt gefunden.

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    1. Ich setze sehr wohl auch Stimulanzien bei zurückliegender Drogenvorgeschichte an. Aber dann bin ich auch persönlich für die Einstellung und Kontrolle verantwortlich. In den ADHS-Foren erlebe ich haufenweise, wie dann aber völlig kranke Dosierungen von Ex-Drogis akzeptiert werden. Das hat mit ADHS-Therapie NICHTS aber auch gar nichts zu tun. Gerade im Zusammenhang mit Drogen muss man auch an das Vorliegen einer komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung (mit Bindungsstörungen) denken. Dann behandelt man nicht mehr das ADHS, sondern die Dissoziationen und Traumatisierungen. Wer dann die Patienten selber entscheiden lässt, wieviel sie an Medikamenten brauchen bzw. die Selbstmedikation fördert, der ist als Arzt verraten und verkauft. Und ersetzt letztlich die Drogen-Selbstmedikation mit einer neuen Form von iatrogener Droge. Und dazu lasse ich es eben nicht kommen. Zumal es mit Strattera und Elontril durchaus alternative Möglichkeiten gibt bzw. nirgendwo geschrieben steht, dass ADHS ein Methylphenidat-Mangel-Syndrom ist.

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      1. Ich sollte mich hier vielleicht nicht einmal äußern.
        Trotzdem tu ichs, in der Hoffnung, das Bild über „Ex-Drogis“ etwas in rechte Licht rücken zu können.
        Was sie da schreiben ärgert mich ganz gewaltig. Ich persönlich ärgere mich inzwischen, mich nicht einfach selbst weiter vermedikamentiert zu haben; ich hätte mir einen ganzen Haufen Ärger erspart.

        Sie deuten es selbst an, man muss zwischen Drogenabhängigen und Drogenusern unterscheiden.
        Was „Abhängige“ betrifft – ja, das stellt ein Problem dar. Diejenigen werden aber vermutlich jedes Medikament missbrauchen; ich würde auch vermuten, sogut wie jedes Medikament lässt sich überdosieren um eine Form von „High“ herzustellen. Wobei man selbst hier sagen kann, wo liegt das Problem, Manche Dinge wie Amphetamin richten bei einer Überdosierung wenigstens keinen allzugroßen Schaden an, und bei einer geregelten Abgabe alle paar Wochen hat derjenige dann eben für einen Tag sein High und kann sich auf den nächsten Abgabetag freuen.
        Nicht, dass ich so etwas gut finden würde, aber so sieht die Realität aus; manchen ist einfach kaum zu helfen.

        Mir scheint es jedoch typisch für adhs zu sein, dass die Betroffenen eine relativ starke Suchtresilienz besitzen. Dass hier „Drogen“ tatsächlich in erster Linie benutzt werden, um einen „normalen“ Zustand herzustellen. Und es mag individuell sein, aber Elontril stellt nicht ansatzweise eine Ersatz dar.

        Der Unterschied liegt dann zwischen „Ich selbst sein“ und „Zombie sein“.

        Gerade Leute mit Drogenerfahrungen werden ja wohl darüber hinaus wissen, warum sie zu einem Arzt gehen und sich etwas verschreiben lassen wollen. Das die Preise am Schwarzmarkt darüber hinaus gar nicht vergleichbar mit Apothekenpreisen sind, dass muss wohl auch mal wieder gesagt werden.
        Nur wollen sie dann gerade diesen Leuten die Medikation versagen?
        Für mich ergibt das keinen Sinn.

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    1. Attentin ist ein Amphetamin. Genauer D-Amphetamin. Derzeit aber nur bei Kindern und Jugendlichen zugelassen, wenn Methylphenidat UND Strattera ausprobiert wurden und nicht genug Wirkung zeigten

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  9. Mir ist aufgefallen dass Missbrauch von ADHS Medikamente bei ADHSlern so gut wie gar nicht vorkommt wenn sie schon seit dem Kindesalter damit behandelt werden oder wenn sie bereits gestandene Erwachsene mit Fmilie und Beruf sind. Lediglich bei Jugendlichen und Heranwachsenden konnte ich im Internet beim Informationen sammeln erkennen besteht die Gefahr von Missbrauch. Und auch nur dann wenn diese Arbeitslos waren oder nicht wissen wie es weiter gehen soll. Hingegen war bei den jungen Menschen die sich in Ausbildung befanden, ihr Studium machten, ihren Schulabschluss nachholen etc. auch kein erhöhtes Missbrauchsrisiko herauszulesen. Vielleicht sollte man versuchen einen Perspektivlosen ADHSler zu ermutigen und auch besser zu fördern dass dieser seinen Abschluss nachholt etc. Ist mir halt aufgefallen und ich ärgere mich jedesmal wenn ich was über Missbrauch von ADHS Medikamenten lesen muss.

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    1. Die off-label Problematik bezieht sich ja nur auf Erwachsene. Die Aussagen zum Amphetamin beziehen sich erstmal nur auf Kinder. Bei Erwachsenen ist Attentin sicher nicht über Kasse erstattungsfähig. Strattera ist für Kinder zugelassen, sonst halt nur wenn man bereits mit 17 Atomoxetin erhalten hat und es dann weiterverordnet wird. Ausnahmen bestätigen die Regel.

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    1. Was ist denn genau der Unterschied in der Wirkung des racemischen DL-Amphetamingemisches im Vergleich zum Dexamphetamin? Kann man ausnahmslos sagen, dass das Dexamphetamin besser ist? Ich habe durchaus von Leuten gehört, die die racemische Variante besser vertragen.

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      1. Hallo Blizzard

        Die Theorie besagt, dass das D-Amphetamin 4x mehr im Zentralen Nervensystem (Kopf) wirkt als das L-Amphetamin.

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