Erfolgreiche Unternehmer mit ADHS gesucht

Meinrad Ryffel hat mich heute auf das Thema „ADHS und Unternehmer“ angesprochen. Er ist offenbar vom Münchener Prof. Holger Patzelt vom Lehrstuhl für Entrepreneurship der Technischen Uni München kontaktiert worden. Dort versucht man eine derzeit überwiegend schwedische Studie zu ADHS und Unternehmenserfolg zu wiederholen bzw. zu ergänzen.

Fazit : Man sucht Selbstständige bzw. Unternehmer, die sich mit ADHS erfolgreich in der Geschäftswelt durchgesetzt haben. Nicht trotz, sondern vielleicht WEGEN ADHS. Um in einem Interview die Erfolgsfaktoren zu identifizieren.

Ich musste letztlich passen, da unter meinen Klienten keine (reichen) Unternehmer dabei sind.

Menschen, die Luftschlösser als Unternehmer bauen wollen, habe ich schon im Angebot. Und auch erfolgreiche Angestellte. Aber allein erfolgreich ? Bei mir Fehlanzeige.

Ich erzähle zwar gerne in meinen Vorträgen, ADHS sei ein Hochrisikomarker für selbstständige Multimillionäre. Und ich hätte auch gar nichts dagegen, diese zu behandeln. Oder ihre Familien. Oder Angestellten. Oder überhaupt in dem Bereich beratend zur Seite zu stehen.

Nur : So gross scheint die Nachfrage in dem Bereich ADHS und Unternehmer dann nicht zu sein.

Petzold geht in seinen Studien u.a. davon aus, dass die durch ADHS ausgelöste Impulsivität Vorteile verschafft. Man würde nicht so schnell bei unvorhergesehenen Situationen in Angst und NIchtstun verfallen.

Ein Kernsatz der Veröffentlichungen von Petzold ist für mich :
“ Für Menschen mit ADHS fühlt sich intuitives Handeln richtig an, selbst wenn das Ergebnis schlecht sein sollte“.

Mag sein. Ich bin auch sehr für die Berücksichtigung der Intuition. Aber wenn es dann zu schlechten Ergebnissen führt, wird doch eher die Insolvenz und der eigene Suizid drohen, oder ?

Menschen mit und ohne ADHS haben positive Eigenschaften und Talenten, die man für die Selbstständigkeit brauchen kann. Natürlich ist für ADHSler die Selbstständigkeit eine gute Option, wenn der Rahmen stimmt. In aller Regel also eine Lebenspartnerin oder Partner (bzw. auch Geschäftspartner), die gut im Team mit dem / den ADHSler harmonieren. Aber eben auch die bestehenden Problembereiche nicht ständig ausblenden müssen.

ADHSler müssen lernen, die durch die ADHS-Andersregulation bzw. Besonderheiten im Bereich der höheren Handlungsfunktionen bestehenden Probleme aktiv anzugehen. Und nicht zu leugnen.

Dann leuchten auch die Stärken und Chancen.

 

Möge es viele sehr erfolgreiche ADHSler geben, die als Selbstständige erfolgreich sind. Bitte dann aber nicht vergessen, die ADHS-Selbsthilfe und Aktiven auch finanziell und mit Praktika / Jobs zu unterstützen !

Also : Wo sind die erfolgreichen ADHSler im Handwerk und Industrie bzw. in Start-ups und anderen Bereichen ?

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12 Gedanken zu „Erfolgreiche Unternehmer mit ADHS gesucht

  1. P

    Hi,
    ich habe ein kleines Unternehmen (2 Ladenlokale + Online-Shop), wie hoch muss der Jahresumsatz sein, um als „erfolgreich“ zu gelten?
    Ich bin in meinem Bereich relativ „erfolgreich“, und ohne die „typischen“ Symptome wie Risikofreude, Kreativität und „nicht bis Übermorgen denken“ wäre ich nicht so weit gekommen. Auch hat mich der Leidensdruck einer Festanstellung (nichts für „Jäger-Typen“) erst in die Situation der Gründung gebracht.

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    1. Dr Martin Winkler Autor

      Danke für diese Nachricht. Ich hatte / habe bei Xing eine Gruppe für Unternehmer gehabt, die ich aber nicht besonders gut gepflegt habe. Es gibt also auch die positiven „Ausreisser“, die sich die tollen Eigenschaften zu Nutzen machen !

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  2. Sciddy

    Spannende Diskussion!
    Ich gehöre durchaus zu denjenigen die „mit dem goldenen Löffel im Mund“ geboren wurden. Elternhaus und ständige Ermutigung haben mich auch durchs Studium gebracht.
    Obwohl ich sicherlich als relativ erfolgreich einzustufen bin, wird, wenn ich mich heute in meiner Peergroup aus Schulzeiten umsehe, ganz klar, dass ich zu den Underachivern gehöre.
    Und ja, ich bin Selbstständig. Und auch nicht in meinem ursprünglichen Beruf.
    Vor meiner ADHS Diagnose habe ich mich immer gewundert, warum meine Mitarbeiterfluktuation so hoch ist. „Mit dir kann man einfach nicht arbeiten“, war der Kommentar eines guten Freundes. Soviel zum Thema „Sozial angepasstes Verhalten“.
    Deshalb arbeite ich heute alleine – als Freelancer. Papierkram, Steuererklärungen – das funktioniert mit Ach und Krach. Auch Delegieren ist da schwierig, weil die notwendige Vorarbeit chaotisch ist.
    Und noch ein Grund weshalb ich glaube, dass der große Erfolg den meisten ADHSlern nicht beschieden ist: Ganz viele Geschäfte werden in geselliger Runde am Abend in die Wege geleitet. Alte Seilschaften vermitteln sich gegenseitig Aufträge. Unternehmer ist man entweder ganz oder gar nicht.
    Aber um diese Seilschaften zu pflegen, dazu fehlt mir einfach nach einem vollgepackten Arbeitstag die Kraft.

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  3. Martin

    Ich denke, dass Donald Trump neben seiner malignen narzistischen Persönlichkeitsstörung ein ADHS hat: er ist sehr impulsiv (s. seine Tweets jeden Morgen nach dem Aufstehen, wenn die böse Welt auf ihn hereinbricht), unaufmerksam (seine Mitarbeiter sagen, er hätte die Aufmerksamkeitsspanne von wenigen Minuten) und hyperaktiv (er sagt selbst, er würde 1000 Dinge gleichzeitig tun). Dazu passt auch, dass er keine Lust auf die Auslandsreise heute hat und lieber in seinem gewohnten Umfeld ist, um nicht von (neuen) Reizen überflutet zu werden. Schade nur, dass beim ihm der Narzissmus alles womöglich Positive überschattet.

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  4. Doris Lemke

    Meines Erachtens funktioniert das nur in einem gut funktionieren Tandem: der ADHSler produziert die durchaus genialen Ideen, die ja wirklich manchmal plötzlich kommen, es muss aber einen Manager geben, der dann zur rechten Zeit am rechten Ort die Dinge ins Rollen bringt (organisatorisch und auch finanziell) und an Termine erinnert. Wenn beide gut harmonieren und der nicht betroffene Manager den ADHS-Betroffenen auch noch davon überzeugen kann, seine Ideen nicht selbstlos und sozial der Welt preiszugeben, sondern Kapital daraus zu schlagen und die Werbekampagne in die Hand nimmt, dann und nur dann wird er als Unternehmer erfolgreich sein können ……… vorausgesetzt er verdient damit soviel, dass er sich bis zur nächsten Projektidee ein paar Monate Pause gönnen kann. 🙂

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    1. Piero Rossi

      „Wenn beide gut harmonieren ….“. Klar, dann kann es gut laufen. Leider wirkt sich die ADHS bei fast allen Betroffenen auch auf deren Beziehungsverhalten aus. Geduld für den Partner haben und diesem zuhören können: Meistens scheitert es allein schon daran. Und wenn der Partner dann immer alles ausbügeln muss, was der ADHS-Betroffene verpasst, verloren oder verlauert hat … Also ich weiss nicht. In Einzelfällen vielleicht mag das mit der Harmonie schon zutreffen. Die Regel ist es wohl kaum.

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  5. Overthesky

    Das ist doch klar, dass relativ wenige erfolgreiche Unternehmer mit ADHS-Diagnose gefunden werden. Die erfolgreichen Unternehmer mit ADHS haben zwar ADHS, sind aber nicht mit ADHS diagnostiziert. Wer voll im Leben steht, unternehmerisch erfolgreich ist, und insgesamt erfolgreich ist, der hat keine Grund, zum Psychiater zu gehen und sich auf ADHS testen zu lassen. ADHS mag Probleme bei Buchhaltung, langfristiger Planung und sonstigen Aspekten der Unternehmensführung mit sich bringen, die positiven Aspekte sind jedoch nicht von der Hand zu weisen. Beim Arzt, der ADHS behandelt, findet man nur einen Teil der ADHSler, nämlich den mit für ihn selbst klar erkennbaren Problemen, den Teil mit Depressionen und anderen Begleiterkrankungen. Der Gegensatz zwischen erfolgreichen ADHSlern – und dazu gehören auch Milliardäre wie Bill Gates, Richard Branson und Elon Musk – auf der einen Seite und Underachievern und Psychiatrie-Patienten mit ADHS auf der anderen Seite, das ist auch ein zentraler Konflikt innerhalb der ADHS-Community, was man auch wieder in den Kommentaren hier sieht. Ob man mit ADHS erfolgreich sein kann, das hängt ab vom Schweregrad von ADHS und von der Sozialisation. Und bei der Sozialisation ist das Spektrum riesig. Wenn ADHS nur negativ wäre, wieso ist dann ADHS so häufig?

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  6. Piero Rossi

    Gestern waren es Einstein und Hitchcock.

    Heute sind es Unternehmer.

    Und morgen Piloten, welche es trotz (oder dank) einer ADHS so weit gebracht haben (sollen).

    Ich halte das für einen Mythos. Meine Überlegungen dazu habe ich hier dargelegt.

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  7. heavypete

    Ein Bekannter vermutet das er ADS hat, ich meine die tagträumerische Variante und hat sich als Handwerker selbstständig machen müssen. Er hat eigentlich einen akademischen Abschluss kann aber in dem Beruf wegen Überforderung nicht arbeiten. In einer Klinik hat man ihm gesagt dass das tagträumerische ADS nicht in Deutschland anerkannt ist. Eine Medikation ist unterblieben. Er verdient nur sehr wenig ist aber zufrieden weil er keine andere Option für sich sieht. So wenig glamuorös kann dass Enterpreneur mit ADS sein. Ich denke viele sind gezwungen sich Selbsständig zu machen weil es keine andere Option gibt. Es werden meiner Ansicht nach nur sehr wenige sehr erfolgreiche Unternehmer mit ADS bzw ADHS bestehen. Eher auch in kreativen Berufen oder als Künstler meiner Meinung nach. Aber vielleicht irre ich mich auch.

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  8. Unsinnstifter

    [quote=“Dr. Gerd Teschke“] Aber es ist klar, dass die oft ausgesprochenen Defizite durch andere Faktoren kompensiert werden müssen. Denn es gibt wiederum leider eine sehr viel größere Gruppe von Betroffenen, die keinen Fuß auf die Erde kriegen.[/quote]

    Sehr richtig! Erst wenn man die Defizite im Griff hat, kompensieren kann, erst dann wird man auch entsprechend Erfolge einfahren können.

    Man wird als ADHSler NIE etwas WEGEN der ADHS sondern nur TROTZ der ADHS! Fachleute, die das nicht verstanden haben, sind keine Fachleute sondern Traumtänzer, das erlaub ich mir mal zu behaupten.

    Nützlich kann sein wenn man wenig Schlaf braucht, viel Energie hat und überdurchschnittlich intelligent und tragendes Selbstbewußtsein an den Tag legen kann. Das [i]Potential muss erheblich [/i]sein, DANN kann man mit ADHS durchaus erfolgreich sein. Wäre dies nicht so, gäbe es nicht so viele Underarchiever.
    Nützlich wird es auch sein, aus der oberen Mittelschicht bis Oberschicht zu stammen. Da werden eben auch die für diesen Habitus gültigen Vorteile oft viele Nachteile der ADHS auffangen, stabile Rahmenbedingungen, viele (gekaufte) Chancen, starke soziale Säulen in der Familie und vielleicht solide Förderer zu haben.
    Partner oder verlässliche Sekretärin, bzw. Planer / Zuarbeiter, „Stabilisatoren“ im Unternehmen – dann ja dann kanns klappen.

    Das könnte man auch „goldenen Löffel im Mund“ nennen, meint der Volksmund.

    So wäre es kein Kunststück den Hals aus der ADHS Schlinge zu bekommen. Die Mehrheit wird aber durch die ADHS-Schlinge ihr Leben lang gewürgt, ihrer Chancen und Möglichkeiten beraubt und kann Talente und Energie kaum nutzen.

    Sagte mal ein ADHS Doktor in den USA (In einer Doku aufgeschnappt) das Hollywood durchaus in „ADHS-Stadt“ (oder son Wortspiel) umbenannt werden könnte? Vielleicht dort mal rumfragen ;>

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  9. marcjosephs

    In den USA wäre es einfacher, diese Personen zu finden. Die Hürden der starren Ausbildung in Deutschland und größtenteils Europa verhindern oft, die Möglichkeit zur positiven Entfaltung gewisser ADHS Eigenschaften. Ausser in den freien Berufsgruppen ohne Zwang zu Abschuss und Ausbildung, wie bei Künstlern, wird es nicht so ganz einfach sein, diese zu finden, obwohl es sie gibt, aber viele von denen werden wohl mit ihrem Job genug zu tun haben.

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  10. Dr. Gerd Teschke

    Ich habe eben mal die Akten in meiner Privatpraxis durchgesehen und 12 Patienten gefunden, die diesen Kriterien genügen; einige sehr erfolgreich, andere mittelgradig und wieder andere mit wechsnelndem Erfolg, die aber irgendwie auf der Erfolgsspur sind. Es ist schwer, einen gemeinsamen Nenner zu finden, aber ich hatte schon lange den Verdacht, dass bei einigen von ADHS betroffenen die Störung selbst zu einem wesentlichen Teil zu ihrem Erfolg beigetragen hat. Aber es ist klar, dass die oft ausgesprochenen Defizite durch andere Faktoren kompensiert werden müssen. Denn es gibt wiederum leider eine sehr viel größere Gruppe von Betroffenen, die keinen Fuß auf die Erde kriegen.
    Gerd Teschke

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