ADHS Therapie-Analphabeten

Ich habe für mich festgestellt, dass ich mich so über den Daumen jetzt 15 Jahre mit dem Thema ADHS-Spektrum beschäftige. In dieser Zeit haben sich auch in der ADHS-Forschung Entwicklungen bzw. Veränderungen von Sichtweisen ergeben. Vermutlich noch lange kein Endpunkt, wohl aber Anlass für ein Zwischenfazit…

Ich habe neulich vom Kopfschmerz-Experten Prof. Göbel aus Kiel in Hinblick auf die Umsetzung von Erkenntnissen der Kopfschmerzbehandlung vom Begriff des therapeutischen Analphabetismus gehört.  Das ist auch auf die Situation von ADHS-Diagnostik und Behandlung zu übertragen.

Alle möglichen und unmöglichen Menschen verbreiten dabei ihre persönliche Auffassung zum Umgang mit dem Thema ADHS. Selten aber basierend auf persönlichen Erfahrungen und noch seltener wirklich in Übereinstimmung mit Therapieleitlinien oder den Empfehlungen der Selbsthilfeverbände. ADHS wird heute laut Konsensus-Statements als ein Spektrum verstanden. Also weniger eine kategoriale „entweder-oder“-Störung, sondern vielmehr eine Charakterisierung von einer bestimmten Persönlichkeit- und Entwicklungsvariante.

Genauso wie man bei Bluthochdruck oder zu niedrigem Blutdruck dann irgendwann von einer krankheitswertigen Problematik spricht, wird auch beim ADHS-Spektrum dann von einer Störung gesprochen, wenn sich hinsichtlich der neuropsychologischen Entwicklung so erhebliche Verzögerungen bzw. Besonderheiten ergeben, dass sich gegenüber neurotypischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ein Leidensdruck bzw. Benachteiligungen ergeben.

Es besteht in der Fachwelt Übereinstimmung darüber, dass auch 2014 noch zu wenig Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer ADHS-Disposition erkannt bzw. fachgerecht behandelt werden. Das bezieht sich dann auch auf den Anteil von Kindern (oder Erwachsenen), die leitliniengerecht im Sinne der mutlimodalen Therapie  behandelt werden.

Andererseits kann man den Eindruck bekommen, dass eben zahlreiche Patienten zwar irgendeine Form von „Behandlung“ erhalten, aber diese sich in einem Nirwana von gerade in einer Abteilung neu eingeführten Wunderversprechunen, abwegigen Medikationsvorstellungen oder aber fehlender psychosozialer bzw psychotherapeutischer Behandlung bewegt.

Umso mehr muss man dann den aktiven und nimmermüden Kräften danken, die immer und immer wieder das Lesen und Schreiben in Sachen ADHS vermitteln. Gerade komme ich vom ADHS-Symposium vom ADHS-Deutschland zurück. Neben einigen „Experten“ als Urgesteine (wie beispielsweise Dr. Skrodzki aus Forchheim oder Corrie Neuhaus aus Esslingen) muss man einfach allen gegenwärtigen und früheren Aktiven des Selbsthilfeverbandes ADHS-Deutschland mal DANKE sagen.  Auf der Mitgliederversammlung hat man auch irgendwo gut die frühere Geschichte des Verbandes (BVAH, AÜK, ADS eV) erleben können. Alles engagierte Streiter in Sachen Alphabetisierung in Sachen ADHS im Einsatz in Arztpraxen, Kindergärten oder Schulen, in Berufsförderungswerken, in der Politik und an tausend anderen Stellen.

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4 Gedanken zu „ADHS Therapie-Analphabeten

  1. Unsinnstifter

    Komme grade von einem Anti-ADHS-VT-Artikel. Bin ich so drüber gestolpert bei der Recherche.

    Es ist so ätzend. Man merkt richtig wie sich ein Haufen geistig halbstarker Möchtegernintellektueller einem verschwörungstheoretischem Gehabe hingibt, um sich selbst in Wissen und Erkenntniss zu suhlen und einen Knüppel aus dem Sack auf Strohpuppen einer autoritär – kapitalistischen Gesellschaft zu hetzen.

    Nun bin ich ja keiner der diese Dinge ausschließlich so beurteilt, ich sehe da auch seelische Verwerfungen der Anti-ADS-Vtler, Projektionsflächen, Ersatzkampfschauplätze als Ventile für gesellschaftlich durchaus berechtigte Kritikpunkte. Dabei bin ich auch der Meinung offen sein zu müssen um die Standpunkte zu verstehen bzw. die Ursachen für solche Haltungen nachvollziehen zu können.
    Hart wird es halt wenn sich trotz elaboriertem Code in hochgeschwollener Selbstherrlichkeit nicht ein Jota Wissen über die ADS findet und jeder Satz geschwängerten Partisanenpathos enthält.

    Ich denke das man solcherart ADS Ablehner letztlich nicht wird „therapieren“ bzw. (in Anlehnung an den Artikel) zu ADS-Alphabeten wird machen können. Egal durch welche Anstrengungen.

    Es ist wohl wichtiger die Eltern der ADS Kids, bzw. betroffene Adults gegen diese ADS Verschwörungsmythen und ihre virale Verbreitung gerade über das Netz zu immunisieren.
    Das sollten vielleicht bewußt so bei den Aktivisten als Punkt in der Agenda vorkommen.

    Nur mal so

    MFG

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