Starke Elternarbeit bei ADHS

Immer wieder werden in Zeitungsartikeln, im Radio oder auch im Fernsehen Todschlagargumente gebracht, dass sich Eltern nicht konsequent genug um die Erziehung ihrer Kinder mit einer Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung kümmern würden und daher ADHS immer ein Fehler der Erziehung sei.

Zuletzt kam dies von einer kleinen Möchtegern-Kinderschutzbunddorftante aus B., die sich auch an uns mit ihrem Geschreibsel gewandt hatte, aber immerhin auch in einer regionalen Zeitung im Rheingebiet Platz fand. Tenor dieser Extremdarstsellung: ADHS sei nichts anderes als eine Art Versuch der Kids Rensonanz von entgrenzten Eltern zu erhalten. Weil die Eltern keine Grenze setzen, würden die Kinder zum Kasper. Daher sei allein eine Erziehungsberatung und ein – oh Wunder – von dieser Gruppe gleich angebotener Kurs der Weg zum Seelenheil. Psychologen, und wahrscheinlich dann auch Medikation, solle man sich ersparen.

Ihr Schreiben beweist eigentlich nur, dass sie sich mit ADHS nicht auskennt. Den gleichen Text würde sie vermutlich auch bei Kindern mit Angststörung, Asperger-Syndromm, Sozialer Phobie oder aber frühpubertierenden Alkopops-Konsumenten verschicken. Wenn ein Kind ein Problem signalisiert, ist es ein Versagen der Eltern, die keine Aufmerksamkeit auf die Entwicklung des Kindes lenken. Das mag ja sein, das mag ja vorkommen.

Aber die Behauptung gilt eben gerade nicht für die neuropsychiatrisch bedingten Störungen mit Beginn im Kindesalter wie ADHS oder Asperger-Syndrom, ebenso wie die Legasthenie eben nicht eine Schusseligkeit des Kindes, sondern eine ernstzunehmende Lernbehinderung darstellen kann. Die Behauptung, ADHS sei auf Erziehungsfehler zurückzuführen, gilt schon lange als widerlegt.

Sicherlich: Eltern brauchen eine Unterstützung im syndromtypischen Verständnis des eigenen Verhaltens bzw. des Verhaltens des Kindes und müssten gerade dahingehend unterstützt werden, wie sie in den ADHS-typischen Konfliktsituationen reagieren (oder auch mal nicht-reagieren sollten). Hau-Drauf-Pädagogik aus dem Mittelalter ist da sicher wenig hilfreich,

Glücklicherweise hat sich dann der Kinderschutzbund in Rheinland-Pfalz deutlich positioniert :

Im Deutschen Kinderschutzbund und hier besonders auch in den
Beratungsstellen, werde, so Ingrid Pirker weiter, häufig die Erfahrung
gemacht, dass Eltern der betroffenen Kinder mit überaus hohem Einsatz
diese Herausforderungen meistern und auch meistern wollen. Diese
Leistung wird vom Umfeld jedoch häufig verkannt.

„Eltern in Ihrer Rolle und Verantwortung zu unterstützen, ihnen
Hilfestellung bei der Bewältigung der vielfältigen Aufgaben im Alltag
zu bieten und Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Eltern und
Familien, diese Aufgaben bewältigen können, ist vorderstes Ziel
unseres Verbandes“, so Christian Zainhofer, Vorsitzender des
Landesverbandes Rheinland-Pfalz.

Anders herum wird somit natürlich ein Schuh draus: ADHS stellt besonders dann extrem hohe Erziehungsanforderungen, wenn zusätzlich Störungen mit oppositionellem Trotzverhalten oder gar Störung des Sozialverhaltens auftreten. Aber auch oder gerade die stillen hypoaktiven ADSlerinnen und ADSler können dann aufgrund von Wahrnehmungs- und Teilleistungsstörungen, ihren Besonderheiten im Verständnis und Abspeichern von Informationen, eben ganz erhebliche Anforderungen an die Betreuung und Erziehung stellen.

Wenn dann die Eltern und / oder weitere Familienmitglieder betroffen sind, wird man mit einer derartigen plakativen Schuldzuschreibung und einfachen Lösungen kaum zum Erfolg kommen. Hier braucht es in aller Regel ein ganzes Team, das dies Familie unterstützt und mit einem Störungsbildverständnis nicht mit Vorwürfen und einseitigen Schuldzuweisungen, sondern mit Hilfsangeboten und Unterstützung arbeitet.

Ich persönlich warne vor angeblichen Elternkursen, die nun „Starke Eltern“ propagieren, nicht aber syndromtypische ADHS-Besonderheiten verstehen bzw. einbeziehen, wie dies beispielsweise beim Elterntraining von Cordula Neuhaus der Fall ist.

Übrigens werde ich gleich nach Norderstedt zum Schleswig-Holstein-Tag aufbrechen. Dort werden drei Selbsthilfegruppen des ADSev ihre Arbeit vorstellen und Interessierte über ADHS informieren/aufklären. Nur mal soviel zum Thema Engagement von Eltern mit ADHS. Es ist in aller Regel weit überdurchschnittlich, sich so für Kinder einzusetzen. Das imponiert mir und daher unterstütze ich es gerne! Das verstehe ich unter starken Eltern im Einsatz für ihre Kinder!

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Ein Gedanke zu „Starke Elternarbeit bei ADHS

  1. Monmika

    Danke für diesen Bericht. Ich selbst habe ADS und meine Große, 14, ist auf ADS Mischtypus getestet.
    2 Meiner 4 Kinder sind noch in einer Pflegefamilie. Man hat uns die Kinder weggenommen, als ich mit unserem Kleinen schwanger war. Das war 2009. Ich ahbe das Problem, das ich mich nicht organiesieren kann und mein Haushalt leidet darunter. Damals war ich noch nicht diagnostiziert und bekam keine Medikamente ausser Antidrepressiva. Als ich diese absetze wegen der Schwangerschaft, waren meine Kinder weg.
    Alles was ich vorher tat war nicht richtig. Es gab bei allen massive Probleme in Schule und Kindergarten. Aber an allem war ich schuld, da ich mich nicht um die Kinder kümmerte oder keine Lust hatte irgendetwas für die Kinder zu tun.
    Das ich aber dafür kämpfte, das meine Kinder getestet werden, das sie die Schule wechseln, weil sie keine richtige Förderung erhielten, oder die Kleine in eine andere Kita sollte, weil sie Förderbedarf hatte…nichts. Das Jugendamt verbat mir jegliche Schritte und stufte mich als unfähig ein, meine Kinder zu erziehen und sie adäquat zu fördern.
    Nun sind noch die beiden mittleren in einer Pflegefamilie. Der Große von den beiden wurde nun von der Pflegemutter als nicht schlau genug für die 5. Klasse und soll die 4. Klasse wiederholen, trotz verbesserung in der Schule ( Das zeugnis kenne ich nicht kann nichts zu den Noten sagen). Er hat massive Konzentrtionschwierigkeiten, evtl. Legasthenie, was aber von der Vitos Klinik in Idstein nicht bestätigt wird, genauso wie das ADS. Es sie die Momentane Lebensituation des Kindes und die Mutter soll ihre Kinder loslassen und sie in der Pflegefamilie ankommen lassen, denn dort würden die Kinder hingehören. Meine Sohn hat ein ausgeprägtes oppositionelles Verhalten und wird sehr schnell wütend. Ergotherapie hat er seit fast 3 Jahren nicht mehr, Medis, die erst verabreicht werden sollten, bekommt er nicht.
    Meine Kleine hat ebenfalls Probleme mit konzentration, kann nicht still sitzen, ist immer auf dem Sprung. In meinen Augen ein waschechter Hypie. Bis zur einschulung gingen alle davon aus, das sie keinen Bedarf an Förderung hat. Noch 2 Wochen vor der einschulung wurde sie getestet und ist nun auf einer Schule die Förderbedarfskinder beschult.
    Ich finde es komisch, das die Kinder seit 2 1/2 in einer Pflegefamilie sind, weil ich nicht in der Lage bin, die Kinder adäquat zu erziehen und zu betreuen, das die ganzen Probleme der Kinder nur auf meine Unfähigkeit zurückzuführen sind und das ich eh anallem Schuld bin, weil ich Depressionen habe und eine Krankheit, die es nicht gibt. Ich bin 3 mal unabhängig voneinenander getetste worden, habe mehr als 2 Jahre ADS Therapie hinter mir und eine Reha. Ich amche ein Elterntraining, das mir auch vom Jugendamt untersagt wurde, weil sonst meine Familienhilfe nicht mehr mit uns arbeiten wollte. Und nun kämpfe ich immer noch um meine Kinder, die mittlerweile stark psyschich angegriffen sind. Und sogar heut bin ich an manchen dingen immer noch Schuld und beeinflusse meine Kinder negativ, obwohl ich sie nur alle 2 Woche sehe.

    Aber wie gesagt, vielen Dank für diesen Bericht. Danke er macht mir Mut und ich denke, dass ich mich an den Kinderschutz wenden werde und hoffe, das man mir da helfen kann.

    Bitte weiterso Ich liebe euren Blog

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