Das Messie-Syndrom und Bindungsstörungen

Wenn im Fernsehen mal wieder eine Haus- oder Wohnungsrenovierungs-Soap gezeigt wird, sind Messies nicht weit. Menschen mit Problemen der räumlichen oder zeitlichen Ordnung neigen ja angeblich oder real zum Horten von allen möglichen und unmöglichen emotional wichtigen Dingen, von denen sie sich nicht trennen können. Das kann dann zum Vermüllungssyndrom führen.

Merkwürdig genug ist das Verhältnis von ADHS zu den Messies gespalten. Da hätten sicher die Psychoanalytiker ihre helle Freude dran. Das Selbstverständnis der Messies ist (zumindest für die norddeutschen Messies), dass sie eine Bindungsstörung haben und zum Psychoanalytiker gehören.

„Die Ursachen, dass Messies unordentlich und unpünktlich sind, also gewohnheitsmäßig zuwiderhandeln, sind übermäßige erzieherische Strenge und Gewalt bereits im ersten Lebensjahr. Ab dem zweiten Jahr passen sich die Kinder den erzieherischen Forderungen an und lernen, übertrieben ordentlich, sparsam, pünktlich, sauber und fügsam zu sein. Strenge Eltern haben oft selbst große Strenge als Kinder erlitten.“.

So heisst es auf der Webseite von J. Pinnow aus meiner relativen Heimat Brietlingen bei Lüneburg.

Das Messie-Syndrom ist ja keine „anerkannte“ Störung. Und sicher eher auch ein Syndrom mit sehr unterschiedlichen Auslösefaktoren bzw. dann „diagnostizierbaren“ Krankheiten. So kann Vermüllung natürlich auch bei Schizophrenie oder Demenz, bei Suchterkrankungen oder anderen überufernden Problemen auftreten. Richtig ist aber, dass klassische Messies häufig sehr zwanghafte bzw. perfektionistische Züge aufweisen.

Nun ja. Meine wenigen frustranen Versuche mit Experten aus der Messie-Szene in Kontakt zu kommen, wurden immer wieder abgeblockt. Mit ADHS wollen die offenbar nicht auch noch infiziert werden. Dabei ist es aus meiner Sicht durchaus häufig so, dass eben gerade unerkannte ADHS-Eltern sich auf sehr sehr rigide Verhalten und Ordnung (oder Unordnung) einstellen. Sie kennen dann nur ihre (egozentrische) Sicht der Dinge.

Ich finde es interessant, dass nun so zwei unterschiedliche Sichtweisen für eine ähnliche Problematik zu unterschiedlichen Bezeichnungen führen. Ich möchte nicht behaupten, dass nun beim Messie-Syndrom immer oder vorwiegend ADHS zu suchen wäre. Aber so ganz auszuschliessen ist ja eine neurobiologische Verwandtschaft da nicht…

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5 Gedanken zu „Das Messie-Syndrom und Bindungsstörungen

  1. Noiram Nedrak

    Gibt es Untersuchungen zum Dopaminstatus von Messis? Ich würde annehmen dass eine ähnliche Therapie wie mit ADS/ADHS Erkrankungen mit z.B. Ritalin, oder der natürlich Variante LT03 mit der Aminosäure L-Theanin helfen das strukturierte Denken zu unterstützen. Dies, kombiniert mit einem Serotoninwiederaufnahmehemmer (z.b. Cipralex) sollten m.E. eine Verbesserung bringen. Ich wäre an einer solchen Studie sehr interessiert

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    1. Dr Martin Winkler Autor

      Vorsicht. Erstens helfen gerade Nahrungsergänzungsmittel wie LTO3 oder Theanin nun ziemlich gar nicht dabei. Dann sind SSRI gerade bei ADHS eher mit Vorsicht zu geniessen.

      ADHS hat nur begrenzt was mit Dopamin-Mangel zu tun.Noch weniger hat aber das Messie-Syndrom nun mit dem Dopamin-Status zu tun. So einfach ist die Welt eben dann doch nicht.

      Es geht um die Entwicklung bzw. Aktivierung und Hemmung von neuronalen Netzwerken.

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  2. VerpeilterJunge

    Wenn ich aufräume werde ich ständig gebremst weil mit dem Gegenstand den ich gerade wegwerfen will, längst vergessene Gefühle, Erinnerungen in Form von Tagträumen auftauchen. Diesen Gegenstand möchte ich dann auch nicht wegschmeisen da ich sonst keinen Zugriff mehr auf diese Erinnerung habe. So geht es mir bei fast jedem Gegenstand. Zum Beispiel ein Pullover den mir meine Mutter zu Weihnachten geschenkt hat. Er war sehr schön und ich war gerührt und kann mich noch an den schönen Moment erinnern. Jetzt ist er alt durchlöchert und hat keine Farbe. Ich kann ihn aber nicht wegschmeisen sonst fehlt mit diesem Pulli auch die Erinnerung an diesem moment. So müllte meine Wohnung zu. Inzwischen habe ich es geschafft. Aber auf eine andere extreme. Meine Wohnung ist ziemlich kahl. Ich überlege gar nicht lange und schmeise konsequent alles weg was ich nicht mehr brauche. Habe aber trotzdem das Gefühl den Zugriff auf meine Erinnerung mit wegzuschmeisen. Komische Sache irgendwie.

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  3. Andy

    Zitat: Aber so ganz auszuschliessen ist ja eine neurobiologische Verwandtschaft da nicht…
    Das sehe ich auch so.
    Meine Mutter z.B.
    Sie sieht jeden Krümel und hat keinerlei Überblick.
    Sie kann sich kaum von etwas trennen.
    Sie hat damit große Probleme, zu entscheiden, von was und warum sie sich trennen sollte.
    Außerdem, ist ihr all ihr altes Zeug wichtig, weil es Teile ihrer Burg und ihres Lebens sind.
    Die einzige sichere Zone für sie, ist ihre übergroße Wohnung.
    Sie vermüllt zwar nicht, aber es ist immer unordentlich. Und etwas zu voll.
    Sie schleppt z.B.seit 13 Umzügen immer sämtliche alten Bücher mit.
    Auch die, die sie gelesen hat oder noch nie gelesen hat und auch nie anfassen wird.
    Es sind halt Einrichtungsgegenstände, die zum anschauen da sind.
    Und lesen kann sie fast gar nicht. Nach einer halben Seite fängt sie an zu gähnen.
    Am liebsten ist es ihr, wenn Andere solche Kleinigkeiten entscheiden.
    lg vom Andy (drüben „keine Ahnung“).

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