Belohnungen und Langeweile bei ADHS

Es gibt Tage, da können einen gemeinen ADHSler eben nur besondere positive Erlebnisse aus dem Zustand der Trägheit herausreissen. Oder eben andere Menschen, die eine positive (mitreissende) Atmosphäre verbreiten.

In diesem Zusammenhang bin ich auf eine Studie gestossen, die sich diese Problematik von Belohnungen (oder Psychostimulantien) bei ADHS-Kindern und Jugendlichen genauer in Hirnscans anschauen wollte.

Wenig überraschend war dabei, dass Kinder mit ADHS bei einem Spiel-Test entweder deutlich höhere Belohnungen als Vergleichspersonen ohne ADHS brauchten oder aber auf eine gut eingestellte Psychostimulantien angewiesen waren. Soweit bekannt.

Mir nicht so bekannt war, dass es im Gehirn quasi ein neuronales Netzwerk gibt, das besonders bei Langeweile bzw. Monotonie aktiv ist und eben aktiv „ausgestellt“ werden muss, damit man bei Aufgaben am Ball bleibt.

Dieses DMN (Default Mode Network) ist dann aktiv, wenn wir NICHTS tun bzw. eben im Tagtraummodus sind. Es wird ausgestellt (oder unterdrückt), wenn wir auf eine Aufgabe fokussiert sind.

ADHS-Kinder können nun dieses DMN eben nicht wirksam „ausstellen“, wenn es drauf ankommt.

Hier wirken starke Belohnungen ähnlich wie Stimulantien positiv auf dieses System. Interessant.

Jetzt kann man natürlich sagen, dass ADHS-Kinder starke bzw. stärkere Belohnungen und Erfolge brauchen. Ganz klar.
Aber es macht auch deutlich, dass ADHS-Kids eben einen Nachteil haben, weil sie eben auf normal starke Belohnungen eben nicht reagieren werden bzw. eben im Störrauschen des nicht-supprimierten DMN-Modus verharren.

Mehr zu dieser Studie (auf Englisch) hier.

Mehr zu diesem System hier (englisch):

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5 Gedanken zu „Belohnungen und Langeweile bei ADHS

  1. Pingback: Neurofeedback - Seite 6 ADHS Erwachsenen Forum

  2. Pingback: Was bringt mir Neurofeedback persönlich?! « ADS / ADHS

  3. anna

    hmm…der ausdruck Default Mode Network gefällt mir- das werde ich mal anbringen, wenn andere meinen, ich sei nicht so „ganz bei der sache“….
    ich bin nicht unkonzentriert- ich bin im DMN!!

    bedeutet diese erkenntnis aber im umkehrschluss, das menschen, die kaum/ sehr schlecht entspannen können, und eher im dauer-hype-modus sind, den „knopf“ für DMN nicht haben oder finden??

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  4. Cordula

    Beim Lesen habe ich mich gerade gefragt, ob es vielleicht dieses DMN sein könnte, das „anspringt“, wenn man einen Blackout in Prüfungen o.ä. hat? Also ob es auch mit der Alarmreaktion „Totstellen“ verknüpft sein könnte?

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    1. Dr Martin Winkler Autor

      Gute Überlegung. Ich hatte u.a. auch gedacht, dass es ja ähnliche Systeme geben kann, die dann beteiligt sind. Die „Blackout“ sind nach meiner Meinung eher dann der Fall, wenn die An-Aus-Steuerung der Netzwerke „klemmt“. Also entweder alles „an“ oder „aus“ oder am Flackern ist. Sprich : Es macht ja eigentlich keinen Sinn, dass das Alarmzentrum (Mandelkern) „AN“ und das MRD-System nicht unterdrückt ist. Das wäre ja für Relaxen und Tagträumerei zuständig.

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