«Es besteht die Gefahr, dass Kinder dumm, dick und aggressiv werden»

Der Psychiater und Hirnforscher Manfred Spitzer warnt vor den Auswirkungen des Gebrauchs von Computern, Smartphones und Spielkonsolen. Er fordert eine Rückbesinnung auf die reale Welt.

Zum Interview im Tages-Anzeiger von heute.

Siehe zum Thema ADHS & Bildschirmmedien auch hier.

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Ein Gedanke zu „«Es besteht die Gefahr, dass Kinder dumm, dick und aggressiv werden»

  1. Sinnstifter

    Ganz besonders umenschlich und nervengefärdend ist die Kombination aus modernen Medien mit WLAN Komponenten 😉 Mein schöner ausführlicher Beitrag ist hopps gegangen. Hier noch einmal die Kurzfassung.

    Spitzer hat m.E. soweit Recht mit seinen Beobachtungen, aber er irrt bei den Interpretationen, wie wohl auch ein Haufen seiner Kollegen.

    Nicht der Computer selbst ist das Problem, sondern die Spaltungen, die unsere Gesellschafdt längt verinnerlicht hat. Das Gewinner-Verlierer Prinzip. Wenn Kinder und Jugendliche keine Erfolge mehr im wirklichen Leben haben können, dann werden Computerspiele übermäßig attraktiv. Vor allem genau die Spiele, die eine soziale Komponente beinhalten und damit einen Kontakt einbringen, den man im wirklichen Leben schmerzlich vermißt.

    Die Abhängigkeit ist eigentlich nicht so sehr dem Spiel mit seinen Automatismen entnommen, sondern mehr dem sozialen Miteinander in den Spielewelten und den sich daraus oft ergebenden Verpflichtungskonzepten, die einem Vereinsgeschehen gleich kommen und auch gleich wertig betrachtet werden sollten. Wobei auch die starke Wirkung auf das Belohnungszentrum durch gut austarierte aufeinander folgende Erfolgserlebnisse und ein bischen Begeisterung eine Menge Aufmerksamkeit über längere Zeiträume erlangen können.

    Dieser Fachautor mit satirischem Einschlag http://www.olnigg.de/jahr2005/olg120.htm bringt es letztlich auf den Punkt was von der überwiegenden Spielekritik zu halten ist.

    Spitzer und Co sehen vieles richtig, was die Wirkungen des Medienkonsums angeht, den Motor dafür, die wirklichen Sucht bahnenden sozialen Probleme blenden sie aus und machen das Spielen teilweise zum Sündenbock.

    „Häufig sind die jungen Leute nur noch in ihrer virtuellen Welt als Avatar unterwegs und müssen erst wieder lernen, dass das reale Leben auch interessant und spannend sein kann.“

    Was soll in einem Leben interessant sein, dessen Hauptsinn darin besteht für irgendein Unternehmen seine Zeit, seine Gesundheit und seine Nerven zu lassen? Und das immer häufiger auch noch ohne von der Entschädigung dann leben zu können.

    „Wenn einer fast rund um die Uhr beim Onlinerollenspiel «World of Warcraft» herumballert, leidet er, wenn er plötzlich offline ist.“

    Das ist soweit richtig. Das Problem ist, das sich ja viele auf Grund einer tristen Lebenserfahrung am übermäßigen Spielen erfreuen und diese Tristess wird, wenn man einmal im kunterbunten Treiben des Spieles soziale Anerkennung innerhalb dieses Zirkels erfahren hat, doppelt so extrem. Ich habe das oft als eine Form von kaltem Entzug selbst gemacht, weil ich mich nie mit der Dauerzockerei abgefunden hatte und mich immer mal wieder zwang auch ohne diese Unterhaltungsmedien auszukommen. Führt übrigens in den meisten Fällen zu einer „Sucht“-Verlagerung. Man schaut halt mehr TV oder liest Schundbücher&-Romane. Es spielt keine Rolle. Die Droge ist Realitätsflucht und wie das Objekt heißt, das einem dies möglich macht, ist dabei irrelevant.

    Das Problem um auf das Zitat zurückzukommen: Wer bei World of Warcraft von „herumballern“ redet, hat leider schon seine Inkompetenz innerhalb der Materie bloß gestellt. Und selbst dann, wenn es nur ein Versprecher war, werden Spieler über eine solche Aussage nur amüsiert sein.

    Leute wie Spitzer täten gut daran, erst einmal die Welt in die die Spieler eintauchen wirklich selbst zu begreifen was das für eine Welt ist in der gespielt wird und das das Spielen ein Bestandteil des realen Lebens ist und selbst nicht teil der virtuellen Welt.

    Ich gehe darauf so umfassend ein, weil die Suchthysterie bei Computerspielen übertrieben wird. Definitiv. Und Ursächlich wird sie falsch interpretiert. Etwas mehr Kulturkritik täte diesem Blick von Spitzer und Co wirklich gut und würde sein Modell, das ich ja an sich für richtig halte, viel glaubwürdiger machen.

    ADHSler sind natürlich durch diese Spiele- Medienwelten viel stärker in Mitleidenschaft gezogen, weil sie durch emotionale Instabilität, höhere Stressanfälligkeit, allgemein mehr zum Spielball ihrer Getriebenheit werden können, als jene, die sich besser regulieren können. Geringere soziale Erfolgsquote erhöht meines Erachtens dann das am-Spiel-hängen-bleiben., durchaus auch über Jahre hinweg.

    Ich lebe seit ich keinen TV merhr habe, keine Filme schaue, und kaum noch Nachrichten sehe und keine gewaltverherrlichenden Spiele mehr spiele sehr viel ausgeglichener. Ich kann aber nicht sagen das das immer einfach ist, vor allem wenn man ADHS Betroffener vielleicht noch ein Problem mit Langeweile hätte.

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