Dealarmierung: Was bei ADHS wirklich wichtig ist

Johannes Drischel hat auf seiner Webseite bzw. Blog einen Beitrag zum Sinn und Unsinn der multimodalen Therapie bei ADHS geschrieben. Schwerpunkt ist das Thema Alarmierung und die damit verbundenen Probleme eines eingeengten Horizonts. Besonders von den Therapeuten, aber eben auch dem Umfeld des ADHS-Kindes bzw. Erwachsenen.

Sich wieder „richtig“ machen im Sinne von „Alarm-Aus“ ist ein schwieriges Unterfangen. Aber möglich.

Auf jeden Fall lesenswert.

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8 Gedanken zu „Dealarmierung: Was bei ADHS wirklich wichtig ist

  1. Johannes Drischel

    Therapie hat immer mit „Lernen“ zu tun. „Lernen“ ist aber ein sehr komplexer und auch fragiler Prozess. Die Verfassung in der ich lernen kann ist ähnlich fragil wie die Verfassung, in der ich Schlafen kann (natürliche REM-Arbeit – sprich: die Systempflege-Programme bei Nacht).

    Für beide Zustände ist „Alarmierung“ absolutes Gift. Bin ich alarmiert, dann bin ich irgendwie „daneben“. Dann habe ich weder richtig geschlafen, noch habe ich richtig „gelebt“. Viele ADHSler sagen abends: „Warum sollte ich schlafen gehen, wo ich doch noch nicht richtig gelebt habe?“ – Und morgens ist die Erfahrung, dass man fühlt, die Nacht über hart gearbeitet zu haben, und es wurde nichts erreicht. – Erst so ab 11:00 hat man sich ausreichend vom „Schlaf“ erholt, um „irgendetwas“ tun zu können.

    Piero hat recht, wenn er von der Erfahrung berichtet, dass eine Therapie, die greift, dealarmiert. Nachdem ich Piero im letzten Frühjahr persönlich kennen lernen durfte, kann ich mir das sehr gut vorstellen. Piero ist ein Profi, der nicht in erster Linie „Patienten“ hat, er begegnet „Menschen“! – Das ist sehr positiv und a b s o l u t selten. Es ist sehr dealarmierend dieser freundlichen und zugleich akribisch scharfsinnigen Zugewandtheit zu begegnen. Man fühlt sich dann nicht durchschaut, sondern gesehen. Die Folge wird sein, dass man nach dem Kontakt weniger allein mit seinen Problemen ist. Dass dann jede Form von therapeutischer Intervention seinen optimalen Wirkungsgrad erreichen kann, ist klar.

    In diesem Sinne, hier ein herzliches Danke! Und Martin und Piero, Eure Texte sind sehr hilfreich! Schade, dass Ihr nur für wenige Betroffene persönlich erreichbar seid, denn das wäre eine weitere Chance sich zu dealarmieren.

    Johannes Drischel

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  2. Walter Storz

    Hätte meine Mutter damals gewußt (bin 1957 geboren) wie Sie mit Ihren „Alamierungen“ umgehen kann, wäre mir vielleicht viel erspart geblieben.

    Vielleicht hätte ich sogar gewagt eigene Kinder zu haben.

    Ein Leben mit chronischer Alarmierung ist mit verlaub „Scheiße“, und wenn man mit 55 erfährt das man diese Alamierung mit einfachen (aber genialen) Tricks bearbeiten kann ist das Gefühl ziemlich unbeschreiblich!

    Walter Storz

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  3. Piero Rossi

    „Der Alarm muß aus!“, schreibt Johannes. Das ist schon okay, nur müssen dazu bei Vorliegen einer ADHS in vielen Fällen erst einmal die Therapiemassnahmen Wirkung zeigen. Dealarmierung (statt Therapie) an die erste Stelle zu setzen, hört sich gut an, bleibt aber in der Praxis meist ‚Theorie‘: So stelle ich bei Müttern von Kinder mit einer ADHS immer und immer wieder fest, dass eine Dealarmierung erst dann eintritt, wenn die Mutter spürt, dass es dem Kind im Rahmen einer spezifischen Therapie endlich, endlich etwas besser geht. Das gilt teilweise auch für Lehrpersonen.

    Auch ich habe i.S. multimodaler Therapie der ADHS zahlreiche kritische Fragen. Diese betreffenen vor allem deren Umsetzung. Andererseits ermöglicht es gerade dieser Ansatz doch recht gut, ein Entweder-oder-Schema (Ansetzen bei Individuum vs. Massnahmen im Umfeld) wenigstens konzeptionell konstruktiv zu überwinden.

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    1. Karin

      Das kann ich auch bestätigen. Den Daueralarm als Grundmodus habe ich überhaupt erst als solchen erkannt, als er sich durch die Behandlung abgeschwächt hatte bzw. teilweise ganz verschwunden war.

      Beim Daueralarm als Mutter ist es noch schlimmer. Das Mitleiden mit einem geliebten Menschen habe ich immer als viel schlimmer empfunden als eigene Probleme. Auch die „Nachwirkungen“ sind schlimmer bzw. schwieriger zu überwinden.

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      1. Dr Martin Winkler Autor

        Kann ich nur bestätigen. Letztlich sind ADHSler dann durch den Daueralarm der Eltern wieder alarmiert bzw. traumatisiert. Sie wollen ja nicht stören bzw. alarmieren. Sie wollen nur „dazu gehören“ bzw. nicht anders sein. Das misslingt.

        Insofern wäre ja systemische Therapie an sich schön und richtig. Wenn sie gelingen würde. Ich habe mit emoflex sehr gute Erfahrung gemacht (sogar mit virtuellen „Aufstellungen“), besonders mit den Beziehungswerkzeugen zur Dealarmierung.

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  4. Karin

    Ein sehr lesenswerter Text! DasStichwort „Alarm-Aus“ ist wirklich sehr treffend – so habe ich das noch nie gehört. Ich bin ebenfalls davon überzeugt: Mit Freundlichkeit und Wohlwollen ist schon vieles gewonnen!

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  5. Walter Srorz

    „Der Alarm muß erst mal aus sein, sonst hat alles keinen Sinn“
    Schreibt hier Johannes Drischel.
    Als Mensch mit jahzehntelangen erfolglosenTherpieversuchen ist für mich die von J.D. entwickelte Methode zum bearbeiten dieser „Alarmzustände“ genial hilfreich!

    Walter Storz

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