ADHS-App (8)

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Interessant wäre es, auch die Begründungen einiger „…brauche ich nicht“- Votantinnen und Votanten lesen zu können.

 

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13 Gedanken zu „ADHS-App (8)

  1. Ysanne

    Eine ADHS-App hat vor allem eins zu sein: einfach. Kein Schnickschnack, keine unzähligen Einstellmöglichkeiten, keine zig Klingeltöne. Zudem bin ich schrecklich geräusch- und lichtempfindlich; also etwas Leises und Angenehmes. Von mir aus sanft glühendes Lichtwecker-Licht.
    Ich bräuchte so etwas zur Planung und zur Erinnerung.
    Gleichzeitig eine Begrenzung der Listenlänge: Arbeitslisten mit vielen Punkten schaffen mich.
    Ich bräuchte Hilfe, um harte Arbeit und kurze Entspannungspausen zu takten. Daran erinnert werden, dass ich jetzt wieder 5 Minuten Pause mache.
    Dass ich diese Pause bestätige und dann schweigt das Handy für die nächste Arbeitseinheit.

    Oder eine kleine „Wachmacher“-Einheit. Mein Gehirn muss immer wieder mit kleinen Konzentrationsaufgaben geweckt werden: alle s in einem Feld anderer Buchstaben finden – oder so ähnlich.
    Für mich wäre die App zur Strukturierung von allem Möglichen wichtig.
    Tageschecklisten: Kleidung für Arbeit, tägliches Haushaltungspensum, …

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  2. Chris

    Hallo,

    Ich hatte bereits Dr. Winkler einige Gedanken mitgeteilt. Aber ich muss jetzt doch noch mal nachhaken, nachdem ich mir schon einige Zeit genommen, und über das Gesamtpaket nachgedacht habe.

    Mal weg von den technischen Details und der harten Code-Realität: Warum glauben denn die „App-Befürworter“, das ihnen das Zeitmanagement durch die App abgenommen wird? Schlussendlich wird hier mehrfach eine „bessere“ Kalenderoption erbeten.

    Die Forderung danach ist technisch gesehen zwecklos … obwohl ich iOS und Android nicht (intensiv) kenne, aber ich glaube nicht, dass die Kalenderfunktion schlechter ist, als bei meinem Windows Phone. Inkl. Live-Tile, Erinnerungsfunktion, etc. Es ist alles da. Eine „spezielle“ ADHS-App braucht diese Funktion nicht. Viel Arbeit für was? Für nix.

    Mir gestaltet sich hier in der laufenden Diskussion ein Bild, das im Grunde fordert, dass die App mir meine Verpflichtungen abnehmen soll. Und so etwas gibt es nicht. Die Aufgabe / Tätigkeit muss immer noch selbst gemacht werden. Egal ob mit oder ohne App.

    Ich möchte mal einen Vergleich ziehen: Wenn in einem ADHS-Buch alle Lösungen enthalten sind, so liegt es immer noch am Patienten selbst diese anzuwenden und umzusetzen.

    Die Handy-Sperre die gewünscht ist, ist auch sinnlos. Die App kann nicht kontrollieren ob etwas gemacht wurde oder eben nicht. Und warum sollte ich eine App benutzen, die mich dann ganz schnell zur weißglut bringt? Das ist eine unrealistische Funktion – und bestenfalls Fiction. Für die Praxis taugt der Vorschlag nichts.

    Auf der einen Seite wird gemault, weil man sich in eine Gesellschaft gepresst fühlt, auf der anderen Seite ist man bereit sich von einer App Vorschriften machen zu lassen? Und die soll dann auch noch motivieren und witzig sein? Ein Widerspruch.

    Also mal Hand aufs Herz: Wer will sowas wirklich? Wer so eine App baut, hat größere Probleme als ADHS.

    Und jetzt hassen mich die „Befürworter“.

    Aber sein wir ehrlich: So eine App ist nicht völlig unmöglich. Aber sie braucht auch ein Stück vom Realitätskuchen. Deshalb frage ich jetzt mal nach Realitätsbezogenen Überlegungen.

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    1. Unsinnstifter

      [quote]Mal weg von den technischen Details und der harten Code-Realität: Warum glauben denn die „App-Befürworter“, das ihnen das Zeitmanagement durch die App abgenommen wird? Schlussendlich wird hier mehrfach eine „bessere“ Kalenderoption erbeten.[/quote]

      Das ist ja auch Unsinn. Sowas kann ja keine Software übernehmen. Ich denke eher an Einrichtungsassistenzen, an automatisierte standart aktivierte Reminderfunktionen.

      Ohne die Kombination mit einem Kalender kann ich einer solchen Software auch nicht viel abgewinnen.

      Fakt ist: Störungen der zeitlichen Ordnungsfähigkeit / gestörtes Zeitgefühl; schlechtes Arbeitsgedächtniss und dadurch ein lückenhaftes Kurzzeitgedächtniss. Ein bischen ist die ADHS ein „Demenzgehirn“. Dem kann man nur durch Koordinationsstützen der zeitlichen Abläufe abhilfe schaffen. Dazu kommt die Ablenkbarkeit, oft die Befassung mit dem naheliegenden, dem erstbesten Impuls, das Jetzt! ist wichtiger als die Gedanken an die Zukunft. Planung, die eigentlich den Menschen so sehr charakterisiert, das es quasi als Unterscheidungsmerkmal des Menschen gegenüber dem Tier gelten könnte, ist dem ADHSler weniger gelegen. Es fällt schwer betroffenen Personen wohl schwer, sich auf Morgen, übermorgen und irgendwann nächstes Jahr zu konzentrieren.
      Es ist also nötig und notwendig diese Probleme zu verstehen, in die entsprechende Software Gegenpole und Haltestangen einzubauen, die dem Betroffenen die wichtigen Termine anmahnen, eine langfristige Lebensplanung nahe legen, denn daraus entstehen oft die Probleme, der fehlenden Selbstwirksamkeitserfahrungen. Weil wir Betroffenen uns ständig mit dem Befassen, was naheliegend ist, was gerade auch der aktuellen Interessenlage entspringt, konzentrieren wir uns einfach nicht auf unsere Schulabschlüsse und haben eine geringere Zielorientierung im Leben.
      Natürlich kann niemand diese Dinge einem Betroffenen abnehmen, aber man kann wie mein Beispiel klar machen möchte, diese wichtigen Elemente einer erfolgreichen Lebensplanung anmahnen.
      Praktisches Beispiel: Wenn ich mir das Ziel setze in 6 Monaten etwa als Entwicklungshelfer in Indonesien anzufangen, dann muss ich vorher einige Dinge überdenken. Entweder es bleibt nur eine fixe mehr oder weniger gut bedachte „bierseelige“ Idee, oder aber ich fange an die nötigen Schritte zu planen. Reisepass, Impfungen, was man sonst so auch für den Urlaub konkret benötigt, aber auch einiges darüber hinaus. Sicherheitsfragen an das auswärtige Amt etc.
      ADHSler fangen so gerne Projekte an, aber bringen sie nicht zu Ende! Warum? Weil sie das langfristige Ziel aus den Augen verlieren, weil sie die Belohnung im Jetzt sich gehen zu lassen oder ihren Kick zu suchen vorziehen. Das ist auch legitim, wir können uns nicht ständig strafen dafür wie wir sind, was aber nicht heißt, das man das immer machen sollte. Es schadet uns und wir erreichen im Leben nicht viel. Es wäre gut wenn man tägliche Routinen einstellen könnte, die schon !vorgedacht! und implementiert sind. 2,3 oder 5 Auszeiten am Tag, Paar Minuten NIX tun zu jeder Zeit! Einfach einmal klicken, das Programm muss das automatisch mitchecken und mich dann drauf hinweisen: Die Zeit ist um. Aber diese Auszeiten müssen mir dann auch um die Ohren gehauen werden – Das Programm kann mir ein bischen die Selbstgewählte ZuckerBrotPeitsche werden.
      Bewährte Konzepte könnten einfließen.

      Aber eine normale Kalendersoftware, naja da kann ich einen Reminder setzen, keine Ahnung. Bling Bling. Hmmm egal, ich will jetzt nicht Brief schreiben…

      Wenn da aber eine konkrete Verknüpfung zum langfristigen Ziel, wenn das ganze als Projekt festgelegt ist, mir immer wieder klar vor Augen geführt wird, das hier ein Termin für dieses oder jenes Projekt abläuft und ich das Ziel mit einem Bild und vielleicht sogar der persönlichen Einladung von einem Bekannten garniere, bei dem ich wohnen könnte, naja ist das nicht einfacher und mehr als ein normaler Kalender?

      Wie das umgesetzt würde, Codetechnisch ist das doch „Kinderkrams“. Das entscheidend Wichtige ist die ADHS und ihre Probleme verstehen, das wir viel viel mehr auslagern müssen und das wir eben nicht selbstständig immer so gut sind unsere Lebensführung ohne Support zu planen. Schablonen, Einrichtungsassistenzen, umfassende Remindersysteme, Stoppuhren, vorwärts rückwärts, mehrere gleichzeitig. Dann klappts auch mit den weich gekochten Eiern 🙂 bzw. allgemein brennt weniger in der Küche an :o)

      Ja sicher, das alles gibts schon zu kaufen, aber dann hab ich fünf Eieruhren, die ich jedes halbe Jahr neu kaufen muss oder sie sind so teuer, das ich sie mir nicht leisten kann. Eine Software kann diesen ganzen Krams anbieten.

      Letztlich gibt es mit Thunderbird/Lightning einen Kalender der weitestgehend alle Kalenderwünsche abdecken könnte, jedoch nicht umfassend in dem Sinne, wie ich denke das eine Unterstützung hilfreich wäre.

      Beste Grüße

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      1. Chris

        Mit anderen Worten: Du lehnst jegliche Eigenverantwortung ab? So liest sich das gerade für mich. Zuckerbrot und Peitsche? Eine solche App wird NIE den Weg auf mein Smartphone finden. Wenn ich gegen eine App kämpfen muss, dann …. nix da.

        Ich möchte mal dein „Indonesienbeispiel“ aufgreifen. Damit die App funktionieren kann, musst Du alle Schritte selbst eintragen. Einschließlich Termin. Glaubst Du im Ernst, das es auch nur einen einzigen ADHS-Erwachsenen gibt, der sich zehn bis 20 Minuten Zeit nimmt, und alles in die App schreibt? Ich frage mich mal selber ….. lass mich kurz überlegen bevor ich nein sage ……*überleg* …… nein.

        Warum? Zunächst mal habe hier kein echtes Erfolgserlebnis, sondern eine App die Arbeit macht. Und einfach „wegklicken“ kann ich die auch. Auch fehlt das „Vorglühen“, was Dr. Winkler beschrieb. Und die Belohnung bleibt praktisch ganz aus. Alles was Du beschrieben hast, erfüllt die Kalenderfunktion spielend. Und die lässt sich dann auch noch mit anderen Handys abgleichen (Frau / Freundin). Und wenn ich diese Termine dann nicht einhalte, dann bin ich dafür selbst verantwortlich. Eine App kann nie Verantwortung übernehmen. Und – sorry – von einem Erwachsenen erwarte ich ehrlich gesagt dann doch etwas mehr – egal ob ADHS oder nicht.

        Und wenn es Codetechnisch „Kinderkrams“ ist, warum machst Du das dann nicht mal eben schnell? Ganz einfach …. mal „eben schnell“ ist das nicht gemacht. Das ist Wunschdenken und entspricht nicht der Realität.

        Eine solche App muss motivieren, begeistern, spannend sein, zur Wiederholung auffordern, unbürokratisch, einfache Handhabung, simple im Aufbau, keine Arbeit machen, keine Planung erfordern (Stichwort Kalender), keine Angst machen, Eigenverantwortung fordern / fördern, zum Mitdenken einladen, …. alles Eigenschaften die bei den bisherigen Beiträgen praktisch nicht vorkommen.

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    2. Unsinnstifter

      Ich möchte mal einen Vergleich ziehen: Wenn in einem ADHS-Buch alle Lösungen enthalten sind, so liegt es immer noch am Patienten selbst diese anzuwenden und umzusetzen.

      Man kann aber in einem Buch einen Ratschlag aber höflich, nett und das warum erklärend anbringen und dann versuchen Tips zu geben, wie die umsetzung stattfindet. Oder man kann plump und frech formuliert sagen: „Das ist gut, Sie müssen das machen!“

      Erstere Ausführungen führen dazu, das wir uns gerne angesprochen fühlen. Die Erklärungen können sinnstiftend wirken. Das zweite ist der beste Weg oppositionelles Verhalten auszulösen und gerade diejenigen gebrandtmarkten Adhsler-Seelen auf die Barrikaden zu bringen, die ihr Leben lang diese Zwangssymptomatik erlebten, weil sie eben nicht so reagieren wie normale

      Kinder/Jugendliche/Erwachsene.

      Die Handy-Sperre die gewünscht ist, ist auch sinnlos. Die App kann nicht kontrollieren ob etwas gemacht wurde oder eben nicht.

      Nein, kann die App nicht. Aber die App kann standartmäßig mehrmals nachfragen. Reminder, die ich selbst bei der Einrichtung aktiviere. Die App kann Termin-Typen anbieten, die dann alle x Minuten ein „Bin ich noch beim Thema?“ Reminder bietet. Vor allem sollen diese Dinge, dieses Know How einfließen und daran mangelt es Ihnen offensichtlich. Sie sind nicht ADHSler@Chris?
      Oder Jung und dynamisch. Mit etwas überdurchschnittlicher Intelligenz fällt vieles der ADHS nicht so auf, erfordert ein hohes Maß an Know-How und kritischer Selbstbeobachtung dem trotzdem auf den Grund zu kommen.

      Die Haltung einfach nur zu sagen: Man muss sich halt zusammenreißen und seinen Kram machen! <- DAS taugt nichts. Wer so denkt ist in der Betreuung und oder Beratung für ADHSler völlig falsch.
      Hilfreich um ein bischen ein Gefühl für das Wesen der ADHS zu bekommen, sind die Vorträge von Dr. Russel Barkley, sein Workshop und ein Vortrag speziell für Eltern, aber nicht nur.



      Die Tips von Dr. Hallowell helfen dabei auch ganz gut. Gibs auch irgendwo auf Deutsch finds grad nur nicht…
      http://www.drhallowell.com/adult-adhd-50-tips-of-management/

      Es ist sicher schwierig für einen Programmierer solche schwammige Begrifflichkeit in eine nutzbare Oberfläche zu verwandeln, kann ihre Frustration da schon verstehen. Aber man kann ADHS auf Funktionsstörungen herunterbrechen und diese Störungselemente dem Nutzer bewußter machen, ihm mehr Erfolgserlebnisse zu bieten, ihn zu stärken bei der Einhaltung der Terminen und vor allem der langfristigen Planung und die emotionalere, infantilisierte lustorientierte Lebensführung aufzugreifen, zu begreifen das das keine böse Absicht dahinter ist sondern eine "Degeneration" des Gehirns dahinter steht.

      Die entscheidende Stufe der Erklärung um etwas wesentliches über ADHS zu verstehen ist meines Erachtens folgende:
      Bei einem Hund sagen wir das Lob und "Strafe" für eine Aktion innerhalb weniger als 3 Sekunden kommen sollten. Ausserdem sind wir wahnsinnig überrascht wenn wir einen über viele Minuten konzentrierten Hund sehen, weil es typisch ist, das ein Hund seinem Spieltrieb folgt.
      ADHSler sind dem Verhalten ein bischen näher als der Norm-Mensch. Sofortige Belohnung, kurze Aufmerksamkeitsspanne, Impulsivität, Ablenkbarkeit und eine stärkere und impulsivere Reaktion auf Resonanzen. So ähnlich wie ein Hund, der jedem der nur irgendwie falsch riecht, oder selbst nur versteckte Aggression gegen den Hund hegt, verbellt.

      Und das liegt einfach an der Frontalhirnschädigung durch ADHS.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Frontallappen

      Das fehlt Tieren, (also diese Art Frontalhirn nicht der resultierende Dachschaden bei ADHS ;D) und deshalb sind Tiere in der Summe ihrer Art primär "genetische Maschinen", während der Mensch vielmehr seinen Körper wie eine Maschine gebraucht! um sich zu organisieren, was dem Tier bis auf instinktgesteuerte Ausnahmen fremd ist.

      Soviel zur ADHS. Was kann man dann machen? Werden die Konflikte für Sie jetzt logischer? Gerade die Logik des Denkens eines Programmierers, ist ein bischen das was ADHSler zur Selbstorganisation brauchen! Das ist eine große Chance für so ein Projekt.
      Ob das hinterher wirklich angenommen wird ist sicher eine Frage für sich.

      Und glauben Sie den leuten, wenn die Ihnen sagen, die wünschen sich eine Handysperre! Jedes Hinderniss das man überwinden muss, um sich grade wieder mit ablenkendem Mist zu beschäftigen ist für ADHSler eine Hilfe das notwendige zu schaffen.

      MFG

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    3. Unsinnstifter

      Mit anderen Worten: Du lehnst jegliche Eigenverantwortung ab? So liest sich das gerade für mich. Zuckerbrot und Peitsche? Eine solche App wird NIE den Weg auf mein Smartphone finden. Wenn ich gegen eine App kämpfen muss, dann …. nix da.

      Genau das meine ich nicht. Es geht hier um die EIGENE ENTSCHEIDUNG die ich gestern, vorgestern oder vor einem Monat getroffen hatte. Diese mir wieder in Erinnerung rufen, da wieder nachfassen, immer mit dieser Idee UND Entscheidung konfrontiert werden, darum geht es.

      Und das Gerede über ein „Eigenverantwortung“ ist reichlich Schwach. Wir reden über Menschen, die große Probleme trotz GUTEM WILLEN eben nicht die Verantwortung so übernehmen zu können.

      Meine Güte! Es geht um eine PROTHESE, die dem Betroffenen helfen soll sich selbst zu helfen! Sie haben das GESAMTE Prinzip noch nicht begriffen, egal ob Sie jetzt Betroffener sind oder nicht, mit der Haltung von Zwang um jeden Preis erreicht man nicht viel. Ich hab das Jahrzehnte versucht, es macht nur Stress, Krank, Depressiv. Langsam ist die jugendliche Kraft nicht mehr so da, die Kompensationsmöglichkeiten durch Intelligenz, Schnelligkeit und reine Kraft ist langsam verbraucht. Es hat mir nie etwas gebracht, ich habe durch die Zwing-Mich-Einfach nicht viel erreicht. In meiner Familie kann ich an anderen Betroffenen beobachten, was es bringt sich Jahrzehnte unter diesen Leistungs-Druck zu setzen: plötzliches frühes Altern. 50 Jahre Streßinduktion durch kompensatorisches Zwangsverhalten wegen der ADHS Defizite half keinem so richtig. Etwas mehr Verständniss sich Selbst gegenüber bringt da viel viel mehr.
      Für eine Konzeption würde ich mich schon einbringen, man mag mich anmailen. Ich würde allerdings erwarten und wünschen das wenigstens rudimentäres Verständniss für ADHS und seine Probleme vorhanden ist. Sonst kann so ein Projekt nicht viel werden. Aber möglicherweise wird es so oder so nicht gewünscht. Denn in einem Punkt haben Sie recht Chris:
      Man muss sich selbst helfen wollen und gegen die eigene Lässigkeit vorgehen wollen – Sich korrigieren lassen wollen, von SEINEN EIGENEN Termin, Projekt und Zielvorgaben, die man SICH SELBST gesteckt hat. Erst wenn diese Erkenntniss und Bereitschaft da ist, kann so ein Werkzeug auch richtig eingesetzt werden.

      Davon abgesehen wars dann von meiner Seite zu dem Thema, wenn ich mehr schreibe werde ich noch gesperrt!!! :oD *lach

      Schönes Wochenende allen

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  3. christianegrossmann

    Hallo,
    Kommentare, wie „brauche ich nicht“, sind nutzlos. Hilfreich wären hier Begründungen.

    Abgesehen davon frage ich mich, wo die Flut der ADHS’ler ist, die ihre Situation verbessern will, denn nicht jeder hat die Möglichkeit seine persönliche Nische aus eigener Kraft heraus zu finden.
    Ist es per se schlecht, deshalb Unterstützung in Anspruch zu nehmen?
    Oder ruhen sich die Betroffenen tatsächlich auf ihrer Diagnose aus? Kann ich ncht glauben!

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    1. Zausevogel

      Ich bin eher der Meinung, dass jemand begründen können muss, warum er/sie etwas braucht. Wenn man mir dagegen ein Werkzeug zeigt, bei dem mir kein Nutzen einfällt, muss ich und kann ich das gar nicht begründen.

      Die Phantasien, die diejenigen auslösen, die so eine App nicht brauchen, sind allerdings schon erstaunlich. Oder sind mehr die Leute erstaunlich, die diese Phantasien haben?

      Da wir unterstellt, man gehöre dem Lager der Ritalin- bzw. ADHS-Kritiker an oder man ruhe sich auf seiner Diagnose aus …

      Und das Schlimmste, die Massen, die beglückt werden sollen, verstecken sich auch noch. Das erinnerte mich an die fassungslose (und beleidigte) Reaktion der AOP-Generation, als sie feststellen musste, die unterdrückte Arbeiterklasse wollte sich partout nicht befreien lassen ;-).

      Vielleicht ist diese App-Geschichte einfach aus der Sichtweise eines Normalos entstanden, dem bei aller Klugheit doch eines fehlt, die Innensicht eines ADHSlers.

      Ich biete als Erklärung, warum so eine App den Massen nichts bringt, den ganz einfachen Hinweis, dass Stimulation das Zauberwort des ADHSlers ist. So eine App stimuliert nicht, höchstens in der Entwicklungsphase, wenn man darüber diskutieren und sich (damit) ereifern sprich stimulieren kann. Später ist sie lediglich ein Instrument der Knechtschaft (das ist jedenfalls meine persönliche Sichtweise).

      Mich erinnert das daran, als ich lernen musste, dass eine wirklich funktionierende Methode, seinen Papierkram halbwegs im Griff zu haben, von nahezu allen ADHSlern, denen ich diese Methode vorstellte, mehr oder weniger vehement abgelehnt wurde. Sie war schlicht zu langweilig.

      Komplexere Methoden dagegen boten einfach die die wunderbare Möglichkeit, grandios zu scheitern und in der Aufregung und auch echten Verzeiflung darüber sich im Stress zu baden und wieder zur stets begehrten Stimulation zu kommen.

      Natürlcich gibt es immer wieder sone und solche. Ich kenne wahrscheinlich eher solche, bin selbst aber ein soner. Wie mir eine App bei meiner Impulsivität helfen soll, ist mir eh nicht klar. Und für die Bewältigung des Chaos reicht mir ein Blatt Papier und ein Stift. Was ich damit nicht bewältigen kann, kann ich auch nicht mit Hightech schaffen.

      Wobei ich nicht ausschließen will, dass auch für mich der Rausch des die Kurve kriegen im letzten Moment, des Tanzes über die lichten Abgründe des Scheiterns einfach zuviel Reiz enthalten.

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      1. Unsinnstifter

        Völlig Richtig, Ihnen muss kein Nutzen einfallen.

        Nun kann ich Ihnen die Innensicht eines ADHSlers anbieten, die Sie zu vermissen scheinen.

        Ich bin offensichtlich erheblich betroffen. Nach Barkleys Modell findet sich bei mir jeder Aspekt der ADHS in sehr störender Prägung. Meine Beschreibung enthält also keine Phantasien, sondern reale Einschränkungen durch ADHS.

        Einen Ähnlichen Beitrag wollte ich schon schreiben, über den Nutzen einer App, das befürworten und bewerben. Ich hatte es mir verkniffen weil der Beitrag (wieder mal) Überlänge hatte und ich noch mal kürzen wollte. Ihren Beitrag nutze ich jetzt um einen Teil meiner Gedanken daraus darzustellen.
        Was Sie mit einem Blatt Papier machen können, ist eine Sache. Wenn jemand aber den Blätterwald nicht mehr durchschaut, ist es etwas anderes. Elektronische Medien helfen bei der Ordnung und Strukturierung, weil diese im Programm fest integriert ist, ich kann nichts mehr durcheinander bringen. Ich gehe wohl auch richtig in der Annahme, das Sie durch den Bezug auf Apo

        Auch ruft mich das Papier nicht an, sagt mir nicht wann ein Termin ist, der vor Monaten irgendwann gelegt wurde, das macht der elektronische Kalender aber mit Piepsen, Krähen oder meiner Lieblingsmusik.

        Ich kann den Kalender auch leichter sortieren, weil ich das nur einmal machen muss. Die Blätter muss ich ständig zwingend zusammenhalten, der Notizblätterwald wächst und wächst. Jeden Tag ein neues Blatt, bald zu einem Ordner angewachsen. Elektronische Medien wachsen auch, aber Bits und Bytes, Speicherplatz, interessiert nicht die Bohne. Es bleibt so handlich wie am ersten Tag.

        Stimulation alleine ist nicht die Lösung. Letztlich stimuliert ihr Blatt Papier weniger als eine technische Anwendung, die mit Bildern/Titeln/Farben/Klang einladen kann, vorausgesetzt ich möchte das und kann das einrichten. Genau hier setzt meines Erachtens auch die Spezialisierung einer solchen Software an und hört die Funktion des reinen Kalenders auf: Es geht hier darum das bemuttern durch die Software, das steuern und planen auf die Maschine zu übertragen. Das hat mit Fremdsteuerung wie Sie es veranschlagen nur wenig zu tun. Meine persönliche Version dieser Idee enthält auch Aufforderungen über die eigenen Ziele nachzudenken. Täglich, Wöchentlich, monatlich, jährlich. Eine Art freiwillig gewählter Beistand durch eine Maschine, weil die Maschine aus Neuronen eben Defekte aufweist. Wenn ich mir im Januar Ziele setze habe ich das am letzten Januartag längst wieder vergessen. Die Zettel dazu vergilben irgendwo, ich weiß nicht mehr wo der spezielle Ordner mit der Jahresplanung ist. Ja, das gehört eigentlich an einen Platz, aber jaajajaja … ADHS UND SO! 🙂
        Der ADHS spezialisierte Kalender braucht einen Funktionsumfang, der sich anbietet, auch aufdrängelt. Dafür besteht Bedarf. Diesen Bedarf sollte jeder für sich persönlich beurteilen und sich dann entscheiden die ADHS Funktion frei zu schalten. Das ist nicht anders als Medikamente zu nehmen um Symptome zu bekämpfen, Psychoedukation zu betreiben um die eigenen Situation im Sinne von Stärken und Schwächen besser zu verstehen, das Warum und Wieso zu ergründen: Alles dient nur der Kenntniss der ADHS, sich selbst besser verstehen lernen, sich vergeben lernen und damit wieder Handlungsfähig zu werden und die vielen „Klippen“ der ADHS-Symptomatik zu umschiffen.

        Die Bereitschaft entwickelt jeder selbst. Das diese Gesellschaft uns in ein Korsett drängt, das ist mir klar. Dieses Korsett ist nicht immer wünschenswert aber zweitrangig. Das Leben vor 400 Jahren war auch nicht rosiger. Da hieß es Hungertod oder Frondienst, heute muss man sich in alle Anforderungen des eng gestrickten sozial-wirtschaftlichen Korsetts zwängen, oder einen individuellen Ausweg finden. Das ist und wird immer schwerer, besonders für ADHSler.
        Deshalb ist die Steigerung der Selbstorganisationsfähigkeit kein Zwang von Aussen, sondern die Chance für ADHSler Selbstwirksamkeit zu erleben, Selbstständig(er) zu sein und Erfahrungen zu sammeln, das man doch was könnnen kann, wenn man sich auf die richtigen Hilfsmittel einläßt. Schnarcher bekommen Atemhilfen, Gehbeschränkte bekommen Laufhilfen oder Rollstühle. ADHSler? Oft einen moralisierenden Vortrag. Allerdings brauchen ADHSler eine Prothese, die Ihnen hilft, Ihre möglichen Symptome zu erkennen und zu beseitigen.

        Wichtig für einen Nutzer einer Prothese ist die Einsicht, das er sie braucht. Das ist vergleichbar mit der Einsicht, das ein Kranker wirklich akzeptiert das er krank ist. Es taugt nichts, es schadet mir, Ihnen und allen, die sich ihrer Krankheitseinsicht verschließen wie Alkoholiker. ‚Unsere gesamte Gesellschaft ist süchtig nach der Illusion: „Es geht mir gut! Ich habe alles im Griff!“ – Dabei ist das

        Nein, hat der ADHSler in aller Regel nicht. Fast alle leben unter Ihren Möglichkeiten, die Ausnahmen haben Nischen gefunden, in denen Sie arbeiten. Nur kann nicht jeder eine Hollywood oder Sportlerkarriere starten.

        Für alle anderen, für die, die einfach nur normal Leben wollen-sollen und letztlich müssen, weil sie keine Wahl haben – Luftschlösser kosten keine Miete sind aber im Winter recht kalt.
        Deshalb ist die Aufrüstung mit allen möglichen Hilfen für ADHSler gut und richtig und wichtig.

        Ich würde liebend gerne an einem solchen Projekt mitarbeiten und meine Beobachtungen und Erfahrungen beitragen. Leider kann ich keine einzige Zeile Coden, da sind die restlichen Fähigkeiten unnütz! Was wäre wenn ich eine Maschine hätte, die für mich coden würde?

        Ich wäre ein Idiot wenn ich sie nicht benutzte. In diesem Sinne ist eine spezialisierte ADHS-APP, die als ein Sammelsurium des Know-Hows über ADHS daher kommt und Lösungen für die einzelnen Symptome einbringt eine gute Hilfe.

        Vorausgesetzt sie ist so gut und schnell zu bedienen wie ein Stift und ein Blatt Papier, in dem Punkt haben Sie nämlich Recht und Spass sollte sie auch machen, Motivieren können. aber das sind ja schon Probleme von ADHSlern …

        sry @Blogbetreiber Kurzfassen ist nicht meine Stärke…

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  4. Dipl.-Psych. Piero Rossi Autor

    „Wäre übrigens auch neugierig andere Zweifler an der App / Software und ihre Gründe dafür zu lesen!“
    Da wir auch Leser-/innen aus den Reihen fundamentalistischer ADHS-Kritiker haben, ist nicht ganz auszuschliessen, dass einige der „Nein“-Voten auf deren Konto geht. Das ändert aber nichts daran, dass sich das Interesse nach einer ADHS-App in Grenzen hält.

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  5. Erdrandbewohner

    Brauche ich nicht.
    Warum?

    Weil ich ganz bewusst auf ein Smartphone verzichte.

    Und weil ich mich – gerade als ADSler – nicht einer Selbstoptimierungs-Ideologie hingeben möchte. Natürlich, ich bekomme einige Dinge nicht so gut auf die Reihe. Vergesse vieles. Kann unangenehme Dinge hervorragend ausblenden. Meide Routine. Das hat hin und wieder Konsequenzen, die ich leider tragen muss. Ich arbeite dran, in dem ich mir das bewusst mache, für mich funktionierende Strategien entwickle. Das ist ein Lernprozess und es klappt ganz gut. Manchmal scheitere ich. Dann lache ich drüber. Und dieses darüber lachen können ist mein größter Erfolg der letzten Jahre. Ich werde niemals „normal“, was auch immer das ist. Ich will es auch gar nicht. Warum auch? Anstatt alten Zielen hinterherzuhecheln, zu versuchen, Anforderungen zu erfüllen, an denen ich mein Leben lang gescheitert bin, habe ich nun meine berufliche und soziale Nische gefunden, in der ich als ADSler gut und glücklich leben kann.

    Sicherlich wäre eine solche App für manche Leute hier und da hilfreich. Aber für alle angesprochenen Punkte gibt es bereits gute Programme, da brauch es für mich keine besondere App.

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    1. christianegrossmann

      Hallo Erdrandbewohner,

      es spricht für ein gutes Selbstbewusstsein und auch eine gewisse Stärke, wenn du keine solche App brauchst. Aber den meisten ADHS-lern fehlt es an genau diesen beiden Eigenschaften.Sie müssen sie erst noch entwickeln, um vielleicht damit ihre berufliche und soziale Nische auch finden zu können.
      Vielleicht verrätst du uns, wie du dein Selbstbewusstsein entwickelt hast?

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    2. Unsinnstifter

      Ja, wäre mal interessant zu lesen. Denn die Mehrheit muss sich ja mit Umständen arrangieren und kann nicht Selbstverwirklichend leben und arbeiten. Dann wird es für ADHSler so viel schwerer als es ja schon für Stinos sein kann unter diesen Umständen!

      Und je nach dem wie man selbst geprägt ist und vor allem auch wie alt man ist, die Gedächtnissprobleme werden nicht besser mit den Jahren *g, braucht man solide Zeitplanung, sowie eine Erinnerung! an die Ziele, die man für SICH SELBST GESETZT hat.

      Wichtig ist nicht nur darauf bedacht zu sein, das man selbst eine Nische hat, sondern sich klar zu machen, das es für viele Betroffene kontraproduktiv werden kann und man schneller von einem selbstbewußten laissez faire Lebens-Stil ins ziellose Abhängen übergleitet.
      Ich habe insbesondere den Eindruck das dann die Mischung aus ADHS und zu lockerer Lebensorganisation dann zu einer Form erlernter Hilflosigkeit führt, die sich selbst nicht mehr korrigieren kann, weil die hierfür nötigen grundlegenden Methoden vor allem jene sind, die ADHSlern nun mal gar nicht liegen.

      Also am Ball bleiben mit HIlfe aller möglichen Werkzeuge ist ja nicht unbedingt ein Zwang von Aussen, sondern ein normaler Überlebenskampf. Nur weil wir in modernen Gesellschaften in einen Netz gefangen sind, das uns kaum Luft zum atmen läßt, ist nicht jedes Ziel das wir in diesen Gesellschaften verfolgen wollen oder auch sollten, aufgedrängelt oder aufgezwungen. Manchmal ist die Form aufgezwungen, aber nicht der Zweck!

      Anpassung um jeden Preis ist nicht gut. Schon gar nicht wenn man Krank ist, eine Behinderung wie die ADHS hat.
      Anpassungsvermeidung um jeden Preis ist genauso wenig gut.

      Eigentlich ist das hier ja nun keine Diskusisonsecke, aber in dem Feld finde ich meine Hinweise wichtig, damit kann sich das jeder Leser selbst bewußt machen wenn er möchte.
      Insofern danke Erdrandbewohner für die Vorlage und bezieh das nicht auf Dich!

      Wäre übrigens auch neugierig andere Zweifler an der App / Software und ihre Gründe dafür zu lesen!

      Danke

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