Schlagwort-Archive: Coaching

Exekutivfunktionen und technische Tools plus Mentoren als Unterstützung

Der Gründer der (leider wohl nur englischsprachig agierenden) Firma Memory on Demand erlitt aufgrund eines Schlaganfalls erhebliche Einschränkungen seines Gedächtnisses bzw. seiner Exekutivfunktionen. Daraus entstand eine iPad-Hilfe, die sich auf die technische Unterstützung seiner beeinträchtigten Hirnfunktion verstand.

Später wurde dieses Tool für ADHS weiterentwickelt; eine iPhone-Variante wurde gerade angekündigt.

Nun gibt es ja jede Menge Tools und Apps zur Selbstorganisation wie Aufgabenlisten (To-Do-Listen) oder Erinnerungsfunktionen der Smartphones oder Computer selber. Bisher war es immer so, dass die Einrichtung und dauerhafte „Pflege“ der Apps länger dauerte, als der daraus zu ziehende Nutzen. Möglicherweise ist das bei der von mir vorgestellten App GPS-Focus genauso.

Dennoch finde ich die Grundidee von GPS-Focus richtig. Es ist nämlich nicht nur eine simple „To-Do-Liste“, die man mit schriftlichen (oder englischsprachigen) Diktaten auf sein iPad befördert und vielleicht noch daran erinnert wird, dass man es mal wieder nicht gemacht hat. Vielmehr wird hier zusätzlich ein „Mentoren-System“ genutzt.

Natürlich gibt es auch andere „Tools“ oder Apps, die das anbieten. Über Eure Erfahrungen und Kommentare dazu würde ich mich freuen.

Mentoren sind aussenstehende „Motivatoren“ und Anfeuerer, die den ADHS-Studenten bzw. den Betroffenen daran erinnern, ob eine Aufgabe auch wirklich wie verabredet in Angriff genommen wurde.

Das sollten besser nicht die eigenen Eltern sein, da hier eine „Mamastimmenallergie“ und das Gefühl der negativen Kontrolle zu stark sein könnte. Aber wenn man die Aufgabe der Fremdkontrolle freiwillig abgibt an einen Mentor, dann kann es durchaus funktionieren. Wichtig wäre, möglichst eine Liste von geeigneten Mentoren zu haben.

Ich könnte mir sogar vorstellen, dass dies eine zusätzliche Dienstleistung von ADHS-Coaches werden könnte. Wichtig wäre, dass eben das Anfeuern, das Motivieren, aber auch Erinnern an das Erinnert werden, eine Rolle spielt. Und prompt finde ich sowas in Planung für die USA….

Dafür braucht es jetzt vielleicht nicht diese App bzw. ein Ipad oder iphone.

Egal. Hier ist ein Werbevideo auf Youtube.

Eine „lite Version“ ist für 30 Tage kostenlos, danach wären bei Gefallen vertretbare Euro 4.99 fällig.

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ADHS-Coach oder Super Nanny?

ADHS-Coach oder Super Nanny?

Zum Thema ADHS-Coaching bei Erwachsenen ist in den Medien mal mehr, mal weniger zu hören und zu lesen. So ganz begriffen habe ich bis heute nicht, was ADHS-Coaching meint. Zum einen liegt das daran, dass ich – abgesehen von wenigen Ausnahmen – bisher mehrheitlich negative Rückmeldungen von Betroffenen erhielt.

So gewann ich den Eindruck, dass während des ADHS-Coachings der mir bekannten Erwachsenen, welche diese Dienstleistungen in Anspruch nahmen, mehrheitlich eine „Verhaltenstherapie-light“ in Kombination mit der Anwendung herkömmlicher Coaching-Ansätze versucht wurde. Ich schreibe ‚versucht‘, weil das Coaching in den mir bekannten Fällen von den Betroffenen bald abgebrochen wurde.

Ich stellte fest, dass die ADHS-Coaches bei ihren Klienten Basis-Kompetenzen im Bereich der Exekutivfunktionen (bzw. eine Lernfähigkeit in diesen Bereichen) voraussetzten, welche bei den meisten ADHS-Betroffenen syndrombedingt einfach nicht vorhanden waren. Oder mit anderen Worten: ADHS-Coaching, so wie es in den mir bekannten Fällen konzipiert und angewandt wurde, könnte vielleicht funktionieren, aber nur unter der Voraussetzung, dass keine ADHS vorliegt. Ein Coaching-Konzept, welches ganz grundlegend konzeptionell und operativ die ADHS-Spezifik im Bereich der Selbststeuerung berücksichtigt, ist mir bis heute nicht begegnet (nehme gerne entsprechende Hinweise entgegen).

Währenddem über ADHS-Coaching und ADHS-Elternberatung ab und zu etwas zu hören ist und entsprechende Dienstleistung im Web angeboten werden, hört und liest man über ADHS-Super -Nannys nichts. Das liegt möglicherweise daran, dass die RTL-Serie „Super Nanny“ nicht nur positive Echos hinterlassen hat.

Ich wäre in meiner psychotherapeutischen Arbeit mit ADHS-Kindern und ADHS-Familien superfroh, mit einer ADHS-erfahrenen Super-Nanny zusammenarbeiten zu können. Diese könnte, meine verhaltenstherapeutische Arbeit in der Sprechstunde ergänzend, vor Ort als Co-Therapeutin ADHS-spezifische, verhaltenstherapeutische Interventionen durchführen. Diese Massnahmen wären Teil des Therapieplanes, würden also auf einer engmaschigen Zusammenarbeit mit dem Verhaltenstherapeuten beruhen. Ich bin überzeugt, dass die Therapie mit ADHS-Kindern und deren Familien kürzer und wirkungsvoller würde.

Leider scheint es diese ADHS-interessierte Super Nanny in meiner Umgebung nicht zu geben. Auch sind mir keine Ausbildungsmöglichkeiten bekannt, welche von Interessierten absolviert werden könnten.

Super wär’s schon …

Kompetenztrainer ADHS nach Neuhaus

Den professionellen Umgang mit den Stärken und Herausforderungen von ADHS im Kindes, Jugend- und Erwachsenenalter erlernt man nicht mal eben durch ein Buch oder ein Wochenendworkshop. Wie kaum eine andere Fachperson überblickt die Heilpädagogin und Dipl. Psychologin Cordula Neuhaus die besondere Symptomatik in der Praxis (siehe hier). Neben der Einzel- und Gruppentherapie (u.a. auch spezieller zu ADHS bei Frauen) hat sie seit Jahren ihr Wissen in Büchern, Vorträgen und Workshops weitergegeben. Ihr Elterntraining für ADHS berücksichtigt  besonders die Selbstbetroffenheit der Eltern. Sehr zu empfehlen sind dabei auch besonders praxisorientierte Workshops zu Kommunikations- und Verhaltenstraining bei ADHS.

Aus diesem gesammeltem Wissen und auch Supervision ist nun ein Curriculum entstanden, das quasi eine Art Handwerkskoffer für ADHS-Spezialisten darstellt. Wer sich ein wenig mit der Thematik auskennt, wird schnell erkennen : Das geht über eine „Coaching-Ausbildung“ oder angebliches Ergotherapeuten-ADHS-Training, aber auch den in einem Studium in einer Vorlesung oder Seminar zu ADHS vermitteltem Wissen deutlich hinaus.

Besonders, weil hier die Anwendung im Alltag und  auch die Vermittlung an die Eltern bzw. Jugendlichen und Erwachsenen des „Stoffs“ im Mittelpunkt steht, aber  auch reflektiert wird, wie man als Anleiter an Grenzen stösst bzw. welche sozialrechtlichen Hilfen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit es gibt.

Ich würde mir wünschen, dass diese Weiterbildungsqualifikation sich entsprechend durchsetzt und damit die psychosoziale Betreuung von Familien bzw. Erwachsenen mit ADHS sich qualitativ deutlich verbessert.

ADHS Verhaltenstherapie bei Erwachsenen

Dieses „Aufklärungsvideo“ bei ADHS im Erwachsenenalter finde ich ganz gut. Allerdings würde ich mir auch mal so hochstrukturierte ADHS-Erwachsene als Klienten wünschen. Irgendwie glaube ich manchmal, dass diese „Perlen“ eben an mir vorbeischwimmen. Sicher brauchen sie ja keine Klinik und sie suchen sich halt bekannte und gute Psychotherapeuten. Was ja völlig richtig ist. Aber vielleicht brauchen sie eben auch gar keine Psychotherapie, sondern eher Coaching.

Götz Müller ist bestimmt nett. Und er kann wenig dafür, dass ich immer ein Erlebnis mit ihm und Petra Hammer verbinden werde, das ich mit Piero Rossi teile. Es war eine der ganz wenigen Veranstaltungen, wo Piero und ich mal gemeinsam dort waren. Und es ging um Verhaltenstherapie bei ADHS. Götz Müller ist u.a. auch Experte für Hochbegabung (glaube ich). Auf jeden Fall haben die beiden Psychologen einen Vortrag zu ADHS und Verhaltenstherapie gehalten. Und irgendwie wurde ich immer unruhiger. Was ja unlogisch ist, weil sie ja prima Sachen erzählten. Irgendwann ging es dann darum, dass ein ADHSler heimlich Zettelchen zum Spieken geschrieben hat, statt zu lernen. Was man ändern wollte. Ich werde nie vergessen, wie Piero dann meinte: Man müsste ihn vielleicht erstmal da abholen, wo er steht. Ihm vielleicht zeigen, wie er nicht erwischt wird. Statt ihm nun „negatives Verhalten“ auszutreiben. Verhaltenstherapie funktioniert besser, wenn man positives Verhalten stärkt. Unerwünschtes Verhalten mindert sich nicht durch Verbote, sondern schwächt sich dann ab, wenn man mehr positive Alternativen zur Verfügung hat. Deutlich wird aber, dass es vor allem um die sekundären Folgen der Probleme bei ADHS gehen muss. ADHS verursacht also Probleme, die man lösen kann. Hoffentlich. Eine bestimmte „Form des Umgangs“ klingt für mich aber ehrlich gesagt immer noch ein wenig nach Dressur.

Ist sicher nicht so gemeint. Aber wenn man das Video Jugendlichen und einigen meiner Klienten zeigen würde, würden sie eher nicht für Therapie entscheiden, oder?

ADHS und Politik

In der ARD-Sendung zur Piratenpartei in Berlin outetet sich Christopher Lauer als ADHSler. Wer seine Selbstdarstellung im Blog liest, glaubt das sofort. Und so nimmt er in seinem Blog zu seinem ADHS-„Outing“ Stellung, was dann eine entsprechende Diskussion auslöst.“Ich habe ADHS – und das ist auch gut so“. Klarmachen zum Ändern ist seine Parole. Das gefällt mir schon eher. Man könnte sich natürlich auch fragen, ob eine ADHS-Diagnose nun Aufnahmevoraussetzung für die Piratenpartei ist. Wahrscheinlich nicht. Aber helfen würde es vermutlich ungemein, wenn man die etwas unkonventionellen Anfänge dieser Organisation so anschaut. Wenn sie dann auch noch zu Themen finden, wird es spannend. Spannend, ob sie auch weiterverfolgt werden.

Politiker brauchen ja allgemein Berater, die sich dann Consultant schimpfen. Lobbist klingt ja auch nicht so fein.

Ich habe mich gerade gefragt, ob es Politiker-Coaching gibt. Also Wegbegleiter, die Typen wie Lauer quasi dahingehend strukturieren, dass sie dort ankommen, wo sie hinwollen. Und nicht dort landen, wo andere sie haben wollen.

Statt Dienstwagen oder Dienstfahrrad würde ich der Piratenpartei dringend zu einem guten ADHS-Coach raten.

Seine eigenen Standpunkte und Ziele verfolgen können ist in einem Landesparlament bestimmt schwierig. Besonders, wenn man wirtschaftlich nicht unabhängig ist bzw. in einer Legislaturperiode nicht sein wird. Ob es zur Wiederwahl kommt, ist ja offen. Ich habe echt Respekt davor, sich auf einen solchen Weg einzulassen.

Methylphenidat wird in gewisser Weise helfen, den eigenen Standpunkt klarer zu sehen bzw klarer transportieren zu können. Coaching wäre wichtig, damit der Weg auch eingehalten werden kann bzw. eine gewisse äußere Strukturvorgabe auch bestehen bleibt.

ADHS und Beruf: Berufsberatung bei ADHS

Zugegeben, die meisten „alten Hasen“ im ADHS-Bereich werden die Diplom Arbeit von Bauschmann damals bei der Bundesagentur für Arbeit in Hannover bzw. dann Göttingen kennen. Er beschäftigte sich um 2002 sehr kompetent mit den Stärken bzw. Einsatzmöglichkeiten von Menschen mit ADHS-Konstitution. Die Arbeit kann ich allen Eltern bzw. natürlich auch Mitarbeitern von Arbeitsagenturen nur wärmstens ans Herz legen. Ich habe sie hier angeführt, weil ich sie halt auch immer mal wieder suche (und auf den Seiten vom ADHS-Deutschland versteckt wiederfand).

ADHS und Erfolg: Steve Jobs und Störenfriede, die wir brauchen

„“Here’s to the crazy ones, the misfits, the rebels, the troublemakers, the round pegs in the square holes… the ones who see things differently — they’re not fond of rules… You can quote them, disagree with them, glorify or vilify them, but the only thing you can’t do is ignore them because they change things… they push the human race forward, and while some may see them as the crazy ones, we see genius, because the ones who are crazy enough to think that they can change the world, are the ones who do.”

Auch wenn ich es eigentlich nicht mag, Prominenten oder Verstorbenen ADHS anzudichten, so war Steve Jobs für mich ein Vorbild für die Einstellung eines positiven Andersseins. „Sei lieber Pirat als zur Navy zu gehen“. Kürzer und treffender kann man es vermutlich nicht ausdrücken. Seine inzwischen millionenfach runtergeladene Rede von Studenten ist da sicher ein Hinweis auf seine Lebensphilosophie. Sei Du selbst – Think different (bekannter Apple Werbespruch).

Menschen mit Hochbegabung bzw. hoher kreativer Intelligenz werden häufig als Störenfriede bezeichnet. Ein Steve Jobs vertraut aber eben nicht (allein) der Marktforschung, die alles so will, wie die Masse es will. Ein Visionär vertraut seiner Intution und einem eigenen stimmigen Gefühl. Es muss sich „rund anfühlen„. Dabei kann dann der eigene Anspruch an Perfektionismus andere Menschen zur Verzweiflung bringen. Gerade weil häufig dieses Bauchgefühl von „Stimmigkeit“ eben nicht adäquat in Worte zu bringen ist. Man aber eben mit diesem intuitiven Wissen mit einer zweitbesten Lösung nicht einverstanden sein kann.

Steve Jobs muss ein ziemlich fürchterlicher Tyrann zu einigen Untergebenen gewesen sein. Kein leichter Mensch, wenn es anders als von ihm gewollt lief. Seine Fähigkeit zu Visionen steht der Unfähigkeit des Perspektivenwechsels entgegen. Ein ADHSler wird eben nicht immer erkennen bzw. entsprechend fühlen, was seine harsche Kritik oder aber sein Vorauseilen in Gedanken und Projekten für die nachhinkenden Stinos bedeutet.

Aber Jobs hat versucht, eine Vision zu vermitteln. Suche Dir eine Aufgabe, für die du wirklich brennst. Die dich ausmacht, die du ausfüllen kannst. Die dich und andere begeistert. Nach meiner Auffassung hat jeder ADHSler solche (häufig) verstärkten Ressourcen. Manchmal zu viele, um sich festzulegen (was gerade im Übergang zum Erwachsenenalter mit der Einschränkung auf EINEN Ausbildungsweg ein Problem darstellen kann). Manchmal ist man zu weit voraus, um verstanden zu werden. Oder zu weit zurück in seinen sozialen Kompetenzen, um gruppenfähig zu bleiben.

ADHS ist ein Risikofaktor für Erfolg. 1/3 der Unternehmer und Multimillionäre haben ADHS. Und vermutlich hätten wir keins der derzeitigen Computerbetriebssysteme und viele andere Entdeckungen und kreative Entwicklungen ohne diese Unternehmertypen mit ADHS.
Häufig kennzeichnen Umwege und Abbrüche den Weg zum Erfolg.

Aber wenn ein ADHSler von einem Ziel Witterung aufgenommen hat und dafür begeistert ist, kann nichts und niemand ihn oder sie aufhalten. Noch nicht einmal die Schule.

Danke Steve Jobs und wo sind die nächsten Visionäre, die jetzt mein Iphone und Ipad zum nächsten Level bringen und diese Gadgets überflüssig bzw. noch besser machen? Ich bin sicher, es werden ADHSler sein 🙂