Archiv der Kategorie: ADHS in den Medien

ADHS Neurofeedback und Stern TV

Ich gebe zu, dass ich mich geärgert habe.
Es geht um die Werbung bei Stern TV bzw. beim Fachkongress DGPPN für eine Firma, die damit wirbt, dass mit Neurofeedback eine Behandlung mit Stimulanzien überflüssig wird bzw. ADHS geheilt werden könne.

Für Mittwoch, 26.11. wurde  in Stern-TV mal wieder ADHS zum Thema gemacht. Und eine Mitarbeiterin der Uni-Tübingen,  die Psychologin Frau PD Dr. Strehl, macht Product Placement bei RTL und der DGPPN für die Firma Neuroconn.

Wäre sie eine Ärztin, wäre dies standesrechtlich verboten. Bei Psychologen scheint es erlaubt oder zumindest toleriert zu werden.

DGPPN ist die Fachgesellschaft der Psychiater und Nervenärzte, wo die Dame vormittags einen Industrie-Workshop zum Thema Neurofeedback gibt. Die Workshop-Ankündigung bei meinen Berufskollegen verlinkt direkt auf die Firma Neuroconn, die freundlicherweise Geräte (und vermutlich auch Euronen für die Tagung bzw. die Referentin ) zur Verfügung stellt. Das hat mehr oder weniger die Seriosität einer Kaffeefahrtverkaufsveranstaltung für Staubsauger oder Rheumadecken. Wenn sich da Psychiater hin verirren, sind sie selbst schuld.

Dann geht es weiter in das Fernsehstudio, wo einmal mehr „eine lang ersehnte Alternative zu Ritalin“ angepriesen wird. So heisst es in der Ankündigung von RTL und so ist auch der Tenor auf der Seite von Neuroconn. Da Frau Dr. Strehl auch an anderer Stelle behauptet, man könne ADHS heilen bzw. das Ziel sei das Absetzen von Ritalin habe ich mich ein wenig auf der Homepage von Neuroconn herum getrieben. Und irgendwie ist mir aufgefallen, dass die Verbindung von Frau Dr. Strehl und dieser Firma bzw. überhaupt des Instituts mit der Industrie freundschaftlich eng verbunden ist.

Damit stellt sich für mich aber auch die Frage, wie unabhängig denn eigentlich die Studienlage bzw. die Arbeit in Sachen EEG-Neurofeedback ist. Weit her ist es damit jedenfalls nicht.

Daher ist es schlicht falsch zu behaupten, dass EEG-Neurofeedback ein Geheim-Tipp wäre. Es hat gute Gründe, dass dieses Verfahren eben gerade nicht in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen wird. Was ich völlig richtig finde.
Es ist auch nicht „neu“.  Und schon gar nicht eine Alternative.

Vielmehr heisst es auch vom Zentralen ADHS-Netz, dass Neurofeedback eben gerade nicht in den Leitlinien bzw. Behandlungsempfehlungen aufgenommen ist, weil widersprüchliche Ergebnisse vorliegen.

Für die AG-ADHS (Kinder- und Jugendärzte mit Spezialisierung auf ADS/ ADHS) hat Dr. Kühle eine interessante Zusammenstellung in Sachen Neurofeedback gemacht.

Neue Studien konnten Wirksamkeit und Spezifität der Wirkung von Neurofeedback bei ADHS zeigen (14-18, 36-38). Aber nur die Hälfte der behandelten Patienten erreichte in Eltern- und Lehrerratings eine Verbesserung von mindestens 25%. Eine abschließende Bewertung ist derzeit noch nicht möglich. Die Datenlage zur Evidenz der Neurofeedbacktherapie ist nicht mit der Datenlage zur Stimulanzientherapie vergleichbar.

Damit ist gemeint, dass es sehr sehr unterschiedliche Anwendungsprotokolle und praktisch keine verblindeten Studien zur Thematik gibt. Probleme sind u.a. dann auch der Transfer in den Alltag bzw. die Generalisierung. Es ist völlig unklar, welche Kinder, Jugendliche oder Erwachsene von der Methode profitieren. Und ob die Methode selber oder aber eine eigene Strategie zur Aufmerksamkeitssteuerung der Probanden selber dann den Effekt ausmacht.

Auf keinen Fall sehen aber ADHS-Experten EEG-Neurofeedback als eine Alternative zur multimodalen Therapie, die nun das Ziel des Absetzen der Medikation oder anderen Behandlungen zum Ziel hat.

Wer damit Werbung macht, stellt sich auf eine Ebene von Versprechungen von Wunderheilern und anderen Quacksalbern im Esoterikbereich.
Mit Wissenschaft hat das nichts zu tun und ich finde es schlicht eine Frechheit, dass dann mit der Uni-Tätigkeit bzw. Zugehörigkeit etwas vorgegaukelt wird, was sich in Wirklichkeit auf dem Niveau einer Dauerwerbesendung bewegt.

Ich finde das Thema Neurofeedback ja an und für sich durchaus interessant. So gibt es einen aktuellen Artikel der Göttinger Arbeitsgruppe, die sich Gedanken über Modelle der Neuroregulation  bzw. Auswirkungen auf Selbststeuerung und implizites und explizites Lernen machen. Durchaus interessant.

 

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Wahrnehmungsstil und Verhaltenssteuerung bei ADHS

Das folgende „Interview“ mit der Dipl. Psychologin Cordula Neuhaus ist unglaublich „dicht“ mit Informationen über die eigentlichen Besonderheiten der Regulationsdynamik bzw. dem besonderen Wahrnehmungsstil bei ADHS.

Mir ging es früher so, dass ich mehrere Vorträge von Corrie Neuhaus hören musste, bis ich den Inhalt erfasst habe. Ähnlich ist es mit diesem tollen Interview, das in dann doch wenigen Zeilen sehr viel über ADHS aussagt. Oder eben auch Aussagen darüber zulässt, was viele Therapeuten, Ärzte oder Lehrer und Erzieher eben gerade bisher NICHT mit ADHS in Verbindung bringen bzw. welche Umgebungsbedingungen nun günstig oder ungünstig für ein Leben mit dieser besonderen Wahrnehmung bzw. Informationsverarbeitung sind.

Zum Interview mit Corrie Neuhaus.

Kinder und Jugendliche über ADHS informieren

Gerne möchte ich an dieser Stellte noch einmal auf das Projekt „Kinder & ADHS“ aufmerksam machen. Worum geht es?

In meiner Praxis stelle ich immer wieder fest, dass die betroffenen Kinder und Jugendlichen (aber auch deren Eltern) auffallend wenig über die ADHS, deren Ursachen und Auswirkungen bei der Alltagsbewältigung wissen. Das erstaunt, denn im Rahmen einer qualifizierten multimodalen Therapie der ADHS sollte auch bei Kindern und Jugendlichen der direkten (und/oder persönlichen) Aufklärung und Informationsvermittlung ein grösserer Stellenwert zukommen. Und schliesslich leben wir im Jahr 2014.

Warum ist das wichtig? Die Betroffenen (und ihre Eltern) sollen die von ihnen persönlich als irritierend, behindernd und ich-fremd erlebten Auswirkungen der Aufmerksamkeits- und Impulskontrollstörungen verstehen und korrekt einordnen können.

Kinder mit einer ADHS benötigen ein stimmiges „Konzept“ über sich und ihr Störungsbild. Sie sollen verstehen, „was die ADHS mit ihnen macht“. Das kann ihnen zum Beispiel dabei helfen, sich nicht mehr als „ganzer Mensch“ als Versager/-in zu fühlen. Also: Nicht „Ich bin nicht normal“, sondern etwa: „Meine innere Bremse“ oder „Meine Sortierstation ‚wichtig-unwichtig‘ funktionieren nur dann korrekt, wenn es interessant oder spannend ist.“

Das Wissen um die ADHS-assoziierten Funktionsstörungen und deren Auswirkungen im Zwischenmenschlichen sowie bei schulischen Anforderungen kann zudem helfen, Schuld- und Schamgefühle zu lindern und dem oftmals schon in der Primarschulzeit beschädigten Selbstbild etwas „Sachliches“ und Entlastendes entgegenzusetzen. Dies wiederum kann die therapeutische Arbeit mit zahlreichen Betroffenen wesentlich verbessern, weil diese entspannter und zugänglicher sind. Die problematischen Reaktions- und Verhaltensweisen der ADHS-Betroffenen sind weniger mit Scham besetzt und können im Behandlungsgespräch etwas einfacher thematisiert werden. Dies wiederum kann uns Fachpersonen entscheidend helfen, die Wirkung der eingeleiteten therapeutischen Interventionen zu evaluieren und bei Bedarf zu optimieren.

Um Kindern ab ca. 11 – 12 Jahren und Jugendlichen Zugang zu Wissen über die ADHS und deren Folgen zu ermöglichen, habe ich vor einiger Zeit das Projekt „Kinder & ADHS“ ins Leben gerufen (www.kinder-und-adhs.ch). Es handelt sich um eine Website mit ADHS-Infos für Kinder und Jugendliche. „Kinder & ADHS“ enthält neben Erfahrungsberichten über und von Betroffenen ein ADHS-Lexikon für Kinder (sowie für Väter betroffener Kinder, welche leider noch zu oft „keine Zeit“ finden, sich über ADHS mittels fachgerechterer Ratgeberliteratur zu informieren).

Gestützt auf bisherige Rückmeldungen von Kindern und Jugendlichen, welche „Kinder & ADHS“ entdeckt haben, werden die Texte gerne gelesen. Selbst von Vätern erhielt ich Rückmeldungen, die sich auf diese Website bezogen. Soviel ich weiss sind es aber einmal mehr vor allem Mütter, welche die Infos auf „Kinder & ADHS“ zur Kenntnis nehmen. Auch die Webstatistik meldet gute Besucherzahlen. Eine Einschränkung besteht wahrscheinlich insofern, dass die Infos auf „Kinder & ADHS“ Betroffene aus bildungsfernen Familien und Kinder/Jugendliche mit einer Lesestörung überfordern könnten. Denkbar wären zum Beispiel Comics, in welchen die Fachinformationen zielgruppengerecht verpackt und kommuniziert werden könnten. Oder möglicherweise der Einbezug etwa von YouTube-Filmchen.

Wer beim Projekt „Kinder & ADHS“ mitwirken möchte, kann sich gerne bei mir melden. Voraussetzung ist, dass keine ADHS-relevanten Interessenskonflikte vorliegen.

Die Texte auf „Kinder & ADHS“ werden von mir (und/oder meinen Kolleginnen) – basierend auf Berichten von real existierenden ADHS-Betroffenen Kindern und Jugendlichen – verfasst oder redaktionell überarbeitet. Dabei wurden und werden alle Angaben zu den Protagonisten und ihren Angehörigen dahingehend abgeändert, dass Rückschlüsse zu den realen, hinter den ADHS-Stories stehenden Personen, ausgeschlossen sind.

Neuer Blog zur Positiven Psychologie, Imagination und Erklärvideos

Ich probiere ja gerne mal neue Dinge aus. Auch oder gerade in der Therapie, wo ich viel mit Imagination bzw. Emoflex(R) arbeite.

Ich finde aber auch sonst die Positive Psychologie bzw. lösungsorientierte Verfahren interessant. Da ich derzeit ein wenig mit einer Software für Erklär-Videos herumspiele, ist daraus die Idee für ein „spin-off“ Blog entstanden. Die Seelenklempnerei soll sich mit Ansichtssachen aus der Psycho-Welt beschäftigen.

Beruflich sehe ich ja weit mehr als nur ADHS, speziell derzeit Depressionen und Erschöpfungssyndrome, Schlafstörungen, Chronische Schmerzstörungen, Konversionsstörungen und eben Dissoziative Störungen.

Dies dann patientennah und lösungsorientiert zu erklären, macht Spass. Ist aber auch eine Herausforderung.

Wer also mal reinschauen mag bzw.  mir inhaltlich mit eigenen Ideen oder Beiträgen oder durch das Teilen von Blogposts in anderen Blogs oder Sozialen Netzwerken helfen mag : Hier geht es zur Seelenklempnerei Winkler

NDR Info Redezeit heute 17.7.

Heute am Abend gibt es eine interessante Diskussion zur Situation von ADHS-Kindern (und sicher auch deren Familien) u.a. mit Roy Murphy aus Bad Bramstedt bzw. der ADHS-Selbsthilfe aus Sassenburg. Reinhören lohnt sich sicher….

https://www.ndr.de/info/sendungen/redezeit/Sorge-um-hyperaktive-Kinder,sendung247310.html

Radio-Feature: Klarheit im Kopf …

Auf einer Autofahrt habe ich am Sonntag ein interessantes Feature im DLF gehört.

Es ging u.a. um Tätigkeiten bzw. auch Berufe, die mit Monotonie bzw. langer Dauer der Aufgabe verbunden sind. Und die eine Art innerer Zufriedenheit gerade dadurch auslösen. 10 km zur Schule laufen und wieder zurück. Socken stopfen in der DDR, Perlen ansticken an einen Hut … Strassenfegerin …

Eine Art Entschleunigung, die dann eine Klarheit im Kopf erzeugt. Eine 99 Jährige sagte dann sinngemäss : Ich bin ganz klar im Kopf. Das Gegenteil wäre ja, dass alles verschwommen bzw. unklar wäre, dann wäre sie ja unruhig …

Ich finde, dass es hörenswert ist. Und man auf die Suche nach Aufgaben gehen sollte, die Klarheit im Kopf machen.
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