Intoleranz für Ungerechtigkeit

Vor einiger Zeit habe ich hier im Blog über Tobias und den Kommentar seiner Lehrer über fehlende Stärken berichtet. Papillionindigo hat diesen Beitrag aufgegriffen, was wiederum für mich Anlass war, nochmal über Tobias nachzudenken.

Einer der Hauptgründe für seine wechselnde Teilnahme bzw. sein Interesse an den Unterrichtsstunden sind die Lehrer. Nicht so sehr das Thema, weniger die pädagogische Methodik bzw. die Vermittlung des Lernstoffes. Sondern mehr oder weniger der Grad der Ungerechtigkeit bzw. Willkür, mit der die Lehrerinnen und Lehrer gegenüber Konflikten bzw. Spannungen im Unterricht vorgehen.

Der Uelzener Kinderarzt Karsten Dietrich hatte auf dem ADHS-Symposium in HH in einem Nebensatz erwähnt, dass ADHS-Kinder weniger ein hohes Gerechtigkeitsempfinden sondern ein hohes Ungerechtigkeitsempfinden haben. Dr. Diedrich ist übrigens am 28.6.2014 in Uelzen beim ADHS-Symposium einer der Referenten. Neben Dr. Wolff aus Hannover und dem ADHS-Experten Roy Murphy von der Schön-Klinik Bad Bramstedt.

Wenn Ungerechtigkeit als Spannung im Raum liegt bzw. als Willkür von einem ADHS-Kind empfunden wird, dann kommt es zu einem emotionalem Systemausfall im Gehirn. Na ja, so in etwa jedenfalls.

Viele ADHSler (und auch Aspies) möchten dann genau erklärt bzw.. begründet haben, WARUM es denn so sein soll, wie es gerade mehr oder weniger willkürlich von einem Erwachsenen (oder auch mal Mitschülern) gemacht wird.

So wie aber Konflikte nun mal sind, ist Ungerechtigkeit in der Schule mehr oder weniger die Regel. Das gilt für viele ADHSler besonders in „Laberfächern“ bzw. bei Lehrerinnen und Lehrern, die eher nach dem Augenaufschlag bzw. „Einschleimfaktor“ gehen und weniger die Leistung bzw. noch weniger die Leistungsverbesserung bewerten bzw. loben.

Das kann regelrecht krank machen.

Es gibt Hinweise darauf, dass ADHS-Kinder bzw. auch Erwachsene nicht nur ein Problem mit Belohnungen haben, sondern primär in der Verarbeitung von negativen Rückmeldungen bzw. Gefühlen. Besonders beim unaufmerksamen Subtyp soll sich dann ein negatives Feedback wie Narben im Gehirn einbrennen.

Hier geht es darum möglichst frühzeitig Strategien für die emotionale Regulation von „negativen“ Gefühlen zu vermitteln.

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Ein Gedanke zu „Intoleranz für Ungerechtigkeit

  1. Küstennebel

    Wenn man es anders betrachtet, könnte man auch sagen: Mangel an Verständniss für soziale Situationen^^
    Das Empfinden der Ungerechtigkeit entsteht doch meistens aus dem Problem, das die Betroffenen nicht zurückstecken bzw. sich zurückziehen können, im richtigen Moment. Alle machen Mist im Unterricht, vielleicht wird der Betroffene gerade sogar gemobbt, aber am Ende machen die Täter „brave Show“, wenn der Lehrer grade guggt, die Betroffenen reagieren nicht so. Die beharren auf ihrem Recht die Täter zurück zu ärgern, zurückzuschnauzen oder wie ich das früher machte sogar mitten im Unterricht eine zu klatschen :-). Den Ärger kriegt der Betroffene, selten die Täter, die diese „Naivität“ ausnutzen und für ihre Mobbing“unterhaltung“ mißbrauchen.
    Oder halt die Lehrer selbst^^ Von heimlicher! Ohrfeige, bis zu schlechterer Benotung, sozialrassistische Haltungen gegenüber rückständigen oder sozial Benachteiligten Schülern kenne ich alles. Selbst in Sprachschulen wurden schlecht lesende Grundschulkinder! vor der ganzen Klasse gedemütigt von Lehrkräften! Muss man sich mal reintun.
    Naja, wer Lehrer wird, der erklärt sich letztlich bereit im systemischen Aussortierungsverfahren mitzumachen und die soziale Spaltung aktiv zu manifestieren und dafür dem Schüler und Kind! Die Schuld zu geben. Da muss man sich nicht wundern.

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