Stigmatisierung durch (angeblich) verkehrte Diagnosen oder durch unsachliche Medienberichte?

Es erstaunt mich immer wieder, wie unkritisch verschiedene Medien mit dem Thema ADHS umgehen. Jüngstes Beispiel siehe hier.

Für medikamenten- und gesellschaftskritische Würdigungen dieses Themas bin ich ja immer sehr offen. Nicht aber für ADHS-Medienberichte mit einseitigen und unsachlichen Inhalten/Kernaussagen .

Artikel dieser Art schaden vielen ADHS-Betroffenen und ihren Familien: Wird nämlich das Thema ADHS einseitig negativ präsentiert (oder die Existenz der ADHS gar ganz in Abrede gestellt), läuft das immer darauf hinaus, dass Betroffene und ihre realen Probleme (welche es tatsächlich gibt) ebenfalls ins schiefe Licht geraten und ins Abseits gedrängt werden.

Dieser Artikel in der Coop Zeitung – und mit ihm viele ähnliche Medienberichte – ist zudem bestens geeignet, bei Müttern/ Eltern von medikamentös behandelten ADHS-Kindern noch mehr Zweifel und Schuldgefühle zu erzeugen. Gehören auch ihre Kinder zu den unnötigerweise medikamentös Behandelten, werden diese sich fragen? Wer auch nur eine Spur vom Einblick ins reale Leben von Kindern mit einer ADHS und deren Familien hat, weiss, dass die meisten Familien sich sehr schwer tun, sich auf eine Therapie mit Stimulanzien einzulassen.

Eine Stigmatisierung erfahren die meisten medikamentös behandelten Kinder mit einer ADHS nicht – wie Frau Bruchmüller behauptet – durch verkehrte Diagnosen, sondern

  • a) durch eine ‚psychologische‘ Forschung, die sich mehr mit Zahlen und Variablen, denn mit realen Menschen befasst
  • b) und durch einseitige und damit irreführende Medienberichte.

Hier noch der Link zu meiner Stellungnahme über die Studie, um welche es im erwähnten Artikel der Coop-Zeitung geht. Ich zeige in diesem Beitrag auf, dass die Studie methodisch fragwürdig ist und dass deren Resultate alles anderem als einem Beweis für eine postulierte Überdiagnostizierung der ADHS entsprechen.

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4 Gedanken zu „Stigmatisierung durch (angeblich) verkehrte Diagnosen oder durch unsachliche Medienberichte?

  1. Sinnstifter

    Irgendwie vermisse ich meine Kommentare. Ich finde es schade, das Kommentare ohne Hinweis nicht veröffentlicht werden. Wenn sie inhaltlich und stilistisch Normen verletzen würden, könnte ich das nachvollziehen. Das kommt für meine Kommentare aber kaum in Frage. So kann ich mir künftig nur das Kommentieren sparen und verbleibe mit einem großen Fragezeichen, was an meiner Sichtweise eventuell verkehrt oder zu kritisch oder vielleicht zu wenig schmeichlerisch gewesen sein mag.

    Schade eigentlich

    MFG

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  2. Sinnstifter

    Ich habe mitlerweile eine Theorie, wie ein Gutteil dieses Verhaltens der Medien und vieler ADHS-Kritiker erklärt werden kann. Wichtig vorab muss bleiben, das das nicht verallgemeinert werden darf und das man differierende Ansichten eben als Perspektiven anderer Beobachter sehen muss und nicht alle auf diesen Kurs einschwenken. Ich glaube z.B. das der Göttinger Almtester oder der philosophische Buchschmierer, der sich auch relativ auf den Göttinger bezieht, beide gut durchdachte Blickwinkel haben, die sich auch auf eine Mehrheit der Menschen beziehen läßt, aber eben am wirklich ADHS kranken Individuum scheitert. Der Kritikerfraktion ist der Krankheitsaspekt nicht klar, sie haben hier keine Einsichtsfähigkeit, weil sie ein anderes Modell der Wirklichkeit haben, das die Krankheit eher ausfiltert. Man darf aber nicht einfach die diffizilen feindifferierten Beobachtungen und Rückschlüsse nicht ignorieren aus diesen Kreisen.
    Damit sind also primär fachlich versierte ADHS Kritiker zu sehen.
    Nun zum Punkt, und zwar primär auf Laien bezogen.

    Fakt ist: Wir leben in einer restriktiven Welt und viele Menschen passen sich dieser an. Diese Angepasstheit ist ein durch relative tatsächliche und subjektive Gewalteinwirkung in Familie und Gesellschaft entstanden. Beides ist nicht voneinander zu trennen, weil beides ineinander greifende Lernvorgänge sind und entsprechende Verhaltensmuster erzeugen, die stark am Charakter und Wesen des Individuums mitwirken.

    Nach meinem Eindruck sind viele ADHS Kritiker selbst genau in diesem Konflikt gefangen, manchmal sogar offensichtlich in einem traumatischen Umfang. Völlig Unfähig zwischen Selbst und Gemeinwesen richtig zu unterscheiden, sind durch Übermäßige Anpassungsprozesse genau die Faktoren erfüllt worden, die diese Kritiker der Gesellschaft mit dem ADHS-Pharma-Kinder-Ruhigstellungs-Konzept unterstellen. Das bedeutet das diese Menschen sich hier mit ihrem eigenen Unterdrückungstrauma auseinandersetzen und es für diese nicht wirklich um das Konzept ADHS als Krankheit geht. Sie reagieren deshalb so irrational und fixieren sich auf die ADHS Problematik, weil hier ihre eigene unbewußte Traumaerfahrung getriggert wird, die von Unterdrückung in der eigenen Kindheit ausgeht und dies auf die ADHS Kinder übrträgt und in der symbolischen Übertragung versuchen ihr eigenes Trauma der Unterdrückung zu bekämpfen. In der Vorstellung wird das ADHS-Kind zum Abbild des Selbst, die Pille zur geschluckten Wehrlosigkeit und die gesellschaftlichen Hilfsangebote durch Pharmazie und Psychiatrie zur unterdrückenden Autorität.
    Eine Variation zeigt weniger diese Form der Bewältigungsstrategie, sondern erklärt mehr den Aspekt, wieso Menschen von Erziehungsmängeln sprechen, anstelle dem Prinzip ADHS Bedeutung beizumessen, das die krankhaft mangelhafte Umsetzung von Erziehungsbemühungen deutlich macht.
    Diese rabenschwarze Erziehungsgewalt ist die weitergabe desselben erlebten Traumas mit umgekehrten Vorzeichen: Man will die Opfer nicht vor der Einflussnahme schützen, sondern bekämpft das Trauma durch Verinnerlichung und Leugnung und gibt es an Andere letztlich auf diese Art weiter.

    Ich finde es sehr bezeichnend, das gerade aus dem überangepassten Millieu krampfhafter Kleinbürgerlichkeit ein Haufen Kritiker kommen und so mancher Pädagoge dunkler Färbugn daran festhalten. Das Personen wie Prekorp mit der unsäglichen Festhaltetherapie mit Traumagarantie an der Leugnung von ADHS mitwirken, spricht für diese These.

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  3. Hamster

    Ja, es ist traurig wie Leute über Dinge schreiben können, ohne eine Ahnung vom Thema zu haben. Das ist fahrlässig.
    Die Coopzeitung von dieser Woche fällt nochmals negativ auf…Über mehrere Seiten Fotos der Wintermode mit extrem mageren Models, so dünne sah ich noch nie..offenbar wird alles unbesehen veröffentlicht?

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