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Methylphenidat Vergiftung durch Überdosierung bei einer Kapsel zuviel ?

ADHS-Medikamente weisen eine hohe therapeutische Sicherheit auf

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Beitrag überhaupt schreiben sollte. Ich habe eigentlich noch nie erlebt, dass nun bei der ärztlich kontrollierten Verordnung von Psychostimulanzien wie Methylphenidat bzw. Amphetaminen wie Attentin(R) oder Elvanse(R) eine Gefahr durch eine Überdosierung ausgeht.

Ich mache also vielleicht völlig unnötig „Pferde scheu“, wenn ich auf mögliche Gefahren einer Überdosierung / Intoxikation hinweise.

Aber man kann ja nie wissen, was nun passieren kann. Gerade wenn nicht-betroffene Kinder, Jugendliche und Erwachsenen aus welchen blödsinnigen Gründen auch immer Medikamente einnehmen, die nicht für sie gedacht sind (und meist dann leider auch nicht ausreichend weggeschlossen waren).

Sog. Intoxikationen = Vergiftungen durch die falsche Einnahme von Psychopharmaka oder überhaupt Medikamenten sind also für uns Psychiater ein bekanntes Phänomen. Früher eher die ganzen Antidepressiva in suizidaler Absicht.

Immer wieder werde ich aber gefragt, ob es gefährlich ist, wenn ein Geschwisterkind nun aus Versehen oder absichtlich eine Tablette Methylphenidat einnimmt.

Antwort : Vermutlich nicht.

Unter einer Menge von 1 mg / Kilogramm Körpergewicht sind überhaupt keine gesundheitlichen Beschwerden zu erwarten. Vielleicht etwas Unruhe und leichtes Herzrasen und ein leichter Blutdruckanstieg. Vielleicht leichter Magendruck oder Kopfschmerzen. Aber keine Gefahr.

Selbst bei Dosierungen bis 3 mg / Kilogramm Körpergewicht sind in der Literatur dann keine Vergiftungserscheinungen beschrieben. Ich kenne sogar einen relativ bekannten Kinderarzt mit ADHS-Schwerpunkt, der seinen jungen Patienten (aus welchen Gründen auch immer) 2 bis 2,5 mg / kg Körpergewicht Methylphenidat verordnete als Einmalgabe. Das halte ich zwar für völlig falsch, scheint aber medizinisch gesehen auch keine Gefahr zu bedeuten.

Eine Spitzenkonzentration ist in aller Regel 2 bis 3 h nach Einnahme eines kurz wirkendes MPH zu erwarten. Danach klingt ja die Dosis in aller Regel ab (bei den Langzeit-Medikamenten wie Concerta halt entsprechend länger.

Anders ausgedrückt : Der menschliche Körper kann kurzfristig mit relativ hohen klinisch eingesetzten Mengen von Methylphenidaten (also Medikinet, Ritalin, Concerta, Kinecteen etc) oder Amphetaminen zur Behandlung von ADHS klarkommen.

Was wären nun Merkmale einer Methylphenidat-Überdosierung im Sinne einer Intoxikation

Gemeinsame Merkmale einer Überdosierung sind Übelkeit, Kopfschmerzen, Unruhe, Verwirrung, Mydriasis, Tachykardie und Bluthochdruck.

Schwere Symptome wie Krämpfe, Koma und Arrhythmie können bei einer großen Überdosierung auftreten. Dann müssten aber schon sehr große Mengen fälschlich eingenommen sein. (Das habe ich so auch noch nie gehört, dass das schon mal in Famlien von ADHS-Kinder oder Jugendlichen passiert wäre).

Auch das Serotonin-Syndrom kann auftreten.

Im Zweifel zum Arzt !

Vermutlich kennt nicht jeder Arzt die Medikamente bzw. den Umgang damit. Umso wichtiger ist aber, dass dann genaue Angaben erfolgen. So wie bei jeder unsachgemässen Einnahme / Verschlucken von Irgendwas (und wir wissen, was Kids so alles in den Mund nehmen….) interessiert den Arzt bzw. die Ärztin :

Wer?Wer ist Betroffen ? Alter und Körpergewicht
sind wichtig. Geschlecht ggf auch, aber nicht
entscheidend.
Was?Wichtig : Welches Medikament genau. Am
besten die Schachtel mit dem Handy
abfotographieren, zumal es leicht zu Verwechselungen
von unretardierten und retardierten Mitteln kommt
Wann?Zeitpunkt der Einnahme
Wie?Meistens ja wohl geschluckt…
Wie viel?Möglichst genaue Angabe der Menge (bzw. der fehlenden Kapseln in der Packung)

Was tun die Ärzte bei einer Intoxikation ?


Unterstützende Pflege und Dekontamination (also Magen-Auspumpen) in ausgewählten Fällen sind die Hauptbehandlung. Eine Hypertonie kann zunächst mit Benzodiazepinen behandelt werden, um die Unruhe zu kontrollieren. Alpha-adrenerge Rezeptor-Antagonisten (wie Phentolamin) und kurzwirkende Vasodilatatoren (wie Nitroprussid und Nitroglycerin) sind Zweitlinien-Agenten für schwere Hypertonie. Beta-Blocker werden in der Regel nicht empfohlen, Es gibt kein spezifisches Gegenmittel. Die extrakorporale Behandlung ist aufgrund des großen Verteilungsvolumens nicht effektiv.

Fazit : Ruhig bleiben …. Die Gefahr ist gering

Ich möchte es nicht beschönigen. Medikamente gehören nicht in Kinderhände bzw. sollten gut verschlossen aufbewahrt werden. Aber man sollte auch nicht in Panik verfallen, wenn nun mal eine Kapsel bzw. Tabletten zuviel oder falsch eingenommen wurde.

Medizinisch gesehen ist es eher harmlos und das Problem löst sich meist ganz von allein….

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