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Ginkgo bei ADHS

Erinnert sich zufällig noch jemand an die Studie von Prof. Huss aus Mainz, der im Auftrag eines namhaften Herstellers ein Mischpräparat aus Johanniskraut und Baldrian als Wunderpille für ADHS-Kinder vermarkten wollte?

Wohl kaum. Jedenfalls ist mir seither nicht aufgefallen, dass nun die ADHS-Welt plötzlich auf pflanzliche Präparate umgestiegen wäre.

Nun werden aber quasi alle Eltern von ADHS-Kindern und Jugendlichen zunächst lieber auf „Naturheilkunde“ bzw. pflanzliche Präparate ausweichen wollen, bevor die „bösen“ Stimulantien an die Reihe kommen.

Da liegt es doch nahe, dass es noch weitere Hersteller von pflanzlichen Präparaten gibt, die Marktchancen suchen. U.a. für ein Präparat, das mit T…… anfängt.

Gingko ist nun nicht gerade als „DER“ Verbesserer für kognitive Leistungen oder gar Durchblutungsstörungen aufgefallen. Aber immerhin wirbt man damit.

Und hat sich jetzt mit einer Arbeitsgruppe der Uni Tübingen in Vergesellschaftung mit der Familie Rothenberger dem Thema Gingko-Therapie bei ADHS angenommen.

Grundsätzlich finde ich es ja gut, dass eine Überprüfung von naturheilkundlichen Ansätzen erfolgt. Aber ob die Aussage nun wirklich so belegt ist, dass nun Ginkgo biloba Symptome von ADHS bei Kindern verbessert?

Wie wird das wohl wieder in der Öffentlichkeit dargestellt bzw vermarktet und was ist wirklich dran an der Aussage?

Bei 20 Kindern (in Worten ZWANZIG) wurde nun ein Ginkgo bilboa Extrakt EGb761 in einem offenen klinischen Protokoll eingesetzt. Also keine Verblindung. Die Studiendauer betrug zwischen 21 Tagen und 5 Wochen und man gab 180  oder 240 mg. Das war die „Maximaldosis“ für Kinder, die nicht auf die Standarddosis nach 3 Wochen ansprachen.

Die „Verbesserung“ wurde nun nicht anhand von klinischen Veränderungen, sondern anhand eines Untertests eines Continous Performance Test (CPT) geschlussfolgert. Den sog. CUE-CNV.  CNV steht für Contingent negative variation und untersucht in einer Magnetencephalopgraphie (MEG) nun bestimmt Wellen im Gehirn, die die Autoren mit Aufmerksamkeit und Reaktion auf Reize in Verbindung bringen.

Sie sahen also eine Veränderung. Und machten daraus eine Publikation.

Eigentlich würde man sie sofort wieder vergessen, wenn nicht eben mit Aribert Rothenberger (und einem weiteren aufstrebendem Vertreter der Familie) ein namhafter ADHS-Professor dabei wäre …

Die Studie dürfte wohl allenfalls eine erste Idee dafür liefern, dass man vielleicht in Zukunft auch mal mit Ginkgo biloba  weiter könnte, sofern der Hersteller weitere Gelder bereit stellen mag.

Eine Aussage über eine klinische Wirksamkeit erlaubt diese Studie aber nach meiner Einschätzung nicht.

Und wird doch ihren Sinn erfüllen und ein Präparat für ein neues Anwendungsgebiet puschen. Zumindest bleibt was dazu hängen.

Uebel-von Sandersleben H, Rothenberger A, Albrecht B, Rothenberger LG, Klement S, Bock N
Ginkgo biloba Extract EGb761(R) in Childen with ADHS. Z Kinder Jugendpsychiatr Psychother 2014. Sep 42(5):337-47. doi:10.1024/1422-4917/a000309

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Kryptopyrrolurie, Vitamin B6 und ADHS

Immer wieder geistern durch das Internet und angeblich auch einige Arztpraxen krude Vorstellungen aus der als „Medizin“ fehlbezeichneten Orthomolekular-Quacksalberei.

Eine der hartnäckigsten Fehlvorstellungen ist dabei die Existenz bzw. angebliche Bedeutung von KPU, Kryptopyrollurie oder auch als Malvaria bezeichnet. Schon 2007 hat das Robert-Koch-Institut festgestellt, dass es eine entsprechende Stoffwechselstörung gar nicht gibt. Dementsprechend kann es auch keine klinische Bedeutung oder Einfluss bei ADHS haben.

Soweit so gut.

Nun gibt es aber ja durchaus die klinische Erfahrung, dass es Kinder, Jugendliche und Erwachsene gibt, die auf Vitamin B6 bzw. Zinkgabe positiv reagieren. Ob das nun mehr oder weniger ein Placeboeffekt ist, ob sich das Verhalten der Eltern bzw. der Umgebung verändert, oder was sonst da vorgeht…. Man weiss es nicht.

Dementsprechend schwer einzuordnen ist dann eine Studie, die sich mit dem Einfluss von Pyridoxin (Vitamin B6) bei ADHS beschäftigt. Die Arbeitsgruppe will eine Gruppe von Epilepsie-Patienten identifiziert haben, die eine Stoffwechselproblematik im Bereich des Vitamin-B6-Haushaltes aufweisen. Dabei geht es um eine Pyridoxin Phosphat (PLP) abhängige Tryptophan-Verminderung. Die Autoren behaupten jetzt, dass ADHS quasi eine angeborene Vitamin-B6-Mangelproblematik wäre. Siehe hier

So einfach ist es bestimmt nicht. Ich werde auch immer skeptisch, wenn nun EINE Ursache als Erklärung für alle Probleme der Medizin behauptet wird. Zumal die Existenz einer derartigen Anomalität als extrem selten eingeschätzt wird und damit überhaupt nicht mit der Häufigkeit von ADHS einher geht.

Möglicherweise spielen ja aber andere Zusammenhänge im Dopaminhaushalt bzw. im Stress-System eine Rolle, dass ein solcher Befund erhoben wurde ?

So oder so : Ich habe ja überhaupt nichts dagegen, wenn man Spurenelemente wie Zink oder Selen bei ADHS erwägt. Auch gegen Vitamin B6 ist ja an und für sich nichts zu sagen. Solange man dies als „Add-on“ und nicht als Ersatz für wirksame multimodale Therapieversuche macht.

ADHS, Homöopathie und Aberglaube

Es ist schon schlicht und ergreifend unglaublich, was sich im Bereich Homöopathie an Abgründen auftut. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere geneigte Leser noch an den angeblichen Wirksamkeitsnachweis der Homöopathie aus Bern (CH). Diese angebliche „Studie“ wurde berechtigterweise von Experten in der Luft zerrissen.

Umso dreister ist jetzt, dass auf einer Tagung eine 10-Jahres-Verlaufsuntersuchung vorgestellt wurde, die es immerhin zu einer Pressemitteilung brachte.

Den damit verbundenen Aberglauben hat Norbert Aust in seinem Blog gebührend gewürdigt. Besser könnte ich es nicht formulieren … Unbedingt lesenswert!

Improvisationstheater bei ADHS

Ich bin ein grosser Fan der Initiative aus Münster „Impro-Theater“ bei ADHS auszuprobieren. ADHSler lernen aus Beziehungen bzw. Resonanz von anderen Menschen. Olaf Herzog habe ich selber als Theaterpädagogen in einigen Beispielworkshops erlebt und viel Spass gehabt

Einen Pilotbericht zu diesem Projekt kann man hier lesen.

Wäre schön zu wissen, wie es so weiter ging bzw. geht …

Auf jeden Fall kann ich es Jugendlichen und Erwachsenen mit ADHS-Konstitution nur empfehlen, sich hinsichtlich Theaterpädagogik bzw. Improvisationstheater mal in ihrer weiteren Nachbarschaft zu erkundigen. Es übt und macht Spass.