Schlafstörungen: Welche Schlafmittel helfen bei ADHS?

Wenn man einmal über den Tellerrand von ADHS in Richtung Depression schaut, werden heute zunehmend verhaltenstherapeutische Behandlungen von Schlafproblemen als eine Grundlage für den späteren Therapieerfolg einer Depressionsbehandlung gesehen.

Das kann man wohl oder übel auch auf ADHS übertragen: Ohne Behandlung der Schlafprobleme wird sich keine Besserung der ADHS-Symptomatik ergeben. Und anders ausgedrückt: Schlafstörungen jeder Art sind häufig bei ADHS. Es wäre sogar sehr ungewöhnlich, wenn keine Schlafprobleme bei einem ADHS-Kind oder -Erwachsenen vorliegen.

Gemessen an der Häufigkeit von Schlafproblemen gibt es wenig hilfreiche (= evidenz-basierte) Untersuchungen zur Pharmakotherapie bei Schlafproblemen und ADHS. Bei Medline habe ich eine aktuelle Studie gefunden, die mich ein wenig ratlos (noch nicht = schlaflos) zurücklässt. Siehe hier das Abstract.

Untersucht wurden das „klassische“ Schlafmittel Zolpidem, dann Clonidin (auch als Catapressan in der Hochdruckbehandlung bekannt), Melatonin und L-Theanin (wohl mehr als Inhaltsstoff von grünem Tee bekannt).

Wenn man sich die Ergebnisse anschaut, schneidet Melatonin noch mit am besten ab. Ist aber eben in Deutschland nicht als Therapie offiziell bei Kindern und Erwachsenen (unter 55) zugelassen.

Mir nahezu unbekannt ist das Nahrungsergänzungsmittel L-Theanin. Hierzu gibt es tatsächlich eine Studie. Das Journal klingt nun nicht megaseriös. Aber immerhin. Ein Versuch könnte es ja wert sein. Wobei ich wohl eher zu grünem Tee als zu Nahrungsergänzungsmitteln in diesem Fall greifen würde.

Bei Erwachsenen habe ich ja auch relativ gute Erfahrungen mit Agomelatin (Valdoxan) gemacht. Oder wir geben niedrig dosiert Trimipramin (Stangyl-Tropfen). Wenn alle Stricke reissen sind natürlich auch Methylphenidat bzw. Amphetamin in niedriger Dosis (1/4 bis 1/2 Tabl.) als Einschlafhilfe möglich.

Schon erstaunlich, dass es dazu nicht viel mehr Untersuchungen bzw. Diskussionen gibt.

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5 Gedanken zu „Schlafstörungen: Welche Schlafmittel helfen bei ADHS?

  1. Mike

    Auch wenn es nicht explizit ein Schlafmittel ist, so hilft mir eine kleine Dosis Pregabalin (Lyrica) am Abend. Es soll ja die REM-Phasen verlängern; dies scheint es bei mir zu tun. Sowohl Melatonin (in anderen Ländern durchaus frei erhältlich) als auch Agomelatonin waren bei mir leider ohne nenenswerte Wirkung. Aber ich schlafe auch gut ein, wenn ich z.B. um 18 Uhr eine geringe Dosis Amph. einnehme. Ob ich dann besser bzw. länger schlafe, weiß ich gar nicht-schon wieder vergessen 🙂

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    1. Dr Martin Winkler Autor

      Circadin bzw. Melatonin ist offziell für Erwachsene über 55 zulgelassen. Aber viele Präparate werden ja off-label eingesetzt ohne dass die Krankenkasse bzw. der Medizinische Dienst schimpft. Insofern : Kein Problem, wenn es kein Problem gibt

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  2. Simone

    „… es wäre sehr ungewöhnlich, wenn keine Schlafprobleme bei einem ADHS-Kid oder Erwachsenen vorliegen.“

    Hallo Herr Winkler, lassen Sie uns darüber reden…
    Welche Symptome müssen sich denn unbedingt zeigen, wenn ein ADHS vorliegen soll?

    Ich bin doch immer wieder „verwirrt“… …

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  3. Karin

    Bier ist auch gut (auch alkoholfreies, denn es steht der Hopfen im Vordergrund). Ich nahm mal eine Zeit lang Hanftee, das half auch, ist aber natürlich illegal. Wobei man es sich – wenn ich das richtig im Kopf habe – als Medizin verordnen lassen kann in der Schweiz. Jedenfalls hatte das in den kleinen Dosierungen, die ich nahm, keinerlei Drogenwirkung, sondern nur eine beruhigende. Heute nehme ich ca. 4-5 mal pro Jahr, wenn der Schlaf bis morgens um 3 oder 4 Uhr nicht kommen will, 1/3 Tabl. MPH, das hilft immer.

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