Archiv der Kategorie: Allgemein

ADHS Vorurteile : ADHS existiert ja gar nicht ….

Ich habe dazu auf http://www.steemit.com einen Artikel geschrieben, der sich mit der Frage beschäftigt : Ist ADHS (k)eine Krankheit.

https://steemit.com/adhs/@martinwinkler/adhs-vorurteile-und-unwissen-teil-1

Wir wissen ja, wie schwierig die sachliche Argumentation mit „Unwissenden“ in Sachen ADS & ADHS ist bzw. wie schnell man dann selber aufgrund der Besonderheiten der Selbstbeherrschung die Fassung verliert. Ich versuche ein paar Argumentationshilfen zu bieten.

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5 Sekunden-Regel gegen Prokrastination / Aufschieberitis

Auf der Plattform steemit.com habe ich einen ausführlichen Beitrag zum ADHS-Thema Nummer 1 gepostet : Aufschieberitis und wie man in 5 Sekunden damit klar kommt.

https://steemit.com/adhs/@martinwinkler/die-5-sekunden-regel-von-mel-robbins-als-challenge-gegen-prokrastination

Schau mal rein. 5-4-3-2-1   Jetzt

Methylphenidat oder Eltern-Kind-Interaktions-Therapie bei Kindern im Vorschulalter

Die folgende Studie wird vermutlich nicht so viele Freunde nicht Deutschland finden. Es geht um die Behandlung von Kindern im Vorschulalter (3-6 Jahre) mit einem Hyperkinetischen Syndrom mit Störverhalten (sagen wir mal ruhig Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens).

Eigentlich sind sich da alle Experten einig : Das ist eine klare Indikation dafür, Verhaltenstherapie bzw. Elterntraining zu machen. Und keine Medikamente. Schon gar nicht bei so kleinen Würmern.

In den USA ist es ähnlich, da die bisherigen Leitlinien davon ausgehen, dass man bei Vorschülern eben auf Medis verzichtet.

Im J Child Adoles Psychopharmacol 2017 Nov 13 wurde nun eine sehr kleine Studie mit 36 Vorschülern publiziert. 17 erhielten Methylphenidat, 18 eine sog. PCIT = Parent child interaction therapy.

Die Mütter schätzten eine deutlichere Abnahme von Verhaltensproblemen unter der medikamentösen Behandlung (Effektstärke 1,5) gegenüber der PCIT (Effektstärke 0.64) ein.

Das ist nun eine sehr geringe Fallzahl. Und so kommen auch die Autoren nicht zu dem Schluss, dass man nun auf die Eltern-Kind-Therapie verzichten sollte. Zumal man eben begrenzte Daten zur Sicherheit der medikamentösen Therapie im Vorschulalter hat.

Aber vielleicht ist es eben dann doch so, dass die Medikation eher die Grundlage für die Verhaltenssteuerung und damit auch Verhaltensänderung ist ?

Ich denke, dass man darüber sehr unterschiedliche Meinungen haben kann.
Wie steht ihr dazu, schon Vorschülern Methylphenidat zu geben ?

Die Kunst der Fehler bei ADHS

Auf meiner Patreon-Seite habe ich einen Beitrag zum Thema Kunst der Fehler bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aus dem ADHS-Spektrum veröffentlicht.

Fehler sind irgendwie unvermeidbar, aber der Umgang mit dem eigenen Scheitern oder der erneuten Katastrophe beim Kind oder Lebensabschnittsbegleiter ist die Herausforderung.

Wie steht ihr zu Fehlern ?

ADHSSpektrum Podcast

Kurz vor dem ADHS-Symposium in Münsingen ist mein Rechner leider kaputt gegangen. Der „neue“ alte zickt noch rum und ich habe noch kein funktionierendes Betriebssystem. Das war dann für mich sehr nervig. Gerade dann beginne ich neue „Projekte“. In diesem Fall : Sprechen statt Tippen in Form eines Podcasts.

Genauer gesagt : Eine sehr simple Software, die so eine Art Online-Radio. Anchor.fm.

Der Clou daran ist, dass es wirklich sehr leicht ist damit zu arbeiten. Über ein Smartphone erstellt man seine Beiträge. Wenn die Hörer auch diese App für Apple oder Android nutzen, können Sie auch kleine Audio-Beiträge einsprechen, die dann als „Call-ins“ genutzt werden können. Muss man aber nicht machen.

Sonst ist es dann eben ein Podcast. Also eine Art „Online-Audio-Beitrag“, der u.a. bei itunes oder Google in den entsprechenden Podcast-Verzeichnissen zu finden ist. Und vielleicht auch Zuhörer später erreicht, die bisher eben nicht den Blog oder Facebook-Gruppe kennen.

Mir geht es nicht um technische Perfektion oder so. Man kann es sicher besser machen. Aber ich habe halt gedacht : Lieber machen, als die ganze Zeit überlegen.  Und so viele Podcaster im ADHS-Bereich gibt es nicht. Wenn überhaupt.

Folge 3 (Ja, es gibt auch Folge 1 und 2) dreht sich um die Themen Umgang mit Kritiker in der Presse im Bereich ADHS. Typische Kommentare in Zeitungen zum Thema zusammengefasst. Weiteres Thema ist das Thema Reizoffenheit bei Reizfilterschwäche. Da haben wir gerade in der Facebookgruppe eine neue Diskussion und Corrie Neuhaus hat sich eingemischt.
Fast folgerichtig daraus Thema 3 : ADHS und Fibromyalgie.

Und last but not least ein Veranstaltungtip : Karsten Dietrich hält einen Vortrag in Hinblick auf die Selbstständigkeitsentwicklung von Jugendlichen mit ADHS in Helmstedt.

Bei itunes ist der Podcast unter ADHD Spektrum Martin Winkler zu finden. Warum auch immer.

Sonst auch hier https://anchor.fm/martin-winkler/episodes/f260d4

 

ADHS und Rauchen bei Frauen

… und nicht nur bei Frauen.

Wenn man seit vielen vielen Jahren die aktuellen Artikel zu ADS / ADHS verfolgt, dann wiederholen sich die Themen und die Veröffentichungen. Das liegt in der Natur von Wissenschaft, die eben auch über die Wiederholung zu einer Bestätigung von Erkenntnissen kommt.

Dann aber auch immer genauer bzw. differenzierter beschreibt, ob es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Phänomenen gibt. In diesem Fall : Zwischen Rauchen (und der Nikotinabhängigkeit) und den neurobiologischen Aspekten von ADS bei Frauen. Hier spezieller, ob der sog. unaufmerksame Subtyp eben auch oder vielleicht sogar stärker gefährdet ist, eine Nikotinabhängigkeit zu entwickeln.

Kohortenstudien mit Zwillingen sind dabei ideal, um eine solche Fragestellung zu beantworten. Es ist ja ziemlich logisch : Wer früher anfängt zu qualmen bzw. mehr Zigaretten am Tag inhaliert, ist früher tot. Oder harmloser ausgedrückt, hat mehr krankheitsrelevante spätere Erkrankungen wie COPD, Herzerkrankungen, Schlaganfälle oder eben Krebs (nicht nur Lungenkrebs). Ganz zu schweigen davon, dass die lieben Mitmenschen (und hier speziell die Kinder) vom Passivrauchen sicher auch geschädigt werden.

Wegen dem extrem hohen genetischen Anteil bei ADHS spielt es dann also umso mehr eine Rolle, dass man sehr genau die Risikofaktoren für den frühen Beginn (und das Beibehalten) vom Rauchen untersucht.

Was kommt dabei raus, wenn man die 3 Studiengruppen zusammenfasst und auswertet ?

Jugendlichen, die stärkere ADHS – Symptome haben, haben ein erhöhtes Risiko nikotinabhängig zu werden. Und zwar früher und länger anhaltend, als andere Jugendliche. Und noch genauer : Mädchen bzw. junge Frauen vom unaufmerksamen Subtyp sind sogar noch gefährdeter (bzw. statisch noch ausgeprägter) betroffen, als Jungs bzw. Vertreter mit einem hyperaktiv-impulsiven Subtyp.

Rauchen ist also nicht nur (oder nicht speziell) als dysfunktionale Form gegen die innere Unruhe und Anspannung zu sehen. Sondern scheint über Dopamin bzw. Beeinflussung im Ruhe-Netzwerk (Default-Mode-Network) als Stimulans eine Funktion zu haben, die dann besonders bei Mädchen den Griff zur Zigarette gefährlich werden lässt. Weil man nicht wieder davon loskommt.

Immer noch wird ADS / ADHS bei Frauen nicht erkannt. Andererseits sind die psychosomatischen und psychiatrischen Kliniken aber immer wieder überproportional mit Raucherinnen belegt.

In unserer Patientenvortrag  zum Thema Tabak sollte dieser Zusammenhang dringend aufgenommen werden. Und hoffentlich nicht nur bei uns, sondern eben allgemein in den Köpfen von Ärzten und Psychologen :

Wenn man an den offensichtlichen Zusammenhang von ADS und Rauchen denkt, kann man viele spätere Folgeerkrankungen verhindern und  Leben retten. Umgekehrt gedacht : Einer Raucherin mit ADHS wird es ungleich schwerer fallen, von ihrer Sucht loszukommen, wenn man das zugrundeliegende Problem auf neurobiologischer Ebene nicht erkennt und behandelt.

Dabei denke ich nicht nur an Elontrl, das früher als Zyban ja ein Raucherentwöhnungsmittel war / ist. Hier denke ich an eine gute Diagnostik (einschliesslich weiterer Familienmitglieder) in Hinblick auf ADHS und Begleit- und Folgeerkrankungen und auch eine multiprofessionelle ADHS-Therapie.

ADHS neurobiologische Besonderheiten bei Ruhe und bei Anforderung

Das folgende amerikanische und damit englischsprachige Video verdeutlich schön die Probleme im Default-Mode Network bei ADHSlern und die unterschiedlichen Formen einer „Remission“ von ADHS im Kindesalter oder eben fortlaufenden Problemen bei der Aktivierung zu Aufgaben bzw. dem „Abschalten“ in Ruhe.

In „meiner“ Klinik in Wismar versuche ich Patientinnen und Patienten auch bei Erschöpfungszuständen bzw. Depressionen die Besonderheiten dieser neurobiologischen Grundlagen zu erklären. Häufig wünscht man sich ja, dass das Gehirn mal „nicht denken“ soll, d.h. es Ruhe gäben müsste. Das wäre aber definitionsgemäss der Hirntod.

Gerade in Ruhe (d.h. nachts) passiert im Gehirn eine ganze Menge. Unser Gehirn legt sich also nicht auf die faule „Hirn-„haut.