ADHS Fischöl-Interessen

Eigentlich kann man sich das gegenwärtige Interesse einiger Unikliniken an Fischölkapseln rational nicht erklären. Seit Jahren geht das Thema rauf und runter durch die Artikel und ein Cochrane-Review mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse zeigt letztlich:

Man muss schon sehr genau und lange lange suchen, bis sich irgendein Sinn darin zeigt.

Overall, there is little evidence that PUFA supplementation provides any benefit for the symptoms of ADHD in children and adolescents. The majority of data showed no benefit of PUFA supplementation, although there were some limited data that did show an improvement with combined omega-3 and omega-6 supplementation.It is important that future research addresses current weaknesses in this area, which include small sample sizes, variability of selection criteria, variability of the type and dosage of supplementation, short follow-up times and other methodological weaknesses.

Gut. Jetzt könnte man also aufgrund methodischer Schwächen neue Studien beginnen. Wie schön, dass sich da gerade Firmen anbieten, die unsere lieben Universitätsmediziner dafür mit Fischölkapseln  versorgen und eine Aufwandsentschädigung für eine bessere Vermarktungsperspektive anbieten.

Fischölkapseln sind deshalb so lukrativ, weil man sie lange einnehmen muss und es zunächst ja schön „harmlos“ klingt, sein Kind mit Fischöl statt mit Chemie zu therapieren. Sie können auch irgendwie wirken. Aber hauptsächlich helfen sie derzeit, die finanzielle Grundausstattung an einigen Abteilungen bzw. den Reiseetat für die nächsten Konferenzen zu sichern.

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2 Gedanken zu „ADHS Fischöl-Interessen

  1. Cordula

    Als langjährige Mitwirkende eines ADHS-Forums für Eltern weiß ich, dass es einen gewissen Prozentsatz von Kindern mit ADHS-ähnlicher Symptomatik gibt (inklusive familiärer Häufung ebendieser Symptomatik), die auf Omega-3- und 6-Fettsäuren sehr gut ansprechen.

    Ich würde daraus nicht ableiten, dass Fischölkapseln gegen ADHS helfen. Es scheint aber ein Klientel zu geben, das von diesen Wirkstoffen merklich profitiert. Ich hatte nach intensivem Austausch mit den Müttern keinen Grund anzunehmen, dass ihre Geschichte erfunden oder ihre Wahrnehmung verbogen wäre.

    Für mich persönlich habe ich die Hypothese abgeleitet: Einen Versuch ist es u.U. wert, wirklich schaden kann es über einen begrenzten Zeitraum nicht. (Nach Pieros Bemerkung über die Quecksilberanalyse würde ich letzteres nochmal überdenken wollen.) Wenn es hilft, ist es doch gut, und dann war es vielleicht auch kein ADHS – Diagnosestellung hin oder her.

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  2. Sinnstifter

    Hahaha … das hätte ich jetzt auch so

    „Gut. Jetzt könnte man also aufgrund methodischer Schwächen neue Studien beginnen. Wie schön, dass sich da gerade Firmen anbieten, die unsere lieben Universitätsmediziner dafür mit Fischölkapseln schmieren versorgen und eine Aufwandsentschädigung für eine bessere Vermarktungsperspektive anbieten“

    bei Pollmer erwartet über das Thema lesen zu können. Bin ja angenehm überrascht über die deutliche Bloßstellung der häufig dürftigen Ergebnisse solcher marktinteressen orientierten Forschungen.

    Liebe Eltern, ADHS ist eine Krankheit, die auf chemischem Ungleichgewicht basiert. Das auszugleichen, dafür sind chemische Medikamente da.

    Es ist so befremdlich, das die Menschen so eine Panik haben vor Chemie, obwohl der Mensch ein chemisches Wesen ist, wie auch das Leben als solches. Gerade von denen, die sich PRO-LEBEN geben, wird eigentlich das Leben in seiner Grundstruktur immer wieder abgelehnt. Ein kräftiges Indiz für die religiöse Herkunft dieser Glaubenskongregation der chemiekritischen Bio-Ökognomologen und derer Derivate aus der medikamentenkritischen chemiefreien Biofeedingszene :o)

    Vom Witzeln unabhängig sollte man natürlich die verbundenen Ängste und Sichtweisen der Menschen ernst nehmen, sonst verstärkt man ja noch die Flucht derselben in die Armee der chemiefreien Naturanbeter.
    __

    Danke für diesen Blog.

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