Menopause und neurokognitive Veränderungen bei Frauen mit ADHS

Viele Patientinnen im Übergang zur Menopause (sog. Perimenopause) schildern eine Art „Dauernebelzustand“ im Gehirn. Sie bemerken Veränderungen des Gedächtnisses, der Orientierung, der Dauerkonzentration oder der Aufmerksamkeitssteuerung. Zudem sind natürlich Stimmungsschwankungen bzw. Gereiztheit und eine leichtere Erschöpfbarkeit bzw. verminderte Regeneration häufig zu beschreiben.

Eine Studie untersuchte nun (erneut) entsprechende neuropsychiatrische Veränderungen bei Frauen in der Menopause und versuchte dabei, möglichst charakteristische neuropsychologische Veränderungen herauszuarbeiten.

Einige Klientinnen kommen mit der Fragestellung, ob es sich bei diesen Veränderungen nicht auch um eine ADHS-Symptomatik handeln kann.

Definitionsgemäss ist es natürlich so, dass sich dieser „Nebelzustand“ bei ADHS quasi lebenslang bemerkbar gemacht haben muss. Also eben nicht erst mit den hormonellen Veränderungen der Menopause aufgetreten sein darf. Und auch nicht (wie beispielsweise beim Prämenstruellen Syndrom) nun nur in bestimmten Phasen des weiblichen Zyklus.

Aber es ist andererseits bekannt, dass bei ADHSlerinnen diese ZUSÄTZLICHEN neurokognitiven Beeinträchtigungen früher und wohl auch weit stärker ausgeprägt als bei neurotypischen Frauen auftreten können.

Anders ausgedrückt: Möglicherweise bemerken und leiden ADHSlerinnen weit stärker unter diesen Veränderungen der Hirnfunktionen in der Menopause als andere Frauen.

Nach meiner klinischen Erfahrung kommen hier neben den hormonellen Faktoren aber eben auch häufig weitere Einflussfaktoren hinzu. So ist häufig in der Menopause der Schlaf und damit die Regenerationsfähigkeit deutlich beeinträchtigt. Aber auch Lebensereignisse schlagen deutlicher zu: Häufig ist eine Mehrfachbelastung durch die (Allein-)Betreuung von ADHS-Kindern und zunehmende Anforderungen im Beruf oder aber auch in Partnerschaftskonflikten dann so stark ausgeprägt, dass eine Erholung bzw. eigene Freiräume gar nicht möglich sind.

Das, was in „jüngeren Jahren“ noch durch Mehranstrengung oder zeitliche Mehrarbeit ausgeglichen und mehr oder weniger geschickt kompensiert werden konnte, wird jetzt unter der zusätzlichen neuropsychologischen Veränderung der Menopause zum Tropfen, der das Fass letztlich überflutet.

In der Klinik sieht man so doch häufiger Frauen, mit sog. „atypischen“ Depressionen (auch agitierte Depression), die in dieser Lebensphase eben neuropsychiatrisch auffällig werden.

Aus meiner Sicht macht es Sinn, hier eben sowohl an die Menopause wie auch an ADHS zu denken.

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4 Gedanken zu „Menopause und neurokognitive Veränderungen bei Frauen mit ADHS

  1. irgendwieanders

    Die Theorie, dass sich AD(H)S zu Beginn der Menopause verschlimmern könnte, klingt für mich sehr plausibel.
    Ich bin jetzt 42 und vor gut einem Jahr bekam ich völlig überraschend meine AD(H)S-Diagnose. Und seitdem hat sich sowohl die AHDS als auch meine geistige und körperliche Leistungsfähigkeit extrem verschlimmert.
    Von einem Gyn erwarte ich nicht mal, dass der sich jetzt auch noch mit der sehr komplexen AD(H)S-Problematik auskennen muss.
    Ich wäre schon froh, wenn ich nur einen Psychiater oder Therapeuten hätte, der meine AD(H)S nicht nur diagnostizieren sondern auch effektiv behandeln kann, anstatt mir einfach zu erklären, dass ich meinen Beruf und meine Träume/Wünsche einfach an den Nagel hängen soll, weil ich ja die „Krankheit“ bzw. Störung/Behinderung ADHS habe, welche durch Ritalin und VT – also das Standardprogramm – leider nicht geheilt werden konnte. 😦
    Aber ich werde nicht aufgeben.

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  2. Angela l Bra

    @ nepomuk, nicht nur in dem einem Bereich ist die Gynäkologie wirklich vom Gehirn abgeschnitten, bei den Ärzten. Viele Ärzte sind nur für das offensichtliche da, sie denken nur an die Hormone, die den Zyklus der Frau beeinflussen. Nicht daran warum solche fehl oder Überschuss Hormone überhaupt entstehen und was sie mit der Frau machen. Sie klammern die Sexualität mit aus, das ist das schlimmste. Ich möchte nicht Wissen wie viele Weibliche Erkrankungen, durch die Nichtbehandlung der Hormon beeinflussten Sexualität entstehen. Denn so etwas hat ja psychische Folgen die sich denke ich so weit ausprägen können (durch Erziehung und Gesellschaft) das es mit den Jahren zu körperlichen Erkrankungen kommen kann.
    Und noch einmal (ich weiß nicht ob mein erster Text hier ankam, das aber jetzt als Zusatz dazu), ADHS wird auch durch Hormone beeinflusst bei der Frau. So war meine ADHS unter der Pille anders als die Jahre ohne Pille. Dann veränderte sie sich noch mal als ich ins Klimakterium ging und seit der Menopause (was für ein scheußliches Wort) ist sie noch mal anders. Aber das würde in ein Buch der Theorien ausarten bei mir hier 😉 deswegen beende ich es.

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  3. Angela l Bra

    Am Anfang der Wechseljahre verschlimmerten sich bei mir eher die ADHS gerade die Emotionalen traten noch mal hervor ((rückblickend) (ab ende 30zig bis Mitte 40zig war sie abgeschwächt))….obwohl sie noch nicht diagnostiziert war. ..seit der Menopause …tritt eine starke körperliche Schwächung ein. Seit der Einnahme von Medikinet (2 Jahre) bzw. wenn ich sie mal vergessen habe, merke ich deutlich den unterschied wie ich mich früher gepowert habe um viele Dinge zu schaffen …..Heute ohne Medikinet dann undenkbar das powern hat sich ausgepowert …vor allem körperlich …dabei habe ich ein 6 Tage Arbeitswoche durch 2 Jobs einen Haupt – und einen Nebenjob….bei mir ist es wirklich eine Verdopplung der Symptome mir ping pong Effekt ADHS/ ADS-Wechseljahre-Menopause- ADHS/ADS (was für ein blödes Wort es ist ja keine Pause es endet etwas )

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  4. nepomuk

    Aus eigener Beobachtung kann ich den nur zustimmen. Leider können die wenigsten Gynäkologen mit den Auswirkungen von ADHS bei Frauen etwas anfangen.

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