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Sonderpädagogischer Förderbedarf bei Politikern

Manchmal denke ich, dass unsere Politiker echt Nachhilfe brauchen. Heute wurde mein ehemaliger niedersächsischer Kultusminister arbeitslos. Er hat seine Dissertation auch abgekupfert, durfte aber seinen Doktortitel behalten. Ist aber abgewählt worden. Frau Schawan musste gehen, weil sie abgekupfert hatte. Und wir Steuerzahler fördern ihre Übergangsbezüge. Auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt wäre die Frau ohne akademischem Abschluss schwer vermittelbar. Aber sie wird ja gefördert. Von uns.

Da geht mir irgendwie die Nachricht vom Hamburger Schulsenator Rabe zum Anstieg der Zahlen von Sonderpädagogischem Förderbedarf nicht aus dem Kopf. Wahrscheinlich, weil ich heute für meinen Sohn die Verlängerung für die Schulbegleitung beantragen musste.

Herr Rabe stört sich daran, dass es jetzt mehr Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf gibt. Für jedes Kind, das aus der früheren Sonderschule abgemeldet werde, gäbe es nicht 1 sondern 3 Kinder, die jetzt Inklusion in den allgemeinbildenden Schulen brauchen.

Rabe zweifelt jetzt die Diagnostik an. Ist ja auch einfacher, als sich an die eigene Nase zu fassen und mal zu fragen: Was brauchen die Kinder und ihre Familien?

Ach ja, für den verkorksten Haushalt in Hamburg ist ein früherer Klassenkamerad von mir zuständig. Seine Frau ist gerade nicht Justizministerin in Niedersachsen geworden. Beide haben ein fünfstelliges Gehalt (jeder) mit Zulagen und Absicherung als Politische Beamte. Ich gönne es ihnen. Aber ich finde, genauso müssten eben auch unsere Kinder eine faire Chance haben, dass sie gefördert werden, wie wir eben auch Banken oder Politiker miternähren oder wieder aufpäppeln sollen.

Natürlich macht es einen Unterschied, ob ein Kind nun auf die Sonderschule geschickt werden  oder aber in die Schule integriert werden soll. Und natürlich kostet das Geld. Und natürlich fallen dadurch mehr Kinder auf, die Förderbedarf haben. Weil beispielsweise dann auch eine Förderschullehrerin in die Integrationsklasse kommt. Zufällig erfährt man dann beispielsweise, dass in der gleichen Klasse ein Mädchen sitzt, welches nicht spricht. Könnte elektiver Mutismus sein. Sie ist bisher kein Förderkind, wird aber von der Schulbegleitung meines Sohns mitgefördert. Quasi „umsonst“.

In skandinavischen Ländern wären solche Schulpolitiker wie Rabe wohl undenkbar. Man würde sich fragen, welches Menschenbild sie vertreten, wenn es mehr um den Haushalt statt um die individuelle Förderung der Kinder geht.

Kein Rezept: Kassenmedizin beim Kinderarzt

Heute wollte bzw. musste ich nach getaner Arbeit in der Klinik ein Rezept für Logopädie von der Kinderärztin Frau U.P. aus meinem Arbeitsort abholen. Soweit, so gut. Mein kleinerer Sohn ist im Heilpädagogischen Kindergarten und steht vor der Einschulung. Die Entwicklungsverzögerung und Bedarf für Logopädie wurde gerade erst im Juli beim Kinderneurologen und aktuell bei der Schuluntersuchung bzw. Begutachtung für Sonderpädagogischen Förderbedarf nochmal bestätigt und sogar eigentlich eine Kur zusätzlich empfohlen.

Seit 17.20 ist mein Blutdruck nahe an der Maximalbelastungsgrenze. Ich fahre da eh schon ungern hin, weil sie auch Ergotherapie nicht verordnen will. Nun gut. Ich bin auch kein Freund von Dauerverordnungen. Aber im Heilpädagogischen Kindergarten wird eben so ohne Rezept auch keine Ergo angeboten. Und bei seiner Dyspraxie bzw. motorischen und sensorischen Entwicklungsstörunge wäre zumindest 1 Rezept (in Worten EINS) durch eine Kinderärztin kein Luxus. Dachte ich. Sie sieht es anders.

Nun zickt sie auch bei der Logopädie. Mein Sohn ist gerade 7 und weist erhebliche Sprachentwicklungsstörungen auf. Aber da er jetzt 50 Termine hatte, hält sie eine Pause bis April bzw. eine Überprüfung bei ihr am 14.4. für erforderlich. Mein Puls und Blutdruck war hart an der Maximalbelastungsgrenze. Unser Sohn soll im September eingeschult werden, da ist jeder Logopädietermin für uns bzw. ihn wichtig.

Kann ein Arzt eigentlich nachempfinden, wie man sich als Eltern fühlt wenn man um ein Rezept betteln muss? Ich habe im Vorfeld erfahren, dass eben keine Regressforderungen gegen sie gestellt werden bzw. die Kasse (Barmer) auch bei mehr Verordnungen (über 60) keine Probleme macht, wenn dies vom Logopäden begründet ist. Aber ich werde von Sprechstundengehilfinnen abgewimmelt. Ich verlange ja keine Extrabehandlung, weil ich selber Arzt bin. Aber ich verlange, dass ich bzw. mein Sohn anständig behandelt wird.

Wir sind dann zu unserem Hausarzt gefahren und dort von einer neuen Kollegin noch heute beraten worden. Sicher half es, dass sie bei der Kollegin P. mit ihrem Kind ganz ähnliche Erfahrungen machen musste. Wir haben also ein Logopädie- und ein Ergotherapierezept.

Aber mein Blutdruck sinkt nur langsam. Ich bin einfach traurig, so von Ärzten behandelt zu werden. Ich möchte es mir nicht gefallen lassen müssen, so abgefertigt zu werden. So um Versorgung und Hilfe flehen zu müssen und immer wieder zu hören, dass das „Budget“ ausgeschöpft sei. Was in diesem Fall definitiv nicht stimmt. Wenn eine Kinderärztin sich mit kranken Kindern nicht beschäftigen will, so sollte sie es an die Praxistür schreiben. Noch besser: ihre Kassenzulassung zurückgeben.

Wenn man immer wieder von Förderung von Kindern mit ADHS bzw. Teilleistungs- und Wahrnehmungsstörungen spricht, so sollte man sich auch mal mit der Versorgungsrealität beschäftigen.

Ich werde mich bei der Kassenärztlichen Vereinigung beschweren. Vermutlich wird sich da wenig tun. Weil eben die Eltern mit den Füssen abstimmen und zu einer anderen Kinderärztin wechseln (bis dann da die Praxis überfüllt ist). Frau P. wird also ihr Ziel erreichen, dass sie nur noch „gesunde“ Patienten behandelt.

Fürchterlich. Und dafür zahle ich noch Krankenkassenbeitrag für meinen Sohn als freiwillig Versicherter.

Integration von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf

Mein jüngster Sohn  ist derzeit im sonderpädagogischen Kindergarten. Er wurde ein Jahr zurückgestellt, jetzt würde die Einschulung anstehen. Soweit, so gut. Auf Empfehlung der Mitarbeiter der Lebenshilfe haben wir nach einem guten Aufklärungsvortrag und einem persönlichen Gespräch einen Antrag auf eine Integrationsklasse an unserer örtlichen Grundschule gestellt. Und zwar am 27.11.2011. Frist wäre der 1.12.2011 gewesen. Was wir wussten, was wir eingehalten haben. Den Antrag auf sonderpädagogischen Förderbedarf stellt man wohl anschliessend, wenn die geeignete Maßnahme feststeht. So haben wir auch über eine Schulbegleitung nachgedacht (wofür aber nicht die Schule, sondern wohl das Sozialamt zuständig wäre).

Am 16.1. hatten wir Gespräch bei der Schulleiterin. So nett sie auch ist, so wenig Erfahrungen liegen vor. Das bezieht sich auf die Sollstärke von Grundschulklassen und überhaupt das Vorgehen. So erhielten wir am Folgetag einen Anruf von der Sekretärin, dass wir den Antrag bei der Gemeinde stellen müssten. Was falsch ist. Dann hatte die Schule noch Unterlagen angefordert, was richtig ist. Mit diesen Unterlagen hat sie dann beim Sozialpädagogischen Kiga angerufen. Wo der Eindruck entstand, dass WIR den Antrag erst jetzt (verspätet gestellt hätten). Das wurde dann korrigiert, aber die Aufregung war da. Angeblich hätte die Schule bereits am 1.12. die Integrationsklasse bei der Schulbehörde beantragen müssen. Ich glaube nicht, dass diese Frist stimmt. Glauben ist aber nicht wissen. Und es ist ja letztlich nicht mein Problem, wenn ein fristgerechter Antrag vom 27.11. bis 9.1. auf einem Schreibtisch Staub ansetzt.

Meine Güte. Ich habe jetzt versucht, überhaupt mal Informationen über diesen ganzen Wirrwarr zu finden. Da gibt es dann tolle Projekte, die aber offenbar nicht weiter gefördert wurden. Und es fehlt ein Ansprechpartner, der sich auskennt.

Wenn schon die Schule die eigenen Verwaltungsrichtlinien nicht kennt, wie sollen dann Eltern sich in diesem Dschungel auskennen? Je länger ich suche, desto weniger finde ich Klarheit. Es ist so ähnlich wie mit der Idee von Doppelkennzeichen für Autos. In Deutschland werden Ideen durch Verwaltungsregelungen und fehlender Zuständigkeit bzw. unterschiedlichen Vorgaben in einzelnen Bundesländern, einzelnen Regionen bzw. sogar in den einzelnen Schulen zur Undurchführbarkeit gebracht. Es mag ja einfach gedacht sein, aber für Eltern ist das Vorgehen nicht transparent. Es ist offenbar schon für viele Schulen nicht durchschaubar, was sie wann, wie machen müssen.

Typisch bei uns war aber, dass erstmal automatisch die Schuldvermutung bei den Eltern bleibt. Bei ADHS-Eltern wird das aber doch automatisch einen innere Unruhe / Konfusion bzw. einen Ärgerzustand erzeugen (müssen), in dem sie dann eben nicht mehr sachlich vorgehen, sondern Fehler machen. Sich im Ton vergreifen und schlicht den Überblick verlieren.