ADHS Therapie : Verhaltenstherapie und / oder Medikation

Zufällig bin ich auf eine interessante Studie zur kognitiven Verhaltenstherapie mit und ohne Stimulanzien bei ADHS im Erwachsenenalter gestossen

Bisher ist ja die Frustration unter den Verhaltenstherapeuten gross. Im Kern hilft bei der kognitiven Verhaltenstherapie bei ADHS wenig. Zumindest in Hinblick auf eine statistische Relevanz. Sicher hilft es, sich an einen Therapeuten irgendwie zu wenden. Und es hilft Psychoedukation. Aber ob die spezifischen Module der Verhaltenstherapie bei ADHS nun besser als eine allgemeine „Laber-Gruppe“ sind, ist bisher nicht belegt.

So ist die tolle Studie zur DBT = Dialektisch behavioralen Therapie nach dem Freiburger Konzept von Hesslinger und Phillipsen ja zu dem Ergebnis gekommen, dass die Stimulanzienmedikation letztlich allein mindestens so gut wie die Psychotherapie wäre. Und auch die Kombination wenig zusätzlich bringt. Echt frustrig. Und wohl auch nicht wirklich ganz stimmig, da es sicher Patienten gibt, die sehr von der Gruppe profitiert haben. Soweit ich weiss, wurde oder wird das auch noch genauer ausdifferenziert und man wird dann sehen, dass es nicht alles vergebliche Therapeutenzeit war. Hoffentlich….

Nun gut. Die neue Studie beschäftigt sich vordergründig mit einer ähnliche Frage. Also der Fragestellung, ob die zusätzliche Medikation was bringt. Aber eigentlich ist es gar keine Studie, die diese Frage beantwortet. Denn das Studiendesign weist einen kleinen, aber entscheidenen Unterschied auf : Die Teilnehmer erhielten in der VT-Gruppe 2 mal 15 min Coaching (bzw. forcierte Erinnerung an die Erledigung der Hausaufgaben) durch Junior-Forschungsassistenten. Und dies offenbar auch noch nach Abschluss der 12 Wochen Therapie.

Ich habe selber vor Jahren mal an einer ähnlichen Studie in dieser Rolle teilgenommen. Wir mussten immer die „Abbrecher“ einer Alkoholiker-Studie innerhalb von 3 Tagen wieder auffinden bzw. in die Therapie zurück holen. Das wurde damals so gemacht, dass sie immer für 3 Tage Medikamente bekamen. Wer die neuen Tabletten nicht abholte, war wahrscheinlich „besoffen“. Und mein Job war, ihn dann wieder in die Klinik zu holen…

Egal.

Wenn ich einen ADHSler so coache, bzw. so aktiv „erinnere“, habe ich natürlich einen Effekt der Therapie. Das ist aber dann eben keine Verhaltenstherapie meht. Sondern Coaching.

Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Kombinationstherapie aus Medikation und Verhaltenstherapie  zunächst die schnelleren (besseren) Effekte brachte. In der Verhaltenstherapieallein  zeigen sich die Ergnisse später, sind aber vielleicht haltbarer. So wie es für mich klingt, erhielten diese Teilnehmer aber eben auch nach den 12 Wochen Gruppentherapie noch das Coaching weiter.

Immerhin wurde von den Teilnehmer das Coaching als wesentlicher wirksamer Bestandteil der Therapie angegeben.

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2 Gedanken zu „ADHS Therapie : Verhaltenstherapie und / oder Medikation

  1. Juliane H.

    ich habe schon viel VT hinter mir und leider wirkte sie bei mir nur für den Moment der Therapie, hinterher falle ich immer wieder in meine alte Verhaltensmuster. Mittlerweile habe ich jedoch meine Diagnose ADHS erhalten und befinde mich bei einer Therapeutin die sich auch mit ADHS über Jahre beschäftigt und mich dementsprechend besser behandeln kann. Die vorherige Therapeutin leugnete die Diagnose die ein fachkundiger Facharzt bei mir stellte, ADHS betrifft nur Kinder und Jugendliche und außerdem zeige ich keine Anzeichen von Hyperaktivität (ja, schon klar *Augenrollen*)
    aber das ist eine andere Geschichte.

    Jedenfalls hilft mir die Verhaltenstherapie immer nur in dem Moment der Therapie. Mittlerweile versuche ich mittels Therapiebuch die Therapie aktiver aufzunehmen und um sie hinterher nicht zu vergessen und immer noch anzuwenden. Doch leider falle ich schnell in alte Muster, ohne das ich das will. Ich möchte ja dringend was an meinem Verhalten ändern. Doch dann verlege ich das Buch, oder vergesse es konsequent weiterzuführen.

    Seit ich das Medikament nehmen, also MPH muss ich aber feststellen das sich meine kognitiven Fähigkeiten deutlich verbessert haben. Es ist mir endlich mal möglich einigermaßen Struktur in meinen Alltag zu bringen, mir Dinge mal besser merken zu können und vor allem ist alles nicht mehr so fürchterlich anstrengend. Die deutlichste Wirkung die ich unter MPH erlebe ist die Gelassenheit, die innere Ruhe und die Möglichkeit das innere Radio mit den tausend Sendern auf 2- 3 Sender zu beschränken.

    Vorher herrschte einfach nur heiloses Chaos in meinem Kopf und kein Therapeut hat erkannt das ADHS die Ursache war. Angststörung, Depression und Persönlichkeitsstörung sollten die Ursache sein.

    Ich bin auch der Meinung dass das Coaching für ADHSler die besten Ergebnisse liefert, jedoch ist diese Form der Unterstützung nicht für jeden finanziell machbar.

    Also bleibt mir nur, Medikamente, die Therapiestunden konsequente protokollieren und versuchen zu verinnerlichen und sich mit Hilfsmitteln über den Tag verhelfen.

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  2. Unsinnstifter

    Das Hauptproblem ist doch, diese Bearbeitung der ADHS Patienten nach Mustern für Normalos. Wer die ADHS-Symptomatik gar nicht richtig wahr nimmt und seine Hauseigenen Handwerkszeuge verwendet und sich nicht wirklich interessieren will, der wird als Verhaltenstherapeut scheitern. Wer ständig über Gefühlsregungen, Schuldkomplex und Co reden will und meint bei ADHS damit alleine etwas zu erreichen oder aber ADHS selbst nur als Konstrukt betrachtet, das man mit der richtigen Verhaltenstherapie schon in den Griff bekommt, der wird einfach scheitern müssen und seine Frustration dann am Patienten auslassen.

    Solange also gar nicht genug ADHS taugliche Therapeuten da sind, solange kann man sich diese ganzen Erkenntnisse sonstwo hinpacken. Solange die Anlaufstellen überlaufen, die Therapieansätze lächerlich sind, solange Coaching in Deutschland nicht bezahlt wird solange ist das quasi nichts wert.

    Alle die Betroffenen, die mit wenig Hilfestellung auskommen müssen, denen wird dieser ganze aufgeblasene Popanz irgendwelcher Studien kaum helfen.

    Macht erstmal die Grundlegenden Hausaufgaben und schafft die medizinischen Hilfen an der Basis, überzeugt die Krankenkassen von den wirklich funktionierenden Lösungen und sorgt dafür, das das auch Angeboten wird.

    Solange es keine Basis für medizinische Versorgung im ADHS Segment gibt, ist das einfach sinnloser Scheiß und wird zu einer ABM Maßnahme für die Angestellten im Forschungsbetrieb.

    frustrierte Grüße

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