ADHS Diagnostik über EEG-Wellen ?

Im Sommerloch machte eine amerikanische Meldung
ein wenig Schlagzeilen, dass die FDA in den USA ein neues Diagnostik-Tool zugelassen hätte.

Gibt es jetzt also den „objektiven“ ADHS-Test, der über eine technische Apparatur am Ende ADHS ja oder nein herausspuckt ?

Natürlich nicht.

Im Kern wird bei der Methode eine sehr lange bekannte Auffälligkeit im Bereich der Verteilung von Hirnwellen im EEG ausgenutzt. So sind die Anteile von Theta- und Betawellen im EEG von Kindern mit ADHS statistisch gesehen verändert.
Das ist an sich lange bekannt. Dysrhythmien bzw. Veränderungen im EEG dieser Art lassen sich also häufig, aber nicht immer bei ADHSlern finden. Und umgekehrt : Entsprechende Auffälligkeiten in der Regulation der Schlaf-und Wachfunktionen finden sich auch bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ohne ADHS.

Ein wenig wird ja auch im EEG-Neurofeedback dieses Gedankenspiel ausgenutzt.

Weit ausgereifter wären da schon qEEG-Verfahren, die sich auf speziellere Variationen der Reguationsdynamik von ADHS versuchen. Hier hatte der Berliner ADHS-Experte Dr. Droll Ansätze entwickelt. Aber auch hier würde man sicher nicht soweit gehen, es als einen kleinen Baustein in der ADHS-Diagnostik zu sehen. Also eher ein „nice to have“ als ein „Muss“.

ADHS-Experten finden es also gelinde gesagt sehr gewagt, wenn man mit dieser Methode nun eine ADHS-Diagnose stellen will.
Vermutlich erheben aber noch nichtmal die Anbieter diesen Anspruch.

ADHS ist eine klinisch zu stellende Diagnose.Sie erfordert eine gründliche Eigen- und Fremdanamnese. Wer sich da auf technische Spielereien verlassen will, mag das ja tun. Aber bitte dann nicht auf Kosten der Gründlichkeit. Und bitte auch nicht zu Lasten der Krankenkassen bzw. als Selbstzahlerleistung ohne diagnostischen Gewinn für die Klienten.

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Ein Gedanke zu „ADHS Diagnostik über EEG-Wellen ?

  1. christianegrossmann

    Hallo Martin,

    mich erstaunt gerade deine ablehnende Haltung. Da die Diagnose ganz allgemein, sowie deren Kriterien im Besonderen doch manchmal recht heftig angezweifelt werden und wir uns alle darüber einig sind, dass die heutige Diagnoseverfahren noch immer nicht das Gelbe vom Ei sind, ist doch solch ein Vorstoss eher begrüssenswert? Und so wie ich den Artikel verstanden habe, ist es auch nur als Baustein zur Diagnose gemeint und hat keineswegs einen alleinigen Diagnoseanspruch. Was sich schon aus dem Namen ableitet: Diagnose-Tool.
    Also nur ein weiterer Baustein dazu, um ADHS mittels verschiedener Möglichkeiten möglichst zweifelsfrei festzustellen? Viele Wege führen nach Rom 🙂

    Viele Grüsse, Chris

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