ADHS hört nicht mit dem Erwachsenenalter auf…

… liest man in einer selten inhaltsleeren Mitteilung einer Apothekerin der Techniker-Krankenkasse hier.

Und bevor man nun die Erwachsenen leitliniengerecht mit Methylphenidat bzw. Stimulanzien behandele, solle eine multimodale Therapie bzw. Betreuung durch Experten für Verhaltensstörungen erfolgen.

Prima.

Nur : Diese gibt es eben gar nicht für Erwachsene mit ADHS. Zumindest sind mir kaum Angebote bekannt, bei denen eine Psychotherapie oder gar Coaching für Erwachsene wohnortnah angeboten werden.

Selbst die Uni-Ambulanzen bieten für eigene Forschungszwecke nur Diagnostik und vielleicht auch mal eine Studie zur Medikation an. Psychotherapie vielleicht noch im Rahmen einer Gruppentherapiestudie zum Freiburger Konzept (das war das von Hesslinger mit dem DBT-Ansatz, der aber auch schon wieder in der Versenkung verschwindet).

Damit soll nicht gesagt werden, dass nun die alleinige Medikation der Königsweg bzw. eine Lösung wäre. Sicher nicht.

Sondern ich lege den Finger auf die Wunde, dass eben Psychotherapie bzw. Versorgung für Erwachsene im Sinne einer multimodalen Therapie einfach nicht existent ist.

Letzte Woche hatte ich dazu auch einen Mailwechsel mit einer Betreuerin, deren Klient mal in Homburg diagnostiziert wurde. ADHS und sicher auch Suchtprobleme, Traumata bzw. eben ein ganzer Sack voller Probeme. Sie sucht mehr oder weniger bundesweit nach einer Therapie.

Schön, wenn dann die Techniker-Krankenkasse solche Verlautbarungen macht. Ich habe übrigens für einen ADHS-Klienten dann mal bei der TK angerufen. Und tatsächlich : Sie haben mir ein Angebot gemacht : Bei einer Psychotherapeuten-Ausbildungsambulanz könnte man einen Termin innerhalb kurzer Zeit vereinbaren. ADHS-Erfahrung hätten die zwar nicht, aber es wäre dann ja wenigstens….

Ah ja… Danke.

Die Eltern bzw. die Ärzte wenden sich sicher nicht an mich als „Experte“, wenn sie dann mit einem Ausbildungskandidaten ohne ADHS-Erfahrung klar kommen könnten….

Realität und Wunschdenken der Krankenkasse liegen da doch etwas sehr weit auseinander….

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5 Gedanken zu „ADHS hört nicht mit dem Erwachsenenalter auf…

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