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Prokrastination: Online-Training geht dann erst im Februar los

Ich weiss ja nicht, ob sie es schon wussten …
Rüdiger Hoffmann war in Lüneburg.
Der Komiker der Langsamkeit bzw. der gewissen Umständlichkeit wäre sicher auch ein gutes Beispiel für Aufschieberitis.

Was Sie vielleicht nicht wussten: Ich war eigentlich auch Experte für E-Health bzw. habe online in diesem Bereich an der FH Lüneburg, der heutigen Leuphana-Universität, gearbeitet.

Und genau dort gibt es einen „Inkubator“ für Online-Therapie. Das habe ich damals zwar schon gefordert, dauert halt aber manchmal etwas länger.

Und siehe da: Dort gibt es einen Zwei-Wochen-Kurs zum Thema Prokrastination. Immerhin. Siehe hier.

Ich habe mich mal angemeldet. Wobei ich es irgendwie Real-Satire finde, dass der Kurs dann mal erst Anfang bzw. Ende Februar 2013 losgeht. Also noch etwas, was aufgeschoben wird.

Egal, die Kursleitung wird wohl eine Erinnerungsmail schicken …

Prokrastinationskönigin

Wie schon in früheren Blogbeitträgen dargestellt, stelle ich immer wieder fest, dass ein lockerer und wohlwollender Umgang mit den ADHS-Beschwerden es einfacher macht, mit diesen Problemen umzugehen, als eine“ Du solltest!“-Tyrannei oder die Anwendung rigider Selbstbeherrschungstechniken. Das gilt erst recht für die fast allen ADHS-Betroffenen bestens bekannte Aufschieberitis.

Genau diese Stossrichtung verfolgt die 23-jährige Anna Sommerer mit ihrem Prokrastionations-Set. Aufschieben ohne schlechtes Gewissen – ja bitte!

Mehr dazu siehe hier und vor allem hier.

Murmel, Murmel, Aufschieberitis

Die Kugel rollt. Nein, nicht beim Roulette. Sondern in der Aufschieberitis-Ambulanz. Zumindest wenn man Stern-Online glauben soll.

Es geht um die Prokrastination von Studenten bei der Erledigung von unliebsamen Aufgaben. Erstmal die Erwartungen um 50 % kappen. O.k. Und sich selber damit motivieren, was man schon von den Aufgaben erledigt hat. Also beispielsweise dadurch, dass man jeweils für jede erledigte Pflicht eine Murmel in ein Gefäss legt und dadurch schaut, wieviel man schon geschafft hat.

Einerseits gefällt es mir besser, eine DONE-Liste für erledigte Dinge, als eine To-do-Liste für die bis in alle Ewigkeit noch nicht erledigten Dinge zu führen. Und grundsätzlich finde ich es auch gut, dass man Erfolge in dieser Form visualisiert = sichtbar macht. Ich habe auch schon entsprechend Zigarettenschachteln zur Selbstbeobachtungs-Tagebüchern für Veränderungen umfunktionieren lassen.

Dennoch weiss ich nicht, ob solche Verstärkerpläne bzw. Token-Systeme bei Studenten wirklich greifen.

Was hilft ist u.a. Aufgaben ins Rollen zu bringen bzw. eine eher langweilige oder unangenehme Aufgabe in einen Stapel von leichteren „runden Sachen“ zu legen und gleich mit zu erledigen. Also nicht anzuecken mit einer Aufgabe, sondern es „rund“ zu halten, damit es läuft.

Womit wir wieder bei Murmeln oder anderen Bällen wären …

ADHS bei Erwachsenen: Verhaltenstherapie (Teil 1 von x)

Kurz vor Silvester gab es das Journal Atten Def Hyp Disorder für lau im Netz. Sorry, dass ich darauf nicht aufmerksam gemacht habe. Dort fand ich den ausgesprochen lesenswerten (englischsprachigen) Artikel von zwei (weiteren) Schweizern. Patricia Newark und Rolf-Dieter Stieglitz von der Universität Basel haben in dem Artikel „Therapy-relevant factors in adult ADHD from a cognitive behavioural perspective“ bereits im Jahr 2010 (2:59-72) eine Fleissarbeit zum Thema ADHS-Psychotherapie bei Erwachsenen zusammengestellt. Eigentlich primär aus der Sicht der (mir eigentlich eher als Auslaufmodell geläufigen Schematherapie nach Piaget) und eben im Sinne einer eher kognitiven VT nach Beck.

Ich finde den Artikel gut. Ich muss ja den Inhalt nicht gut finden, da es ja nur eine Zusammenstellung des Wissens über die Grundlagen der VT bei ADHS ist. Die Autoren können ja nichts für die Inhalte des Reviews.

Ähnlich wie mir manchmal in der Diagnostik nicht so recht klar ist, worin mein Unbehagen eigentlich liegt, so ist es bei diesem Artikel auch. Eigentlich bin ich (eher) Verhaltenstherapeut (vielleicht mit Schwerpunkt DBT = dialektisch-behavioraler Therapie) mit besonderer Vorliebe für Immaginationsverfahren (die man als VTler durchaus benutzen darf). Aber so ganz warm bin ich mit der VT bei ADHS im Erwachsenenalter bisher nicht geworden. Vielleicht, weil ich es nicht richtig verstanden habe. Vielleicht, weil mir die vorliegenden Therapiemanuale eben nach einer gewissen Zeit nicht so richtig von der Hand gehen wollten, eher also so innere Widerstände erzeugten.

Ich möchte versuche, mich an der Struktur der Übersicht von Newark und Stieglitz dem Thema Therapierelevanz in der Psychotherapie bei ADHS zu nähern. Wie so häufig bei mir, wird es mehr Fragen als Antworten aufwerfen. Befürchte ich jedenfalls.

Fangen wir mit dem Anfang an, den man (die Autoren) Introduction nennt. Da kann man schon einmal nicht so viel falsch machen, wenn man ADHS als eine neurobiologische und hochgradig vererbbare Störung mit chronischem Verlauf seit der Kindheit bezeichnet. (Nun ja, ob nun Störung oder Krankheit oder Veranlagung …).

Als überdauernde neuropsychologische Einschränkungen werden:
– Aufmerksamkeitsprobleme
– emotionale Instabilität (sic!)
– desorganisiertes Verhalten
– unzureichende Selbstregulation
– mangelnde Disinhibition (Selbstbeherrschung)
angegeben.
70-75 Prozent der Patienten in Behandlung weisen dabei mindestens eine psychiatrische Begleit- oder Folgeerkrankung auf.

Nun ist offenbar die Grundannahme der Autoren, dass die Ansammlung von negativen Erfahrungen sich negativ auf die Entwicklung von Selbstwertgefühl bzw. Selbstwirksamkeit auswirken. Schlimmer noch, es werden sogenannte innere Schemata bzw. Grundüberzeugungen über sich selbst und das Leben an sich erzeugt, die ungünstig sind. Vereinfacht ausgedrückt: Man sieht sich als Versager (sorry, das ist jetzt unfein, aber es ist ja auch meine persönliche Lesart des Artikels).

Nun sollen diese negativen Überzeugungen dazu führen, dass man in stressigen Lebensmomenten und ebensolchen Anforderungen ungünstige Bewältigungsstrategien anwendet. Hierzu zählen die Autoren Vermeidung und Prokrastination (Aufschieberitis). Weil man damit nun im verhaltenstherapeutischen Sinne keinen Blumentopf gewinnen kann (also keine Belohnungen, sondern eher negative Erfahrungen lernt) führt dies zur Aufrechterhaltung und Verstärkung von negativen Abläufen bzw. Teufelskreisen. Gefangen in diesem Mühlrad der negativen Erfahrungen verfestigen sich die negativen Selbstüberzeugungen.

Dann ist die Lösung aus VT-Sicht einfach und naheliegend: Da die ADHSler ja über jede Menge Ressourcen und Kreativität verfügen, muss man diese nur wieder für den Klienten nutzbar machen und damit schwupps halt mal die Teufelskreise auflösen. Wie das geht, lernen wir dann noch …

Mein Kommentar: Eigentlich kann man doch nicht auch bei diesen Grundweisheiten eine abweichende Meinung haben, oder?

Und doch …  Stimmen denn überhaupt diese Grundannahmen im Ansatz?

Ist ADHS eine erlernte (und damit durch Therapie verlernbare) Störung? Und sind nun die Erfahrungen erlernt oder eher erschreckt (= wiederkehrende traumatische Erfahrungen)? Das wäre hochgradig relevant, weil man Traumata eben völlig anders angehen müsste.

Wie berücksichtigt die VT von ADHS im Erwachsenenalter beispielsweise die sog. „Organismusvariable“, d.h. die ja beschriebene neurobiologische Disposition? Stimmt es überhaupt, dass ADHSler eine zu negative Selbstbeurteilung haben (oder überschätzen sich viele Betroffene nicht auch ?). Möglicherweise eckt man ja sogar gerade deshalb an, weil man eine „klare“ Sicht hat, diese aber in der Kommunikation und Interaktion falsch kommuniziert?

Fragen über Fragen, die ich jetzt nicht beantworten kann / will.

Zunächst also demnächst mehr über die Definition von Schemata bzw. Grundüberzeugungen nach Piaget / Young und Beck …

Sorry, jetzt haben wir gleich zwei Fortsetzungsromane parallel in diesem Blog.

Erledigungsblockade

Später. Später ganz bestimmt …

Welcher ADHSler kennt das Problem der Aufschieberitis bzw. Procrastination nicht? Der Begriff ERLEDIGUNGSBLOCKADE gefällt mir auch prima, ohne dass damit eine Entschuldigung für nicht erledigte bzw. „vergessene“ Pflichten verknüpft sein könnte. Der gleichnamige Blog hat aber gleich eine passende Lösung im Internet parat. Alles wird gut oder wie man ALLES in Ordung bringt.

Sollte das (wider Erwarten) nicht funktionieren, bliebe noch der Besuch beim ADHS-Coach oder Ergotherapeuten mit Kenntnis im Bereich ADHS und Selbstorganisation wie z.B. mit diesem Artikel zum Thema Erledigungsblockaden / Aufschieberitis aus Österreich bzw. der mehr oder weniger dazugehörigen Liste für das Überwinden von Erledigungsblockaden.