Prof. Spitzer Aufmerksamkeit (Geist und Gehirn)

Gestern abends im Zug habe ich mir eine offenbar doch uralte Folge von Manfred Spitzer in BR alpha (Geist und Gehirn) zum Thema „Aufmerksamkeit“ angeschaut.

Die Sendung erinnerte mich an das Schulfernsehen der 70 er Jahre und der Herr Professsor schien am Ende auch etwas verträumt in seinem ganz zufällig als Product-Placement liegendem Buch zu blättern, so als ob er sich zum ersten  Mal mit dem Thema ADHS konfrontiert sah. Hätte er vielleicht ruhig noch mehr lesen oder sich informieren können. Vorher…

Nun, ich will nicht nur meckern. Spitzer erklärt uns, dass Blutdruck nicht für sich gut oder böse ist. So wie auch Aufmerksamkeit relativ im Auge des Betrachters ist.  Und sich das Frontalhirn halt erst noch entwickeln muss, wenn es sich denn entwickeln könnte und würde…

Hier hören wir dann Anleihen zur Farmer und Hunter-Theorie (bzw. vom Säbelzahntiger und dem Mensch vor 200000 Jahren)  bzw. erläutert uns der bekennende Verhaltensmediziner, dass Frontalunterricht halt besser für die ADHS-Kids wäre. Aber man ja nicht die (Schul-)welt ändern könnte.

Bei solchen Vereinfachungen sträuben sich meine Neuronen, die mit Verstand und höheren Hirnfunktionen beschäftigt waren und melden irgendwie „Störung“. Aber ich bin da sicher auch besonders empfindlich. Die Sendung ist ja für Leute, die sich nachts um 3:15 oder so BR Alpha anschauen. Nicht für mich normalerweise.

Ansonsten bleibt der Beitrag merkwürdig inhaltsleer. Fand ich jedenfalls. Andeutungsweise etwas zur Rolle von Dopamin, das war es aber auch schon mit der Informationsdichte zur Neurobiologie.

Hätte nur ich mir gewünscht, etwas mehr zu neuronalen Netzwerken der Exekutivfunktionen bzw. der Entwicklungsverzögerung zu erfahren ? Vielleicht ein Wort dazu, dass es nicht ein Aufmerksamkeitsproblem allein ist (vermutlich ist das noch der geringste Teil des „Problems“ ADHS), sondern das die Aktivierung bzw. Hemmung der neuronalen Systems „anders“ als bei neurotypischen Menschen verläuft. Oder Wie E. Dägling sagen würde : „ADHS ist die funktionelle Art des Seins“.

Das wäre aber wohl schon zu viel Neuropsychologie bzw. Neurobiologie geweisen.

Keine Ahnung, ob die Folge nun aus den 70er oder 80er Jahren stammt. Aber so wie das Sakko und die ganze Präsentation eben doch altbacken wirkt, so stimmt eben auch die Ansicht nicht, dass das Frontalhirn schon irgendwann ausreift und sich damit das Problem ADHS von allein erledgt.

Als Chef einer Erwachsenenpsychiatrie in Ulm sollte ihm das allerdings schon mal aufgefallen sein. Auch bei ihm gibt es ADHS-Patienten.

Aber irgendwie beschleicht mich nach der Sendung der Eindruck, dass Sie nicht entdeckt werden, wenn man nicht weiss, wonach man eigentlich schauen müsste.

Meine Züge hatten natürlich Verspätung und ich habe dann mitten in der Nacht vielleicht auch als Wartezeit von 1,5 h in Magdeburg eher eine Kochsendung anschauen sollen. Oder was anderes lustiges. Zur Unterhaltung hätte es dann nicht Spitzer sein müssen.

Wer sich auch nachts auf Bahnhöfen oder bei Schlaflosigkeit rumschlägt, kann aber dennoch mal den Beitrag in der Mediathek aufrufen. Vielleicht mögt ihr ihn ja mehr.

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2 Gedanken zu „Prof. Spitzer Aufmerksamkeit (Geist und Gehirn)

  1. Unsinnstifter

    Spitzer ist mehr Neurobiologe und Neurodidaktiker. Da hör ich schon den Hüther um die Ecke grüßen, wobei Herr Spitzer doch inhaltlich mehr zu bieten hat. Didaktik

    Ich finde seine direkt formulierte Kulturkritik und manche seiner Begriffe relativ tragfähig. Auch seine Mühe die Massen für die Blickwinkel der Neurobiologie zu interessieren und vor allem Medienkonsum kritisch zu sehen halte ich für sehr gut.

    Nirgendwo habe ich wahr genommen das er ADHS den Krankheitswert abspricht. Allerdings heißt es in einer seiner Broschüren vom ZNL Ulm, das das gezielte Training der exekutiven Funktionen ADHS heilen könnte oder zumindest die Lage verbessern, Medikation ersetzen oder zumindest ergänzend dazu wirksam sein könnte.

    Wieder einer mehr, der glaubt das alles lernbar ist. Mag aus der Perspektive des gesunden Gehirns auch möglich sein, bei pathologischen Abweichungen wie man ADHS warscheinlich einstufen muss, scheint es aber nicht der Fall zu sein.

    Ich persönlich habe viel über dies und das insbesondere die ADHS gelernt, aber geändert haben sich die mit der ADHS kommenden Schwierigkeiten nicht. Egal wieviel ich weiß, es verändert mein Verhalten nicht richtig und kaum auf Dauer. In allen Bereichen sehe ich die typischen ADHS-Merkmale und ich bins reichlich satt trotzdem ist es nahezu unmöglich etwas Grundsätzliches daran zu ändern.

    Ich möchte gerne Spitzers Geheimrezept kaufen und mein Frontalhirn pimpen lassen – auf das meine Zukunft besser würde als die Vergangenheit. Das klappt warscheinlich nicht. Nach dem Rezept suche ich – wider besseren Wissens – schon länger. 😉

    Für den durchschnittlichen Pädagogen ist Spitzers Arbeit aber sicher weit nützlicher als für einen ausgewiesenen ADHS-Fachmann – vermute ich einfach mal etwas in den Raum hinein :o)

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