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Emoflex: Norden und Süden

In den vergangenen Tagen habe ich auf der Tokol-Familienfreizeit viel mit Emoflex gearbeitet. Sowohl bei Kindern mit ADHS wie auch bei ihren Eltern.

Das Visualisieren von Emotionen bzw. Problemen über innere Bilder und die Verarbeitung über Rechts-Links-Stimulation in Form von Augenbewegungen, Tappen (Klopfen) oder bilaterale Geräusche ist ein wirklich erstaunlich einfacher Zugang für viele ADHSler, die ja in Bildern fühlen. Sprache ist da als Kommunikationsmedium häufig „vorbelastet“, da man ja so häufig schon Dinge wie „man sollte“, „erledige bitte“ etc. gehört hat. Gerade Jugendlichen fällt es dann wesentlich leichter, sich über Bilder „zu unterhalten“.

Wir haben so häufiger einen Gefühlsplaneten erarbeitet. Dabei werden im Norden quasi die Zielzustände einer funktionierenden und stressfreien Wahrnehmung gesammelt. Und dann von DORT aus ein Blick zurück zu den Problemen (Süden?) bzw. beeinflussenden Faktoren und anderen Personen gemacht.

Das ist nicht nur als Visualisierung schön. Die Planeten liessen sich über die Rechts-Links-Stimulation wunderbar verändern bzw. neue Wege entwickeln 🙂

Ein Therapieweg ist dann die Verbindung von Norden nach Süden (wobei man üblicherweise eben vom Problem zur Lösung schaut). Aber der Weg an sich ist ja gleich, oder ?

In den nächsten Tagen wird Johannes Drischel als Entwickler von Emoflex Einführungstage sowohl im Norden (in Hamburg am 14.4 bis dann für Autisten am 28.4.) bzw. Süden (Freiburg am 21.4) machen. Schaut mal hier.

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Innensichten und Landkarten

Anmerkung: Der folgende Artikel könnte als Loblied auf NLP fehlverstanden werden. Es wird u.a. auch um „Werkzeuge“ gehen, die man man vielleicht aus NLP kennt. Aber ich glaube, dass auch Analytiker sich da so ihre eigenen Gedanken machen würden und im Verlauf einer Analyse zu ganz ähnlichen Facetten kommen könnten. Die Entstehungsgeschichte ist aber etwas anders und aus der Psychotherapie mit einer Klientin entstanden, die nun mal kein ADHS hat. Ich arbeite gerne mit inneren Bildern und lasse meine Klientinnen in der Therapie bildliche Assoziationen für ihre Symptomatik oder Gefühlslandkarten finden. Häufig gleich zu Beginn einer Therapie und in aller Regel so, dass ich keinerlei Vorgaben gebe, sondern auf Aussagen bzw. Metaphern so eingehe, dass ich sie sehr bildlich nehme. Zum Vorgehen (Emoflex…) empfehle ich erneut den Artikel „Fühlen in Bildern„.

Häufig kommen Klientinnen zu mir, die zunächst grosse Schwierigkeiten haben, Gefühle in Worte zu fassen, dafür aber sehr gut in Bildern denken bzw. fühlen können.
Dies war auch bei Mia der Fall (Name geändert), die ihre Gefühlslage („zerrissen“) mit einer Zeitung verglich, die Risse wie durch Katzenkrallen hat.

Ich habe sie diese Zeitung visualisieren lassen und dann nachgefragt, ob es weitere Ausgaben dieser Zeitung gäbe. Also eine Art „Archiv“ aller Zeitungsausgaben ihres Lebens (und quasi Vorlagen für die noch folgenden Ausgaben der Zukunft). Dies konnte sie sich sehr gut als Bild  vorstellen. Damit haben wir eine Technik aus dem NLP und anderen Therapierichtungen installiert, die man auch Timeline nennt. Derzeit ist ja Timeline u.a. durch Facebook bekannt geworden. Letztlich geht es um die Visualisierung von emotionalen Lebensereignissen in Form einer Linie. Wobei ich da keinerlei Vorgaben mache. Toll an diesem Werkzeug ist aber, dass man eben häufig an Erlebnisse kommt, die weit vor sprachgebundenen Erlebnissen liegen. Und man so an die frühkindlichen Erfahrungen und auch Wechselwirkungen im Familiensystem kommt (wenn man eben auch eine Überlagerung bzw. Wechselwirkugen mit den anderen Mitgliedern der Familie berücksichtigt).

Bei Mia tauchten die ersten Risse mit 11 oder 12 Jahren auf. Hier findet sich der biographischen Anamnese ein Bruch durch Umzug in eine andere Stadt. Interessant ist, dass nun fast sämtliche weiteren Zeitungen an der gleichen Stelle des Zeitungspapiers ähnliche „Risse“ aufwiesen. Bei genauerer Analyse der Bilder fielen ihr aber auch frühere kleinere Veränderungen auf, die aber eben noch nicht so ins Auge fielen. Dann mit 16 ein Zeitungsexemplar, das total zerstört bzw. schwarz und verklebt war (hier findet sich ein grenzüberschreitendes traumatisches Erlebnis). Interessant an der Timeline sind die Lücken bzw. eben auch scheinbar „unsichtbare“ Veränderungen. Es würde hier zu weit führen, zu erklären wie das in dieser „Bildersprache“ dann ausssieht bzw. natürlich auf die Notwendigkeit und Technik einzugehen, wie man die Risse „klebt“.

Ich könnte jetzt noch viel über die Bedingungen in der Ursprungsfamilie erzählen, die viele vermutlich als Idealfamilie beschreiben würden, andere vielleicht als Überbehütung. Darum soll es mir jetzt aber nicht gehen, wurde aber in Familiengesprächen thematisiert und wird auch weiter Bestandteil der Therapie und einer Elternintensivetherapiewoche sein.

In der vergangenen Woche haben wir jetzt Ressourcen gesucht. Sie beschrieb dabei völlig spontan ein positives Gefühl von „Klarheit“, das schon fast wie eine Sucht ist, wenn man es einmal erleben durfte. Wie ein klarer Tropfen reinstes Wasser aus einem Quell. Das man nicht verdrecken dürfe.

Sie habe (unbewusst) eine Spaltung von diesem Gefühl der Klarheit und Reinheit zu „Ausscheidungen“ vorgenommen. Dies beziehe sich auch auf das Essverhalten, in dem sie gute und eben dreckige bzw. ungesunde Lebensmittel kenne. Dies äußert sich dann auf der Symptomebene in Form von einem unangenehmen Gefühl bzw. „Blähungen“ im Bauch, die sie durch eine Kontrolle von Stuhlgang zu manipulieren versuche bzw. zu einer atypischen (anorektischen) Essstörung führte. .

Nun kam sie in der Gruppentherapie auf das folgende Bild, das ich sehr schön finde. Nicht nur für Mia, sondern für Therapie an sich.

Sie beschrieb einen Fluss, der von ihrer Quelle aus fliesst. Es geht zunächst darum, eine Verschmutzung zu verhindern.

Aus einer unendlichen Kette von Müllwagen wird aber immer wieder Dreck in den Fluss gekippt. Was sie nicht will. Dieser Müll führt dazu, dass das Wasser stinkt und verdreckt, jede Menge Unrat ist im Fluss. Meistens nicht ihr Müll, da sie sehr viel (sensibel bis hochsensibel) aufnimmt und annimmt. Am Rand des Flusses sitzt ein Angler, der dann Schuhe oder sonstigen Müll rausangelt – und wieder ins Wasser wirft (sie meinte, dass wäre ein früherer Psychologe, aber das sei jetzt mal offen gelassen).

Am Fuße des Flusses ist eine Art Stauanlage, aus der dann nur noch wenig Wasser weiterfliesst.
Hier ist eine Aufstauung der Dreckbrühe zu sehen. (Nach einigen Rechts-Links-Stimulationen über Klopfen auf die Oberschenkel verändert sich das Bild). Die Patientin beschreibt jetzt, dass fleissige Biber Holz und Dreck aus dem angestauten Fluss holen und sich daraus eine unwirklich aussehende Biberburg bauen.

Es sind 15 Biber. Die sich unterschiedlich verhalten bzw. unterschiedliche Gefühle zur Situation haben. Sie sind wütend, hilflos, traurig etc.
Eigentlich möchten sie an die Ursache der Müllverschmutzung, sind aber ja ständig damit beschäftigt, dass der Müll am Stausee nicht überhand nimmt. Und werden immer erschöpfter und wütender. Blöd, dass sie nicht so wirklich frei bzw. koordiniert handeln können, oder ? Teilweise auch destruktiv, aber eben kaum mit der notwendigen Zeit und Kraft, mal einen Gesamtüberblick bzw. Halt zu finden.

Nun ist es wichtig, dass es sich ja um ein immer und immer wiederkehrendes Ereignis handelt. Also eben die Timeline wieder ins Spiel kommen muss bzw. parallel dazu angeschaut werden sollte. Sinnbildlich also : Was würde in den Zeitungen jeweils zu dem Fluss bzw. der Umweltverschmutzung stehen, wie würde auf dieser Landkarte der Emotionen rechts und links vom Ufer die Umwelt darauf reagieren ? Welche klimatischen Bedingungen (Wetter) herrscht jeweils an den verschiedenen Stellen und Zeiten ?
Dieses Bild ist also sowohl in sich wie auch zeitlich gesehen veränderlich. Oder eben auch nicht, so dass immer und immer wieder die gleichen zeitlich in der Kindheit anzusiedelnden Schleifen ablaufen. Was die eigentliche Belastung ausmacht, weil es so unkontrollierbar geschieht.

Therapie muss hier also sowohl die aktuelle Situation wie auch die Ursachen bzw. Vergangenheit berücksichtigen und systemische Aspekte der Umweltverschmutzung nicht vergessen.

Nun haben wir uns nochmal ihre Zeitungen bzw. das Zeitungsarchiv angesehen. Auffällig ist, dass ihre innere Gliederung der Zeitungen anders als bei „Stinos“ ist. Der „Gesundheitsteil“ bzw. Nachrichten zu Essen und Verdauung haben hier höchste Priorität bzw. sind sehr weit vorn angesiedelt (bei einem Betriebssystem würde ich schreiben : Auf Bios-Ebene). Überhaupt hat die Zeitung eben übermässig viel mit Essen und Gesundheit und wenig mit anderen Lebensaspekten zu tun.

Es ist schon auffällig, dass eine „Störung“ sich eben in der Einseitigkeit der Themen auszeichnet. Eine Schmerzstörung würde also lauter Zeitungen voller Schmerzthemen haben, ein Journal über Anorexie eben einseitig Lebensmittel, die fälschlich mit Emotionen aussoziiert sind.
Wie zeichnet sich nun eine „frühstrukturelle“ Störung aus ? Das Gliederungssystem der Zeitung ist fehlerhaft bzw. fehlt oder ist symbiotisch geprägt. Hier kann man schon häufig sehen, dass die Auslöser sehr früh liegen. D.h. einfach gar keine klare Ordnung der Zeitung vorliegt, man sich also quasi in sich selbst nicht mehr zurechtfinden kann.

Und ja, es muss natürlich nicht immer ADHS sein ! Aber ADHS erhöht die Wahrscheinlichkeit dafür, dass sich die inneren Strukturen eben anders bzw. weniger stabil entwickeln und einfach mehr Stress bzw. emotionale Eindrücke bei dünnen Reizfiltern bestehen.

Ich vergleiche das gerne mit Ablegern von Lokalzeitungen. Die übernehmen halt das Grundgerüst der „Mutter-und-Väter“-Ausgaben. Aber haben eben auch eigene Inhalte. Wenn die Gliederung der „Elternausgaben“ schon schwammig sind, wird es natürlich schwierig, eine eigene Struktur zu halten bzw. sich aufzubauen. Bei Essstörungen fällt beispielsweise auf, dass die Klienten häufig eine 1:1 Kopie der Mutter versuchen bzw. sich überhaupt nicht individuell entwickeln können. Dann wird irgendwann das Thema Essen zum Ersatz für die Entwicklung eines eigenen Gliederungssystem.
Wenn also der „Mutterkonzern“ nicht stabil und gesund ist, wird es der Tochterausgabe ungleich schwerer fallen mit Belastungen und Stressoren umzugehen. Eine Anorexie ist ein an sich „pfiffiger“ Versuch ein Ordnungssystem zu entwickeln. Klare Regeln, klare Strukturen. Aber eben total unflexibel. Ähnlich eine Zwangsstörung oder andere „Störungen“. Störungen sind demnach auch Lösungen für eine innere Unruhe bzw. Strukturlosigkeit.

Hier spielt also die „Landkarte“ der Eltern eine grosse Rolle. Das ist ein Grund, warum man Familientherapie macht. Aber auch, eben neurobiologische = vererbte Aspekte zu berücksichtigen. Die Landkarten der Kinder sind also quasi aus Formatvorlagen der Eltern und anderer Bezugspersonen entstanden. Gleiche „Struktur“, aber eigener Inhalt.

ADHSler sind „Universaldilettanten“. Sie haben nicht eine innere Landkarte, sondern eben zu viele und keinen funktionierenden Kompass, so dass sie dann quasi nach dem Zufallsprinzip bzw. der emotionalen Voraktivierung unter Stress bestimmte Muster impulsiv anwenden. Einige häufiger, andere eben selten oder nie. Und bei Ruhe bzw. guten äußeren Strukturvorgaben weit besser als bei emotionalen (heissen) Situationen. Sie lernen auch nicht so gut aus Erfahrungen und Fehlern, d.h. ihre inneren Zeitungen wären total ungeordnet und ein Zugriff auf Alterfahrungen ist kaum möglich, da das Archiv lückenhaft wie die Heftführung vieler Azubis mit ADHS ist. Und das Suchen bzw. die Neuorientierung dann lange dauern kann oder immer und immer wieder zu den gleichen Verhaltensmustern führt.

Bei ADHS-Klienten fällt häufig auf, dass eben die Timeline häufig keine chronologische Ordnung hat und bei Stresserlebnissen eben sowohl alte wie auch aktuelle Emotionen zu einem Überfluten führen. Das kann natürlich auch ohne ADHS passieren. Aber die Reizfilterschwäche bzw. auch die Anhäufung von emotionalen Problemen in der Kindheit sind eben auch Ursachen dafür, dass gehäuft Probleme entstehen.

Es gibt nun genug Belege dafür, dass die Wahrnehmung und Informationsverarbeitung bei ADHSlern anders als bei den Stinos läuft. So wie eben auch die Bildzeitung anders aussieht als eine Frankfurter Allgemeine. Wenn man aber die falschen Erwartungen an die innere Struktur hat, wird man sich auch mit dem Inhalt kaum anfreunden können.

In guten ADHS-Büchern würde man zunächst also auf die neurobiologischen Grundlagen von ADHS bzw. den Wahrnehmungs- und Informationsbesonderheiten eingehen. Auf Kommunikationsmuster bzw. eben Ursachen und Umgang mit Stress. Diese „Andersartigkeit“ entschuldigt nicht, dass es Probleme gibt. Aber es ist eben doch ein Unterschied, ob man nun nach frühkindlichen Konflikten bzw. Überversorgung / Vernachlässigung sucht. Und es ist für die Behandlung auch essentiell, dies zu unterscheiden.

Über die Timeline bzw. inneren Landkarten kann man das durchaus differenzieren.

Voraussetzung : Wenn nun der Therapeut seine eigene Landkarte zum Maßstab von „Gesundheit“ macht, kann es zu Problemen kommen. ADHSler stossen Fremdkörper ab. Analytiker wiederum halten sich für die einzig „neutralen“ Menschen des Planeten. Also eben als der Nullmeridian der Gefühlswelt. Worüber man sehr geteilter Meinung sein kann. Das artikulieren dann einige ADHSler, was dann vom Therapeuten als Widerstand gedeutet wird 🙂

Entweder man geht also täglich zum Analytiker und eicht sich an seinem Wertesystem und lässt sich einnorden. Oder aber man lernt, sich in seiner Emotionslandkarte zu orientieren. Ersatzweise auch kombiniert.

MPH hilft eine Positionsbestimmung vorzunehmen. Es verändert aber nicht die Karten und Erfahrungen.

Psychotherapie bei ADHS oder Windows gegen MacOS

Ehrlich gesagt oder geschrieben: Ich bin in einer etwas merkwürdigen Situation. Eigentlich bin ich Psychotherapeut mit Herz und Seele. Schliesslich bin ich vor Jahren aus der Apparatemedizin der Inneren Medizin deshalb in die Psychosomatik gewechselt, weil ich über Worte mehr zu erreichen dachte, als über das Rezeptieren von Tabletten oder Anordnen von Apparateuntersuchungen.

In Sachen Psychotherapie der ADHS tauchen bei mir aber innere Blockaden auf. Einmal erscheint es mir schon an sich irrsinnig, ADHS psychotherapeutisch zu therapieren zu wollen. Einfach, weil es sich um eine neurobiologische Diathese handelt. Das ist doch so ähnlich wie wenn man eine sexuelle Veranlagung wie Homosexualität „wegtherapieren“ wollte. Die Veranlagung ADHS wird nicht „behandelbar“ sein.

Man kann und muss lernen, damit zu leben. Das wäre dann Störungsbildteaching oder Psychoedukation und vielleicht Coaching (was aber definitionsgemäss eben keine Therapie ist). Was man beeinflussen kann und vielleicht muss, sind die lebenslangen FOLGEN eines Lebens GEGEN die ADHS-Konstituion bzw. Komorbiditäten.

Ein wenig ist aber ADHS auch wie ein von der Erwartungsnorm abweichendes Betriebssystem zu verstehen. Sagen wir mal wie damals Windows gegen MacOS von Apple.

Wenn man nun ein Betriebssystem auf der Festplatte seines Gehirns aufgespielt hat, dass von der Mehrheitsnorm abweicht, kann das Störungen verursachen. Nämlich dann, wenn man darauf Windows-Programme abspielen muss / will. Nun ist unsere Umwelt meist auf die Erwartungshaltung der Mehrheit OHNE ADHS-Konstitution ausgerichtet. Diese Spielregeln gelten halt. Dabei wären aus meiner Sicht die Spielregeln des ADHS-Gehirns durchaus „windowskompatibel“. Schüler mit einer Windowskonfiguration könnten sehr wohl von Unterricht für ADHSler (hier MacOs) profitieren. Umgekehrt aber leider nicht.

Nun versuchen sich also Psychotherapeuten mit den Regeln der Windows-Normwelt an Kindern mit einer MacOS / ADHS-Konfiguration. Sie versuchen dieses Kids massenkompatibel zu machen. Und verursachen dabei nur noch mehr Programmabstürze und Hilflosigkeitserfahrungen.

Meine Erfahrung mit ADHS-Therapie ist, dass ADHSler schon sehr genau wissen, was mit ihnen los ist. Es aber selten Psychologen erklären könnten. Einfach, weil die es nicht verstehen. Sie stellen Erwartungen aus ihren Lehrbüchern an die Gehirne der ADHSler, die einfach nicht passen. Falsches Betriebssystem. Wenn sich dann die Betroffenen aus der Therapie verabschieden, werten es einige Therapeuten als Erfolg. Dabei ist es nur Klugheit der ADHSler, sich nicht länger von Therapeuten die Zeit stehlen zu lassen.

Übrigens glaube ich, dass die Psychoanalyse weit näher an der ADHS-Mentalität dran ist als die von mir eigentlich bevorzugte Verhaltenstherapie. ADHSler fühlen und denken in Bildern. Häufig erfassen innere Metaphern und Bilder von ADHSlern Konflikte bzw. innere Blockaden weit besser als es eine abstrakte Verhaltensanalyse könnte. In Vorträgen polarisiere ich ja gerne: Ich glaube einfach nicht, dass Verhaltenstherapie bei ADHS wirken kann. Man kann ADHSler vielleicht „dressieren“, sich über Lob und Bestrafung Psychologen gefügig zu zeigen. Meist wird dies aber nicht in den Alltag transferierbar sein. Was transferiert werden kann, sind meistens eher Coaching-Tips zur Selbstorganisation.

Ein anderes Thema wären wie gesagt die lebenslangen Folgen von ADHS. Das sind wie Dateifragmente oder offene Fenster eines PC, die sich anhäufen und das Gehirn „zumüllen“. Die kann aber weder die Verhaltenstherapie noch die Psychoanalyse wirklich beseitigen. Dafür ist dann EMOFLEX weit besser geeignet. Das Fühlen in Bildern und eine Verarbeitung von emotionalen Blockaden und Traumata ist einfach über Methoden der Traumatherapie weit einfacher und effizienter möglich als mit „Gequatsche“ mit dem Psychologen. (Sorry Kollegen…)

Pro und Contra: Entscheidungen treffen bei ADHS

Mit einiger Freude erinnere ich mich an Treffen im Anschluss an die mehr oder weniger legendären Frankfurter ADHS-Symposien vor mehreren Jahren organisiert von Dagmar Dietz von der Frankfurter Selbsthilfegruppe. Anschliessend trafen wir uns zu einem Essen bei einem sichtbar mit uns überforderten Kellner. 20 und mehr ADHS-Erwachsene, die sich beim Essen nicht entscheiden konnten. Wenn die Auswahl gleich attraktiv ist, gelingt es dem ADHS-Gehirn selten, eine Prioritätenliste bzw. rationales UND emotionales Abwägen vorzunehmen. Es wird dann
a) das gewählt, was man immer nimmt
b) eine feste „Zahl“ auf der Karte (sagen wir mal die 28 für Ente süss-sauer, die aber eben beim Inder dann möglicherweise einen Schnaps oder aber auch eine Nachspeise bedeuten könnte)
c) Prinzip Adlerauge : Auge zu und irgendwo hintippen
d) Würfeln oder Münze werfen 🙂

Bei mir ist es meistens so, dass ich mich zwischen 5 Gerichten nicht entscheiden kann und dann wenn der Kellner kommt, impulsiv eine 6. Auswahl treffe (und dabei bleiben) muss.

Noch schlimmer ist es dann, wenn man noch mehr Auswahl hat. Für mich typisch beispielsweise die Situation vor einigen Jahren im Supermarkt, als ich Klopapier einkaufen sollte. 3 oder 4-lagig, rot , blau oder weiss, geblümt oder sonstwie ????? Lebenswichtige Entscheidungen, die dann noch den Preisvorteil bei Grosspackungen gegen das „Risiko“ einer falschen Entscheidung berücksichtigen müssten. Verdammt, warum kann ich mir nicht merken, was wir „immer“ kaufen ?
Da stehe ich dann vor dem Regal und ärgere mich, dass ich mich nicht entscheiden kann. Weil ich da so blöd stehe, gehe ich erstmal weg und kaufe andere Dinge. Natürlich vergesse ich darüber, dass ich auch Klopapier ….

Nun ja, es gibt ja auch wesentlichere Entscheidungen, die ein Für und Wider im Sinne Pro oder Kontra für eine Entscheidungsmöglichkeit haben. Dazu empfehlen Coaches und Verhaltenstherapeuten Pro und Kontra-Listen. Eine schöne Internetantwendung könnte man hier ausprobieren. Eine Pro- und Contra-Liste mit Berücksichtigung der rationalen und emotionalen Bewertung .

Wenn das nicht klappt, bleibt noch Emoflex. Dabei wird die emotionale Bewertung in ein Bild übersetzt. Bleiben wir mal bei der weltbewegenden Entscheidung, ob ich lieber eine Jeans oder Stoffhose morgen zur Arbeit anziehen soll (Frauen wissen sicher noch andere Entscheidungsprobleme). Ich übersetze dann das Gefühl in ein abstraktes Bild. Ich ordne also dem Gefühl Pro Jeans eine Farbe zu : Sagen wir mal grün für die Freiheit. Eine Form : Rund , ein Gewicht : Leicht , eine Materialeigenschaft : weich etc.

Dagegen die Stoffhose : Farbe blau, Form Würfel, Gewicht : mittelschwer … Material : etwas härter

O.K. : Dann diese beiden Emotionsformen nebeneinander vorstellen. Jetzt mal 10 Augenbewegungen von rechts nach links machen. O.K. : Ich habe eine Entscheidung…. Mehr dazu unter Emoflex