ADHS Screening in der 1. Klasse

Mein „kleiner“ Sohn wird ja jetzt verspätet eingeschult und bei uns im Ort erfolgt dann im Kindergarten für die zukünftigen „Schukis“ eine Art „Screening“, wo sich die zukünftige Klassenlehrerin einen Eindruck über einige der Grundfertigkeiten bzw. dem Entwicklungsstand ihrer zukünftigen Einsteins machen kann.

Etwas systematischer in Hinblick auf ADHS wurde in Schweden geschaut, ob man aus einem Screening-Fragebogen bei Erstklässlern auf das Vorliegen von ADHS in der 4. Klasse schliessen kann.

Mir liegt der Originalartikel leider nicht vor. Aber im Prinzip wurde einmal in der 1. Klasse und dann in der 4. Klasse mit Hilfe des Conners-Fragebogens für Lehrer und Eltern eine Erhebung gemacht. Ehrlich gesagt: Ich halte ja allein von den Fragebögen sehr wenig … In der Untersuchung zeigte sich, dass die Lehrer „besser“ als die Eltern eine Abschätzung der Problematik machen konnten und mit ziemlich hoher Vorhersage die zukünftigen ADHSler identifizieren konnten. Am höchsten war naturgemäss der Score, wenn sowohl in der Einschätzung der Eltern wie auch der Lehrer ein hoher Score für Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsprobleme vorlagen. Eigentlich logisch.

Schwieriger sind ja eigentlich eher die „Fälle“, bei denen eben nicht primär hyperkinetisches oder impulsives Verhalten bestehen, sondern eher Symptome der Unaufmerksamkeit bzw. Aufmerksamkeitssteuerung. Mehr zu dieser Studie.

Ich persönlich fände es sehr sinnvoll, wenn nun Experten für Sonderpädagogik bzw. Lernstörungen möglichst frühzeitig sich Kinder anschauen. Wenige Wochen vor Einschulung, bzw. allein mit Hinblick auf Sprachentwicklungsstörungen, halte ich es aber für zu spät. Und allein auf ADHS ausgerichtet sicher auch unpassend. Wir haben ja gerade ein Fördergutachten von einer Förderschullehrerin erlebt und sind wirklich positiv überrascht, wie genau sie das gemacht hat. Und eben verschiedene Aspekte des Entwicklungsstandes erfasst. Aber wie viele (oder wie wenige) Kinder mit Förderbedarf werden überhaupt frühzeit erkannt? Ich bezweifle, dass eine normale Grundschullehrerin dies erkennen kann, bzw. dann von der normalen Breite der individuellen Entwicklung von Kindern unterscheiden kann.

Dabei wäre frühzeitige Förderung enorm wichtig. Zumindest bei uns in der Region fehlen hier aber Anlaufstellen, bei denen eine solche Diagnostik dann erfolgen kann. Der Rat, nun mal einen ADHS-Test zu machen, greift da sicher zu kurz …

Nicht nur bei „späteren“ ADHS-Kindern und Erwachsenen sondern derzeit auch verstärkt bei Mädchen mit Essstörungen beobachte ich, dass Entwicklungsstörungen bzw. neuropsychiatrische Störungsbilder mit Beginn in der frühen Kindheit dann nachhaltig die Entwicklung einer stabilen Selbstwirksamkeitserwartung verhindern bzw. zu Ausgrenzung und dem ständigen Gefühl „anders als die Anderen“ zu sein führt. Nicht immer erfüllen dabei die Auswirkungen die diagnostischen Kriterien einer definierten Erkrankung. Sie sind eher wie die Schattensyndrome (nach Ratey), d.h. sie sind vielleicht weniger klar ausgeprägt, dafür aber eben länger bzw. lebenslang wie ein Schatten im Leben nachweisbar.

Frühzeitige Aufklärung kann hier Licht in das Leben bringen.

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Ein Gedanke zu „ADHS Screening in der 1. Klasse

  1. Andreas G.

    Zitat Winkler: Frühzeitige Aufklärung kann hier Licht in das Leben bringen.Titat Ende.

    Ja genau. Das hätte ich mir auch gewünscht. Evtl. hätte ich mehr Freude am Leben gehabt.
    Und wäre weniger Ärgernis für meine Mitmenschen gewesen. Auch hätte ich ein Produkt für die Gesellschaft leisten können. Hätte, wenn und aber…
    Nun habe Ich und alle Anderen den Schaden getragen.
    Mein Schaden beträgt ein ganzes Leben, indem ich habe nichts verwirklichen können.
    Keine Familie, kein Erfolg, niemals sich akzeptiert fühlen in Job und Gesellschaft.

    Wenn ich gestern im TV den 45 minütigen Beitrag der ARD „Pillen für den Störenfried“ schaue, wird mir ganz schlecht.
    In vielen Situationen sehe ich mich selbst.
    Und ich sehe, das sich in der Praxis in den letzten 30 Jahren nichts getan hat.

    – Medikamente als Feindbild.
    – Kinder die keine Schule aufnimmt.
    – Diskussionen über schlechte Erziehung. und darüber, ob es ADHS überhaupt gibt.
    Und über Anforderungen die das betroffene Kind meistens nicht auf die Weise erfüllen kann, wie es die „Anderen“ als „einzigen“ akzeptablen Weg ansehen.

    Die Medien tragen die Lügen der Vergangenheit ins Heute.
    Und allermeist werden bestenfalls Halbwahrheiten verbreitet, die weiterhin Schaden an der Allgemeinbildung zum Thema ADHS produzieren.

    Aufklärung ? Fehlanzeige…

    Heute ist einiges an Erkenntnissen vorhanden, welche vor 30 Jahren nicht da waren.
    Doch leider kommt davon kaum etwas in der Praxis an.

    Und ich seh da auch keine Besserung.
    Der Mensch hat in tausenden Jahren der Geschichte bewiesen, das er nicht in der Lage ist,
    ein Leben „miteinander“ zu führen bzw.es überhaupt lernen zu können.

    Jeder der sich nicht anpasst bzw anpassen kann, ist eben „gestört“.
    Was ist daran zivilisiert bzw. intelligent ?

    Mehr bzw umfassende Aufklärung ist extrem notwendig.

    Abgesehen von den „angeblich“ 2 % Betroffenen (was ich für völlig untertieben halte),
    ist das Ganze eine gesellschaftliche und sytemübergreifende Frage der „Menschlichkeit“
    und des Rechtes auf Induvidualität und Persönlichkeit.

    Miteinander mit den Fähigkeiten umzugehen bzw. diese zu suchen und zu finden
    und nicht Störungen und Behinderungen in den Vordergrund zu stellen,
    bedeutet eigentlich erst eine sichtbare gesellschaftlich/intelektuelle Weiterentwicklung des Menschen.

    Daher sehe ich die Einschränkung, Behinderung und Störung(intelektuell) eher bei der „Gesellschaft“, die der Meinung ist Anpassung bedeute Gesund zu sein.

    Der Umgang mit allen die „Anders“ ticken, ist „unmenschlich“ und durch Egoismus, Gier und Mobbing geprägt.

    Ich wünsche mir Aufklärung und ein Leben in Würde und Liebe für alle Menschen.

    Gruß vom Andy.

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