Versorgungslücken

Gestern erhielt ich einmal mehr einen Anruf eines Erwachsenen, der im Norden eine ADHS-Behandlung suchte. Gut, Diagnostik wird vielleicht noch angeboten. Und es mag auch Kolleginnen und Kollegen geben, die dann eine Medikation anbieten. Aber eine längerfristige therapeutische Begleitung im Sinne einer Therapie findet man sehr selten.

In Spiegel-Online liesst es sich dann so, dass mehr oder weniger  ADHS im Erwachsenenalter die Fortsetzung vom Hyperkinetischen Syndrom bei Kindern sei. Was nicht falsch, aber auch nur teilweise richtig ist. Merkwürdig genug: Ich sehe vergleichsweise selten das Problem, dass nun erwachsen gewordene „diagnostizierte“ ADHS-Jugendliche nicht weiterbehandelt werden können. Wer in der Kindheit bzw. im Teenager-Alter schon gut multimodal behandelt wurde, braucht seltener im Erwachsenenalter noch Therapie. Zumindest ist das meine subjektive Beobachtung. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Schwieriger sind aber eben die Klienten, die erst mit dem Wegfall von äußeren Strukturhilfen des Elternhauses bzw. der Schule ihre Probleme im Bereich der höheren Handlungsfunktionen deutlicher zu spüren bekommen. Die schon immer auffällig im Sinne von „langsamer“ bzw. abgelenkter waren, die aber eben  nicht unter dem Blickwinkel ADHS angeschaut und behandelt wurden. Gerade im Bereich ADHS bei Frauen eine grössere Problematik. Und gerade hier sind dann die komorbiden Störungen wie Depressionen relevant. Hier reicht dann auch selten eine medikamentöse Behandlung, hier wären wirklich Spezialisten bzw. Spezialistinnen gefragt, die über einen längeren therapeutischen Zeitraum die Betroffenen begleiten.

Nach längerer Zeit hört man dann auch mal wieder eine Stellungnnahme vom Zentralen ADHS-Netz. Ja, die gibt es noch. Da geht es dann um den Begriff „Experten für Verhaltensstörungen“, die nun die Stimulantien bei Erwachsenen verordnen sollen. Im Prinzip schön und gut, aber auch hier an der Realität vorbei. Nun sollen womöglich Hausärzte, die eine Schwerpunktsetzung im Bereich ADHS hatten bzw. haben, ausgeschlossen werden. Im Hamburger Raum würde dies bedeuten, dass die Versorgung mit ADHS-Experten um ein Drittel oder meinetwegen ein Viertel beschnitten würde. Was schon aussagt, wie unsinnig die Theoretiker vorgehen.

Ich konnte dem Anrufer leider nicht helfen. Ich kenne einfach keine Kollegen/Kolleginnen, die ich dann zu einer von ihm angedachten längerfristigen Unterstützung für den Weg raus aus dem Burnout bzw. Depressionen bei ADHS empfehlen würde. Schade.

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Ein Gedanke zu „Versorgungslücken

  1. papillonindigo

    Ich kann bei eine solche text nur zustimmen. Ich bin nur betroffenen, mit diagnose als erwachsene bekommen, aber habe oft der eindruck allein im regen zu stehen.

    Klar, medis nehme ich, kontakt mit leidengenossen pflege ich weil es mich sehr hilft (gegenseitig unterstützung ist gross) und eine therapie mache ich auch.

    Es kann auch gut sein dass ich mich durch mein leben schon längst abgewöhnt hatte um hilfe zu bitten und vor allem nachhacken und „extrawürsten“ zu bekommen, damit gemeint eine hilfe der mich wirklich weiter bringt.

    Im moment mache ich einfach dass beste draus (hoffe ich nun) und denke schon dass es sich die nächsten jahren verbessern wird.

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