Familienhilfe: Hohe Kosten und kaum Kontrolle

Es ist ein heikles Thema, welches eine junge Journalistin mit eigenem sozialpädagogischem Hintergrund aufgreift: Die Rolle der Familienhilfe bzw. Hilfen zur Erziehung, bzw. die Macht der sogenannten freien Träger, sich ein ordentlichen Scheibchen bzw. Sümmchen gut zu schreiben. Mehr dazu hier .

Und dies mit fragwürdiger, eigener fachlicher Qualifikation und nahezu ohne jegliche fachliche Kontrolle. Und dabei sprechen wir von riesigen Summen, die da jährlich ausgegeben werden, selbst wenn die Kommunen und Städte pleite sind.

So wurden allein in Berlin im letzten Jahr über 400 Millionen Euro für „Hilfen zur Erziehung“ ausgegeben, insgesamt ist es ein Millardengeschäft.

Nun mag ich ja pingelig sein, aber häufig haben die betroffenen Familien eben nicht nur ein Erziehungsproblem, da liegen handfeste psychische Probleme vor (sei es bei einem Elternteil, sei es bei den Kindern). Da fehlt aber dann nahezu jegliche Fachlichkeit in der Beurteilung bzw. auch beim Abgeben der „Fälle“. Sozialarbeiter und Sozialpädagogen sind nun mal keine Therapeuten. Spielen sich aber nicht selten so auf.

Schlicht und ergreifend, weil die Gelder ja die freien Träger finanzieren und damit eben ein grosses Interessse besteht, dass die Fälle möglichst lange weiterlaufen.

Das gilt auch für die Familien, die die Hilfen der Erziehung mit Babysitting oder anderen Dienstleistungen verwechseln.

Ich könnte auch Bände darüber schreiben, wie eine fürchterliche Allianz von Jugendamt und freien Trägern wirklich Unheil anrichten. Und dies völlig ohne Kontrolle von Ärzten oder Psychologen.

Aber wirklich was ändern wird sich wohl kaum. Die Politiker halten still und Jugenämter und freie Träger spielen ihr eigenes internes (mieses) Spiel.

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4 Gedanken zu „Familienhilfe: Hohe Kosten und kaum Kontrolle

  1. alipajolu

    Ich kann nur sagen, wer eine SPFH hat, der ist in einigen Dingen gut beraten. Meist fällt der SPFH noch etwas ein, wo man selber nicht dran gedacht hat Rechtzeitige Anmeldung in der Kita, vielleicht Freizeiten für die Kinder oder doch ein Arzt, der was taugt) geht es aber meist ins Eingemachte, wie psychische Störungen der Eltern oder der Kinder, ADS usw. ist man bei den SPFH auf verlorenem Posten. Das ist zumindest meine Einschätzung. Ich ahbe in dieser Hinsicht weder konkrete Hilfe für mich, noch für meine Kinder erfahren. Sogar das Elterntraining wurde mir Untersagt, da es über die Ergo läuft und nicht von der SPFH reflektiert werden wollte.
    Wenn es so ist, das eine SPFH gerne mit den Kids shoppen geht, schwimmen oder was auch immer, lasst euch das Angebot nicht entgehen. Es sind ein paar Stunden Freizeit für Mutti, die sie nicht bezahlen muss. Kinder stressen beim Schuhe Einkaufen, lasst es die SPFH machen, nicht eure Nerven sonder eure Freizeit. Kleinkind mit SPFH auf dem Spielplatz: Buch rausholen Cappu machen und sich eine Stunde entspannen. Wenn der Staat es so will, bitte.
    Für alle anderen belange gibt es den Therapeuten, Psychologen oder Freund des Vertrauens, der euch helfen kann und auch die richtige Hilfe anbietet. Erst als ich die richtigen Hilfen durch meinen Psychologen und meine Ergotherapeutin bekommen habe, ist es bei mir voran gegangen, nach 8 Jahren SPFH vom Jugendamt und ich habe gelernt: Will der Staat für einen „Babysitter viel Geld bezahlen, soll er das tun.
    Aber versucht nicht, die SPFH abzulehnen. Dann ist der Beschluss vom Gericht die Kinder aus der Familie zu holen, wegen fehlender Mitarbeit oder §1666, nicht mehr weit. Das Amt hat Mittel und Wege, seinen Wllen Durchzusetzen und das werden sie auch tun. Egal wen sie schmieren müssen. Bei uns war es wohl die Verfahrenspflegerin. Denen ist jedes Mittel recht. Also immer gute Miene zum Bösen Spiel machen, sonst wird es die Hölle. Ich weiß wovon ich rede.

    Ich weiß nicht, die wievielte Hilfe wir nun haben. Aber ausser irgendwelchen Gesprächen, die nie etwas gebracht haben, gab es bei uns kaum Hilfe in der Familie von der SPFH und auch nicht vom Jugendamt.
    Wenn Probleme von unserer, bzw. meiner Seite angesprochen wurden, hiess es immer nur, das ich mich ändern muss und nicht das Kind. Das Kind macht nur das, was ich falsch mache auch falsch.
    Das bei unserer Großen Tochter ADS mit Legasthenie vorliegt, hat keiner Aktzeptiert, bis heute nicht.
    Der Familienhilfe wurde immer mehr geglaubt, als Ärzten und Therapeuten, die uns schriftlich die Diagnosen der Kinder mitgaben.
    Es ging leider auch soweit, das eine Klinik sogar die „Diagnose“ der SPFH und des Amtes mehr glaubte, als den Diagnosen von 2 anderen Kliniken, so dass nach den schriftlichen Diagnose dieser Klinik ein Antrag des Jugendamtes erfolgte, der bei Gericht die Herausnahme unserer Kinder bedeutete.
    Bis heute werden 2 unserer in einer Pfelgefamilie betreut und die beiden werden seit über 3 Jahren in der gleichen Klinik von der Pflegemutter vorgestellt. Bis heute gibt es keine genaue ADS Diagnose, da nach 3 Jahren immer noch davon geredet wird, das ich als Mutter an den Defizieten der Kinder Schuld habe, die ich nur alle 2 Wochen sehe.
    Unsere Große, 14, hat trotz ADS und Legasthenie (die Rechtschreibschwäche besteht noch und die Leseschwäche haben wir „beseitigt“.) ein Zeugnis von durchschnitt 2,2. Unser Kleiner, 2 3/4, entwickelt sich prächtig und ist weit vorraus (das alles ja nur, weil 2 Kinder in der Pflegefamilie sind und ich mich konzentriert auf die beiden einlassen kann)
    Laut SPFH aber bin ich nicht in der Lage, mich um 4 Kinder zu kümmern und das unterschreibt das Jugendamt mit freude.
    Und da ist es auch egal, das sich die Kinder so gut entwickeln und das mittlerweile auch die Pflegemutter erkannt hat, das Ergotherapie und viele andere Vorschläge und ansätze von mir, die schon vor 3 Jahren bei den Kindern geholfen haben, nun auch den Kindern guttun und den Kindern helfen.
    Aber es ist alles eine Idee des Amtes und nicht der Mutter.

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  2. Sylvia

    Das ist wirklich ein heißes Eisen.

    Drei (!) psychologische und psychiatrische Gutachten waren nötig, damit die Sozialpädagogin des Jugendamtes nach einem Hausbesuch bei uns tatsächlich akzeptierte, dass eine seelische Behinderung vorlag, und keine Erziehungsdefizite. Wobei mir ins Gesicht gesagt wurde, das Amt habe nun einmal das Recht, sich ein eigenes Bild zu machen, Psychologen und Psychiater irren sich schließlich auch mal. Ja, doch, Sozialpädagogen können das beurteilen, viel besser als andere Experten. Die brauchen für so ein Gutachten mehrere Stunden, das Jugendamt schaut das Kind 30 Minuten lang an und weiß Bescheid….

    In ehrenamtlicher Tätigkeit hörte ich auch von einem anderen Jugendamt die wortgleichen „Argumente“. Im Zweifelsfall ließ man das Gericht klären, wer sich irrt – und das alles natürlich auf dem Rücken der Kinder und deren Eltern, denn die Ämter haben Zeit, die Familien aber nur begrenzt Kraft.

    Auf der anderen Seite wäre es bei dem einen oder anderen Träger der Kinder- und Jugendhilfe sicher sinnvoll, genauer hinzuschauen. Und bitte auch immer wieder, vieles steht und fällt auch mit dem Personal.

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  3. leidenschaftlichwidersynnig

    „Ein effizienteres und gleichzeitig effektiveres Modell wäre: Mehr Jugendamtsmitarbeiter mit niedrigerer Fallbetreuungszahl und weniger freie Träger, aber die dann mit festem Budget. Denn am Ende kostet das Ganze, wie es jetzt stattfindet, weit mehr. Aber darüber rede ich mir schon seit Jahren den Mund fusselig.“ “

    Das ist ein wichtiger und richtiger Aspekt in dieser Frage. Aber gerade in diesen Bereichen wird mehr und mehr gespart.
    Brisant: wer die Zustände kritisiert, läuft Gefahr, den Politikern Argumente für noch mehr Sparmaßnahmen zu liefern.

    “ Wenn die Verantwortlichen in den Leitungsfunktionen des Jugendamtes keinen fachlichen Anspruch haben, wie sollen den dann die Sozialarbeiter haben? Trotzdem verstehe ich nicht, dass ausgerechnet sie das alles mitmachen. Letztlich sind sie es doch, die verantwortlich gemacht werden, wenn etwas schiefgeht“

    Warum sollten sich ausgerechnet Sozialarbeiter eher trauen, für gute Arbeitsbedingungen zu kämpfen als andere Berufsgruppen? Gerade Beschäftigte in sozialen Berufen werden doch immer wieder erpresst, dass Interssenwahrnehmung ihren Schützlingen schade…..

    Im Übrigen kenne ich auch Fälle, in denen es sehr gut läuft und Familien wirklich unterstüzt und entlastet werden. Nicht alle, die Familienhilfe bekommen und benötigen, sind “ hoffnungslose “ Fälle und/ oder sozial am Ende .
    Und es kann auch gut und richtig sein, wenn ein Familienhelfer mit einem Asperger-Teenie bei Saturn shoppen geht oder schwimmen oder was auch immer. Falls der keine peer-group hat und Muttern peinlich ist.

    Trotzdem klar, dass da unendlich viel schief läuft.

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  4. Monika

    Wenn ihr noch so eine Geschichte braucht, dann meldet euch bei mir. Ich kämpfe seit 3 Jahren um meine Kinder. Heute sagte man mir, das wir sie wohl nicht wieder bekommen werden, da mein ADS und die Depressionen ja auch nicht weg gehen.
    Ich ahbe 4 Kinder. Die Älteste, 14 (ADS Mischtypus) und der jüngste, 2 1/2 sind bei uns und die beiden mittleren in der Pflegefamilie.
    Seit mehr als 2 Jahren laufen angeblich Tests, weil die Kinder sich nciht Konzentrieren können, Probleme beim lesen und schreiben haben, aber kein ADS, legasthenie besteht.Sondern alles liegt an der Mutter (das die Kinder aber seit 3 Jahren nicht mehr bei der Mutter sind….)
    Wir haben seit 10 Jahren eine SPFH und viel bewirkt hat sie nichts. Immer nur gut Wetter machen und beim HPG das Messer in den Rücken jagen. Keiner kennt sich mit ADS oder Depressionen aus, aber alle wissen, das ICH mich ändern muss. Jetzt nehme ich Medis und bin deshalb auch nicht die richtige Person für die Kinder, weil ich ja Drogen nehme….

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