Nicht-medikamentöse ADHS-Behandlung mit Fischöl

Über Ernährung ADHS behandeln ?

Fischöl-Kapseln bei ADHS

Ich muss zugeben, dass sich bei mir fast ALLES innerlich sträubt, erneut eine Diskussion über Nahrungsergänzungsmittel bei ADHS zu starten.

Statt „Essen auf Rädern“ geht es ja bei dem Thema Nahrungsergänzungsmittel darum, dass die Anbieter eine Lücke ausnutzen. Sie suggerieren, dass ihre Präpärate „gesund“, ja gesünder als gut untersuchte und zugelassene Medikamente sind und daher keine Nebenwirkungen hätten. Man könne es ja mal versuchen mit dieser „natürlichen“ Art der ….

Ja, was eigentlich ?
Behandlung ?

Nein. Es kann ja keine Therapie oder Behandlung von ADHS sein, wenn es sich gerade nicht um Medikamente handeln soll.

Essen ?
Nun, warum um alles in der Welt sollten nun Fischöl-Kapseln bzw. irgendwelche Zusammensetzungen besser oder schlechter als Aldi-Tiefkühlkost sein ? Ist das auch nur ansatzweise belegt, dass es einen Mangel an Nährstoffen gibt, der nun im Zusammenhang mit ADHS oder Autismus eine Rolle spielt ?
Ganz zu schweigen, vom Wochenmarktangebot oder den Angeboten eines Fischhändlers ?

Eher dürften wir doch in der heutigen Zeit uns weit vielfältiger ernährern, als noch vor 100 Jahren. ADHS als Zivilisationskrankheit der schlechten Ernährung ? Das passt nicht.

Und doch : Es gibt durchaus seriöse Hinweise darauf, dass man mit Nahrungsergänzungsmitteln, die Omega-Fischöle enthalten, Resultate erzielen kann. Die Hersteller sagen dann natürlich, dass es an IHRER speziellen Mischung liegt, warum die Fischöle in der Anwendung dann wirken. Oder warum auch nicht.

Immerhin muss man ja zugeben, dass es unglaublich viel Literatur und Veröffentlichungen zu diesem Thema gibt.

Eine neue Studie wurde jetzt in Israel auf einem ADHS-Kongress präsentiert. Es geht um Vayarin(R), ein in den USA ziemlich weit beworbenenes Lebensmittel mit gesundheitsfördernder Wirkung.

Diese Kombination von „Lebensmittel“ und beworbendem Gesundheitseffekt wäre bei uns offiziell so nicht erlaubt. Aber wer weiss, welche Kniffe sich die Anbieter da einfallen lassen.

In der retrospektiven Studie wurden über 500 Kinder nachverfolgt, die mal dieses Vayarin erhalten hatten. Bei über 68 wurde eine „Besserung“ angegeben. Für mich Ungläubigen ist dabei unklar, worin die Besserung wirklich bestand und ob es sich auch um einen anderen Wirkeffekt oder aber spontane Schwankungen handeln könnte. Zumal offenbar ein sehr grosser Teil die Kapseln zusammen mit einer Pharmakotherapie von Stimulanzien einnahm. Das waren dann (die gleichen ?) 66 Prozent.

Als Erfolg der Studie wurde u.a. eine Reduktion der Stimulanziendosis bei einem Drittel der Jugendlichen angegeben. Wir wissen aber ja, dass sich die notwendige Stimulanziendosis bei Teenagern eher reduziert und nicht erhöht…

Ihr merkt, so ganz bin ich noch nicht überzeugt.

Aber egal. Ich weiss, dass auch in Deutschland Studien zu Omega-Fettsäuren gemacht werden. Da bin ich sehr dafür.

Ich habe nur die Sorge, dass damit indirekt suggeriert wird, dass die Stimulanzientherapie „schlecht“ und Öl in Kapseln „gut“ ist. Und das ist definitiv so nicht richtig. Aber auseinander setzen muss man sich damit halt schon.

Welche Erfahrungen habt IHR mit Fischöl-Kapseln ?

VAYA Pharma. New Retrospective Study Shows PS-Omega-3 Medical Food Effective In Managing ADHD. 2016. Web. 27 Apr. 2016.

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8 Gedanken zu „Nicht-medikamentöse ADHS-Behandlung mit Fischöl

  1. Unsinnstifter

    Was ich allerdings bemerkt habe ist, dass Fett ganz allgemein einen Einfluss auf meinen „Ritalinspiegel“ hat. Kaffee hat das auch, aber den gegenteiligen. Also brauche ich nach einem fetten Mittagessen ganz klar einen Kaffee um wieder in den vollen Genuss meiner „Ritalindosis“ (retardiert) zu kommen.

    Fettes, schwereres üppiges Essen sorgt einfach für eine langsamere, gleichmäßigere Aufnahme des Wirkstoffs über den Darm. Die Wirkung ist auch deshalb verringert, weil durch eine solche Mahlzeit der Parasympathikus hochgefahren und der Sympatikus runtergefahren wird. Eine „natürliche“ Beruhigungspille sozusagen. In diesem Sinne wird dann auch die Wirkung von Ritalin weniger, die Wachheit sinkt je nach verzehrter Masse. Das ist auch der Wirkungsmechanismus, den ADHSler mit (oft extremem) Übergewicht meist unbewußt zur Selbstregulation einsetzen. Auch Nicht-ADHSler, die sich gern üppig satt essen um nach anstrengendem Alltag zu entspannen bzw. Streßregulation allgemein ist damit verknüpft. Koffeein selbst wirkt dem natürlich entgegen und weckt die Geister wieder und ist ja auch eine Stimulanz und ergänzt in diesem Sinne das Ritalin.
    Ihre Beobachtungen teile ich, vielleicht interessiert Sie die Erläuterung dazu.

    __

    Ich halte nicht sooo viel von dem ganzen Ernährungshype.

    Meistens sind diese Nahrungsergänzungsmittel einfach nur Geldschneiderei und Diäten widersprüchlicher Nonsens. Es bringt fast nichts und man geht immer wieder auch Risiken ein, wenn man eine Substanz exzessiv konsumiert oder etwas streicht aus dem Speiseplan.
    Fischölkapseln sind jetz nicht gefährlich ob man sie nimmt oder nicht. Es ist jedoch eine gesunde Skepsis zu bewahren.

    Ich halte es für gebotener eine Zielliste zu erstellen um die ADHS-Symptome zu reduzieren. Da steht sowieso ganz weit oben Sport. Sport und noch mal Sport. Dann muss Psychoedukation vorangetrieben werden – Was ist ADHS? Was sind die verschiedenen Symptome / „Gesichter“ der ADHS? Wo kommen die her? motivationelle Dysfunktion?, Antriebsmangel?, Identitätskonflikte?, Selbstwahrnehmungsstörungen? Konzentrationsstörung?, Lernbehinderung/Internalisierungsstörung?, Strukturstörung?, Selbststeuerungsstörung? etc.

    An zweite Stelle muss Disziplin treten. Nur wenn der ADHSler für sich Methoden entwickelt und lernt mit Disziplin und Sofort-Handlung ohne Prokrastination und mit abgestimmten Zeitmanagement seine Ziele zu verfolgen kann mit der ADHS dauerhaft erfolgreich sein. Warscheinlich sind fast immer kurze aber regelmäßige Arbeitseinheiten/Lerneinheiten optimal, Externalisierung von Konzept, Planung und Zielen regelmäßig reflektiert auf Erfolg / Mißerfolg / Neujustierung etc. Als Drittes braucht es ein gutes Belohnungssystem, das erreichbar bleibt, aber genug Anreize und Druck aufbaut.
    Diese Schritte durch unterstützende Motivatoren absichern: Eltern, Partner, Freunde oder Therapeuten. Für diejenigen, die die medikamentöse Therapie wenn möglich vermeiden möchten sollte klar sein: Das ist schon die halbe Miete bei der Bewältigung der ADHS! Es reicht leider nicht in allen Fällen bzw.: Es liefert (von mir aus: leider) oft erst die Medikation den Schlüssel dafür, das diese Strategie klappt.

    Warum gehört das hier hin? Weil es zuerst sehr viel wichtiger ist zu wissen, wie man mit der ADHS grundsätzlich klar kommt. Vor allem Eltern müssen unbedingt den Kindern helfen dabei. Wenn das beizeiten in der frühen Kindheit versäumt wird weil wertvolle Zeit in der Kindheit und Jugend mit Nahrungsmitteldiäten / Nahrungsmittelergänzungen vertan werden, erntet man später umso schwerer Erfolge.
    Erst nachdem man alles andere hat, kann man unter Ferner liefen auch mit Nahrungsergänzung oder unterstützender Ernährung befassen. Das kann kann dann vielleicht sogar helfen in der Alltagsstrukturgebung. Mehr als das I-Tüpfelchen auf die Bemühungen im Ringen um Lebensqualität und Lebenserfolge bei der ADHS wird es aber nicht ergeben. Für mehr sind die gemessenen Effekte zu klein.

    Es gilt also zu vermeiden, das Nahrungsmittelergänzung / Diäten zum Ersatz für eine Behandlung der ADHS Symptome hergenommen werden. Weist man diesen Methoden jedoch den Platz zu, den sie verdienen, dann können diese dem Individuum sicher etwas geben – dem einen Mehr, dem anderen Weniger. Solange sie nicht zum Selbstzweck oder Extrem werden. Davor müssen sich ADHSler eh sehr hüten. Gerade beim Thema Diäten und Ernährungsfragen sind ADHSler prädestiniert zu übertreiben – egal in welche Richtung, das muss man auch als Warnung im Hinterkopf behalten.

    Grüße! 🙂

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  2. 'ne mama

    Mein ADS-Gatte, der grundsätzlich allem eine Chance gibt, hat mal massiv Fischöl gegen seiner Schuppenflechte probiert. Außer dem Gestank war weder dem ADS noch der Schuppenflechte eine Reaktion anzumerken…

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  3. Ulrich

    Hallo,

    es ist wie mit Homöopathie: Ohne sauberer Doppelblindtests keine Anerkennung in der Schulmedizin. Und zu was ? Zu recht.
    Doch helfen tut Homöopathie trotzdem, und sei es nur zwar denen, die fest genug daran glauben. Den Glauben hat nicht jeder, und er ist nicht einfach so zu erlangen, aber wenn er da ist und hilft (und da eingesetzt wird, wo er unterstützt und nicht als Ersatz für wirklich lebensrettende Therapien – wie es uns Steve Jobs mit seinem Krebs vorgestorben hat, vorgelebt kann man ja nicht sagen) hat er weniger Nebenwirkungen als alle noch so gut erforschten Medikamente oder Nahrungsmittel.

    Ich halte ADHS für eine dauerhafte Störung des Stressverarbeitungssystems, das eine erhöhte Vulnerabilität hat.
    Omega-3-Fettsäuren wird bei stressbedingten psychischen Störungen eine positive Wirkung zugesprochen, da es auf das dopaminerge System modulierend einwirkt: http://www.akadmed.com/files_dow/elearn/Lehrbuch/Psych_Schizophrenie_Baumgartner_2010-01-01.pdf.
    Theoretisch könnte es also eine Wirkung geben.

    Wenn Omega-Fettsäuren dem Einzelnen was bringen können, freut mich das für ihn. Verallgemeinern würde ich das nicht.
    Andererseits: Stimulanzien wirken auch nicht bei jedem, und trotzdem ist ihre Wirkung anerkannt.

    Es wäre daher schön, wenn es vernünftige Studien gäbe. Bis dahin kann nur jeder Betroffene für sich selbst ausprobieren, ob es was bringt – und das möglichst kritisch.

    Beste Grüsse

    UB

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  4. Charlotte

    Also unsere Tochter, 10 Jahre bekommt orthomol junior Omega plus seit ca. einem Jahr, es sind Toffees und die schmecken in etwa wie Maoam, null nach Fischöl. Da sie nicht so eine gute Esserin ist, haben wir uns dazu entschlossen. Sie fühlt sich damit besser sagt sie. Sie nimmt aber seit ca.6 Wochen Medikenet retard und bei ihr hat es eine unglaubliche Wirkung, die Mathetherapeutin in der PTE hat es ihr so beschrieben, du musst dir ein unaufgeräumtes Zimmer vorstellen und das Medikament räumt auf, so das du an dein vorhandenes Wissen ran kommt wann du es willst. Sie hat noch bei keinem Kind so eine enorme Verbesserung durch ein Medikamet erlebt. Sie kann plötzlich auch Bilder malen die Tiefe haben. Das konnte sie vorher nicht.

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  5. Pingback: Markierungen 05/02/2016 - Snippets

  6. Mela

    Ich hab es eine Zeitlang mit Fischölkapseln versucht. NIcht um die Stimulanzientherapie zu ersetzen, sondern um herauszufinden, ob ich deren eingeschränkte Wirkung noch durch Ernährung verbessern kann.

    Mein persönliches Fazit: deutliche Wirkung auf meine Haut (keine Probleme mehr mit trockener, spröder Haut) null, zero, nada, niente Wirkung auf die ADHS-Symptomatik.

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  7. heavypete

    Ich weiss nicht genau wie das bei mir mit der Diagnose war. Auf jeden Fall mußte ich auch ein umfangreiches Blutbild abgeben. Ich denke nicht dass da nur die Schilddrüsenhormone gemessen wurden. Es kann sein dass gerade eine gesunde ausgewogene Ernährung eine Medikation unterstützen kann. Schließlich kann ja auch Vitamin B12 Mangel psychotische und depressive Symptome auslösen. Doch glaube ich genau so wie sie dass es keine diätische Lösung für dieses Problem gibt. Dennoch kann es sinnvoll sein bestimmte Lebensmittel wie etwa auch Farbstoffe zu meiden oder auch seine Ernährung ein wenig umzustellen. Ich glaube schon alleine wegen des schlechten Antriebs von vielen Erwachsenen ADHSler regelmäßiges kochen von gesunden Mahlzeiten unterbleibt. Auch gerade bei Verhaltenssüchten, die ja bei ADHS sehr häufig vorkommen, wie dem Bingeeating von Süßigkeiten kann eine Ernährungsberatung und Umstellung helfen. Ich behaupte ja nicht das zu viel Zucker ADHS macht, aber wenn ich nur Kuchen zum Frühstück esse habe ich auch keine Ausdauer bei der Arbeit. Das hängt schon alles miteinander zusammen. Aber es heilt dadurch nicht vollkommen aus aber es kann die Therapie wie gesagt unterstützen.

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  8. lin

    Bez. Fischölkapseln kann ich aus Erfahrung sagen, dass Fischöl mir noch stundenlang „hochkommt“ und ich gerade Fischgeruch hasse. Habe also nach Alternativen gesucht und Pflanzenölkapseln gekauft. Aber von beidem nie eine relevante Aenderung von irgendwas verspürt. Ich merke einzig von Zink (Vorbeugend Erkältung, muss dauerhaft eingenommen werden) und Magnesium (Muskelentspannung und Einschlafhilfe) eine relevante Anderung bei mir. Ansonsten habe ich so viele Diäten gemacht in meinem Leben, mal wenig Fett, mal wenig Kohlenhydrate, mal viel Gemüse, dass ich sagen muss, der lapidare Rat von allem etwas zu nehmen, aber von nichts zuviel, ist der beste Rat.

    Ich habe von vielen ADSlerinnen gehört, dass sie Probleme mit ihren Hormonen hatten, Eierstöcke und so. Es kann also sein, dass zum ADS nicht nur das Hirnproblem zählt, sondern auch das Problem der Hormonsteueerung. Das kann zwar mit Essen im weiteren Sinne dann zu tun haben (Zuckerhaushalt), wird aber bis jetzt von wenigen ADS-Experten so gesehen. Grundsätzlich kann es nicht schaden gesunde Fette zu verwenden, aber ich würde keine Religion daraus machen. Was ich allerdings bemerkt habe ist, dass Fett ganz allgemein einen Einfluss auf meinen „Ritalinspiegel“ hat. Kaffee hat das auch, aber den gegenteiligen. Also brauche ich nach einem fetten Mittagessen ganz klar einen Kaffee um wieder in den vollen Genuss meiner „Ritalindosis“ (retardiert) zu kommen.

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