Methylphenidat oder Eltern-Kind-Interaktions-Therapie bei Kindern im Vorschulalter

Die folgende Studie wird vermutlich nicht so viele Freunde nicht Deutschland finden. Es geht um die Behandlung von Kindern im Vorschulalter (3-6 Jahre) mit einem Hyperkinetischen Syndrom mit Störverhalten (sagen wir mal ruhig Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens).

Eigentlich sind sich da alle Experten einig : Das ist eine klare Indikation dafür, Verhaltenstherapie bzw. Elterntraining zu machen. Und keine Medikamente. Schon gar nicht bei so kleinen Würmern.

In den USA ist es ähnlich, da die bisherigen Leitlinien davon ausgehen, dass man bei Vorschülern eben auf Medis verzichtet.

Im J Child Adoles Psychopharmacol 2017 Nov 13 wurde nun eine sehr kleine Studie mit 36 Vorschülern publiziert. 17 erhielten Methylphenidat, 18 eine sog. PCIT = Parent child interaction therapy.

Die Mütter schätzten eine deutlichere Abnahme von Verhaltensproblemen unter der medikamentösen Behandlung (Effektstärke 1,5) gegenüber der PCIT (Effektstärke 0.64) ein.

Das ist nun eine sehr geringe Fallzahl. Und so kommen auch die Autoren nicht zu dem Schluss, dass man nun auf die Eltern-Kind-Therapie verzichten sollte. Zumal man eben begrenzte Daten zur Sicherheit der medikamentösen Therapie im Vorschulalter hat.

Aber vielleicht ist es eben dann doch so, dass die Medikation eher die Grundlage für die Verhaltenssteuerung und damit auch Verhaltensänderung ist ?

Ich denke, dass man darüber sehr unterschiedliche Meinungen haben kann.
Wie steht ihr dazu, schon Vorschülern Methylphenidat zu geben ?

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6 Gedanken zu „Methylphenidat oder Eltern-Kind-Interaktions-Therapie bei Kindern im Vorschulalter

  1. Franziska

    Da mein ADS Kind bereits im Vorschulalter deutlich unter den Folgen seiner ADHS litt ( Ausgrenzung in der Familie und im Kindergarten, Schwiegermutter/Schwager/Schwägerin schrien ihn an und ohrfeigten ihn sogar, wenn er zu Besuch dort war), bzw ich die Mutter (wahrscheinlich selbst betroffen) bzw unsere Ehe auf eine harte Probe wegen des oppositionellen Trotzverhalten gestellt wurde, hätte ich ihm MPH damals gegeben, wenn ein Arzt die Diagnose in diesem Alter gestellt hätte und MPH verschrieben hätte. Vermutlich hätte das uns allen viele Tränen, Schreie, Wutausbrüche und die Ehekrise erspart.

    Am Besten wäre es wahrscheinlich gewesen, wenn ich und mein Mann (beide mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit betroffen) auch behandelt gewesen wären, auch wenn das komisch klingt. Aber die Hyperaktivität, die Wutausbrüche, das trotzige, teilweise aggressive Verhalten des eigenen Kindes stellt die Geduld von Eltern mit einer eigenen Reizoffenheit, niedriger Frustrationstoleranzgrenze und hoher Impulsivität auf eine sehr harte Probe.

    Solche Familien geraten nicht selten in die soziale Isolation, aus Angst vor der negativen Reaktionen von Verwandten/Freunden (Kritik, Vorwürfe, verbale Aggressionen) , aus Scham.
    Das Kind hat damit nicht die Chance, ein normales soziales Miteinander zu erleben/erlernen. Wenn die Mutter dazu irgendwann dekompensiert (Depression), die Eltern sich immer wieder wegen der Erziehungsschwierigkeiten streiten und evtl. trennen, dann ist das psychische Wohl des Kindes hoch gefährdet.

    Angesichts dieser möglichen Folgen einer unbehandelten AD(H)S halte ich einen Versuch mit MPH im Vorschulalter für gerechtfertigt.

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    1. Unsinnstifter

      Sehe ich auch so. Allerdings halte ich die Diagnostik für schwierig. Ein Kind hat ja grundsätzlich noch nicht die Eigenschaften ausgebildet, die ADHS in weiten Teilen stört. Es ist auch noch kein Lebenslauf zur Diagnose da. Die Kriterien zu erfüllen ist ja gar nicht der Punkt. Das alleine macht eben keine „gute“ gewissenhafte Diagnose aus. Es ist meiner eher theoretischen Einschätzung nach nicht so einfach zwischen einem Kind zu unterscheiden, das im Trotzalter ist und unter zwei schwierigen Eltern aufwächst ggf. ein bischen Teilleistungsprobleme hat oder unter allgemein schlechter asozialer Umwelt leidet bzw eine Scheidung oder vergleichbares vorliegen mag. Also das alles von einer richtig echten ADHS unterscheiden?

      Ich meine das das alles steht und fällt mit einer solide erstellten Diagnose von richtig guten Ärzten. Nur, sind die wirklich da? Gibt es die? Ich weiß nur wie schwer es für Erwachsene real ist auch nur einen Verschreiber zu finden.
      Gibts für Kleinkinder jetzt Spezialisten bei ADHS Flächendeckend? Und mein Eindruck sagt mir, das man dann, wenn das Alter so weit von Normal weg ist, man da schon wieder spezielle Erfahrung und Überlegungen braucht, um eine ADHS zu erkennen. Gibt es sowas? Ich hör meist nur von irgendwelchen selbsternannten Rettern, die ADHS eher verneinen und sicher keine Vorschulkinder mit „Koks für Kinder vollpumpen“ würden. Aber ich bin halt auch kein Maßstab. Nur meine Gedanken dazu.

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  2. Insa Melchheier

    Schwierig.
    Wenn überhaupt, dann bestünde ja nur eine Indikation für eine Gabe in diesem Alter. Das wäre dann eine Selbstgefährdung des Kindes.

    Dazu fällt mir jetzt extreme Sturz- oder Selbstverletzungsgegahr ein oder auch unkontrollierbare Gefühlsausbrüche wie Wut, durch die ein Kind sich selbst Schäden zufügt.

    Oder wenn es psychisch so sehr unter den Auswirkungen der Umweltresonanz leidet, dass es Begleiterscheinungen wie Angststörungen (z.B. soziale Phobien) entwickelt, die es in seiner seelischen Entwicklung beeinträchtigen.

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  3. Doris Lemke

    Kleinkinder-Medikation gegenüber bin ich skeptisch, da auch hier die Dosis genau eingestellt werden muss. Kinder in diesem Alter können die Medikamentenwirkung als solche aber vermutlich nicht ausreichend wahrnehmen und entsprechend nicht artikulieren, wie es ihnen damit geht und wie sie sich fühlen. so könnte ein Zuviel auch ausknocken und die Wirkung wiederum zu depressiven Verstimmungen führen, die die Eltern fälschlich zur Freude über „ein so ruhiges Kind“ veranlassen könnte.
    In diesem Alter kann auch Hypersenibilität gegenüber Lärm und Licht ursächlich sein. Und da ein betroffenes Kind ausschließlich in ganz ruhiger abgedunkelter Atmosphäre in den Schlaf findet (die es im Kindergarten tagsüber GAR NICHT gibt!) leidet es evtl. bloß an notorischem Schlafmangel, weshalb die Hyperkinese als Notstromaggregat fungiert…..
    Erst wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft und Eltern-Kind-Interaktions-Therapie nichts gebracht hat würde ich einen Medikationsversuch wagen….

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  4. anneinsideoffice

    Und das mit der geringen Körpergrösse wage ich zu bezweifeln. Ich kenne einen Jungen, welcher zwar erst mit etwa 16 mit Medikamenten gegen ADHS behandelt wurde (ein Träumerchen) und trotzdem 1.93 gross wurde, mind 20 Zentimeter unter Medikation.

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  5. Peter

    Da ADHS ja inzwischen recht eindeutig auch als Problem mit dem Dopamin Stoffwechsel gesehen wird, sehe ich keinen Grund wirksame Medikamente mit einem bestimmten Mindestalter zu verbinden. Ich denke das die psychischen Schäden ohne Medikamente langfristig schlimmer sind als eine eventuell zu erwartende geringe Körpergrösse. Wobei man das natürlich sehr aufmerksam beobachten sollte. Dazu kommt das mit den Medikamenten vielleicht überhaupt erst einen Basis für Lernmöglichkeiten gelegt werden. Ich wäre jedenfalls dafür sich das sehr genau anzuschauen

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