Mathematik-Note und Methylphenidat

Es gibt bekanntlich selbsternannte „Experten“, die stellen die Existenz von Dyskalkulie bzw. überhaupt Teilleistungsstörungen in Frage. Das sind meistens mediensüchtige Schwafler, die wenig an der Realität von Kindern mit Lern- und Teilleistungsstörungen interessiert sind. Und eher über Zeitschriften- und Fernsehauftritte ihren Dummfug an den geneigten Leser bringen möchten. Natürlich nur an die, die selber keine Kinder mit entsprechenden Lernproblemen haben.

Eine neue Studie ist aber dann doch provokativ. Wir hatten hier im Blog schon häufig das Thema Matheschwäche und ADHS. Wenn man sich mit ADHS-Kindern näher beschäftigt, so wird deutlich, dass gerade Rechnen und abstraktes Denken ganz besondere Anforderungen an die Exekutivfunktionen, an die gezielte Wahrnehmung, an das Verständnis der Aufgabe und schliesslich dann auch an das Gedächtnis stellt.

Gerade im Fach Mathematik scheiden sich dann die Spreu vom Weizen. Nicht wegen einer Dyskalkulie bzw. mathematischen Unvermögen, sondern wegen der ADHS-Kernsymptomatik der zu oberflächlichen Aufmerksamkeit und der damit verbundenen fehlenden Möglichkeit, das Wissen wirklich so anzuwenden, wie es dem Begabungsprofil des Kindes entspricht.

Plötzlich sind dann nicht nur Flüchtigkeitsfehler zu verzeichnen, nein ganze Aufgabenstellungen werden nicht mehr verstanden. Und das, obwohl sie noch kurz zuvor „gekonnt“ wurden. Gerade Kleinigkeiten in der Formulierung und / oder inkonsistente Aufgabenstellungen auf Arbeitsblättern führen dann zu schlechten Noten.

Eine aktuelle Studie untersuchte nun, ob man mit Methylphenidat die Mathenote verbessern kann. Na ja, etwas verkürzt dargestellt. Aber im Kern ist es das Resultat der Studie. Siehe hier.

Natürlich hilft nun Methylphenidat nur dann, wenn das Wissen auch vorhanden ist. Aber MPH hilft das vorhandene Wissen eben anzuwenden bzw. überhaupt erstmal zu erwerben.

Andersherum gedacht: Wenn ein Kind ein begabungsinadäquates Profil in Fächern wie Rechnen bzw. später Mathe hat (aber eben nicht unbedingt „hyperaktiv“ ist), sollte man an ADHS (vom unaufmerksamen Subtyp) denken. Bevor sich dann andere Folgeprobleme ergeben.

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2 Gedanken zu „Mathematik-Note und Methylphenidat

  1. Incognito

    Ich habe ADS und habe in meiner FHR trotzdem eine 2 Stehen wobei ich mit 1 eingereicht wurde die Prüfung allerdings dann mit 2.5 verpatzte bzw. ich habe aus mir unerfindlichen gründen einige Regeln praktisch kurzzeitig vergessen welche ich in dem Jahr davor noch mit leichtigkeit im Unterricht angewandt habe. Dahrmals wurde ich allerdings noch nicht medikamentös behandelt, auch weil ich dies immer nur als letzten ausweg gesehen habe.

    Nun hatte ich allerdings große schwirigkeiten bei der Berufsfindung und bin schlussendlich bei einer medikamentösen Behandlung gelandet.

    Trotzdem je höher das eigene Interesse ist desto bessere Resultate wird man liefern auch ganz ohne Hilfe. Man muss den Menschen helfen das Interesse an der Sache selbst in sich selbst zu entdecken.

    „Man kann einem Menschen nichts Lehren, mann kann Ihm nur helfen es in sich selbst zu entdecken. “
    Galileo Galilei

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  2. Ralf

    Hallo,

    ich habe selbst überaus lange einem Schüler Nachhilfe gegeben, der alle Ihre beschriebenen ADHS-Symptome in Mathematik aufwies. Hierbei war es aber hin und wieder auch so, dass dieser Schüler in Anführungszeichen „lichte Momente“ hatte und von der Aufmerksamkeit und dem erworbenen Wissen sehr präsent war. Leider war dies eher nur die Ausnahme. Deshalb war die Nachhilfe auch sehr, sehr anstrengend, auch wenn sich der Schüler wirklich stets bemühte. Aber als Nachhilfe-Lehrer ist man da, ebenso wie die Eltern, hilflos, da ein echter Lernfortschritt dauerhaft eigentlich nicht erzielt werden kann. Der Schüler tut einem da natürlich am meisten leid, vor allem auch, da er selbst ein Bewusstsein von seiner „Störung“ hat. Wenn nun tatsächlich dieses von Ihnen beschriebene Medikament zumindest das Wissen dauerhaft abrufen lässt, das das Kind erworben hat, dann wäre allen sehr geholfen, den Eltern, den Lehrern – aber ganz besonders dem Kind selbst.

    Grüße

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