ADHS Lotse gegen Orientierungsstörung

Manchmal muss man sich selber loben.

Vorhin habe ich auf Xing einen Beitrag zu Schlaganfall-Lotsen gelesen. Dabei geht es – grob gesprochen – darum, Schlaganfall-Patienten und speziell Ihren Familien eine Unterstütung für die Zeit nach der Akutklinikbehandlung zu eröffnen. Mit dem Ziel, sowas wie Vernetzung bzw. berufsgruppenübergreifende Betreuung zur Wiederherstellung der grösstmöglichen Selbstständigkeit zu erreichen.

Entlassungsmanagement ist ein ganz grosses Thema überall in der Medizin. Auch gerade bei mir in der Kinderpsychosomatik bei Magersucht. Aber eben auch sehr schwierig systematisch zu machen. Das nennt sich dann auch Case-Management. Wie auf der Webseite schön dargestellt, gewinnt das Thema bzw. das Angebot immer mehr Raum auf einer Landkarte der Hilflosigkeit bzw. Alleinkämpfer.

Nun hat mein assoziativ denkendes ADHS-Gehirn sich da natürlich gleich angesprochen gefühlt. Der „Lichtschalter“ ging an.

Sowas brauchen wir doch für ADHS-Familien auch !

Natürlich nicht allein in dem Sinne, dass nun die Diagnose oder gar ein Klinikaufenthalt als Akutereignis zu werten ist. Aber Lotsen im Dschungel von Therapieangeboten, Behörden, Schule und Vernetzung ist das A und O

Natürlich gibt es dazu ADHS-Deutschland als grösste Selbsthilfeorganisation. Und es gibt das Zentrale ADHS-Netz. Ganz wichtige Leuchttürme und Hilfsangebote auf der Landkarte der ADHS-Hilfe.

Aber wenn ich als Vater eines ADHS-Kindes, selber Betroffener und „Profi“ seit 1999 in diesem Bereich schon den Überblick nicht habe, wie sollten es dann ADHS-Familien in der akuten Notphase der Erstdiagnose haben ?

Ich habe daher dann die Tante Google mal gefragt, was es da so gibt.

Und da zeigte sich mal wieder, dass ich ADHS habe. Überraschung ….
An Position 1 war ein sehr schöner Artikel zu genau diesem Thema. Der mir irgendwie bekannt vorkam. Ich hatte aber keinen Zugriff auf mein Arbeitsgedächtnis, sonst wäre mir aufgefallen, dass ich ihn selber geschrieben habe (daher jetzt das stinkende Eigenlob). ADHS Lotsen – Wo soll es langgehen

Es gibt mehr als gute Gründe, warum wir ADHSler so einen Lotsen oder Coach brauchen. Die sog. Metakognition funktioniert einfach nicht richtig. Und dann entsteht bei neuen Anforderungen ein Gefühl der Irritation bzw. Orientierungslosigkeit, der durchaus mit dem totalen Verirren in einer Stadt ohne Stadtplan oder gar Navi zu vergleichen ist.

Ohne Ortskenntnisse durch einen wegekundigen Helfer wird es schwierig. Man überfordert sich oder reagiert mit alten Schemata, die nun ganz sicher nicht zu neuen bzw. besseren Zielen führt.

Ich werde das Thema mal auf der nächsten Regionalleiter-Schulung des ADHS-Deutschland zur Sprache bringen.

Habt Ihr Ideen, wie man analog zu anderen Krankheitsbilder wie der Schlaganfall-Nachbetreuung ein Netz und Finanzierungsmöglichkeiten von ADHS-Lotsen etablieren kann ? Eine ADHS-Stiftung wie die Schlaganfall-Hilfe kenne ich nämlich nicht.

Was müsste für Euch ein solcher ADHS-Lotse leisten können ? Und wo muss und darf er sich abgrenzen ?

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3 Gedanken zu „ADHS Lotse gegen Orientierungsstörung

  1. Unsinnstifter

    Kostenfrage – Da klickert bei mir etwas, das dieses ambulante Entlassungsmanagement deshalb interessant sei, weil frühe Patientenentlassung gut für die Klinikkasse ist, jedenfalls in der Pauschalkostenerstattung eine innere Logik. Mag mich ja irren…

    Deshalb wird es dafür auch Wege geben, für ADHS Lotsen / Coaching gibts nix weil wegen: Davon würde der Patient profitieren und eine ggf. fachfremde Person. Insofern gibts keinen Coaching-Lobbyismus bei Entscheidungsträgern bei gesellschaftlichen Institutionen, darum auch keine Nachfrage und deshalb kaum entsprechende geschweige denn ansprechende Angebote für Lotsen/Coaching.

    Selbst wenn man wollte, kann man diese Leute nicht kaufen, weil sie nicht da sind.

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  2. Speranza

    Vielen Dank für diesen wertvollen Beitrag!!! Es wäre fantastisch, wenn Betroffene einen AdHS Lotsen in Anspruch nehmen könnten. Wichtig wäre natürlich, dass der Lotse eine fundierte Ausbildung im Umgang mit ADHSlern hat, regional verfügbar ist und die regionalen Therapieangebote und die Therapeuten kennt. Dennoch wird auch ein ADHS Lotse das Problem nicht lösen können, dass es selten gemeinsame Konzepte von Lehrern u Therapeuten gibt und dass es immer noch viele gibt, die die Existenz von ADHS ablehnen. Ein ADHS Lotse könnte aber hilfreich sein, die Lernsituation zu verbessern, ideal wäre, wenn er Hausaufgabenbetreuer/Lerntherapeuten empfehlen könnte, die die ADHS Problematik verstehen und Strukturunterstützung zB bei ‚ Ranzenmonstern‘ geben könnte. Wichtig wäre zudem eine emotionale Unterstützung des Kindes bei Mobbing. Und Empfehlungen für die Eltern, wie sie ihren Stresslevel reduzieren können. Insbesondere auch Aufklärung beider Elternteile über ADHS, sowie Elemente eines Elterntrainings (an dem ja meist leider nur die Mutter teilnimmt, weil diese zu Zeiten stattfinden, an denen Berufstätige nicht teilnehmen können). Dies wiederum erfordert eine hohe zeitliche Flexibilität des Lotsen. Vielleicht ist dies auch durch Skype Sessions gut lösbar. Für diese komplexen Aufgaben ist eine empathische Gesprächsführung von besonderer Bedeutung. Die Nerven liegen oft blank und selbst betroffene Elternteile können ebenfalls eine große Herausforderung sein. Für die Kostenfrage wäre es sicherlich eine tolle Idee eine Stiftung zu gründen. Da wäre ich sofort dabei 😀.

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