Neuromythologie

Wie unter anderem in meiner Kritik an Barkleys ADHS-Modell verdeutlicht, erachte ich eine kritische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Verhältnissen und dem Zeitgeist, in welchem Probleme wie jene der ADHS evident werden, zum Verständnis derselben für ebenso wichtig, wie das Wissen um die Neurobiologie der ADHS. In diesem Zusammenhang werde ich in lockerer Reihenfolge auf Interviews und Presseberichte hinweisen, welche sich kritisch mit dem gesellschaftlichem Verständnis psychischer Erkrankungen auseinandersetzen.

In diesem Interview erlärt der Pharmakologe und Wissenschaftspublizist Felix Hasler anlässlich seines neuen Buches: «Neuromythologie – Eine Streitschrift gegen die Deutungsmacht der Hirnforschung» seine Vorbehalte gegenüber den Neurowissenschaften.

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2 Gedanken zu „Neuromythologie

  1. Johannes F.W. Drischel

    https://twitter.com/emoflex Ich habe auch Grawes „Neuropsychiatrie“ gelesen, welches hier nicht erwähnt wurde und habe mich gewundert, wie wahllos in der wissenschaftlichen Literatur , wenn es um das Gehirn geht, Begriffe aus Hardware und Software vermischt werden. Würden wir über Computer sprechen, würde jeder normale PC-Schrauber die Augen verdrehen, aber die Neurowissenschaftler dürfen das, weil sie nicht an der Realität gemessen werden.
    Ein Stückchen unterhalb der Aufmerksamkeit des akademischen Radars tut sich allerdings doch noch einiges mehr, als Felix Hasler angenommen hat. Sicher kann man Hirnsoftware und ihre Aktionen nicht gut auf dem MRT sehen! Man kann ja mit dem Durchgangsprüfer auch nicht feststellen, ob auf dem PC ein Schreib- oder ein Tabellenprogramm offen ist! – In der Konzeptentwicklung von emoflex haben wir entdeckt, dass mit Hilfe von Synästhesie aber doch Bilder zu erhalten sind, die diagnostisch nutzbar sind. Ron Davis hat da vorgearbeitet. Daniel Tammet berichtet was er sieht und kann auch einiges tun. Ramachandran und Sacks zeigen uns doch, dass man, wenn man phänomenologisch vorgeht, unwahrscheinlich weit kommen kann. Den phänomenologischen Ansatz mit synästhetischer und autistischer Denkweise betreiben würde, könnten wir bald um einiges weiter sein. Johannes Drischel

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    1. christianegrossmann

      Tut mir leid Johannes, aber da gehe ich gelinde gesagt in die Luft.

      Ron Davis habe ich mir vor ca. 20 Jahren intensiv angetan, als bei meiner Ältesten eine massive Dyslexiestörung diagnostiziert wurde, aber leider noch niemand sagen konnte, wie dem zu helfen sei. Also habe ich nach allen Seiten gesucht, bin unter anderem auch auf Ron Davis gestossen.

      Ron Davis ist mehr als als im Graubereich der diversen Anbieter anzusiedeln. Suspekt ist zudem seine Art und Weise, wie er _sein_ System verkaufen will. Jeder, der will, kann Ausbilder, Therapeut oder sonstwas werden, sofern er bereit ist, erstmal dafür zu bezahlen. Die Ausbildung beinhaltet keine Kenntnisse über diverse Dyslexieprobleme, sondern ausschliesslich über das Ron Davis-Programm, das anschliessend im Schneeball-System verkauft werden soll.

      Der Denkansatz, dass nichtwissenschaftliche Theorien in der Forschung bisweilen auch berücksicht werden sollten, ist ganz sicher nicht falsch. Trotzdem sollte man damit vorsichtig sein und nicht jede Theorie kritiklos annehmen, nur weil sie teilweise erfolgreich vermarketet wird. Hinzu kommt, dass Davis eine sehr rigide Form der Ursachenstörung propagiert, weder ADHS noch andere Ursachen miteinbezieht, sonder einzig auf seine eigene vermeintliche Problemlösung, sprich an deren Vermarktung fixiert ist.

      VG, Chris

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