ADHS, Strattera (Atomoxetin) und Tics

Die liebe Pharmaindustrie ist ja immer sehr bemüht, ihr eigenes Wunderpräparat gut dastehen zu lassen und uns dann aufzuzeigen, dass das Präparat der Konkurrenz direkt das Böse in Tablettenform ist, wenn das arme ADHS-Kind es „isst“.

In Sachen Psychostimulanzien ist so der Ruf von Methylphenidat nicht gut. Unter den etwas mit der Realität vertrauten Ärzten und Eltern ist das natürlich anders. Aber immer noch geistert herum, dass Methlyphenidat nun Tic-Störungen auslösen oder verstärken können.

Tic-Symptome sind häufig. Sowohl bei Kindern und Jugendlichen OHNE ADHS, möglicherweise aber eben verstärkt bei ADHSlern bzw. Menschen aus diesem Gesamtspektrum neuropsychiatrischer Besonderheiten mit Beginn im Kindesalter.

Es gibt keinen Beleg dafür, dass nun bestimmte Medikamente Tics auslösen. Vielmehr kommen unter bestimmten Situationen bzw. bei Anspannung und negativer Beobachtung mehr Auslöser bzw Stress als Grundlage dazu.

Methylphenidat soll nun angeblich mehr Tics auslösen. Wie auch immer. Warum auch immer. Aus meiner Sicht völlig unbewiesene und falsche Annahme.

Dagegen sagt man (wer auch immer „man“) ist, dass das bei Strattera nicht der Fall sei. Atomoxetin würde dann also weniger Tic-Symptome verursachen, weshalb immer noch viele Ärzte bei Kids und Erwachsene mit einer bekannten Tic-Problematik keine Stimulanzien, wohl aber Strattera geben.

So richtig gut ist das wohl nicht. Zumindest wenn man einer neuen Studie glauben schenkt (die vielleicht wieder von einem Pharmaunternehmen gesponsert wurde, das Stimulanzien vertreibt ???). Danach treten auch oder gerade bei Atomoxetin etwa 3 Wochen nach Einnahme Tic-Störungen auf.

Nicht bei allen Kindern. Sondern man beobachtet dann Tics.

Hier die Studie

Für mich gilt bisher : Tics treten vermehrt im ADHS-Spektrum auf. Unabhängig von der Frage der Medikation. Die Medikamente reduzieren mittelfristig eher den Stress bzw. verbessern die Reizfilter. Damit sollten sie sich eher positiv auf Tic-Patienten auswirken. Aber es sind eben keine Medikamente für oder gegen Tics.

Ein Kommentar zu „ADHS, Strattera (Atomoxetin) und Tics

  1. Während der Jahre meiner Praxistätigkeit habe ich über tausend Menschen mit ADHS kennengelernt, welche mit Methylphenidat (MPH) behandelt wurden. Viele von ihnen habe ich als Psychotherapeut eine längere Zeit begleitet. Bei drei Knaben traten unter MPH Tics auf. Wir bewegen uns also im Promillebereich. Vor der Therapie lag bei diesen Knaben keine Tic-Störung vor. Bei zwei der drei Kinder verschwand die Problematik nach einer Dosisreduktion bzw. einer Umstellung auf ein anders ADHS-Medikament. Beim dritten Jungen erwies sich eine Umstellung auf ein anderes Medikament als zu wenig wirksam. Der ausgeprägten Hyperaktivität wegen und weil der Junge auf andere ADHS-Medikante nicht befriedigend gut ansprach, entschied sich der behandelte Arzt, den Knaben zusätzlich zum MPH mit einem Medikament gegen Tics zu behandeln. Das hat sich gut bewährt. Da ich auch von Kolleginnen und Kollegen nur sehr, sehr selten gehört habe, dass sie bei ihren Patienten durch MPH ausgelöste Tics beobachtet haben, glaube ich nicht, dass es sich um ein Problem handelt, welches die Therapie mit MPH ernsthaft infrage stellt.

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