Gewalt gegen Kinder macht nicht nur seelisch krank

Körperliche Gewalt in Form von Schlägen bewirkt nicht nur psychische Dauerschäden, sondern auch im somato-medizinischen Sinne resultieren aus Gewalterfahrungen in der Kindheit- und Jugend vermehrte körperliche Erkankungen im Herz-Kreislaufsystem und anderen Organen. So schreibt es jedenfalls eine aktuelle Studie.

Schläge bzw. körperliche Züchtigungen sind natürlich in jeder Form zu verurteilen und in Deutschland haben die Kinder ja auch ein Anrecht auf gewaltfreie Erziehung. Andererseits ist es naturgemäss so, dass eben Kinder mit Störungen mit oppositionellem Trotzverhalten bzw. Störungen des Sozialverhaltens (bzw. dem Hyperkinetischem Syndrom mit gestörtem Sozialverhalten) vermutlich häufiger körperlicher Gewalt ausgesetzt sind. Zumal statistisch gesehen eben der Vater und/oder die Mutter eben häufig selber ein massives Impulskontrollproblem haben.

Welche Gründe nun der Anstieg der körperlichen Erkrankungen hat, ist noch nicht so ganz klar. Vermutlich ist aber der Dauerstress mit Beginn in der frühen Kindheit für Veränderungen im hormonellen Regulationssystem von Cortisol und weiteren Stresshormonen verantwortlich. Mit bleibenden Schäden.

Hier wäre Prävention und Hilfe für die Eltern besser als Vorwürfe oder Bestrafung. Wichtig erscheint mir ein gutes Elterntraining unter Berücksichtigung der selbst betroffenen Eltern. Und eben eine frühzeitige Erkennung der zugrunde liegenden Probleme bzw. neuropsychiatrischen Erkrankungen bei den Kindern und Eltern.

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4 Gedanken zu „Gewalt gegen Kinder macht nicht nur seelisch krank

  1. papillonindigo

    Erstaunt dass Schläge als Kind später krank machen bin ich gar nicht. Ich hatte es selber erlebt, da es zu Erziehungstil meine Eltern gehört hatte. Ja, stressig ist es und auch lange danach bleibt Spuren… Richtig körperlich krank bin ich nicht gewesen, aber so Stresssymptomen wie Bauchschmerzen sind mich vertraut, obwohl es immer besser geht (Dafür mache ich eben etwas). Angst falsch zu machen, bestrafft zu werden kann noch viel später Stress verursachen.

    Nun, wenn ich in mein Leben zurückschaue, fand ich einiges doch stressigen als die Schlägen mein Vater (auch wenn ich davon echt Angst hatte!). Es gab auch verletzende Wörter, natürlich zu Hause, aber nicht nur… Oft ohne Vorwarnung wie wenn es mal geprügelt wird. Lehrer können mal auch etwas verletztend sagen… Ach und noch Schulmobbing und alle andere Vergnügen die man als kleine doch schlaue ADSlerin in die Welt geniessen darf, weil man anders ist, nicht verstanden wird…

    Mindenstens hatte ich rasch Verständnis dafür dass wenn mein impulsive und reizbare Papa haut, dass es nicht ok ist, weil es schon in meine Kindheit nicht mehr im Mode war, aber der Rest? War noch irgendwie akkzeptiert und ich sei doch selber schuld, da ich faul war. So was fand ich eben viel schlimmer!

    Dazu wenn ein Elternteil regelmässig sein Kind prügelt, gehört alles zu ein ganzes, zu Erziehungsstyl und es gibt auch anderen, weniger sichtbaren Stressfaktoren als die körperliche Gewalt.

    Ein ADS-Kind der viel aneckt und spürt dass er die Erwartungen sein Umfeld nicht entspricht und dafür noch bestrafft wird (heute meistens verbal) lebt sicher auch im Stress…

    Schläge an Kindern zu verbieten und Eltern helfen denen mal aus Verzweifelung doch der Hand ausrutscht ist sicher gut… Aber es gibt auch ein andere, viel subtile Gewalt in unsere Gesellschaft von denen viel nicht mal bewusst sind.

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  2. leidenschaftlichwidersynnig

    Gegenrede: auch maßvolle Gewalt bleibt Gewalt und wird nicht dadurch besser, dass in anderen Bereichen oder auf anderen Ebenen ebenfalls Gewaltausübung praktiziert wird.
    Und dass Strafen nicht zwingend zu Einsicht führen, ist nicht unbekannt. Häufig genug bewirken sie bestenfalls erzwungene Anpassung, wenn nicht sogar das Gegenteil.

    Feigenblatt: das stimmt, denn unsere Gesellschaft ist durch und durch gewaltgeprägt.
    Machen wir uns dran, das zu ändern; aber lassen wir die Kinder gewaltfrei aufwachsen, soweit es in unserer Hand liegt!

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  3. Unsinnstifter

    Fakt ist: Manche Menschen lassen sich nur durch Gewalt davon abhalten selbst Gewalt auszuüben. Und ich halte das Gesetz für ein Feigenblatt, eine Heuchelei. Eine Gesellschaft, die kein Problem hat Kinder unter ein Jahr in die Kita zu stecken in vollem Bewußtsein das es ein hohes Potential für Schädigungen durch zu frühe/lange Trennung von den Eltern gibt. Oder in der Schule eine Form der sozialen Züchtigung und Auswahl zu manifestieren, die voller Gewalterfahrung für viele Kinder ist. Oder auch die Kinder nah am Hungertuch zu halten unter Hartz4. Da kümmerts plötzlich nicht so sehr, das Wohl der Kinder. Psychische Schädigungen werden hier in Kauf genommen.
    Wehe den Eltern! Wenn die dann zur Sicherung ihrer Autoritäts-Position zur Ohrfeige greifen!
    Ne irgendwas stimmt da nicht. Es geht wohl eher um übereifrige politische Profilierung anstelle einer wirklichen Fürsorge.

    Was ich meine: Es gibt das Problem der „aufgeschobenen Bestrafung“ oder der wegfallenden Bestrafung. Beides wirkt letztlich auf den Täter: „Ich brauche keine Konsequenzen fürchten!“ und prägt entsprechend. Wenn ich dann eine Strafe erlassen muss, als Eltern, die keinen wirklichen Effekt hat, läuft das auf dasselbe hinaus.
    Viele Kinder sind vernünftiger als man annimmt. Da braucht man diese Methode nicht. Es gibt aber auch solche, die sehr uneinsichtig und infantil sind, die ihr Unrecht nicht erkennen können /wollen. Einige Kinder brauchen eine „harte Hand“ und sehr konsequente Führung. Das heißt nicht, das diese brutal verprügelt werden sollen, nein. Trotzdem ist maßvolle Gewalt in der Erziehung nicht schlimmer als die Gewalt, die wir in unserer Gesellschaft täglich erleben und praktizieren, allen voran der Staat, der ein Macht- und somit ein „Gewaltverhältniss“ zum Bürger pflegt. Das zum Glück! Denn nur so lassen sich bestimmte Faktoren wenigstens teilweise kontrollieren.
    Schwere Gewalt gegen andere Menschen war schon vorher verboten. Dazu hätte es eines solchen Gesetzes nicht bedürft. Die Ohrfeige oder einen versohlten Hintern durch Eltern unter Strafe stellen, auf dieselbe Ebene zu rücken, wie Eltern die gegen Ihre Kinder schwer gewalttätig sind, ist Hanebüchen. Solche werden sich auch nicht durch ein Gesetz davon abhalten lassen. Sei es weil sie aus Boshaftigkeit dazu tendieren oder weil sie selbst gestört sind.

    MFG

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