ADHS Burnout bei Selbstständigen und Unternehmern

Unternehmer mit ADHS

Ständig im Bereich der Selbstüberforderung

…. und natürlich nicht nur bei DENEN….

Zum Thema ADHS bei Freiberuflern bzw. Unternehmern und anderen Geschäftsleuten hatte ich in diesem Blog ja schon ein paarmal gepostet. Nun ist meine neue Klinik ja sicher nicht der Ort, an dem sich die Geschäftsleute-Elite die Klinke in die Hand gibt. Immer mehr Einrichtungen konzentrieren sich ja auf die so angeblich besserverdienenden Klientel mit Burnout und Erschöpfungssyndromen, die aus der beruflichen Belastung bzw. nicht selten auch der Entlassung nach Misserfolgen bzw. Selbstüberforderung entstehen. Unter der Rund-um-sorglos-Versorgung dieser Kliniken müssen die Probleme der Selbstorganisation und Alltagsbewältigung eben gar nicht ins Auge springen. Weil ja einfach alle Dinge, die unangenehm sein könnten, von dienstbeflissenen guten Heinzelmännchen der 5-Sterne-Kliniken abgenommen werden bzw. schon jeder Wunsch von den Augen abgelesen wird. Na ja, so stelle ich es mir jedenfalls manchmal vor 🙂

Aber irgendwie ist das Thema ADS / ADHS und Besonderheiten der Regulationsdynamik bzw. der Exekutivfunktionen im Bereich der Unternehmsführung bzw. Coaching und Gesundheitsprävention von Führungskräften noch nicht so richtig angekommen. Zumindest nach meiner subjektiven Wahrnehmung.

Dabei wäre es im Sinne von Gesundheits-Prävention aber auch Förderung von Kreativität (Stichwort „laterales Denken“) mehr als sinnvoll, dass sich Firmen und Großinstitutionen sich des Themas ADHS annehmen. Einerseits, um einen Ausfall der Mitarbeiter zu verhindern, andererseits aber auch, damit die Stärken und besonderen Möglichkeiten in der Wahrnehmung und Lösung von Problemen und Herausforderungen gewinnbringend genutzt werden können.

Ab und an verirrt sich dann aber auch an die Ostsee nach Wismar ein Klient, bei dem das ADHS-Spektrum nun eigentlich ins Auge springt, bei dem oder der aber eben über viele Arzt- und Psychologenkontakte kein Mensch an ADHS denkt. Schon allein, weil ja jahrelang der Erfolgsweg scheinbar steil nach oben führte.

12-16 h Arbeitstage gelten dann schon fast als „freier Nachmittag“. Denn nur wenn der innere Motor ständig auf höchster Drehzahl läuft, ist das Gehirn „funktionsfähig“. Notfalls um den Preis, das mit Drogen bzw. Alkohol oder „Downer“ dann der Regulation der Hirnaktivität ein wenig nachgeholfen wird.

Dann kann der Hinweis auf ADHS schon wie die „Offenbarung“ sein und das Buch von Ed Hallowell „Zwanghaft zerstreut“ die neue „Bibel“, wie ich es schon ein paarmal in diesem Zusammenhang hörte.

In der letzten Zeit hatte ich dabei gerade im Bereich Verkauf bzw. auch bei leitenden Angestellten im Management im Bereich Optimierung und Consulting so meine Erfahrungen machen können. Lauter sehr sehr gute Leute, die nach aussen lange Zeit gut „funktionieren“. Bei denen aber nicht zuletzt die Lebensabschnittsbegleiterin schon sehr lange und häufig immer wieder Einbrüche mit totalem Rückzug und Depressivität bzw. schwersten Selbstwertstörungen registrierte. Nicht zuletzt, wenn ein Projekt wie eine Seifenblase zerplatzte. Leider ist es dann schwierig, diese Menschen zum Annehmen von Hilfe zu bewegen

Vor 2 Wochen erhielt ich per Voicemail den Anruf einer Lebenspartnerin eines früheren Klienten von mir. Offenbar wieder abgestürzt, obwohl das neue Projekt nach der Arbeitslosigkeit so erfolgsversprechend klang. Aber leider schafft er es nicht, sich selber an den Rechner oder das Handy zu setzen, um mir ein Lebenszeichen zu senden.

Abgetaucht in Selbstzweifel, aber auch irgendwo Selbstmitleid.

Die gleichen Fehler immer und immer wieder ?

 

ADHS und Beruf : Vortrag von Harald Lachenmeier ADHS Symposium Münsingen

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3 Gedanken zu „ADHS Burnout bei Selbstständigen und Unternehmern

  1. Franziska

    Ja, die gleichen Fehler, immer und immer wieder. ADHSler lernen selten aus ihren Fehlern. Mein Mann ist zwar nicht selbstständig, aber Manager mit einem enormen Arbeitspensum und Druck. Obwohl unser Sohn und unser Neffe beiden die ADHS Diagnose in der Kindheit erhalten haben, würde mein Mann niemals einsehen/akzeptieren können, dass er auch daran leidet. Er befindet sich seit Jahren an der Grenze zum Burnout. Seine Wutausbrüche für Kleinigkeiten, chronische Reizbarkeit, Dauerunzufriedenheit, die fehlende Bereitschaft, Zeit mit der Ehefrau und den Kindern zu verbringen belasten unsere Ehe so sehr, dass ich mich zur Trennung/Scheidung entschieden habe.

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  2. Overthesky

    Nicht nur bei ADHS und einer selbstständigen Existenz als Unternehmer ist es so, dass man die mit einem manifesten höhergradigen ADHS einhergehenden Defizite , Schwierigkeiten und Probleme nicht allzu schnell beiseite wischen sollte , genau dasselbe gilt ganz allgemein und auch für Ärzte oder Arztberuf und ADHS z.B. Ich selbst habe den Fehler begangen, meine Defizite durch ADHS in hohem Schweregrad im Arztberuf auf die leichte Schulter zu nehmen, das Resultat ist, dass ich jetzt mit 31 in die Altenpflege umsatteln darf (nach 2 Jahren sinnlosem in den Tag Hineinleben mit einer sinnlosen Doktorarbeit , die mit einem an dieser Klinik beispiellosen Eklat beendet wurde, fackele ich jetzt nicht mehr lange, keine Zeit mehr herumzuüberlegen). Ich bin übrigens längst nicht der einzige Fall von manifestem ADHS , der im Arztberuf gescheitert ist. Meine Clique mit ADHS , die sich im Verlauf des Studiums gebildet hatte, von denen, die es überhaupt zum fertigen Arzt geschafft haben: bei einer, die mit mir studiert hat ohne diagnostiziertes, aber offensichtliches ADHS, von der ich weiß, dass sie es durchsteht und durchgezogen hat und durchzieht, bei der habe ich eine dunkle Vorahnung , von einem anderen weiß ich, dass er nach einem halben Jahr an einer Psychiatrischen Klinik komplett am Durchdrehen ist (wurde fälschlich beschuldigt, er hätte einen Patienten auf dem Gewissen und so) usw. Ich habe bisher keinen einzigen Fall von schwergradigem ADHS , der erfolgreich im Arztberuf zurecht kommt, erlebt. Mir hat man mal gesagt, ich würde im Arztberuf dann meine Nische haben. Das hört sich in der Theorie schön an, bloß muss es diese Nische überhaupt erst mal geben und zusätzlich muss man sie finden. Ich rate jedem schwergradig von ADHS Betroffenen im Nachhinein ab, den Arztberuf zu ergreifen. Ohnehin habe ich es, so nehme ich es wahr, bisher so erlebt, dass diejenigen schwergradig von ADHS Betroffenen, die beruflich erfolgreich im Leben stehen, zu diesem Erfolg über das Duale System gekommen sind, es ist eben ein Irrtum und eine Lebenslüge, den Akademisierungswahn auch bei ADHS zu betreiben. Kurzum: ich weiß um die Stärken , positiven Seiten und evolutionären Vorteile von ADHS , die auch bei Personen mit schwergradigem ADHS vorhanden sind. Jedoch bringt es rein gar nichts, sich in Jubelarien darüber hineinzusteigern. Es gibt sicherlich erfolgreiche Unternehmer und Ärzte mit ADHS , wohlgemerkt mit jeweils eher moderatem bis nur leichtgradigem ADHS . Und wenn dann leuchtende Beispiele wie Steve Jobs , Bill Gates und Elon Musk (jeweils eher leichtgradige Fälle von ADHS) angeführt werden, dann wird das den 10-fach so vielen Betroffenen mit ADHS (schwergradig oder leichtgradig), die auf dem Weg zum erfolgreichen Unternhemer gescheitert sind und dabei alles verloren haben, materiell, gesundheitlich, sozial und zwischenmenschlich nicht gerecht. Dasselbe gilt für Ärzte, die bahnbrechende medizinische Entwicklungen wie Herzkatheter-Techniken und vieles mehr hervorgebracht haben, es gibt noch deutlich mehr alkoholkranke und menschlich gebrochene Ärzte mit ADHS, als es diese leuchtenden Beispiele von ADHS dort gibt und ab einem gewissen Schweregrad ist der Erfolg mit ADHS im Arztberuf wie im Unternehmertum (egal ob mit oder ohne Hilfe durch Medikation) eher unwahrscheinlich.

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  3. Alexandra Grossmann

    Ich finde diesen Artikel sehr interessant, da ich selbst auf ADHS getestet wurde und mein beruflicher Werdegang, sowie die damals fehlenden Grundschulzeugnisse ( hatte sie erfolgreich vor mir versteckt) die einzigen Gegenargumente waren und man mir sagte; es sei grenzwertig, aber deshalb hätte ich es eher nicht. Ich selbst bin mir aber sicher, das ich es habe. Ich wollte es wissen, da meine Tochter betroffen ist. Ich arbeite selbst in der Psychiatrie und bin echt oft erschrocken, wie schwierig es ist, mit meinen Kollegen ( verschiedene Berufsgruppen) über dieses Thema zu sprechen. Lg Alex

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