ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen

Was gehört für mich zur ADHS-Diagnostik ?

Die folgende Infografik erhebt keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit. Aber sie zeigt vielleicht, dass auf jeden Fall mehr dazu gehört als Checklisten bzw. Fragebögen

Ab 24.5. werde ich in Wismar im Rahmen der ADHS-Ambulanz eine Diagnostik, Therapie und Coaching anbieten können. Leider derzeit nur für Selbstzahler bzw. Privatpatienten. Ggf. ist dann eine Weiterbetreuung über neue Medien möglich (da sich die Regeln des Fernbehandlungsverbotes erfreulich geändert haben)

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3 Gedanken zu „ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen

  1. Franziska

    Lieber Martin,

    für mich persönlich fehlt noch Fragen zu der Emotionsregulation, die bei vielen Menschen mit ADHS m.E. erheblich gestört ist (Emotionen, egal ob positiv oder negativ, werden schnell stark empfunden und der Patient schafft es nur mit großer Mühe, sie herunter zu regulieren.)

    Wut führt daher wegen der Impulskontrollstörung zu starken Wutanfällen, Kränkung führt schnell zu depressiven Gedanken bis hin zu Selbstmordgedanken, Freude wird schnell zu überschießender Begeisterung und Euphorie, usw.

    Umgang mit Stress, der zum Empfinden von starken Emotionen führen kann, ist daher für mich persönlich ein wichtiger Faktor, um das Equilibrum zu finden.

    Interessant in dieser Hinsicht ist, dass viele Schreibabys später die Diagnose ADHS wie mein Sohn erhalten. Diese Babys leiden ja unter einer Regulationsstörung ( sie können trotz starker Müdigkeit nicht einschlafen, sind daher chronisch überreizt, daher das chronische Schreien. Siehe dazu das Fachbuch von Prof.Papousek).

    Ich denke, Menschen mit ADHS leiden unter einer Störung der Selbstregulation. Regulation der Emotionen, des Verhaltens, des Schlafes.

    Mit freundlichen Grüßen
    Franziska

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  2. Overthesky

    Und noch was ist eine zwar nicht obligate aber dennoch sehr sehr hilfreiche Bedingung für eine kompetente und aufmerksame Diagnostik bei ADHS : nämlich wenn der Therapeut oder Diagnostiker mehr oder weniger selbst von ADHS betroffen ist. Nicht von ADHS betroffene normale Menschen können in der Diagnostik von ADHS nur rein kognitiv vorgehen , selbst mehr oder weniger ausgeprägt von ADHS betroffene Diagnostiker erahnen ADHS über Aha-Effekte oder über die Wahrnehmung von Wesensverwandtschaft oder gar Seelenverwandtschaft und sondieren aus diesem Grund überhaupt erst nach ADHS . Nicht aus Zufall besteht der harte Kern der ADHS-Therapeuten in Deutschland und weltweit aus Ärzten , Psychologen und sonstigen Fachleuten , die selbst ADHS haben (mehr oder weniger ausgeprägt). Man kann als Mensch mit ADHS ADHS beim Gegenüber sehr wohl spüren und zudem kann man ADHS wahrscheinlich nur dann zu 100% verstehen, wenn man es selbst hat.

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    1. Franziska

      Ja, das wäre sicher die ideale Lösung.

      Mutter eines Sohnes mit ADHS, selbst betroffen (Diagnose allerdings erst mit 48 Jahren erhalten!!!), habe ich vor ein paar Jahren ein paar Monate in einer Mutter-Kur-Klinik gearbeitet.

      In jeder Gruppe (ich betreute die Kinder) erkannte ich die ADHS Kinder sofort (ich wusste vorher nicht, welche Kinder betroffen waren, die Kollegin hat mir jedes Mal meine Ahnung bestätigt).

      Die ADHS meines Freundes habe ich gewusst, bevor er die Diagnose erhalten hat.

      Oft weiß ich, wer betroffen ist, aber meine Hinweise werden sehr oft in den Wind geschlagen (mein eigener Ex-Mann-mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit selbst betroffen-hat die Diagnose unseres Sohnes von Anfang abgelehnt, wie seine Schwester die Diagnose ihres Sohnes abgelehnt hat).

      ADHS wird offensichtlich in der allgemeinen Bevölkerung als Stigma wahrgenommen (von vielen Ärzten als „Modediagnose“ oder „Möchte-Gerne-ADHS-Haben“-Krankheit).Man ist lieber „depressiv“ oder „ängstlich“ als ein ADHSler.

      Zum Glück gibt es aber auch sehr kompetente Ärzte, die nicht betroffen sind, aber die Diagnose stellen können. Das ist der Fall für meinen Arzt, der gleichzeitig Arzt für Psychotherapie ist.

      Die Suche nach diesem Arzt war aber steinig: als Betroffene mir in Foren sagten, ich sei sehr wahrscheinlich selber betroffen, habe ich vergeblich nach einem Arzt in meiner Nähe gesucht.

      Bis ich auf die Idee kam, meinen Ex-Hausarzt darauf anzusprechen (die Praxis habe ich wegen seiner Frau verlassen.Er ist sehr gut, macht leider nur Hausbesuche). Er fand 2 Adressen „in meiner Nähe“. Ein Arzt ist 115 km von meinem Wohnort entfernt, der andere Arzt 70 km.

      Da ich keinen Termin beim 1. Arzt bekam, habe ich den 2. angerufen. Und die Diagnose nach dem 3.Termin erhalten (Gespräche + 3 Fragebögen).

      In der Psychiatrie wurde ich einige Wochen vorher wegen meines Verdachts regelrecht bei der Visite ausgelacht („Warum wollen Sie unbedingt die ADHS Diagnose erhalten?“).

      Jetzt weiß ich, dass ein großer Teil meiner erheblichen Schwierigkeiten in meinem Leben an dieser Gehirnstoffwechselstörung lagen. Hätte man sie in jungen Jahren diagnostiziert und therapiert, hätte man mir viel Leid (darunter viele depressive Tiefe mit 4 Selbstmordversuchen!!!) erspart.

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