ADHS wird in Großfamilien später diagnostiziert

Warnzeichen von ADHS werden in der Familie nicht immer richtig gedeutet und als Besonderheit wahrgenommen

Übersetzung eines Artikels von MedicalXpress

Children with a greater number of siblings receive later ADHD diagnosis than peers

by Natasha Meredith, University of Surrey

Kinder mit einer größeren Anzahl von Geschwistern erhalten eher eine spätere Diagnose einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) als ihre Altersgenossen, was ihre schulische und soziale Entwicklung beeinträchtigen könnte, wie neue Untersuchungen in den Evidence-Based-Medicine-Berichten des BMJ zeigen.

In der größten Studie ihrer Art untersuchten Forscher der University of Surrey, in welchem Alter Kinder mit ADHS diagnostiziert werden und welche Faktoren dies beeinflussen. ADHS ist die häufigste psychiatrische Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen; sie ist mit Schwierigkeiten bei der Erreichung von Entwicklungsmeilensteinen, großen Herausforderungen in der Schule, schlechten Familien- und Peer-Beziehungen und geringem Selbstwertgefühl verbunden. Die frühzeitige Erkennung von ADHS ist von entscheidender Bedeutung, da sie Experten dabei unterstützt, das breite Spektrum der persönlichen, sozialen und Bildungsbedürfnisse von Kindern zu berücksichtigen.

Bei der Untersuchung der Aufzeichnungen von 353.744 Kindern unter 19 Jahren aus 158 Allgemeinpraxen des Royal College of General Practitioners Research and Surveillance Network identifizierten die Forscher 3.470 Kinder mit einer ADHS-Diagnose und stellten fest, dass das Durchschnittsalter der Diagnose 10,5 Jahre alt war, obwohl es im Land große Unterschiede gab.

Forscher fanden heraus, dass für jedes weitere Kind im Haushalt (mehr als zwei) ein Anstieg des Alters der ADHS-Diagnose um 27,6 Prozent zu verzeichnen war. Darüber hinaus fanden sie einen Zusammenhang mit dem elterlichen Alter, insbesondere dass für jeden Jahresunterschied zwischen dem Alter des Elternteils und des Kindes im Haushalt ein Anstieg des Alters der ADHS-Diagnose um 3,8 Prozent zu verzeichnen war.

Forscher glauben, dass Haushalte mit mehr Kindern die elterliche Anerkennung eines überaktiven Kindes verzögern können und dass die größere Erfahrung und Kompetenz der älteren Eltern in der Erziehung zu einer höheren Absorption von überaktivem Verhalten führen kann.

Dr. Uy Hoang, Research Fellow an der University of Surrey, sagte: „Es ist wichtig, dass ältere Eltern und solche mit großen Familien mehr Unterstützung und Information erhalten, um den Eltern zu helfen, die Anzeichen von ADHS zu erkennen. Die frühzeitige Diagnose der Erkrankung ist für das langfristige Wohlbefinden der Kinder von entscheidender Bedeutung und ermöglicht ihnen den Zugang zu den benötigten Hilfsmitteln und Ressourcen. Besetzte Familienleben und Strategien, die bereits vorhanden sind, um mit überaktivem Verhalten umzugehen, können von grundlegenden Problemen ablenken, die einer medizinischen Versorgung bedürfen.“

Die Forscher untersuchten auch, wie allgemeine Praktiken mit Kindern mit ADHS umgehen. Ihre Daten zeigten, dass Allgemeinpraktiken in wohlhabenderen Gebieten eher Stimulanzien für Kinder mit ADHS verschreiben als Praktiken in ärmeren Gebieten. Warum dies geschieht, wurde in dieser Studie nicht untersucht, aber die Forscher spekulieren, dass dies auf den elterlichen Druck zurückzuführen sein könnte, Medikamente zu nehmen.

Forscher fanden auch heraus, dass größere Praxen mit einer kleinen Anzahl registrierter Kinder eher die ADHS-Diagnose im hohen Lebensalter stellen als solche mit mehr Kindern. Dies deutet darauf hin, dass Hausärzte in solchen Praktiken möglicherweise weniger Vertrauen in die Früherkennung haben oder eine höhere Schwelle von Symptomen verlangen, die während der Konsultationen präsentiert werden müssen. Sie könnte auch schlechtere Verbindungen zu spezialisierten Bildungseinrichtungen oder psychiatrischen Einrichtungen für Kinder innerhalb der Praxis widerspiegeln.

Professor Simon de Lusignan, Professor für Primary Care & Clinical Informatics an den Universitäten Surrey und Oxford und leitender Prüfarzt des Projekts, sagte: „ADHS beeinflusst alle Aspekte des Lebens eines Kindes, von der Art und Weise, wie sie in der Schule lernen, bis hin zur Art und Weise, wie sie mit Gleichaltrigen umgehen. Unbehandelt können Kinder isoliert und frustriert werden, was ihr Risiko einer Depression erhöht. Es ist wichtig, dass Kinder mit ADHS frühzeitig diagnostiziert werden, um sicherzustellen, dass sie die medizinische und pädagogische Betreuung und Unterstützung erhalten, die sie verdienen.“

Übersetzt mit http://www.DeepL.com/Translator

4 Kommentare

  1. Stimmt. Trifft vermutlich auch auf AS zu. Ich bin mit 5 Geschwistern groß geworden und mit 51 diagnostiziert.

    „ADHS ist die häufigste psychiatrische Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen“ ADHS dürfte doch inzwischen als neurologische Erkrankung/Vielfalt bewiesen sein?!

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  2. Nicht nur Kinder in Großfamilien oder mit älteren Eltern werden unterdiagnostiziert, sondern noch deutlich stärker unterdiagnostiziert werden Kinder mit Migrationshintergrund. Eine sehr gute Freundin ist Kurdin, hat 9 Geschwister, ihre Mutter war bei ihrer Geburt über 40, ihr Jurastudium ist eine hoffnungslose Angelegenheit, wohl aber besitzt sie ein unglaubliches musikalisches Talent samt ADHS-assoziierter passion and power. ADHS ist sie sogar aufgeschlossen, aber man merkt, dass es in dem Kulturkreis, aus dem sie stammt, nicht gerade Standard ist, sich mit Neurodiversität oder gar freier Entfaltung der Persönlichkeit auseinander zu setzen, der Lebensentwurf wird im Wesentlichen von der Familie und von der Kultur vorgegeben. Eine noch deutlich relevantere Gruppe, wo ADHS unterdiagnostiziert wird und wo es nebenbei auch viele Großfamilien gibt, das sind Migranten. Ich glaube außerdem auch, dass der stark zunehmende Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund in Deutschland ein Faktor für die stagnierende Zahl an ADHS-Diagnosen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland ist. Aber was nicht ist, das kann ja noch werden. Und nach dem, was ich mitbekommen habe, sind so wohl in der Türkei als auch bei Arabern die tatsächliche Prävalenz von ADHS deutlich höher als bei ethnischen Deutschen, die tatsächliche Prävalenz von ADHS dürfte im Gegensatz zur Diagnosehäufigkeit durch Flüchtlinge und Migranten sogar noch nicht gerade geringfügig zunehmen…

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  3. Vielen Dank für die Studien-Ergebnisse zum Thema „Diagnostik von ADHS in Großfamilien“.
    Sie haben mich sehr „berührt“ und ich ergreife die Chance, mich dazu zu äußern.
    Ich bin ein sog. „Sandwich-Kind“, habe noch 2 Geschwister, einen deutlich älteren Bruder und eine jüngere Schwester. Ich fühlte mich wie das „vergessene Kind“ in der Mitte, haltlos.
    Meine Eltern waren deutlich älter als die meiner Mitschüler. Meine Mutter hatte die Hitler-Jugend erlebt, mein Vater war Soldat im 2. Weltkrieg und schwer traumatisiert. Deshalb wollte er von „Schwierigkeiten aller Art“ verschont bleiben und hat sich bei der Erziehung „ausgeklinkt“.
    Ich hatte ein extrem „schwieriges Verhältnis“ mit meiner Mutter, wurde schon früh „etikettiert“ als „Heulsuse“ und konnte es ihr nie „recht“ machen. Ausgerechnet sie übernahm dann komplett meine Erziehung, wodurch ich im späteren Leben in vielen Bereichen große Probleme hatte.
    Ich suchte eine „Diagnostik“ als Heranwachsende, weil ich schon früh merkte, dass ich „anders“ war. In den 70-er Jahren wusste ich damals noch nichts von „ADHS“, hatte aber eine starke „Essstörung“ entwickelt und wollte diese behandeln lassen. Meine Mutter blockierte sofort, ich bekam keine Hilfen, trotz mehrfachen Hilferufen meinerseits, meine Ausbildung und mein Beruf waren eine „Katastrophe“, auch in anderen Lebensbereichen hatte ich große Probleme. Ich fühlte mich völlig allein gelassen und der Familie „ausgeliefert“, insbesondere der Mutter.
    Ich war der „Außenseiter“ der Familie, der ich immer noch bin und bleiben werde, mein Leben lang. Meine Familie hat sich völlig von mir „verabschiedet“ und das ist „hart“, auch heute noch nach vielen Jahren.
    Ich hatte eine sehr schwere Jugendzeit, depressive Phasen mit Suizidgedanken, bekam meine ADS-Diagnose erst als Mutter in späteren Jahren. Eine entsprechende Behandlung im Jugendalter hätte mir sicherlich geholfen und ich wäre einen anderen Lebensweg gegangen.
    Nun versuche ich aus den Scherben meines Lebens, noch ein „Bild zu puzzeln“, aber täglich besuchen mich die „Kanalratten“ und ich versuche dagegen eine Strategie zu entwickeln.
    Ich kann nur an alle Fachleute appellieren, bei Verdacht eine frühe Diagnostik zu erheben.

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  4. „Forscher glauben, dass Haushalte mit mehr Kindern die elterliche Anerkennung eines überaktiven Kindes verzögern können und dass die größere Erfahrung und Kompetenz der älteren Eltern in der Erziehung zu einer höheren Absorption von überaktivem Verhalten führen kann.“

    Vllt. ist das aber nicht immer negativ zu bewerten. In Haushalten mit vielen Kindern könnte auch die Akzeptenz für Verschiedenheit größer sein, ältere Eltern gehen vllt. souveräner mit Schwierigkeiten um. Vllt gibt es auch weniger Anpassungs- und Leistungsdruck? Das Einzelkind aus gutem Hause lebt oft auch in einem goldenen Käfig.
    Einerseits sind frühe Diagnosen hilfreich, aber noch immer bedeuten sie auch Stigmatisierung.
    Es ist ein Balanceakt.

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