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Prof. Niels Birbaumer und ADHS-Bashing

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Ganz ohne Zweifel ist Prof. Niels Birbaumer, Direktor des Tübinger Instituts für Medizinische Psychologie und Verhaltensbiologie an der medizinischen Fakultät, einer der wissenschaftlich renommiertesten Neurowissenschaftler in Deutschland, vielleicht sogar weltweit. Er wurde vielfach für seine wissenschaftlichen Leistungen ausgezeichnet, sein Ruf steht eigentlich völlig außer Frage.

Ein Kernarbeitsgebiet von Birbaumer ist die Plastizität des menschlichen Gehirns, d.h. die Fähigkeit des Gehirns sich fortwährend durch Umbau auf Herausforderungen und Veränderungen biologisch anzupassen. Dementsprechend gehört die Verhaltenmedizin bzw. sogenannte behaviorale Therapieansätze in verschiedenen Bereichen zu seinem Arbeitsgebiet.

Aufmerksamkeit im Bereich ADHS hat nun eine Arbeitsgruppe, die sich mit dem Neurofeedback als Therapiemethode bei ADHS für Kinder, Jugendliche und Erwachsene beschäftigt. U.a. durch Zeitungs- und Fernsehbeiträge der Mitarbeiterin Frau PD Dr. Strehl stand daher die Arbeit in Tübingen im Interesse der Öffentlichkeit.

Prof. Birbaumer hat nach eigenen Angaben in seiner bewegten Kindheit selber Probleme mit dem Lernen und wohl auch der Verhaltenskontrolle und –steuerung gehabt. Auch in der Öffentlichkeit steht Birbaumer so dazu, in seiner Jugend eine Jugendbande geleitet zu haben und u.a. auch wegen Autoaufbrüchen in Jugendarrest gewesen zu sein. Nachdem er erst eine Lehre gemacht hat, ist er dann über mehrere Umwege schliesslich in den akademischen Bereich gekommen. Er hat selbst 2 Kinder, wobei da 27 Jahre zwischen den beiden Sprösslingen liegen.

Vorurteile und Mythen zu ADHS von Wissenschaftlern
Umso irritierender ist es, wenn man nun ausgerechnet von einem solchen Psychologen und Wissenschaftler in einem populärwissenschaftlichen Buch über die Funktionen und Leistungen des menschlichen Gehirns eine Aneinanderreihung von Vorurteilen bzw. falschen Behauptungen in Hinblick auf ADHS bzw. die derzeit verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten zu lesen bekommt.

2014 wurde sein Buch „Dein Gehirn weiss mehr, als du denkst“ veröffentlicht. Im Kapitel 9 setzt sich der Autor darin mit den aktuellen Ansichten und speziell mit der medikamentösen Behandlung bei ADHS auseinander.

Birbaumer zweifelt nicht die Existenz bzw. klinische Relevanz von ADHS an, stellt aber aus meiner Sicht teilweise gefährliche und besonders auch abwertende Zusammenhänge bzw. Schlussfolgerungen, die mit der derzeit gültigen wissenschaftlichen Sicht auf die Thematik ADHS nicht vereinbar erscheint.
Leider verwendet er dabei fast alle gängigen Vorurteile bzw. auch die Sprache der Anti-Psychiatrie-Bewegungen und unterstellt Eltern von ADHS-Kindern in der Kernaussage, sie würden ihre Kinder mit Drogen = Ritalin ruhigstellen, obwohl es mit Neurofeedback völlig nebenwirkungsfreie und wirksame Methoden gäbe, die eine Verhaltenssteuerung des Kindes ermöglichen würden.

Birbaumer greift Unsicherheiten von Eltern bzw. Erziehern, Lehrer und Jugendamtsmitarbeiter zunächst zusammen, indem er schreibt :

„Ob man sie (Kinder mit ADS) mit einer ampehtaminartgigen Droge behandeln sollte, die im Sport auf der Dopingliste steht, chemisch mit Speed und Kokain verwandt ist, zu Abhängigkeiten führen kann, das Wachstum und die Bewegungsfähigkeit der Kinder beeinträchtigt und bei der Gabe an Erwachsene unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, ist mehr als zweifelhaft.“

Diese Aussage gibt schon einen gewissen Ton und leider auch die Ebene der unsachlichen Erörterung mit diesen „Zweifeln“ vor. Statt sie aber mit wissenschaftlichen Fakten bzw. klinischen Erfahrungen zu entkräften, schürt er diese Vorurteile letztlich enorm und unterstreicht dies durch seine unsachliche Wortwahl.

Für einen Hirnforscher überraschend sieht Birbaumer dabei es als keinesfalls gegeben an, ob nun ADHS eine biologische Ursache hat oder eher durch soziale Einflüsse bzw. Lernerfahrungen entsteht.

Hier erzeugt der Autor durch eine suggestive Schreibweise bzw. Zitate aus Studien den Eindruck, dass ADHS letztlich durch Gewalt der Eltern erklärbar sei bzw. dann in die Nähe der sog. Psychopathie gehöre. So würden nun womöglich Schreibabies von Vater und Mutter besonders häufig geschüttelt werden, was dann spätere Konzentrations- und Lernprobleme durch neurologische Schäden infolge elterlicher Gewalteinwirkung verstärkt werden. Diese seien ja nur die Spitze von elterlichen Frusthandlungen.

Ist ADHS die Grundlage für Psychopathie ?

Die Folgen für das Kind sind für Birbaumer :

„Das Kind wird einsam, und die Grundsteine für eine spätere „Karriere“ als Psychopath, Abhängiger und Krimineller sind gelegt.“

Um eine kurzfristige Lösung zu finden würden nun 200000 Kinder leiden, deren Eltern schliesslich nach permanenten fruchtlosen Auseinandersetzungen einwilligen, „ihr Kind unter Drogen zu setzen“.

Birbaumer zweifelt nicht an, dass Methylphenidat (von ihm jeweils mit Ritalin gleichgesetzt) eine Wirkung hat. Diese Wirkung hält er aber für gefährlich.

„Pharmazeutische Beruhigungsmittel bringen gar nichts, sie können ADS sogar verschlimmern, weil sie nur den Drang des Patienten verstärken, ein erhöhtes Erregungsniveau zu erreichen.“

Er entwickelt dazu eine These zur Wirkung von Ritalin, die nun von eine biologischen Homöostase ausgeht.

„… da es als Verwandter der Amphetamine eine ausgesprochen aufputschende Wirkung hat. Eine mögliche Erklärung (für die Konzentrationsfähigkeit bzw. Betäubung, wie Du dann so meinst) beruht auf dem biologischen Prinzip der Homöostase, wonach jeder Organismus ein Gleichgewicht der Kräfte erreichen will. Was bedeutet, dass sich der bereits erregte Körper und Geist eines ADS-Patienten durch Ritalin noch weiter – möglicherweise sogar bis zur Totalerschöpfung – hochpuschen will, sondern die Notbremse zieht und die Signale zur Beruhigung gibt.“

Leider folgen dann eine Reihe von Vorurteilen bzw. Falschaussagen zu Nebenwirkungen von Methylphenidat, die unterstreichen sollen, wie gefährlich die Medikation doch sei.

Angebliche Gefahren von Methylphenidat

Birbaumer behauptet entgegen der wissenschaftlichen Studienlage und praktischen klinischen Erfahrung

„Ritalin-Kinder bleiben in der Regel kleiner als andere“

„Je länger Menschen die Droge einnehmen, umso mehr zeigen sich in der Regel Nebenwirkungen“

Für den Autor könnte die suchterzeugende Wirkung von Stimulanzien bzw. ein Muster zur ständigen Tabletteneinnahme in eine Abhängigkeitsentwicklung bzw. Psychopathie münden.

Ritalin könne Kreativität, Spntanität und Emotionalität nachhaltig verbauen.

Aber der Neurwissenschaftler bietet die Lösung für alle Probleme selber an :

„Es existieren andere Behandlungsmethoden, die das Kind nicht mit Drogen betäuben, sondern ihm beibringen, wie es sein Gehirn so stimulieren kann, dass es zu den geforderten Konzentrations- und Anpassungsleistungen befähigt wird.“

Damit ist offenbar ausschliesslich Neurofeedback gemeint, dem der Autor dann den Rest des Kapitels widmet.

Er erzeugt den – derzeit wissenschaftlich nicht belegten – Eindruck, dass Neurofeedback eine der bisherigen multimodalen ADHS-Behandlung mit Elterntraining, Medikation und Verhaltenstherapie bzw. ggf. Ergotherapie gleichwertig, ja überlegen sei.

Ich möchte in dieser Besprechung gar nicht auf den Sinn- oder den Zweifel an Neurofeedback eingehen.

Mein persönliches Fazit ist, dass für ADHS-Betroffene bzw. Eltern und Angehörige von ADHS-Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen dieses Buch bzw. die Aussagen von Prof. Birbaumer und Frau PD Strehl aus Tübingen grossen Schaden anrichten.

Sie übernehmen nicht nur sämtliche Vorurteile über ADHS und speziell die medikamentöse Therapieoption, sie werten durch Formulierungen und Anschuldigen auch noch die Betroffenen fortwährend als inkompetent ab.

Es ist anzunehmen, dass sich das Buch gerade unter Erziehern, Lehrern, Sozialarbeitern in Jugendämtern, aber vielleicht eben auch bei Psychologen und Ärzten einer gewissen Beliebtheit erfreuen wird. Zumindest werden wir damit rechnen müssen, dass sich entsprechende Ansprechpartner sowie die Anti-Psychiatrie-Bewegung bzw. Esoteriker jetzt mit einer gewissen Berechtigung auf einen renommierten Neurowissenschaftler und seine niedergeschriebenen Aussagen berufen können.
Daher noch einmal die Eckpunkte des Konsensuspapiers der verschiedenen Berufsgruppen und Selbsthilfe zu ADHS aus dem Jahr 2002:

Bonn, 28. und 29. Oktober 2002

1. Aktuelle Prävalenzschätzungen zur ADHS gehen von 2 bis 6 % betroffenen Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 18 Jahren aus. ADHS ist damit eines der häufigsten chronisch verlaufenden Krankheitsbilder bei Kindern und Jugendlichen. Die bedarfsgerechte Versorgung dieser Patienten – die durch unterschiedliche Berufsgruppen getragen wird – ist derzeit nicht flächendeckend gewährleistet. Es besteht noch oft eine ungenügende Verzahnung kooperativer Diagnostik. Es fehlt häufig an verlaufsbegleitenden Überprüfungen der Diagnostik nach dem Einsetzen therapeutischer Maßnahmen. Die Forschung zur Evaluation der Struktur-, Verlaufs- und Ergebnisqualität in Bezug auf unterschiedliche Therapieverfahren muss intensiviert werden.

2. Bei einem nicht unerheblichen Teil der Betroffenen dauern die Symptome bis ins Erwachsenenalter an. ADHS stellt somit auch für Erwachsene eine behandlungsbedürftige psychische Störung dar. Es fehlen hier verbindliche diagnostische Kriterien und angemessenen Versorgungsstrukturen. Die Behandlung mit Methylphenidat erfolgt derzeit im Erwachsenenalter „off label“, da dieses Medikament für die Behandlung von Erwachsenen bei dieser Indikation nicht zugelassen ist. (Anmerkung Winkler 2014 : Hier hat sich etwas getan, da jetzt Medikinet adult, Ritalin adult und mit gewissen Einschränkungen Concerta verfügbar sind bzw. als Nicht-Stimulans Strattera erhältlich ist).

3. In der Öffentlichkeit besteht noch weitgehende Unkenntnis und Fehlinformation über das Krankheitsbild. Schulen, Tageseinrichtungen und andere Erziehungsinstitutionen sowie an der öffentlichen Gesundheitsfürsorge beteiligte Verwaltungen (Jugendamt, Gesundheitsamt, Sozialamt, Strafvollzug und Polizei) müssen verstärkt über ADHS informiert werden. Die Konsensuskonferenz erhebt die Forderung nach einem Awareness-Programm als gemeinsame Aktion.

4. Für eine korrekte Diagnosestellung ist eine umfassende Diagnostik und Differenzialdiagnostik anhand anerkannter Klassifikationsschemata erforderlich. ADHS ist nach den Kriterien der ICD-10 oder DSM-IV zu diagnostizieren. Grundlage der Diagnosestellung sind Exploration und klinische Untersuchung mit Verhaltensbeobachtung. Die störungsspezifische Anamnese soll Familie und weiteres Umfeld (z. B. Schule) einbeziehen und aggravierende sowie entlastende Umgebungsfaktoren berücksichtigen. Fremdbeurteilungen durch Lehrer und Erzieher sollen einbezogen werden. Die Benutzung von Fragebögen als diagnostische Hilfen ist sinnvoll. Intelligenzdiagnostik und Untersuchung von Teilleistungsschwächen sollen das diagnostische Mosaik ergänzen. Die differenzialdiagnostische Abklärung zu anderen Erkrankungen mit ähnlichen (Teil-) Symptomen und die Erfassung von Komorbiditäten bildet einen notwendigen Baustein zur Diagnosesicherung. Eine solche multimodale Diagnostik bildet die Grundlage der multimodalen Behandlung. Die Diagnostik der ADHS ebenso wie die Therapie orientieren sich an den evidenzbasierten Leitlinien der beteiligten Fachverbände. Derzeit scheitert diese Diagnostik noch in einigen Regionen Deutschlands an der Versorgungsrealität. Um eine Verbesserung der Versorgungsstrukturqualität zu erreichen, muss diesem Umstand von der Politik Rechnung getragen werden.

5. Es besteht Einigkeit, dass eine qualitätsgesicherte Versorgung von ADHS unter Einbeziehung aller beteiligten Berufsgruppen notwendig ist. Die Therapie der ADHS ist als multimodales Behandlungsangebot definiert. Nur ein Teil der Kinder bedarf der medikamentösen Therapie. Nach ausführlicher Diagnostik und erst wenn psychoedukative und psychosoziale Maßnahmen nach angemessener Zeit keine ausreichende Wirkung entfaltet haben, besteht die Indikation zu einer medikamentösen Therapie. Stimulanzien wie Methylphenidat stellen empirisch gesicherte Medikamente zur Behandlung der ADHS dar, wobei der langfristige Einfluss dieser Medikation auf die Entwicklung des Kindes verstärkt erforscht werden muss. Auch andere Medikamente haben ihre Wirksamkeit bewiesen. Im Vorschulalter soll erst nach Ausschöpfung aller Maßnahmen eine medikamentöse Behandlung in Erwägung gezogen werden. Für die Behandlung sind spezielle Kenntnisse der Entwicklung des Kindes auf biologischer, psychischer und sozialer Ebene Voraussetzung.

6. Die spezielle Indikationsstellung zur medikamentösen Behandlung mit Stimulanzien ist im Einzelfall ebenso wie die Entscheidung über Zeitpunkt, Dauer und Dosis sorgfältig und entsprechend dem aktuellen wissenschaftlichen Standard zu treffen. Auf altersspezifische Besonderheiten im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter ist zu achten. Jede medikamentöse Behandlung mit Stimulanzien ist in ein umfassendes Therapiekonzept im Sinne einer multimodalen Behandlung eingebunden. Jede medikamentöse Behandlung bedarf als Mindeststandard einer intensiven ärztlichen Begleitung und ausführlichen Beratung. Die alleinige Verabreichung von Stimulanzien ist keine ausreichende Behandlungsmethode. Der Ausbau von Versorgungsstrukturen für begleitende psychosoziale und andere therapeutische Maßnahmen muss von der Politik intensiv unterstützt werden.

7. Die bedarfsgerechte Versorgung erfordert eine enge Zusammenarbeit der Ärzte untereinander (Kinder- und Jugendärzte, Kinder- und Jugendpsychiater, Psychiater, Allgemeinmediziner) und mit Psychologen, Psychotherapeuten, Pädagogen, Heilmittelerbringern (z.B. Ergotherapeuten) und Selbsthilfeverbänden. Die enge Zusammenarbeit mit weiteren an der gesundheitlichen Versorgung beteiligten Berufsgruppen ist notwendig. Auch Familien, Schulen und weitere psychosoziale Bereiche sind dahingehend einzubeziehen, dass einer schädlichen Desintegration der Kinder vorgebeugt wird.

8. Je nach Fachgruppe und therapeutischer Ausbildung besteht eine unterschiedliche Qualifikation zur Behandlung von ADHS. Die Verbesserung der Qualifikation muss daher differenziell erfolgen. Ein modulares Fortbildungskonzept mit unterschiedlicher Gewichtung der Inhalte ist anzustreben. Grundlage dieses Konzeptes soll empirisches Tatsachenwissen über Entstehung, Verlauf und Therapie von ADHS sein. Ein allen Berufsgruppen zugängliches Basiswissen stellt diese auf jene Minimalebene, die die Grundlage für interdisziplinäre Zusammenarbeit bildet. Eine fachübergreifende gemeinsame Fortbildung im Sinne einer gemeinsamen wechselseitigen Erkenntniserweiterung in regionalen Netzwerken ist anzustreben. Daraus ergibt sich die Möglichkeit einer qualifizierten Kooperation.

9. Interdisziplinäre Zusammenarbeit beruht auf der Fachkompetenz und dem wechselseitigen Respekt der beteiligten Berufsgruppen. Die Verantwortung über eine medikamentöse Therapie liegt immer in der Hand des Arztes. In das Behandlungsnetz werden auch andere Berufsgruppen einbezogen (z.B. Psychotherapeuten, Ergotherapeuten). Empirische Untersuchungen zur Wirkungsweise ergotherapeutischer Maßnahmen bei ADHS sind notwendig und erwünscht. Die psychotherapeutische Behandlung erfolgt entsprechend den Leitlinien der Fachgesellschaften. Ziel ist ein multimodales störungsspezifisches Vorgehen zur Behandlung der Kernsymptomatik und der Begleitstörungen auf Evidenzbasis. Erziehungsberatungsstellen werden unter einer pädagogischen Zielsetzung im Rahmen kooperativer Netzwerke tätig. Auch Kindergärten, Tagesstätten und Schulen sollen in das Behandlungsnetzwerk als Beobachter und mit basalem Sachwissen als Kompetenzpartner einbezogen werden. Dahingehend besteht eine Fortbildungsnotwendigkeit. Der Ausbau regionaler und überregionaler Netzwerke stellt ein wichtiges Zukunftsziel dar.

10. Es besteht die Notwendigkeit eines Leistungsanreizes für die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Die zeit- und arbeitsaufwändige interdisziplinäre Netzwerkarbeit muss leistungsgerecht honoriert werden. Fragen der bedarfsgerechten Versorgung sollen durch verstärkte Forschungstätigkeit geklärt werden. Fachärztliche Weiterbildung sollte finanziell unterstützt werden. Es besteht eine Notwendigkeit auch die Praxisarbeit angemessen zu finanzieren, so dass eine leistungsgerechte Bezahlung der Versorgungstätigkeit erfolgen kann. In der derzeitigen Versorgungsrealität besteht ein Bedarf an kompetenten Versorgungsplätzen. Die Politik ist aufgefordert, ihren Einfluss bei den Kassen und anderen Kostenträgern (im Sinne der Leistungen des SGB V sowie SGB VIII und SGB IX) geltend machen, um zu einem solidarischen Finanzierungsmodell zu gelangen. Gerade unter einem Gesichtspunkt der kritischen Einsparungen müssen absehbare Folgekosten bei negativen Entwicklungsverläufen betroffener Kinder vermieden werden.

11. Regionale und überregionale Netzwerke sollen gebildet und die vorhandenen Netzwerke ausgebaut und solidarisch finanziert bzw. unterstützt werden, um die Verbesserung der Versorgungslage für Kinder mit ADHS zu gewährleisten. In diesen regionalen Netzwerken sollte für eine Umsetzung der Leitlinien in die Praxis gesorgt werden. Für eine Verbesserung der Fortbildung der an der Versorgung teilnehmenden Gruppen besteht eine wechselseitige Verantwortung. Die Politik wird aufgefordert, in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung und dem Bundesministerium für Familien qualifizierte interdisziplinär orientierte Arbeitsgruppen zu bilden, die eine Verbesserung der Versorgungslage und der Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern mit ADHS zum Ziel haben. Unter Einbeziehung von Interessenvertretern betroffener Familien soll der interdisziplinäre Dialog fortgeführt werden. Von der Politik wird eine Hilfestellung bei der Bestandsaufnahme bestehender regionaler Netzwerke und bei der Organisation regelmäßiger überregionaler interdisziplinärer Treffen erwünscht.

Prof. Dr. Franz Resch
Ordinarius für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Heidelberg

Dr. Klaus Skrodzki
Kinder- und Jugendarzt
Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte e.V.

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ADHS Kompetenzen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Eine meiner Lieblingsexpertinnen in Sachen ADHS bei Erwachsenen ist Patrica Quinn. Sinngemäss hat sie zum Thema Selbstständigkeit bzw. Alltagskompetenzen über Studenten bzw. Auszubildende aus dem ADHS-Spektrum Anforderungen zur Alltagstauglichkeit hinsichtlich Ordnung bzw. Haushalt, Ausbildung bzw. Lernen und Studieren und letztlich auch Selbstmanagement definiert.

Dabei geht es nicht unbedingt darum, dass man die folgenden Fähigkeiten schon hat, man muss sich nur ggf. über Hilfsmittel oder verfügbare Unterstützung zu helfen wissen.

1. Jeden Morgen selbstständig Aufwachen und Aufstehen

2. In der Lage sein sich um die eigene Wäsche zu kümmern

3. Sollte das eigene Zimmer bewohnbar halten und auf seine Sachen wie Handy, Computer etc. selber aufpassen können

4. Selbstständig die notwendigen Medikamente zuverlässig einnehmen

5. Sich um regelmässigen Sport und eine ausgewogene Ernährung kümmern

6. In der Lage sein, mit Geld umzugehen

7. Ein Gleichgewicht zwischen Pflichten und Vergnügen bzw. Freizeitaktivitäten halten können

8. Einen Lern- bzw. Studienplan erstellen und einhalten können, so dass Prüfungen und andere Fristen machbar bleiben

9. Eigene Hausaufgaben bzw. Mappen und Prüfungsleistungen bzw. die dazu notwendigen Schritte der Ideenfindung und -organisation, Schreiben und Korrekturen erledigen

10. Sich auch an Aufgaben und Pflichten setzen, die für ihn oder sie eben gerade nicht mit totaler Begeisterung zu leisten sind.

11. In der Lage sein, klar und verständlich eigene Stärken und Unterstützungsbedarf Lehrern oder Ausbildern bzw. anderen Personen erklären zu können

12. Sich um Hilfe und Unterstützung bemühen und eigene Schwächen zugeben, wenn etwas nicht verstanden oder gekonnt wurde.

13. Unterstützung bzw. Coaching / Therapie und Nachteilsausgleich finden und annehmen.

Welche Kompetenzen fehlen noch ?

Hier finde ich die Idee von Tokol eV. sehr sinnvoll, in einem 14 tägigem Workshop nicht nur graue Theorie zu ADHS bzw. Therapie zu vermitteln, sondern ein alltagsrelevantes Kompetenztraining für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 28 anzubieten. Zumindest bei einem der beiden Workshops bin ich wohl teilweise dabei (wenn es die Ferienzeiten ermöglichen).In der Ankündigung für die Workshops vom 3.10- 17.10 und ab dem 17.10-31.10.2015  heisst es u.a.

„Vom Bewerbungstraining, bis zur Selbststrukturierung, über Kochkurse, Reparaturen im Haushalt, Haushaltsführung, Umgang mit Geld, Behördengänge und vieles mehr, sollen die Kids angewandte Hilfe erfahren und in Kursen und Workshops Hilfe zur Selbsthilfe erlernen. Das Ganze wird natürlich wie immer mit Aufklärung über unsere Themen ergänzt, so dass Themen wie Psychoedukation, Medikamente, Therapie und Lebenshilfe mit auf dem Plan stehen. „

 

ADHS, Genetik und Saudi-Arabien

Feiertage sind einfach schön, um im Internet zu surfen. Dabei bin ich auf die mir schon einmal aufgefallene Tatsache gestossen, dass die Prävalenz von ADHS (bzw. ADHD) in Saudi-Arabien 15 Prozent beträgt. Und es dort nur 60 ADHS-Experten für 1,6 bis 2 Millionen betroffene Kinder gibt.

Dafür aber offenbar eine Regierung, die einerseits das nötige Geld, andererseits aber auch das Interesse an einer Förderung und Aufklärung zeigt. Zumindest gefällt mir die Webseite der saudischen ADHD-Gesellschaft schon mal sehr gut. Und offenbar gibt es eben ADHS nicht nur in den USA und in Bad Kösen. Sicherlich wäre eine Tätigkeit in Saudi-Arabien auch ein Abenteuer. Toll finde ich aber, dass dort offenbar erkannt wurde, dass es sich lohnt in Ausbildung und Förderung von ADHSlern zu investieren. Dafür mag es dort sicher andere Nachteile geben.

2009 hat dort der in den USA tätige deutsche Maximillian Muenke einen Vortrag zu ADHS und Genetik (auf englisch ) gehalten. Auf jeden Fall ein interessanter Beitrag, der eben die Bedeutung der Vererbung einer neurophysiologischen Disposition veranschaulicht.

 

ADHS ist kein normales kindliches Verhalten.

Bildschirmfoto 2015-01-04 um 13.17.25Über Petra Hausmann bin ich auf Facebook auf einen tollen Blogbeitrag gestossen, der sich mit den Vorurteilen auseinander setzt, dass ADHS doch quasi ein ganz normales kindliches Verhalten sei.

In dem Beitrag wird eben gerade schön beschrieben, dass die ganzen Besonderheiten der Exekutivfunktionsstörungen bzw. der Reizoffenheit und Emotionsregulation jedes normale kindliche Verhalten verunmöglicht. Und übliche Kontakte zu Gleichaltrigen zum Problem werden lässt. Gerade der Alltag und die sozialen Kontakte sind dann die Qual. Das ist nun keine Bipolare Störung oder so ein Blödsinn. Das sind syndromtypische Probleme der Emotionsregulation bei ADHS. Man kann sie ja vielleicht noch anders klassifizieren als „Temper mood ….“ , muss man aber nicht. Sollte man auch nach meiner Meinung lieber nicht.

Beispiele gefällig ? Felix hat am letzten Tag vor den Weihnachtsferien sein grosses Fussballturnier in der Schule. Die 6. Klasse gegen den Rest der Welt. Sein Müller-Trikot aus dem Türkei-Urlaub kommt endlich zum Einsatz, da er sonst eben nicht spielt. Er wird halt in keiner Fussballmannschaft lange toleriert. Und ist eher ein Bewegungslegastheniker. Dann also gegen die 6c der grosse Einsatz. Schon lange vorher erträumt.  Lehrer sind eher nicht anwesend. Die eine Hälfte des Kollegiums ist krank (oder schon im Winterurlaub), die andere Hälfte wärmt sich im Lehrerzimmer. Jedenfalls ist die Sporthalle den Kindern überlassen. Überhaupt scheint sich in den letzten Wochen Struktur in der Schule eher in Form von Wunschdenken abzuspielen. Die Schule ist quasi in Selbstauflösung begriffen. Die Kinder sich weitgehend in Form von Spiel- oder Videozeiten überlassen. Was einigen Kindern nicht schadet, aber gerade für Kinder mit Entwicklungsbesonderheiten eine kleine Hölle bedeutet. Früher aus dieser „Schule“ rausnehmen für einen Urlaub, darf man die Kinder dann aber auch nicht. Man könnte ja den Lehrern am Flughafen begegnen, die schon früher…. Wenn man das wiederum laut aussprechen würde, hätte man ja seinen Stempel als Eltern weg.

Felixs Traum ist nach 2 Minuten durch Auswechselung beendet. Er hat gerade eine Ballberührung.
Entsprechend hat er einen Gefühlsabsturz. Als von seinen Eltern geschultes Kind  für solche Situationen agiert er den aber nicht aus, sondern sagt, er müsse sich in der Toilette abkühlen. Was ja ein guter Weg einer Aus-Zeit wäre. Auf dem Weg pisacken ihn weitere Mitschüler. Aber er bleibt noch cool.
Aber er kommt aus dem miesen Gefühl nicht raus. Es klemmt.

Nun kommt tatsächlich der Sportlehrer mal wieder in die Turnhalle und vermisst Felix. Und verbreitet Hektik. Felix sei abgehauen. Die Berichte der Mitschüler klingen so, dass er aus Wut wegen der Auswechselung durchgedreht sei. Und abgehauen ist.  Wobei die Mitschüler mehr im Geschehen auf dem Spielfeld als nun am Geschehen auf der Auswechselbank waren. Seine Ankündigung zur Toilette zu gehen, ist nicht angekommen oder vergessen. Oder nicht gehört. Und so beginnt eine chaotische Suche mit dem Ergebnis, dass Felix nicht gefunden wird. Also werden die Eltern telefonisch informiert.

Die ihrem „Teufelsbraten“ durchaus solche Reaktionen zutrauen. Aber auch wissen, dass für ADHSler oder Autisten eben eher die Toilette der häufigste (ich wollte erst schreiben „liebste“) Aufenthaltsraum in der Schule sein kann. Und den Tipp geben, dort mal zu schauen.

Erst später klärt sich dann durch eine Lehrerin auf, wie es wirklich war. Was aber längst nicht imer der Fall ist. Felix hat ja einen entsprechenden Stempel weg. Selbst wenn man sich „richtig“ verhält, läuft es eben gerade nicht richtig. Und eben auch nicht kindgerecht. Denn man könnte von einem Schüler in der 6. Klasse sicher ein anderes Verhalten erwarten können.

ADHS-Eltern könnten ganze Bücher mit solchen oder ähnlichen Gefühlsregulationsproblemen schreiben. Familienbesuche zu Weihnachten oder Neujahr sind da in aller Regel gute Gradmesser (gerade gestern wieder erlebt….). Es klemmt also nicht nur einmal im Jahr, es hagelt regelmässig solche Stories.

Die aber eben auch Narben von Zurückweisung und Ausgrenzung bedeuten. Mehr als man sie eh schon im Verlauf von Schule oder Kindheit zur eigenen Entwicklung braucht oder sonst erleben würde.

Einige Eltern werden das dann als „Mobbing“ externalisieren. Und eben auch nicht an ADHS oder Exekutivfunktiosstörungen denken. Schliesslich zappelt Felix ja nicht und er bewegt sich gerne (wenn auch unkoordiniert bei Ballspielen). Aber sein Selbstwertgefühl und seine Stimmungsstabilität ist halt nicht vorhanden.

Wie ein kleines Kind halt.

Aber eben doch kein normales kindliches Verhalten.

Und wenn dann bereits im frühen Kindes- oder Teenageralter eben „Depressionen“ oder eine Häufung von psychosomatischen Beschwerden auftreten, dann ist Bagatellisieren die schlechteste Antwort auf das Problem. Es wächst sich schon aus….

Immer wieder erlebe ich dies aber noch heute in Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Da wurde dann schon im Kindesalter mal an Entwicklungsbesonderheiten bzw. eine psychologische Ursache gedacht. Und es wurde ein (mehr oder weniger bescheuerter) ADHS-Test gemacht. Was immer das auch sein mag, es wurde dann ein zu niedriger Score ermittelt. „Gott sei Dank, kein ADHS“…. Aber was denn dann ?

Normales kindliches Verhalten ist dadurch gekennzeichnet, dass sich die Kinder altersgemäss entwickeln und altersgemäss in soziale Bezügen verhalten können. Das sie die Hürden der Weiterentwicklung meistern. Nicht immer glatt. Aber doch so, dass es im Rahmen bleibt.

ADHS-Kinder fallen ständig aus dem Rahmen.

Typisch für Mädchen (bzw auch Jungs vom unaufmerksamen Subtyp) ist ja nicht, dass sie durch Zappeln oder Störverhalten auffallen. Vielmehr treten die Probleme dann auf, wenn die Hirnfunktionen (bzw. metakognitiven Fähigkeiten der Selbstwahrnehmung und Selbststeuerung) gefragt sind, die eben nicht altersgemäss bei ADHS-Kindern- und Jugendlichen vorhanden ist.

ADHS sind dann eben gerade deshalb keine normalen Kinder, weil sie „zu kindlich“ sind. Sich eben nicht so verhalten können, wie es ein normales Kind täte. Sich eben gerade nicht so steuern können, wie sie es wollen. Und dies quasi bei vollem Bewusstsein selber auch spüren. Aber eben nicht ausdrücken können.

 

 

ADHS und /oder Bipolare Störung

An der Frankfurter Universitätspsychiatrie wurde mit Prof. Reif ein Wissenschaftler berufen, der sich u.a. auch für ADHS interessiert. Prima. Zumal er die Vorstellung hat, dass die Entwicklungspsychiatrie bzw. die Transition von der Kinder- und Jugendpsychiatrie (und Psychosomatik) in das Erwachsenenalter stärker berücksichtigt werden muss.

Im Sinne einer „Mood clinic“ würde dann auch die Differentialdiagnostik bzw. Überschneidung von Gefühlsschwankungen bzw. Stimmungsproblemen im Spektrum der Entwicklungsstörungen eine Rolle spielen. Also mal eine Klinik aufbauen, in der das gesammte Spektrum von „Depressionen“ bzw. Stimmungsprobleme integrativ und nicht in Schubladendenken versammelt wäre.

Mit der (aus meiner subjektiven Sicht zweifelhaften) Einführung der Temper Mood Dysregulation Disorder im DSM V hat man ja versucht, gerade die Differenzierung von ADHS und „Bipolaren Störungen“ durch die Einführung einer neuen Diagnose zu ermöglichen. Oder letztlich doch komplizierter zu machen.

Einen interessanten Vortrag von Prof Reif habe ich hier als PDF zum Thema ADHS und Bipolare Störungen gefunden.

Für mich persönlich ist der Verlauf einer manisch-depressiven Störung doch grundsätzlich „anders“ als ADHS. So finden sich bei manisch-depressiven Störungen eben nicht die syndromtypischen Entwicklungsverzögerungen bzw. Besonderheiten der Regulationsstörungen im Kindesalter. Aber eben auch nicht typische Störungen der höheren Handlungsfunktionen in der gesammten Biographie. Nur auf die „Stimmungsschwankungen“ bzw. „Depressivität“ zu schauen, ist dann fragwürdig.

Gut ist aber auf jeden Fall, dass dies in Deutschland mal zum Thema gemacht wird. Ich bin und bleibe gespannt.

Schulausschluss bei ADHS und Gewalt gegen Mitschüler

Über das Internet bin ich auf eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Stuttgart aufmerksam geworden. Dort wurde ein Grundschüler für 5 Tage vom Unterricht ausgeschlossen. Mir ist unklar, ob ggf. noch länger oder sogar dauerhaft.

Um es klar zu sagen : Ich bin gegen Gewalt von Schülern mit und ohne ADHS (bzw. Störungen des Sozialverhaltens). Besonders in der Grundschule. Ich habe es erlebt, wie mein jüngerer Sohn darunter gelitten hat, weil er eben anders als andere Schüler ist und ein leichtes Opfer für solche gewaltbereiten Jungs und leider zunehmend auch Mädchen.

Was in dem Artikel aber nicht angeführt wird, ist die Lösung des Problems. Hier steht dem Kind bzw. der Familie Hilfe zu. Die aber immer seltener gewährt wird und dann eben erklagt werden müsste.

Ich kann doch nun nicht Schüler vom Unterricht ausschliessen, dann aber keine Hilfestellung für die Familie bzw. das Kind anbieten. Genau dies passiert aber zunehmend, d.h. es wird dann von den Eltern erwartet, dass sie SOFORT ihr Kind aus der Schule holen und sich zukünftig um diesen Bengel kümmern. Egal, ob sie berufstätig sind. Egal, ob es einen Therapieplatz gibt. Egal, er soll erstmal weg.  Und erst wiederkommen, wenn das Problem weg ist.

Das geht aber so nicht.

Wie gesagt : Es ist richtig, eine Auszeit für das Kind zu beschliessen. Das muss vorher nach der Schulordnung aber eben mit allen Beteiligten abgesprochen und vorangekündigt werden. Gleichzeitig ist es dann wichtig, dass über das Jugendamt eben UNTERSTÜTZUNG erfolgt.

Hier wäre dann auch die Schule gefordert. Wie gross ist die Klasse ? Werden die Pausen beaufsichtigt ? Gibt es Programme der Inklusion bzw. des sonderpädagogischem Förderbedarfs für das Kind ? Wurde eine Schulbegleitung erwogen ?

Erst wenn sich die Eltern nicht kooperationsbereit zeigen und ANGEBOTENE und verfügbare Therapie nicht in Anspruch nehmen, würde ich es als berechtigt ansehen, dass man so vorgeht und Druck auf die Eltern ausübt.

So ist es zunächst für mich kein Versagen der Eltern, sondern der Schule und des Helfersystems.

Wie steht Ihr dazu ?