ADHS-App (1)

LearningByDoing schrieb im Beitrag: ADHS Survival-Pack: Was gehört in einen ADHS-Haushalt? folgenden Kommentar:

Evernote ist eine feine Sache, und hat mir selbst im Studium gute Dienste geleistet. Habe mit dem Teil mal eine komplette Seminararbeit zusammengewurstelt. Hinterher noch formatieren, und fertig war der Spittel. Für Kalender- bzw. Erinnerungsfunktionen bietet sich Google Calendar an, synced auch prima auf allen gängigen Plattformen. Für ToDo-Listen geht das prima mit Wunderlist oder TaskDuck.

Danke für den Tipp!

Die Krux an der Sache ist, dass der allein schon der Umgang mit diesen Tools für viele ADHS-Betroffene mit zu hohen Anforderungen verbunden ist. Meistens wird mit Elan gestartet: In Evernote werden Notizbücher angelegt und mit Wunderlist (beides übrigens wirklich gute Programme) all das zusammengetragen, was man erledigen sollte.

Und spätestens nach einer Woche ist dann die „Luft raus“.

Denn das Pflegen dieser Daten in den Tools erfordert genau das, was viele ADHS-Betroffene eben nicht können. Nämlich Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen. Und zwar auch dann, wenn der „Kick“ weg ist und alles es nicht mehr so neu und interessant ist.

Aus meiner Erfahrung nützen die meisten dieser Tools nur dann, wenn keine ADHS vorliegt oder dann, wenn die ADHS schon gut behandelt werden konnte.

Was es meines Erachtens bräuchte (aber leider noch nicht gibt), sind ADHS-spezifische Speicher- und Erinnerungstools. Diese müssten unter anderem der Spontaneität von ADHS-Betroffenen Rechnung tragen. Die App müsste – wie auch immer – die anstehenden Aktivitäten flexibel und kurzfristig in jene Zeitfenster verschieben können, in welcher die Benutzer/-innen stimuliert und damit motiviert und handlungsfähig sind. Um das etwas zu vereinfachen, müsste eine ADHS-Planungs-App ein individuell einstellbares „Vorglüh-Funktion“ aufweisen. Diese hat den Zweck, für eine Voraktivierung des Belohnungs- und Motivationssystems zu sorgen. Dann bräuchte diese App ein eingebautes und adaptives Belohnungssytem. Dieses soll Aktivitäten, welche geplant und umgesetzt wurden, positiv verstärken (und damit deren Auftretenswahrscheinlichkeit erhöhen).

Neben vielen weiteren ADHS-spezifischen Hilfen müsste eine ADHS-Planungs-App aber vor allem dafür sorgen, dass die Betroffenen sich nicht zu viel aufhalsen. Die von LearningByDoing erwähnten und viele andere ‚grenzenlose‘ Tools laden nämlich geradezu ein, alles total zu überfrachten. Es bräuchte eine automatisch und im Hintergrund arbeitende „Weniger-ist-mehr-Funktion“, welche dafür intelligent sorgt, dass sich die Benutzer/-innen nicht zu viel vornehmen und somit genügend unverplante und spontan nutzbare Zeit verbleibt.

Falls eine App-Programmiererin oder ein App-Programmierer Zeit und Interesse hat …. Ich wäre dabei.

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2 Gedanken zu „ADHS-App (1)

  1. apfeltorte

    *schmunzel*
    Ja, Evernote habe ich auch, und ich liebe diese App! Auf allen PCs, Tablets und Smartphones (daheim, Büro) habe ich diese App, aber dieser Artikel beschreibt haargenau das Problem. Man startet voller Elan, und nach einer Woche ist die Luft raus.

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  2. Dr Martin Winkler

    Ich sehe es ähnlich. Die schönsten Apps helfen nicht, wenn man sie nicht anwendet. Ich habe mir beispielsweise organize.me runtergeladen. Im Kern eine sehr gute Sache (ähnlich wie Dropbox, das ich irgendwie überhaupt nicht anwende). Man scannt / fotografiert alle möglichen Dokumente ab, die dann in einer Cloud verwaltet werden.
    Damit man sie wiederfinden kann, wenn man sie braucht.

    Das wäre eigentlich auch für meinen Sohn eine schöne Sache, wenn es um Arbeitsblätter geht. Doch gerade im Unterricht darf er das Handy nicht nutzen.

    Ich selber wiederum vergesse mich daran zu erinnern, dass ich eigentlich ja …

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