Aufmerksamkeitsfokus durch stille Anwesende

In einem amerikanischen Beitrag habe ich den Begriff „Body double“ gefunden. Also sowas wie eine Art Ersatzperson, die einfach nur da sein soll.

Die Aufgabe dieser Person ist, die Aufmerksamkeit bzw. Anstrengungsbereitschaft gerade bei monontonen oder langweiligen Aufgaben zu halten. Also eine Art Motivationsarbeit, aber eben ohne ständiges Ermahnen oder Gequatsche. Einfach nur da sein reicht.

Ein Beispiel hierfür wäre die Mutter, die das Kind am Essstisch beim Hausaufgabenmachen begleitet. Dabei aber eben nicht selber ständig auf Fehler oder das zu oberflächliche Arbeiten oder sonstige Ablenkungen achtet und dazwischen quatscht, sondern beispielsweise selber eine totlangweilige Aufgabe wie Bügeln macht.

Dieses „Dasein“ hilft schon. Voraussetzung ist allerdings, dass diese Person ein „gutes Gefühl“ ausleihen kann. Also nicht gerade selber total genervt und angespannt oder aber demotiviert ist.

Natürlich ist dann häufig auch noch eine Fehlerkontrolle bzw. andere Unterstützung erforderlich. Aber zunächst geht es darum, eben gerade nicht weiter zu stören.

Andere typische Beispiele, in denen man eine gute Freundin oder einen guten Freund als „guten Geist“ brauchen kann, wären:

  • Aufräumen
  • Abwaschen / Putzen
  • Rechnungen erledigen
  • Steuererklärungen
  • Bewerbungen schreiben / Lebenslauf
  • Gliederung von Hausaufgaben / Diplomarbeiten bei Studenten

In aller Regel ist es also für viele ADHSler problematisch, ganz allein in einem Zimmer zu arbeiten. Andererseits ist es genauso unmöglich, wenn zu viele Menschen bzw. Reize um einen herum sind. Hier gilt aber wieder: Alle ADHSler sind individuell, eine generelle Regel ist schwer aufzustellen.

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7 Gedanken zu „Aufmerksamkeitsfokus durch stille Anwesende

  1. mariechen

    Schöner ist es natürlich, wenn tatsächlich jemand da ist… aber Imagination hilft auch.
    Zum Beispiel an eine sympathische Person zu denken und sich vorzustellen, dass sie im gleichen Augenblick auch etwas tun muß, was ihr nicht gefällt, aber tapfer durchhält.
    Oder man kann sich als eine andere Person vorstellen, die ihre Aufgabe eine Stunde lang sehr konzentriert erfüllt und man schaut der Person zu, die das gerade tut. Natürlich sind das bewundernswerte Personen: Manager, Lebensretter, buddhistische Mönche. Und natürlich geht es nicht um Abwaschen und Aufräumen, sondern um die Vorarbeiten zur Rettung der Welt. Das ist mehr die verspielte Variante.

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  2. papillonindigo

    Dass kann ich es auch für mich bestätigen! ich werde es noch bewusster anwenden.

    Ich merke schon dass ich am arbeit mehr motivation habe als zu hause, nur weil dort andere menschen gibt die auch etwas machen… Das gleiche machen wie ein andere arbeitskollegin und immer wieder schauen wo jeden steht motiviert mich oft am meistens! Aber direkt mit jemand arbeiten und mich an der andere anpassen ist wieder mal stress… Lieber nebeneinandere als miteinander.

    Auch etwas machen wenn mein freund da ist (wenn ich bei ihm bin) gelingt es mich. Aber eben, nur wenn er still bleibt, was eben ihm nicht so liegt. Ich glaube, ich muss es ihm mal sagen dass schon nur seine sille anwesenheit eine motivation ist.

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  3. T-Wurst

    Ha! Kann ich bestätigen. Jedesmal, wenn mein Sohn zum Wochenende hier war, ist es meistens sauberer und ordentlicher als vorher, und das, obwohl ich ihm das alles eigentlich nicht zumuten wollte und nahezu jedesmal ein schlechtes Gewissen habe, wenn er kommt (mit Ausreden wie: Papa hatte soviel zu tun 🙂 Wenn er dann da ist, klappt das wunderbar.

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  4. tizianaeisenstein

    Danke, für den Beiträg. Er zeigt mir, dass man intuitiv Wege finden kann….wenn man sich selbst nur genug traut.

    Genauso ist es bei uns über Jahregelaufen . Die Mum immer als guter Geist im Hintergrund bei allen heiklen Aufgaben z. B. Hausaufgaben oder aufräumen. Allein die Anwesenheit eines lieben Menschen und es läuft (Ausnahmen gab es sicher).

    Mit den nun (fast) erwachsenen Kindern habe ich das System getoppt! Wir verabreden uns und „quälen“ uns zeitgleich durch eine schlimme Aufgabe. Das hilft ungemein, weil oft (und immer noch) der Anfang das schwierigste ist.
    Beispiel: Ich mach die Bügelwasche und meine Tochter schreibt eine Bewerbun.

    Die anschließende Belohnung ist natürlich auch immer im Petto.
    Das klappt richtig gut 😉

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  5. 1silvana

    das kenne ich. es gibt leute die haben eine so angenehme ausstrahlung, dass ich sie gerne einfach nur um mich herum habe um etwas zu tun.

    ich beschrieb es immer mit sie sind da, sie lassen einen sein, und irgendwie laufen durch sie die dinge besser, ohne dass ich es je hätte begründen oder einen grund dafür finden können.

    um gut mit jemand auszukommen „muß“ genau das sein, sonst werd ich unruhig, zerstreut und viel schneller als ich eh schon bin.

    das prinzip mir jemanden zur seite stellen, bei etwas das ich bis zum sankt nimmerleinstag aufgeschoben habe, und noch weiter tun würde, wenn es nur irgend ginge, habe ich mir schon ein mal zu nutze gemacht.
    es war eine freundin, die keine panik machte, die ruhig blieb und irgendwie in sich ruhte, mit ihr ging dann, was ich alleine einfach nicht gebacken bzw. zu ende brachte.
    auch da war es, dieses einfach nur da sein, und mich sein lassen.
    das haben aber nicht viele.

    danke für den beitrag!
    silvana.

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    1. Dr Martin Winkler Autor

      Ja, Mütter sind die besten Pädagoginnen bzw. Therapeuten. Wenn sie nicht versuchen, Therapeutinnen und Pädagoginnen zu sein. Sondern einfach Mama sind und das Kind so annehmen, wie es ist. Nicht verbiegen und zerbrechen, sondern sich entwickeln lassen. Ganz einfach. Aber scheinbar unpädagogisch bzw. nicht mit den meisten Elterntrainings für ADHS kompatibel (z.B. THOP).

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