ADHS und Partnerschaft

ADHS in der Paarbeziehung: Eine tolle, tägliche Herausforderung

Treue oder wenige treue Leserinnen und Leser von ADHSspektrum werden vielleicht bemerkt haben, dass das Thema ADHS und Partnerschaft bisher eher am Rande aufgegriffen wird.

Dabei sind tägliche Herausforderungen im Alltag einer Beziehung, aber eben auch Themen wie Treue oder Untreue schon ein Thema. Eher ein Thema, über das aber zu spät oder gar nicht gesprochen wird.

Gerade wenn dann eigene Kinder hinzukommen bzw. Kinderwunsch besteht und sich der Ärger des Alltags, finanzielle Probleme oder gar juristische Probleme häufen, sind Trennungsgedanken bzw. auch Scheidungen nicht selten.

Leider erlebe ich es in der Klink immer wieder, dass es eigentlich schon zu spät ist. Also erst nach der Trennung überhaupt das Thema ADHS in den Köpfen der Partner angekomen ist. Auch eine Form der Aufschieberitis ? Vielleicht. Sicher ist aber, dass eben gerade ADHS-Männer aufgrund der Besonderheiten der Selbst- und Fremdwahrnehmung bzw. der Unfähigkeit zum Perspektivenwechsel lange nichts von ADHS wissen wollen. Und sich immer mehr wie ein kleines Kind verhalten.

Welche Partnerin will aber an ihrer Seite einen Mann haben, der sich emotional bzw. hinsichtlich Verantwortungsübernahme wie ein 11 jähriger verhält ?

Ratgeber zum Thema ADHS und Partnerschaft

Zumindest auf dem deutschen Markt ist die Ratgeber-Literatur zum Thema ADHS und Partnerschaft bzw Sexualität schnell zusammengefasst. Im Prinzip gibt es hier quasi den Klassiker von Corrie Neuhaus „Lass mich, doch verlass mich nicht“. Auch wenn sich die ersten Seiten aus ADHSler-Sicht noch etwas schwierig lesen, ist dies vermutlich die erste Wahl. Kaum eine Therapeutin kann so gut die Besonderheiten von ADHS / ADS in Hinblick auf Selbst- und Fremdwahrnehmung, emotionale Regulation, Umgang mit Fremdgehen bzw. Angst vor dem Alleinsein und nicht zuletzt Auswirkungen auf die Kommunikation bzw. Fehlkommunikation darstellen. Das Frau Neuhaus sich auskennt, erlebt man auf jedem ihrer Vorträge. Hier eine schöne (ältere) Zusammenstellung eines ihrer Vorträge zu Thema ADHS und die verflixte Paarbeziehung

Dann gibt es noch die Bücher von Doris Ryffel-Rawak, die vermutlich auch in zahlreichen Bücherschränken von ADHSlerinnen stehen. Hier geht es eher anhand von Fallbeispielen (und häufig eher aus der Sicht der Frauen) um das Thema. „ADHS und Partnerschaft – Eine Herausforderung“ wäre so ein Beispiel.

Englischsprachige Ratgeber gibt es dagegen in Hülle und Fülle.

Frau Dr. Neuy-Bartmann hat in diesem Zusammenhang eine ganz schöne Anleitung für das Leben mit einem ADHSler (oder ADHSlerin) für ADHS-Deutschland verfasst.
Aber eine Gebrauchsanleitung bzw. der gute Rat für das ganze Leben wird vermutlich schwierig sein. Und ungelesen in der Ecke liegen bleiben. Je länger sie ist, desto weniger wird sie aufgenommen. Daher empfehle ich gerne die Anleitung von Frau Neuy-Bartmann…

ADHS verstehen – Psychoedukation die halbe Miete

In den letzten Wochen hatte ich häufiger die Konstellation, dass ich bei einem Partner ADHS diagnostizierte und es dann gerade bei der Partnerin zu jeder Menge Fragen kam. Aber auch viele Auffälligkeiten bzw. Problembereiche erklärlicher wurden. Einen Namen hatten bzw. überhaupt klar wurde, warum Ermahnungen und Kritik nun scheinbar ungehört verpufften.

Verstehen lernen, was denn die Stärken und Besonderheiten von ADHSlern ausmacht und wie man dann etwaige Herausforderungen gemeinsam meistert, setzt also zunächst einmal Information über ADHS voraus. Ob hier Informationsbroschüren der Pharmaindustrie ausreichend sind, glaube ich nicht.

Aufklärung (oder neumodischer „Störungsbildteaching“ bzw. Psychoedukation sollte dann ausgehend von neurobiologischen Grundlagen aus meiner Sicht besonders die Besonderheiten in folgenden Bereichen aufgreifen

* Selbst- und Fremdwahrnehmung (mit der Unfähigkeit zum Perspektivenwechsel)
* Stärken und Ressourcen: Was liebe ich an meiner Partnerin / meinem Partner
(schliesslich hat man sich ja nicht umsonst in seinen Partner verliebt…)
* Zeitgefühl bzw. Zeitwahrnehmung (Leben im Hier und Jetzt, Störungen des Zeitgefühls bzw. des sog. Prospektiven Gedächtnisses) und daraus verbunden
* Erwartungen an den Partner / Partnerin
* Emotionsregulation und Stress(in)toleranz
* Störungen bzw. Besonderheiten der höheren Handlungsfunktionen (Exekutivfunktionen) insbesondere im Bereich Planung, Prioritäten, Umgang mit Geld, Aufschieberitis (Prokrastination), Beginn von Aktivitäten = Selbstaktivierung

Wichtig ist dann, daraus abgeleitet sich spezieller mit Kommunikation zu beschäftigen. Miteinander reden ist die andere halbe Miete bei Beziehungsproblemen.

ADHSler haben häufig Probleme im Kurzzeitgedächtnis bzw. Zugriff auf Erfahrungen aber scheinbar ein Elefantengedächtnis für Kränkungen bzw. negative Erfahrungen. Häufig bezieht sich das auf Erlebnisse aus der Kindheit oder früheren Beziehungen für die der jetzige Partner aber gar nichts kann. Und von denen er oder sie nichts weiss.

Ich erkläre das gerne auch wie „Cookies“ eines Internetbrowsers. Viele ADHSler sind Bilderdenker bzw. „-fühler“. Sie speichern Erlebnisse eben in inneren Bildern ab. Gerade negative Erlebnisse werden dann wie nicht löschbare Cookies verarbeitet. Und scheinbar urplötzlich werden dann gerade in Streit- bzw. Alarmsituationen alte „Fenster“ bzw. Themen wieder eröffnet, die für den Partner / Partnerin überhaupt nicht vohersehbar sind.

Kommunikation, Selbstwert und Umgang mit Konflikten in der ADHS-Partnerschaft

Workshop : ADHS in der Paarbeziehung

Ausgehend von all diesen Überlegungen planen wir in unregelmässiger Reihenfolge in Bad Kösen (oder ggf. bei entsprechender Nachfrage auch vor Ort z.B. in Selbsthilfegruppen) Wochenend-Workshops mit dem Themenscherpunkt ADHS in der Paarbeziehung anzubieten. Dabei soll es ausdrücklich NICHT um ADHS bei Kindern gehen.

Vielmehr soll in einer entschleunigten und entspannten Atmosphäre das Miteinander reden gepflegt bzw. typische Stolperfallen in der Kommunikation bzw. Selbstwertregulation aufgegriffen werden.

Wir werden in einer kleinen Runde uns mit den Stärken und Ressourcen von ADHSlern und den Wünschen bzw. Erwartungen ihrer Partner / Partnerin auseinander setzen.

Einen Schwerpunkt wird dann die Erklärung der sog. Exekutivfunktionen bei ADHS in Hinblick auf die Paarbeziehung bilden. Wir werden gemeinsam erarbeiten, welche typischen Probleme es so geben kann bzw. welche Lösungsmöglichkeiten sich da so anbieten. Kurz- und Mittelfristig gesehen.

Natürlich wird dann das Thema Gefühlsabstürze bzw. Umgang mit Ärger, Frustration und Konflikten nicht zu kurz kommen.

Eben ein Workshop von und für ADHSler.

Interessiert? Der nächste Workshop ist bisher unverbindlich für den 17.- 19.Oktober 2014 in Bad Kösen geplant. Mehr dazu gerne per Email unter winkler(at)adhs.ch.

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8 Gedanken zu „ADHS und Partnerschaft

  1. Volker

    Hallo,

    für einen Workshop in, – oder um Karlsruhe hätten ich (Adhs-ler) und meine Frau Interesse. Kann aber auch bis nach Mannheim / Ludwigshafen am Rhein ( 80 Km vn mir) sein. Wir haben ja ein Auto 🙂 .

    Vielleicht finden sich ja noch mehr betroffene Erwachsene aus dieser Region.

    Gruß Volker

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    1. Dr Martin Winkler Autor

      Leider wird der Bedarf noch nicht hoch genug sein, um nun direkt in Ludwigshafen einen Workshop anzubieten (obwohl ich dort gerne u.a. mit Johannes Drischel einen Emoflex-Kurs machen würde). Derzeit steht noch nicht genau fest, ob der Herbst-Workshop in Bad Kösen stattfindet. Aber sollte es Interesse (z.B. auch aus dem Raum Koblenz etc) geben, könnte man sicher eben einen wohnortnahen Workshop zum Thema organisieren.

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  2. Addult

    Lieber Herr Winkler,

    >Englischsprachige Ratgeber gibt es dagegen in Hülle und Fülle.

    Da wäre ich dankbar für Literaturtipps.

    >Selbst- und Fremdwahrnehmung bzw. der Unfähigkeit zum Perspektivenwechsel

    Ich bin schon ganz verzweifelt, ob es mir je gelingen wird die Perspektive meiner Frau stärker einzunehmen. Wie sind eigentlich hier die Grenzen zum Autismus?

    >Leider erlebe ich es in der Klink immer wieder, dass es eigentlich schon zu spät ist. Also erst >nach der Trennung überhaupt das Thema ADHS in den Köpfen der Partner angekomen ist.

    Zum Glück ist es noch nicht zu spät aber wären die Kinder nicht da…

    Ich habe den Eindruck, dass die Hilfsangebote für Familien mit ADHS-Kindern und Elternteilen sehr mau ist. Haben Sie hier eventuell auch einen Literaturtipp o.ä.?

    Herzliche Grüße

    Addult

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  3. Bernd

    @leidenschaftlichwiedersynnig: Warum benühen Sie jetzt so überholte Sterotype? Frauen verdienen in Deutschland nicht mehr weniger als Männer. Nach neuesten Studien beträgt der geschlechterbedingte Lohnunterschied nur noch weniger als 2 %. Nicht Frauen verdienen weniger sondern Mütter (oder Väter) mit Kindern! Die Belastungen für Familienväter sind in der Regel nicht geringer als für die Mütter. Männer sind stärker von Arbeitsalosigkeit betroffen, Männer begehen vielfach öfter Suizid, Männer sind benachteiligt im Schulwesen, im Gesundheitswesen, in der Lebenserwartung, in der gesellschaftlichen Anerkennung, in ihrer Identitätsfindung, sie haben eine vielfach geringere Rentenrendite. Frauen erreichen inzwischen höhere Bildungsabschlüsse, Kindergarten und Grundschule aber auch in weiterführenden Schulen begegenen Jungen fast nur noch Lehrerinnen. Frauen werden bei gleichen Leistungen besser benotet, bei gleichen Straftaten geringer bestraft! Soll ich noch mehr aufzählen? Es gibt Bereiche in denen Frauen tatsächlich benachteiligt sind, es gibt andere Bereiche in denen Männer mehr benachteiligt sind! Insgesamt überwiegen inzwischen die Benachteiligungen der Männer! Aber niemand sieht das! Dieses feministische Schubladendenken sollten wir wirklich überwinden!

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  4. Unsinnstifter

    Gute Fakten, Böse Fakten, Wahre Fakten?

    Das ist hier kein Diskussionsforum. Vielleicht erlaubt Herr Winkler eine kurze Antwort, die sich gar nicht so sehr um die Fragen drehen will, sondern vertiefend Antworten damit meine obige Stellungnahme untermauern möchte. Bin aber nicht enttäuscht wenn Sie das nicht freischalten, ich möchte auch keine Diskussion.
    Der Frauenlobbyismus ist sehr geschickt darin seine Thesen und „Guten Fakten“ aka „Propaganda“ zu verbreiten.
    Es gilt immer weniger die Wahrheit, die möglichst optimale Näherung und Aufklärung über ein Phänomen aufzuklären und die bestmögliche Antwort darauf zu finden und umzusetzen. Es wird nurmehr Machtpolitik gefördert und diese mit „PR“ verkauft und in die Köpfe der Bürger gehämmert. Gelogen wird das sich die Balken biegen dabei. „Den eigenen Standpunkt vermitteln“ heißt das im passenden Jargon.
    Beispiel:
    Wer verdient den im Schnitt 1/3 weniger ?
    http://de.wikipedia.org/wiki/Gender_Pay_Gap
    „Allgemein muss gesagt werden, dass je nach Studiendesign und Wahl der berücksichtigten Variablen die Ergebnisse des bereinigten Gender Pay Gaps stark voneinander abweichen können. So konnten zum Beispiel mehrere Untersuchungen bereinigte Lohnunterschiede von lediglich ca. 2% nachweisen. Wegen der geringen gemessenen Gehaltsunterschiede wird von den Autoren dieser Studien das Ausmaß von geschlechterspezifischen Diskriminierungen am Arbeitsmarkt stark angezweifelt.[6][7][8]“

    Es werden ALLE Schwachen Menschen ausgebeutet. ALLE Arbeiter, die unterbezahlt sind und vom Lohn nicht leben können. Nicht nur Frauen, sondern viele Menschen, [u]die nicht die gesellschaftliche Macht haben sich durchzusetzen. [/u]Darunter sind auch die vielen Männer, die eine Familie nicht mehr ernähren können, was die meisten liebend gern täten. Das liegt in der „Natur“ der biologisch geprägten Männlichkeit. Gewinner sind immer die Reichen Oberschichten und eben die Oberschichtsfeministinnen mit ihrer Medienmacht.

    Beide, der Mann UND die Frau tragen an den jeweiligen Umständen der individuellen Lebensführung und Partnerschaft die Verantwortung.

    Das ist in unserer allgemein zunehmend infantilisierten Gesellschaft viel schwerer geworden. Und genau das meinte ich letztlich insbesondere für die Jungen / Männer, denen es sowieso etwas schwerer fällt, Reife zu entwickeln und den gegebenen Umständen heute.

    http://de.wikimannia.org/Bildungsmisserfolg_der_Jungen
    de.wikimannia.org/images/Bildungsmisserfolg.pdf

    Es darf einfach nicht um Frauen ODER Männer um Mädchen ODER Jungen gehen. Das ist der Gesellschaftszersetzende spalterische Ansatz, der ja gerade die Misere heute zu einem erheblichen Teil angerichtet hat.

    Tatsächlich sollten die Diskussionen sich zurückbesinnen auf Menschenrechte und allen ein auskömmliches Dasein ermöglichen (wollen!). Aber genau an diesem Wollen hapert es in den Konflikten.

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  5. Gerlinde Weinzierl

    Hallo,

    ich habe eine Petition gestartet mit dem Thema „Chancengleichheit für ALLE Kinder und Jugendliche! Das Bildungssystem benachteiligt Schülerinnen und Schüler mit AD(H)S!“

    Denn leider haben Kinder und Jugendliche mit AD(H)S immer noch schlechtere Bildungschancen und sind in vielen Lebensbereichen benachteiligt. Sie können kaum gezielt gefördert werden, da die Klassen zu groß sind, es den Lehrerinnen und Lehrern oftmals an Zeit, Unterstützung durch Fortbildungen/Förderpläne und Fachpersonal sowie fundiertem Wissen fehlt.
    Daher ist es meines Erachtens zwingend notwendig, das jetzige Bildungssystem zeitnah dahingehend zu verändern, dass es auch für Kinder und Jugendliche mit Handikap leichter wird, mit der Schule umzugehen und auch die Leistung hervorbringen zu können, die ihrem Potenzial entspricht.

    https://www.change.org/p/chancengleichheit-f%C3%BCr-alle-kinder-und-jugendliche-das-bildungssystem-benachteiligt-sch%C3%BClerinnen-und-sch%C3%BCler-mit-ad-h-s

    Deshalb brauchen wir:

    – Kleinere Klassen

    – Fachpersonal – Schulpsychologen/Heiltherapeuten/pädagogische
    Assistenten zur individuellen Förderung und Entlastung der Lehrer

    – Theoretisches und praktisches Wissen hinsichtlch AD(H)S – sowohl im
    Studium/Referendariat als auch durch Fortbildungen

    – Entsprechende Leistungsbeurteilung/-bewertung (Nachteilsausgleich)

    – Mehr Persönlichkeitsbildung und Talentförderung

    ein wunderbarer und lehrreicher Artikel vom 24.08.14 in der FAZ zeigt deutlich, was gute Schulen erreichen können!: „Inklusion hat mich gerettet“ – berichtet von einer Asperger-Autistin – http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/eine-asperger-autistin-berichtet-13113454.html

    Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!

    Mit den besten Grüßen
    Gerlinde Weinzierl

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  6. Unsinnstifter

    Ich kann das nicht leiden, das ADHS-Männern hier ein Teil des Schwarzen Peters zugeschoben wird.
    Das es Jungen bzw. Männer schwerer haben, eine tragfähige Identität aufzubauen würde ich so pauschal nicht sagen. Aber Frauen sind in einer besonders günstigen Lage. Egal wie diese sich verhalten, ob als dummes nörgliges Püppchen mit Kosmetik und Kleider Tick, oder als fürsorgende aufopferungsbereite Mutter oder als Karrieristin, die vom Familienverband unbedingte Unterstützung und Applaus für ihren Karriere-Egotrip verlangt.

    Den Mädels gelingt es auf Grund der postkonservativen Verhältnisse heute in JEDER Form eine gute Figur zu machen.
    Ein anderer Punkt, der Frauen das Leben leichter macht, ist die Tatsache, das Frauen von Natur ihrer biologischen Eigenschaften aus Fürsorge, Mutter“tier“verhalten es leichter fällt, sich wuselnd in Hingabe für die eigene Familie aufzuopfern.

    Männer haben es sehr viel schwerer. Aus diversen Gründen. Einmal gelten für Männer immer noch ohne Nachlass Leistungsanforderungen. Der Mann muss sich immer noch oft emotional verleugnen, schlimmer noch, der Junge wird auf dem Weg zum Mann noch immer Emotional allein gelassen und vielfach gerade von Müttern ausgebeutet.
    Väter sind längst ihrer Vorbildfunktion durch den Postkonservatismus und wegen der gesellschaftlichen Veränderungen beraubt. Was früher den Mann noch ausmachte, gerät heute vielfach in ein Netz der Unmöglichkeiten, besonders wenn ADHS den eigenen Lebenslauf und die eigene Entwicklung behindert.

    Ein Beruf, besonders markant für die männliche Identitätsbildung. Das Leitbild in der Familie sein, Führungsverantwortung und Versorgungsverantwortung tragen wollen und können. Das ist für Männer tief verankerte elementare Basis für eine eigene Identität und dafür, Verantwortung tragen zu können.

    Insbesondere die ADHS macht da aber einen Strich durch die Rechnung. Beim Scheitern in der Schule beginnt es, bei der Berufsintegration und -ausübung gehts dann in die zweite Runde. So zugerichtet sinkt natürlich das Selbstvertrauen und die Fähigkeit als solide Persönlichkeit dem Familienverband voran zu gehen.

    Männer werden seit Jahrzehnten in der Gesellschaft immer stärker zur Lachnummer verdreht. Der aufsteigende Genderismus setzt dem ganzen die Krone auf: Da wird unverhohlen von der Dekonstruktion der männlichen Identität bzw. der Charakterlichen Identität schwadroniert. Die Ersatzidentität ist eine sexuelle, eine animalisch Triebhafte regressiv-kindliche Identität.

    Unter diesen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und der ADHS als Handicap ist es Männern sehr viel schwerer als Frauen einen „Guten Eindruck“ zu machen und die Aufgaben des Lebens zu übernehmen.

    Es ist ein Teil des Problems das die Feminisierung und damit die Machtübernahme der Erziehung alleine durch Frauen und das in jeder Hinsicht oft auch allein erziehend durchgeführt wird.
    Das muss keinen Nachteil bilden, Frauen sind toll. Es führt nur in der überbordenden Abwesenheit von männlichen Idolen und Idealen (Was ist heute noch ein Mann? – Ein Popostechender Homo? Ein Kosmetik-beschmierter Metrosexueller? Ein Bodybuilder?)

    Die Identitätsbildung ist bei Jungs also schwerer aufgestellt. Sie haben eine höhere Hypothek durch die ADHS erhalten als es sich bei Frauen auswirkt. Frauen können immer irgendwie eine gute Figur abgeben, Männer aber nur dann, wenn sie vorbildlich voran gehend die Dinge in die Hand nehmen. Wenn sie die Anpackertypen sind, emotional stabil, stark mental wie auch körperlich, leistungsfähig und durchsetzungsstark.
    Der Mann muss vorausschauender Denken, mehr planen, mehr Übersicht und Überblick haben. Er ist immer noch Mentor des Familienverbandes bzw. soll es sein, wobei ihm gleichzeitig jeder Griff nach der Rolle als Familien“oberhaupt“ als negativer Griff nach der Macht und Unterdrückung der Frau ausgelegt wird.

    Frauen haben hier viel viel stärker die Wahl und sind anpassungsfähiger. Je nach dem wie ihre eigene Persönlichkeit und Fähigkeiten ticken, können sie sich durchs leben schlängeln und bekommen durch die ADHS zwar genauso Probleme in denselben Bereichen des Lebens, wie der Mann, sie sind dabei aber anpassungsfähiger und haben die Wahl ihres Lebensentwurfes.
    Der Mann nicht.
    Wer das Gegenteil behauptet möge es erstmal begründen. Die Wirklichkeit wird nicht durch Behauptung sondern durch Tatsache hergestellt. Ich beziehe mich nicht auf Behauptungen und Wunschvorstellungen, sondern auf Tatsachen. Genau so kann man es überall beobachten.
    Während die Frauen oft zu Hause sitzen und die Familienplanung betreiben, zieht sich der Herr häufig zurück, weil ihm die eigene Teilhabe fehlt. Einerseits soll er chancenlos als ADHSler eine Arbeit suchen und endlich Geld ranschaffen, gleichzeitig soll er im Haushalt helfen. Er soll die Fürsorge für Kinder übernehmen und gleichzeitig immer für die Frau da sein, ein Lover sein, eine starke Schulter zum Anlehnen und gleichzeitig darf er keine Angst vor dem Leben haben und so weiter.
    Dabei ist eine der größten Triebkräfte des Menschen die Angst. Gerade die Anhänglichkeit von Frauen gegenüber Männern hat einen entscheidenden Motor in der Angst vor der Selbstständigkeit.

    Frauen mit ADHS sind keinen Jota besser als Männer mit ADHS. Die albernen kindlichen Mädels fallen nur weniger auf bzw. Frauen neigen mehr dazu, wenn sie auf Grund von Identitätskrisen und Unfähigkeit sich selbst das Leben zu organisieren, sich um Andere Menschen zu drehen, als Männer das tun. Die Frau kümmert sich dann um Haushalt und der Mann soll in die kalte weite Welt mit seinen ggf. sehr schlechten Chancen als ADHSler auf Arbeitsmarkt.
    Der Haushalt bietet seine Arbeit von SELBST an. Es ist OFFENSICHTLICH was da ansteht. Der Mann, der arbeiten soll, muss schon eine stärkere Abstraktionsleistung erbringen, die trotz Hartz4 klar macht, das Arbeitspflicht(-bewußtsein) und Partnerschaftsveranwortung dazu auffordern, seinen Anteil beizutragen.

    Ich will das mal genug sein lassen. Mich ärgert das schon länger, das zwischen Männer / Frauen und Jungen / Mädchen hier die biologischen Unterschiede und die sozialen Realitäten nicht gebührend gewürdigt werden und Frauen gepampert werden.

    Den Männern kann ich nur sagen: Alleine sein ist keine Schande. Allein sein muss nicht Einsam sein heißen. Frauen sind keine Lösungen für deine Unselbstständigkeiten. Erst wenn du selbst dir die beste Hausfrau und der beste Arbeitgeber, der beste Freund und Ratgeber geworden bist, bist du wirklich Reif eine Beziehung zu führen.
    Es lohnt sich nicht vorher Kindergartenscheiße zu machen. Dabei lernt man nichts, sondern man reibt sich nur auf.

    Kümmer dich erstmal um dich selbst. Wenn das klappt, kannst du dich um andere Kümmern. Manchmal klappt das gerade wegen ADHS, insbesondere mit stärkerem Aspergereinschlag gar nicht so gut, eventuell nie. Aber es ist keine Lösung, auf eine Partnerschaft Hoffnungen zu projizieren, die eine Partnerschaft nicht enthält. Partnerschaft ist kein „Geschenkkistchen“ das etwas mitbringt. Partnerschaft ist das Resultat einer arbeitsintensivern Zweisamkeit aus Verzicht füreinander und Leben miteinander und der Summe des Gewinnens aus dieser Arbeit und dem Verzicht egozentrischer Selbstverwirklichung.

    Empfehlenswert ist die Mischung zweier möglichst reifer Persönlichkeiten und das ist für ADHSler nun mal schwerer zu erreichen. Ich arbeite schon so lange daran und ich bin in vielerlei Hinsicht noch immer viel zu unreif.
    Die ADHS schneidet uns von der Fähigkeit einen höheren Reifegrad zu erreichen teilweise einfach ab. Wir sind schlicht etwas retardiert. Mit diesem Bewußtsein, wenn man dies anerkennt und weiß, dann kann man trotzdem noch einiges erreichen.

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    1. leidenschaftlichwidersynnig

      Uh….da werden aber gesellschaftliche Fakten munter verdreht.
      Wer verdient den im Schnitt 1/3 weniger ? Wer kümmert sich meist um Kinder, Job, und die ach so gestressten Männer?
      Wen trifft Altersarmut überwiegend?
      Soll ich noch mehr aufzählen?

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