ADHS 2027 (Teil 3/3)

Auch wenn es hoffentlich nicht so schlimm kommen mag, wie in Teil 1 skizziert, so habe ich bezüglich dem zukünftigen Verständnis von Menschen mit einer ADHS und deren Therapie doch einige Bedenken.

Ich hoffe einfach, dass sich noch viel mehr Betroffene und Fachpersonen zusammentun, sich beispielswiese in Selbsthilfegruppen engagieren und gemeinsam versuchen, der künftigen Entwicklung ihren Stempel „von unten“ aufzudrücken. Wer nicht will, dass in Zukunft Computersysteme statt Menschen ADHS- und andere psychiatrische Diagnosen stellen und wer nicht will, dass Psychopharmaka dereinst unser täglich Brot werden, muss die „Sache“ selbst an die Hand nehmen und darf sich nicht nur auf die Spezialisten verlassen.

Mit diesem Beitrag  verabschiede ich mich von den Leserinnen und Lesern. Seit 2011 habe ich für dieses Blog zahlreiche Artikel rund um die ADHS verfasst. Dabei ging es mir nicht primär um theoretische Erläuterungen. Mein Anliegen war, Fachinformationen einzubringen, welche praxisrelevant sind. ADHS-Betroffene und/oder Angehörige sollten einen praktischen Nutzen aus diesen Informationen ziehen können. Andererseits war es mein Anliegen, auch auf die gesellschaftlichen Dimensionen der ADHS aufmerksam zu machen. Ich hoffe, das ist mir mehrheitlich gelungen.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit. Und Danke auch den zahlreichen Kommentatorinnen und Kommentatoren. Die Rückmeldungen und Diskussionen waren auch für mich immer bereichernd.

Und ein dickes Merci schliesslich an Chris G., welche seit Jahren unser Blog-BackOffice managt und uns immer wieder mit guten Inputs und konstruktiver Manöverkritik unterstützt.

Piero Rossi

 

Teil 1 | Teil 2

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8 Gedanken zu „ADHS 2027 (Teil 3/3)

  1. christianegrossmann

    Hallo Küstennebel,

    ich stimme dir nur tlw. zu.
    Selbstverständlich ist die ADHS-Aufklärungsarbeit nicht nur von Piero Rossi und Martin Winkler abhängig. Aber die beiden haben sich immerhin seit mittlerweile Jahrzehnten um Aufklärung bemüht und nicht nur unzählige Freizeit dafür geopfert, sondern auch enorm viel zur Aufklärung und Hinterfragung der ASDHS-Problematik beigetragen.
    Und selbstverständlich hat jeder das Recht dazu, zu sagen, nun ist es genug, er wendet sich vielleicht anderen Projekten oder Interessen zu.

    Sehr schade finde ich aber die wenige Resonanz dazu. Einmal mehr bewahrheitet sich Pieros Rossis Prognose, dass das Internet die menschliche Kommunikation beschneidet und verarmt.
    Der Mensch sucht nur noch Infos, erwartet diese auch, aber ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass es Menschen dazu braucht, die sich irgendwo engagieren, ihre Freizeit dafür opfern, um ihr Wissen und ihre Erfahrungen öffentlich zu machen und mit anderen zu teilen! Es wird als selbstverständlich hingenommen, toll, wenn es einer macht. Kein Gedanke wird daran verschwendet, dass evtl. erst solch ein langjähriges und freiwilliges Engagement an manchen Orten erst zu einer öffentlichen Diskussion über ADHS geführt hat. Sicher sind mittlerweile verschiedene andere auf den Zug aufgesprungen und möchten ebenfalls davon profitieren. Für den Betroffenen bleibt aber die Unsicherheit, welcher Quelle er nun trauen kann.
    Auch deshalb bedauere ich den Rückzug von Piero Rossi sehr, denn er hat speziell in der Schweiz die Diskussion über ADHS mit einem ersten ADHS-Forum angestossen und einen öffentlichen Erfahrungsaustausch darüber erst angestossen und möglich gemacht. Und seit dem hat sich hier viel getan!

    Selbstverständlich hat jeder das Recht, sich zurückzuziehen, wann er möchte, aber die langjährige Erfahrungen von Piero Rossi haben vielen genutzt.
    Schade ist, dass man mit Piero Rossi eine wirklich sehr erfahrene Stimme verlieren wird, die sich seit Jahrzehnten um Aufklärung und um eine korrekte Darstellung der Probleme von ADHS-Betroffenen und deren Lösung bemüht. Schade auch, dass man dies einfach so abhakt, nun ja, einer weniger, dafür gibt es andere, die vielleicht folgen werden. Für die Betroffenen wird es damit nicht einfacher, die Spreu vom Weizen zu trennen.

    Von meiner Seite gebe ich den Dank vom Piero Rossi an mich zurück an ihn, es war immer auch eine Bereicherung für mich, seine Artikel zu korrigieren und manchmal auch zu diskutieren.

    Merci Piero!

    VG, Chris

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    1. Unsinnstifter

      Sie haben meine Intention ein wenig mißverstanden. Natürlich ist der Weggang eines ADHS-Aufklärers wie Herrn Rossi ein Verlust, das steht ausser Frage.

      Dennoch ist es nicht tragbar, das durch den Bedarf an Vorkämpfern und Aufklärern jetzt eine Zwangsjacke für diejenigen gestrickt wird, die sich freiwillig jahrelang gerade auf diese Art engagiert haben, wie Sie es schildern.

      Es kann und darf nicht sein, das man über das Maß, das jemand geben kann und oder zu geben bereit ist, Forderungen von Nutznießern gestellt werden und damit ein moralischer Druck aufgebaut wird.

      Die heutige Situation für ADHS-Aufklärung ist bei weitem auch nicht mehr so trostlos wie sie vor 20 Jahren gewesen sein muss, die Zeiten haben sich doch offensichtlich geändert? Ich bin ja eh erst seit meinem Eigenverdacht vor einigen Jahren unterwegs in dieser Sache, leider selbst nicht tragfähig genug um solide Aufklärungsarbeit zu leisten.

      Wie ich schon sagte werden die einmal berappten Informationen und seine Hompage nicht untergehen. Ich habe nicht gelesen das er diese Infos vom Netz nehmen möchte? Oder doch? Also bleibt uns doch dann viel erhalten, oder nicht?

      Und weils so interessant ist:

      Einmal mehr bewahrheitet sich Pieros Rossis Prognose, dass das Internet die menschliche Kommunikation beschneidet und verarmt.

      Das sehe ich nicht so. Genauso könnte man behaupten, das das Lesen von Zeitschriften, Zeitungen und Büchern die Kommunikation verarmt, weil kaum jemand die Autoren kennt oder eine persönliche Beziehung zu ihnen aufbaut.

      Richtiger ist, das das Internet eben mehr eine öffentliche Infrastruktur ist, eine Speakers Corner in der jeder seinen Senf los wird, genauso jeder jeden Senf lesen kann. Das ist ein Massenkommunikationsmittel und in diesem Sinne führt es zu einer normalen Konzentration auf das Wesentliche: Die Information.
      Die Verarmung wie Sie angesprochen wird entsteht durch den Wegfall von Mensch-zu-Mensch Kommunikation im weistesten Sinne zweier lebendiger aneinander interessierter Menschen mit einer tiefen Beziehung. Nicht immer ist Beziehungsgestaltung zwischen Sender und Empfänger ein relevanter Prozess. In der professionellen Arbeit ist es eher hinderlich, darf aber nicht in Vergessenheit geraten.

      Das Symptom weggefallender Beziehungsgestaltung ist also kein Symptom des Internets, sondern eines das unsere Gesellschaften allgemein heimsucht, egal in welchem sozialen Raum. Der Verfall von Familienstrukturen, in denen Beziehungsarbeit eigentlich erlernt wird, der zunehmende Selbstverwertungsdruck und damit geradezu die Zunahme einer „Prostitution des Individuums“ um Anerkennung ohne das Beziehungsgestaltung bewußt thematisiert ist, entspricht vielmehr der Grundlegenden Erfahrungsbeschreibung, die sich im Internet einfach leichter Bahn bricht und deutlicher zu Tage tritt. Insbesondere durch die Ersatzhandlungen der Online-Kontakte, der sozialen Internet-Medien, die Beziehungsarbeit und -gestaltung in der Regel nur vorgaukeln.

      Der Mangel entsteht also meiner Auffassung nach nicht im Internet, sondern findet hier nur leichter Realisierung auf Grund seiner reduktiven Kommunikationsstruktur und der Zwecke, für die dieser virtuelle Raum eingespannt wird vom jeweilen Akteur.
      Die wirkliche Ursache liegt im mangelnden Entwicklungsstand familiärer Lernprozesse beim Individuum, eine allgemeine „Asozialisierung“ und Vereinzelung in der Gesellschaft.

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      1. christianegrossmann

        Hallo,

        sorry für die späte Antwort, ich war in Urlaub. Ich will auch nicht schon veraltete Kamellen wieder hoch bringen, aber da ich keine Zeit mehr für eine Antwort hatte möchte ich dies nachholen, denn ich möchte das nicht unbeantwortet stehen lassen.
        Ich habe nicht den Eindruck, dass ich etwas missverstanden habe, ich bin lediglich in verschiedenen Dingen anderer Meinung. Auch denke ich nicht, dass die Kommentare zu Piero Rossis Abschied als Zwangsjacke gemeint waren, sondern nur als ehrliches und tlw. augenzwinkerndes Bedauern darüber, dass in Zukunft eine erfahrene Stimme fehlen wird, die sich noch die Mühe macht, sich auch direkt und öffentlich mit Betroffenen auszutauschen. Moralischen Druck sehe ich hier nicht.

        >Wie ich schon sagte werden die einmal berappten Informationen und seine Hompage nicht untergehen. Ich habe nicht gelesen das er diese Infos vom Netz nehmen möchte? Oder doch? Also bleibt uns >doch dann viel erhalten, oder nicht?

        Und genau das meinte ich, sicher bleiben uns viele Beiträge zumindest vorläufig erhalten, aber die Tatsache, dass es kaum jemanden kümmert, wer was geschrieben hat, sich wieviel in seiner eigentlichen Freizeit engagiert hat, markiert eben auch das, was Piero Rossi seit Jahren anprangert. Und ich bin eben nicht der Meinung, dass die Ursachen dafür eher im familiären Bereich zu suchen sind, sondern eher darin, dass sich mit dem Internet neue, ungeahnte und vor allem anonyme Strukturen öffnen, indem man weder auf Anstand, noch Höflichkeit noch sonstwas achten muss. Man nimmt, was man findet. Konsum eben. Selbstverständlich dient es der Information, aber niemand denkt mehr an die Menschen, die hinter dieser Info stehen, es wird alles nur noch als selbstverständlich hingenommen. Und ich denke, dass in diesem Massenkommunikationsmittel, wie Sie es richtig nennen, eben trotzdem unterschieden werden sollte zwischen Leuten, Journalisten z.B. deren Job es ist, Information zu vermitteln, und Leuten, die sich freiwillig engagieren, um irgendwelche Infos öffentlich zu machen.
        M.M. nach ist die Ursache hier nicht in der Famnilie zu suchen, denn jedes Kind lernt noch „Danke“ zu sagen. Aber in der Anonymität des Internets kann man ja getrost die Hüllen fallen lassen, braucht nicht mal minimalste Gesellschaftsregeln beachten.

        Und im Unterschied zu Ihnen habe auch keine verschiedenen anonymen Nicks, sondern nur meine Unterschrift…

        Viele Grüsse, Chris G = Christiane Grossmann

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  2. Küstennebel

    Hey was los Leute? Irgendwann hat man alles gesagt und will sich auch verändern. Und Herr Rossi schuldet hier niemandem etwas, er hat diese Aufgabe hier immer freiwillig und für die Sache eingebracht. Davon haben wir so lange profitiert wie es Herr Rossi eben gemacht hat.

    Jetzt tut nicht so als sei alle ADHS Aufklärungsarbeit von Herrn Rossi und Herrn Winkler abhängig 😀

    Vielen Dank von meiner Seite Herr Rossi. Ihre vielen Infos zu ADHS haben mir eine Menge Grundlage gegeben als ich meinen Eigenverdacht analysierte! Die Informationen gehen ja nicht im Netz verloren, einmal aufbereitet bleibt es ja allgemein zugänglich.

    Vielen Dank Ihnen Herr Rossi und bei der Gelegenheit ebenfalls ein Dankeschön an Herrn Dr. Winkler.

    Beste Grüße und viel Erfolg für Ihre neuen Projekte!

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  3. Schlauchkadse

    Ja lin, kenne deinen Blog natürlich. Aber Rossi hat eben nen Background mit dem er gegen die feisten Blüten aufwarten konnte. Im Gegensatz zu ihm machen die Blüten aber weiter und wir ADHSler laufen Gefahr im unseriösen Blütensumpf zu etrinken… Piero du bist uns wenigstens eine ebenbürdige Ablösung schuldig!!!!!!

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  4. lin

    Verabschieden? Ob wir das erlauben.. sind wir alle jetzt geheilt? Und ADS allgmein anerkannt?
    Schlauchkadse, es gibt noch dies: http://adhs-blog.blogspot.ch/
    Nur mal so am Rande bemerkt..
    Nein, eigentlich wollte ich Piero Rossi herzlich danken! Schade, dass er aufhört! Es war immer superinteressant die Beiträge zu lesen. Und nicht zuletzt dank ihm ist es lichter geworden im ADS-Dschungel.
    DANKE!
    lin

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  5. Schlauchkadse

    Piero Rossi hört auf mit bloggen? Na toll. Jetzt gibt es nur noch zwei große ADHSblogger. Dr. Martin Winkler und…. ich wills gar nicht sagen… die Holunderblüten…???

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