Valdoxan® (Agomelatin) bei ADHS ?

Auf Vorträgen erzähle ich gerne mehr oder weniger ernstgemeint, dass ich Melatonin für das wirksamste Medikament bei ADHS (besonders bei Jugendlichen und Erwachsenen) halte. Damit ist gemeint, dass Schlafstörungen bzw. ein verschobener Tag-Nacht-Rhythmus eben sehr häufig bei ADHSlern vorliegt. Wenn man (bzw. Kind) aber beim Wecken vor der Schule noch in einer Tiefschlafphase ist, wird auch das beste Psychostimulans allenfalls als „Weckamin“ und nicht als ADHS-Medikament wirken können.

Nun ist ja die Idee naheliegend, das Antidepressivum Agomelatin (Valdoxan®) für ADHS bei Erwachsenen auszuprobieren. Hier wird ein antidepressiver Effekt zusammen mit der Regulation des Schlaf-Wach-Rhythmus genutzt.

H. Niederhofer aus Sachsen hat das auch gedacht und eine Studie gemacht.

Fazit: Die Idee ist naheliegend, die Wirkung auch besser als Placebo. Aber eben längst nicht so gut, wie die Medikamente der ersten und zweiten und dritten Wahl. Erst wenn Methylphenidat / Amphetamin oder Atomoxetin nicht greifen, wäre hier eine Option zu sehen.

Wobei ich eben auch häufiger überlege, Methylphenidat und eben Valdoxan zu kombinieren … Allerdings setze ich persönlich lieber Melatonin (z.B. als Circadin) ein bzw. empfehle, sich tagsüber mindestens 30 Min. an der frischen Luft (in der Sonne) aufzuhalten.

In diesem Sinne werden wir heute zum Familienausflug am Sonntag hoffentlich die Frühlingssonne geniessen 🙂

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5 Gedanken zu „Valdoxan® (Agomelatin) bei ADHS ?

  1. Pingback: Jemand Erfahrungen mit Mirtazapin - Seite 3 ADHS Erwachsenen Forum

  2. Waldsteinie

    Habe das Thema mit großem Interesse gelesen – habe selbst den Verdacht, dass ich ADS habe.
    Diagnostiziert wurde zuletzt aber eine rezidivierende Depression. Ich nehme Valdoxan seit Dezember 2011 und 4 mg Doxipin – zunächst habe ich ganz gut geschlafen. Diese Wirkung ist jetzt weg – trotz Bewegung mindestens eine Stunde am Tag mit dem Fahrrad unterwegs.
    Bekomme jetzt noch Venlafaxin und bin davon nur angetrieben, heute war es ganz deutlich. Habe den ganzen Tag mit „Ausweichbeschäftigungen“ verbracht, ohne die Dinge zu tun, die mir wirklich wichtig waren. Ich war viel zu unkonzentriert.
    Als es langsam dunkel wurde, kam auch mein Kopf zur Ruhe! Ich will und muss aber aufstehen – aber seit ein paar Wochen klappt es nicht mehr. Ich falle am Morgen regelrecht in einen Tiefschlaf, stehe auf, schalte den Wecker aus und kann mich später nicht mal dran erinnern.
    Auf die Idee mit ADS kam ich übrigens nur, weil ich in den diversen Beiträgen meine eigenen Worte wiederfinde. Habe selbst zu meiner Ärztin gesagt: Ich weiß wie es geht, ich weiß, was zu tun ist. Ich kriege es aber nicht auf die Reihe!
    Oder: Ich habe den Eindruck, als hätte ich Parkinson. Ich stehe in der Tür und komme einfach nicht über die Schwelle.
    Sollte ich mal den Arzt wechseln?

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  3. Andreas G.

    Hallo Herr Dr.Winkler,
    ist dieser verschobene Rythmus nicht auch als psychischer Rückzug zu werten ?
    Bzw. eine Abwehrreaktion gg zu viele feindliche Einflüsse, die nicht ausreichend sortiert werden können ?
    Meine Mutter hat das seit ich denken kann.

    Ich selbst phasenweise wenn es mir nicht gut geht.
    Denn nachts bekam ich in reizarmer Atmosphäre wenigstens etwas auf die Reihe.
    Ging dann gg 5 oder 6 schlafen…so bis 12 oder 13 Uhr.
    Und dann hatte ich Stress mit meiner Frau und musste raus ausm Haus…
    Macht mir mein Leben Spaß, ist mit dem mehr an Motivation auch ein gesteigertes Interesse am Tageslicht vorhanden.

    Kann der Nicht ADHSler überhaupt aus dieser Eigenart des Motivationsaufbaus eigentlich etwas lernen ?
    Oder ist es den „Normalos“ fast unmöglich zu lernen einfach gut und anständig miteinander umzugehen ?

    Sind ADHSler nicht (Erkenntnis vorrausgesetzt), die lernfähigere Spezies ?

    Die psychologische + neurologische Funktionskette eines ADHSlers ist so aufgebaut, das er
    Antrieb aufbaut, wenn er etwas gut, richtig und/oder interessant findet.
    Er kann sich i.d.R. nicht „verkaufen“.
    Und tut einfach alles das nicht, was er nicht vertreten kann.
    Und ADHSler sind bei dem wovon sie überzeugt sind meistens gut bis Spitze.
    Gerechtigkeitssinn und emphatische Antennen nicht zu vergessen.

    Ist das nicht einfach ehrlich und damit auch besser als das was uns ein kapitalistisch/egoistisches System diktieren will ?

    Ich frage mich, ob ADHS bzw. die Eigenheiten nicht ein bewußtes Kuckucksei Gottes
    an den Menschen ist.

    Halten ADHSler nicht indirekt der Welt den Spiegel hin…?

    Grüße vom Andy

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    1. Dr Martin Winkler Autor

      Sorry, aber das ist nun ziemlich wirre bzw. unrealistische Spinnerei. Bisher wird zwar diskutiert, dass es Milliarden besserer Erden in unserem Universum gibt. Aber bisher werden sich auch ADHSler mit dieser Erde und mit diesen Realitäten auseinander setzen müssen.

      Statt zu versuchen, dass sich nun die „STINOS“ bzw. jeweils die Rahmenbedingungen an SIE anpassen, müssen sie wohl oder übel sich anpassen. Das mag ja fies und gemein wirken.

      Wichtig und richtig ist es, pünktlich aufzustehen. Egal, ob das nun biologisch durch die Ausschüttung von Melatonin verschoben ist oder aber die ach so böse Welt dazu führt, dass man nur nachts wach bleibt. Solange man es sich nicht finanziell und vom sozialen Umfeld leisten kann ein Einsiedlerleben zu führen, muss man selber sich verändern.

      Wenn Sie Stress mit ihrer Frau haben, sollten sie daran ansetzen SICH zu verändern (oder aber die Trennung überlegen). Es ist doch keine Lösung, dann den Tag-Nacht-Rhythmus zu verschieben.

      Das Leben ist kein Ponyhof, auf dem es nur Spass gibt. Sondern sie müssen schauen, wo sie anecken und bei sich Veränderungen machen.

      Sonst werden sie immer wieder in Konflikte geraten.

      Egal, ob nun ADHS vorliegt oder nicht. Sie werden nicht die anderen Menschen ändern können. Sie müssen schon bei sich anfangen. Oder eben auf einen anderen Planeten auswandern.

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  4. Hamster

    Erstmals vielen Dank für diesen tollen Blogg!

    Selber ADHS Betroffene mit einem ADS Sohn finde ich hier viel aufbauendes.
    Ich habe mir kürzlich in Mexiko zwei Dosen Melatonin gekauft, das gabs da problemlos. Ich nutzte es die ersten Nächte zu Hause für den Jetlag, seither nicht mehr.
    Mein Sohn (17) schläft sehr schlecht, ich werde wohl bei Gelegenheit seinen Arzt fragen ob er es mit Melatonin versuchen sollte.

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